Vodafone Deutschland hat in zehn Jahren rund 20 Milliarden Euro investiert – „Wir forschen bereits an der Zukunft von LTE“

von am 22.06.2012 in Archiv, Gastbeiträge, Infrastruktur, Interviews, Top Themen

Vodafone Deutschland hat in zehn Jahren rund 20 Milliarden Euro investiert –  „Wir forschen bereits an der Zukunft von LTE“
Dr. Axel Schulz, Director Acceptance & Innovation Services Vodafone Deutschland

Interview mit Dr. Axel Schulz, Director Acceptance & Innovation Services Vodafone Deutschland

Vodafon verfügt über zwei Hightech-Labore in Deutschland. In den Testzentren Düsseldorf und Eschborn werden nicht nur Endgeräte, Services und Systemtechnik vor ihrem kommerziellen Einsatz geprüft. In enger Zusammenarbeit mit Herstellern und Kunden entwickelt Vodafone hier auch neue Applikationen. Hierfür steht an beiden Standorten eine komplette ICT-Infrastruktur, die das Mobilfunk- und das Festnetz von Vodafone Deutschland abbildet.

Herr Schulz, wozu benötigt ein globales Unternehmen wie Vodafone eigene Hightech-Labore in Deutschland?

Dr. Axel Schulz: Damit Vodafone Kunden in bestmöglicher Qualität telefonieren, das Internet zu Hause und unterwegs in Höchstgeschwindigkeit nutzen, Text- und Bildnachrichten empfangen und versenden, Musik hören oder TV-Sendungen und Filme schauen können, wird im Vodafone Test & Innovation Center die komplexe Technik bestehend aus Hard und Software vor ihrem Einsatz auf Herz und Nieren getestet. Um zu gewährleisten, das alles wie selbstverständlich und reibungslos für unsere Kunden funktioniert, unternimmt Vodafone enorme Anstrengungen. Hunderte Kilometer Kabel, an die 20.000 Server und eine Leistung, die auch in einem Mobilfunknetz wie dem der Schweiz nötig wäre – zeichnen das Test & Innovation Center aus. So wird sichergestellt, dass komplexe Anwendungen für Kunden problemlos funktionieren und die Anwender nicht zu unfreiwilligen Testpersonen werden.

Was investiert Vodafone in Forschung und eigene Innovationen?

Dr. Axel Schulz: Vodafone Deutschland hat in den letzten zehn Jahren rund 20 Milliarden Euro in die Zukunft Deutschlands investiert. Dies beinhaltet Investitionen in Forschung und Entwicklung und in den Ausbau unserer Netze.

Welche Funktionen haben die beiden Innovation Center in Deutschland?

Dr. Axel Schulz: Das eigentliche Herzstück des Vodafone Test & Innovation Centers sind die beiden Testlabore. Auf insgesamt 9.000 Quadratmetern werden die neueste Kommunikationstechnik für Mobilfunk (in Düsseldorf) und Festnetz (in Eschborn) geprüft. Das Spektrum der Tests reicht von Endgeräten über Services und Systemtechnik bis hin zu neuen Anwendungen, die individuell für bestimmte Kunden entwickelt werden. Hierbei greift Vodafone auf langjährige Expertise zurück, denn bereits seit Mitte der neunziger Jahre ist das Vodafone Test & Innovation Center in Düsseldorf in Betrieb. Hier prüfen Mobilfunkingenieure die Netztechnik „hinter der Antenne“ des Kunden – also alles das, was in einem Netz benötigt wird, um zu telefonieren, SMS zu versenden, Daten zu übertragen oder Videos anzuschauen – bis hin zu den komplexen Abrechnungssystemen. So wird jedes Telefon, das in den Vodafone-Shops angeboten wird, einer umfangreichen Reihe von Prüfungen unterzogen. Um etwa die Zuverlässigkeit von neuen Handys zu kontrollieren, werden über Tage hinweg tausende von Befehlen eingegeben. Dies geschieht voll automatisiert nach einem festen Prüfmuster. Die Reaktion des Mobilfunkgerätes auf diesen Dauerstress wird detailliert dokumentiert und anschließend ausgewertet.

Welche Rolle spielen diese Hightech-Labore innerhalb des Vodafone-Konzerns?

Dr. Axel Schulz: Weltweit unterhält Vodafone nur zwei weitere Hightech-Labore dieser Art: in Mailand und im englischen Newbury. Sämtliche Endgeräte, die Vodafone weltweit seinen Kunden anbietet, werden in den Testcentern getestet – dies können SIM-Karten, Mobiltelefone (wie beispielsweise das Samsung Galaxy S3, das Apple iPhone, die LTE & UMTS-Datensticks, ADSLRouter (wie die Vodafone Easy-Box) oder Internet-Router für Geschäftskunden sein. Weiterhin testet Vodafone im Testcenter auch neue Mobilfunk-Basisstationen (z.B. für LTE), Richtfunktechnik, Vermittlungsstationen für Sprach und Datenverkehr, um nur einige Beispiele für Netztechnik zu nennen.

Entstehen in diesen Laboren auch neue Entwicklungen?

Dr. Axel Schulz: Gemeinsam mit unseren Partnern sind in den letzten Jahren zahlreiche Technologien im Vodafone Test & Innovation Center zur Marktreife entwickelt worden. Mit Research In Motion etwa haben wir HSPA als schnellen mobilen Zugang zum Internet auf die Blackberry Smartphones gebracht, mit Microsoft haben wir ermöglicht, dass Windows Phones E-Mails empfangen und versenden können, mit Netzwerkausrüstern wie Ericsson, Huawei und Cisco perfektionieren wir zusammen die Kernelemente für modernste Telekommunikationsnetze und mit nahezu jedem Handy-Hersteller optimieren wir die von unseren Kunden täglich genutzten Endgeräte für den reibungslosen Gebrauch.

Vodafone baut das LTE-Netz gegenwärtig aus. Welche Rolle spielt LTE z.B. in den Laboren?

Dr. Axel Schulz: Der Ausbau von LTE für den kabellosen Breitbandzugang zum Internet geht extrem schnell voran. Nur wenige Monate nach der Auktion der LTE-Frequenzen konnte Vodafone als erster Netzbetreiber im Dezember 2010 marktreife Lösungen bestehend aus Hardware und Tarifen sowie einem funktionierenden Netz anbieten. Heute, also nicht einmal eineinhalb Jahre später, ist LTE schon für rund 15 Millionen Haushalte auf mehr als 40 Prozent der Fläche Deutschlands verfügbar. Und wöchentlich werden zahlreiche weitere Basisstationen mit LTE ausgestattet und bieten so immer mehr Menschen den Anschluss an die Zukunft. Möglich ist das, weil LTE mit allen Partnern in unserem Test & Innovation Center getestet wurde. Und während LTE derzeit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde bietet, forschen wir bereits an der Zukunft von LTE. Dann werden mobile Datenraten von größer 1 Mbps zum Alltag gehören.

Was wird erforscht?

Dr. Axel Schulz: Vereinfacht gesagt testen wir neue Hardware und Software in einer Umgebung, die ein komplexes und komplettes Telekommunikationsnetz inklusive aller dazugehörigen Komponenten von den Basisstationen über Richtfunk und Backbone, Core-Elemente bis zu den Handys abbildet. So können alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt werden. Unsere Kunden erwarten zunächst von uns, dass sie unsere Dienste nutzen können und machen sich natürlich keine Gedanken darüber, was dies alles voraussetzt. Ein praktisches Beispiel hierfür ist LTE. Damit mobil und überall im Internet mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde gesurft werden kann, müssen zahllose Voraussetzungen erfüllt sein – sowohl in Bezug auf LTE-Handys, LTE-Tablets oder USB Surfsticks, als auch hinsichtlich unserer Netze und darauf, dass die riesigen Datenmengen von der Basisstation ins Festnetz transportiert werden müssen. Dank unseres Test & Innovation Centers waren wir als erster und bislang einziger Netzbetreiber in der Lage, unseren Kunden LTE-Smartphones anbieten zu können. Denn neben dem schnellen Surfen über LTE müssen diese natürlich auch als Telefon für die Sprachkommunikation genutzt werden können.

An welchen Themen, die mit der mobilen Nutzung insgesamt zusammenhängen, besteht gegenwärtig vor allem ein Forschungsbedarf bei Ihnen?

Dr. Axel Schulz: Sehr intensiv beschäftigt uns, wie unsere Kunden noch schneller surfen und Daten empfangen und versenden können. Und das so, dass es nahezu selbstverständlich funktioniert und sie sich keine Gedanken darüber machen müssen. Die Technik soll unseren Kunden helfen, effizienter zu arbeiten und das Leben erleichtern. Highspeed-Internetzugänge sind die Infrastruktur des 21. Jahrhunderts und wir sorgen dafür, dass diese Infrastruktur nahezu überall zur Verfügung steht.

Wie eng ist die Verzahnung zwischen der Forschung und  dem praktischen LTE-Ausbau?

Dr. Axel Schulz: Wir pflegen schon seit Jahren einen sehr engen Kontakt zu Forschungseinrichtungen, dies zeigt der Vodafone Lehrstuhl in Dresden ebenso wie die Vodafone Stiftung für Forschung, die jährlich die innovativsten wissenschaftlichen Arbeit für die Kommunikation auszeichnet. Eindrucksvolles Resultat hieraus ist unter anderem die Arbeit von Professor Gerhard Fettweis für die Weiterentwicklung von LTE, das auch basierend auf dieser Verzahnung schon in wenigen Jahren zur Gigabit-Technologie wird. Mit Blick auf die Weiterentwicklung mobiler Datendienste wurden weltweit intensive Anstrengungen in der Grundlagenforschung betrieben und die entsprechende Standardisierung vorangetrieben. Ausdruck dessen war beispielsweise das Projekt ESchulzY-C (www.easy-c. de), ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstütztes Gemeinschaftsprojekt unter Leitung des Vodafone-Lehrstuhls, der Vodafone D2 GmbH sowie der Deutschen Telekom.

Dieses Interview wurde in der promedia-Special Medienforum NRW 2012  erstveröffentlicht.

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