NRW-SPD will Qualität des Lokaljournalismus fördern – „Keine direkte Förderung“

von am 27.06.2012 in Archiv, Gastbeiträge, Interviews, Medienförderung, Verlage

NRW-SPD will Qualität des Lokaljournalismus fördern – „Keine direkte Förderung“
Alexander Vogt (SPD), medienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in NRW

Interview mit Alexander Vogt (SPD), medienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in NRW

Die SPD-Fraktion im NRW Landtag hatte sich in der vergangenen Legislaturperiode intensiv mit dem Zeitungsmarkt befasst. Die Antworten auf eine große Anfrage zeigten, dass junge Menschen weniger gedruckte Zeitungen lesen, jedoch verstärkt die Online-Portale der Zeitungen nutzen. Das führt dazu, dass Zeitungsportale zu den am stärksten genutzten Online-Angeboten in Deutschland zählen. Fast 70 Prozent der Tageszeitungen haben inzwischen mehr als eine Fanpage bei Facebook.

Herr Vogt, warum haben Sie sich mit dem Zeitungsmarkt in NRW so intensiv beschäftigt?

Alexander Vogt: Grundsätzlich beschäftigen wir uns mit Zeitungen, weil sie ein wichtiger Teil der Willensbildung und der Demokratie sind. Zeitungen haben ein hohes Ansehen, wenn es darum geht, aktuelle und auch seriöse Informationen zu liefern. Wenn wir die regionalen und überregionalen Zeitungen sowie die Boulevardzeitungen auf NRW bezogen zusammenzählen, kommen wir auf eine Zahl von über vier Millionen Tageszeitungen. Die Anfrage machte klar, dass es immer noch eine vielfältige Zeitungslandschaft in NRW gibt. Natürlich sind manche Auflagen rückläufig. Aber die Zahl der Zeitungen und der Verlage ist relativ stabil geblieben. Zudem zeigen die Antworten der Landesregierung, dass bei jungen Leuten ein Trend existiert, Zeitungen eher online zu lesen beziehungsweise sie crossmedial zu nutzen.

Wie gut geht es den Zeitungen in NRW?

Alexander Vogt: Die Auflagen im Printbereich sind rückläufig, die Nutzerzahlen im Onlinebereich aber steigen. Im Endeffekt stellt sich jetzt die Frage, wie es den Verlagen gelingt, durch die Online-Leser Geld zu verdienen. Laut BDZV sind in den Jahren von 2009 zu 2010 die Gesamtumsätze der Verlage in Westdeutschland leicht um 0,64 Prozent gestiegen. Wegbrechende Anzeigenerlöse konnten durch Vertriebserlöse kompensiert werden.

Die Online-Umstellung ist mit hohen Kosten verbunden, worunter der Qualitätsjournalismus leiden könnte…

Alexander Vogt: Hochwertiger Journalismus ist sowohl für den Print- als auch für den Onlinebereich wichtig. Im Onlinebereich besteht eine viel größere Konkurrenz durch andere Informationsquellen. Wer sich dort durchsetzen will, der muss auch Qualität bieten. Qualität erfordert im Journalismus Unabhängigkeit, und Unabhängigkeit ist nur durch eine vernünftige Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erreichen.

Benötigen die Verlage für den Transformationsprozess eine finanzielle Förderung?

Alexander Vogt: Die Politik kann Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass junge Menschen an Zeitungen herangeführt werden. Ich denke da in NRW an Projekte im Bereich Medienkompetenz wie den Medienpass, bei dem schon in der Grundschule Zeitungen thematisiert werden. Des Weiteren denke ich an die Schulprojekte rund um das Thema Zeitungen, die zusammen mit den Verlegern und ihrem Verband durchgeführt werden. Außerdem wäre eine Förderung des Lokaljournalismus denkbar, zum Beispiel indem Weiterbildung unterstützt wird oder Recherchen ermöglicht werden, die die Qualität steigern und dadurch auch gegebenenfalls die Nachfrage erhöhen. Ich halte aber eine direkte, staatliche finanzielle Förderung nicht für zielführend. Diese würde die Unabhängigkeit der Zeitungen in Frage stellen.

Aber ein Förderprogramm, das mit der Filmförderung vergleichbar ist, sehen Sie nicht?

Alexander Vogt: Bei der Filmförderung läuft für einzelne Produkte eine Art Projektförderung ab. Diese ist so nicht auf die Förderung von Zeitungen zu übertragen. Unser Ziel ist, dass die Förderung des Lokaljournalismus in der neuen Legislaturperiode ein wichtiges medienpolitisches Thema in NRW sein muss. In welcher Form das geschehen wird, ist zu diskutieren.

Dieses Interview wurde in der promedia Special Medienforum NRW 2012 erstveröffentlicht.

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