IFA 2012: Was die Konsumenten von aktuellen Trends erwarten dürfen

von am 27.08.2012 in Archiv, Gastbeiträge, Infrastruktur, Interviews, Top Themen

IFA 2012: Was die Konsumenten von aktuellen Trends erwarten dürfen
Dr. A. Bereczky (Produktionsdirektor des ZDF) und D. Mirchandani (Director Home Access and Video, Vodafone)

Interview mit Andreas Bereczky

Das Interview mit Dhananjay Mirchandani lesen Sie im Anschluss weiter unten.

3D und der neue Standard UHDTV sind für das ZDF noch kein Thema – „Streaming bald auch in HD“

Interview mit Dr. Andreas Bereczky, Produktionsdirektor des ZDF

ARD und ZDF haben einen Großteil der Olympia-Berichterstattung aus London in Online-Livestreams verlagert, die auch über Smart TV auf dem Fernseher zu sehen waren. Per Knopfdruck konnte man aus dem „normalen“ linearen Fernsehkanal in den nonlinearen Olympia-Online-Kanal wechseln, ohne einen Unterschied zu bemerken. In der zweiten Olympiawoche wurden in Durchschnitt mehr als zwei Millionen Videos täglich über die ZDF-Mediathek abgerufen. Das ist annähernd doppelt so hoch, wie im bisherigen Durchschnitt 2012.

Herr Bereczky, während der Olympischen Spiele sind Ihre Server zusammengebrochen, weil sehr viele Nutzer auf die Mediathek des ZDF zurückgriffen haben.  Waren Sie darauf nicht eingestellt?

Dr. Andreas Bereczky: Bei der Ausspielung der Streams durch unsere Provider gab es keine Schwierigkeiten. Zum Start der olympischen Spiele gab es allerdings vereinzelt technische Überlastprobleme, insbesondere durch das vom IOC geforderte doppelte Geoblocking. Dies führte in Kombination mit den sieben parallel zur Verfügung gestellten Livestreams zu stark erhöhten Verbindungszahlen ins ZDF-Netzwerk, ebenso wie die speziellen Olympia-Features im Webangebot des ZDF.

Sie haben erstmals zur Olympiade die Möglichkeit geboten, über Smart TV fünf Olympiaübertragungen als Stream parallel zu verfolgen. Wie wurde das genutzt?

Dr. Andreas Bereczky: Bei den olympischen Spielen waren zeitweise sogar bis zu sieben parallele Live-Streams abrufbar, das Angebot wurde dafür, dass es sich hier nur um einen Showcase handelt, sehr gut genutzt. Sehr hilfreich waren in diesem Zusammenhang die vielen Hinweise der Hersteller, Rückmeldungen der Zuschauer, sowie die Diskussionen im Netz über dieses neue Angebot.

Welche Investitionen und technischen Aufrüstungen waren dafür nötig?

Dr. Andreas Bereczky: Wie bei Großevents üblich, wurden kurzfristig die Serverkapazitäten der Mediathek und zdf.de- Webseiten um ca. 50 Prozent erhöht. Daneben wurden weitere Maßnahmen ergriffen, um die Zahl der Verbindungen ins ZDF-Netzwerk zu reduzieren. Spezielle Investitionen waren dafür allerdings nicht notwendig.

Ist eine solche Übertragung künftig auch in HD möglich?

Dr. Andreas Bereczky: Technisch ist das grundsätzlich möglich, nur muss dafür bei den Nutzern die entsprechende Infrastruktur vorhanden sein. Die Distributionskosten werden sich dann natürlich entsprechend erhöhen.

Sind solche Streamingangebote künftig auch für vorhandene Sender bzw. Kanäle möglich und geplant?

Dr. Andreas Bereczky: Konkrete Planungen gibt es hierzu derzeit noch nicht.

Welche Investitionen erfordert die zunehmende Nutzung der Mediathek und solcher Angebote über Smart-TV? Welche Priorität hat das beim ZDF?

Dr. Andreas Bereczky: Zeitgemäße Verbesserung wie beim Encoding durch adaptives Streaming oder grafische Anpassung für mobile Geräte waren die letzten größeren Projekte. Als nächstes stehen Themen wie z.B. MPEG DASH zur Realisierung an, damit Streaming auch in HD Qualität möglich wird.

Gegenwärtig wird über den neuen Standard UHDTV diskutiert und die ersten TV-Geräte existieren bereits. Wo liegen die Vorteile gegenüber HDTV?

Dr. Andreas Bereczky: Leider ist es uns bis jetzt noch nicht einmal gelungen, für die Übertragung Full HD (1080p/50) einzusetzen, obwohl alle moderne Flatscreens auch Full HD darstellen können. Die Empfänger in den Geräten sind derzeit nicht in der Lage, solche Signale zu verarbeiten. Es wäre sinnvoll, zuerst die Produktion und die Übertragung von Full HD Qualität sicher zu stellen, bevor man über weitergehende Schritte nachdenkt. UHDTV ist in Bezug auf die Auflösung noch einmal deutlich besser als Full HDTV. Ob dies allerdings im „Wohnzimmerumfeld“ Sinn macht, ist eine berechtigte Frage. So lange die Mehrzahl der Displays die Größe von 70“ nicht überschreitet, macht UHDTV im Heimbereich keinen Sinn, Full HD allerdings schon. Anders sieht es im Bereich der elektronischen Produktion im Kino aus, hier ist UHDTV durchaus sinnvoll einsetzbar.

Wann ist dieser Standard technisch ausgereift, dass er HDTV ablösen kann?

Dr. Andreas Bereczky: Das ist aus unserer Sicht weniger die Frage, sondern ob es wirtschaftlich betrachtet Sinn macht, UHDTV auch im TV-Bereich einzusetzen, und das möchten wir zumindest für die Ausstrahlung zum Zuschauer stark bezweifeln. Die Standardisierung ist also nicht das Problem. Sinnvoll wäre für Broadcaster zuerst die Full HD Produktion und die Übertragung anzustreben.

Ist eine neue Produktions- und Sendetechnik erforderlich?

Dr. Andreas Bereczky: Für UHDTV wäre sowohl eine komplett neue Produktionstechnik, als auch eine neue Sendetechnik erforderlich. Derzeit ist diese überhaupt noch nicht verfügbar, und wenn es so weit sein sollte, sicherlich extrem teuer. Für Full HD warten wir auf „upgrades“ von den Herstellern.

Müssen dafür neue Inhalte produziert werden und kann man HD-Material „hochrechnen“?

Dr. Andreas Bereczky: Auch hochkonvertieren wird möglich sein, allerdings mit den bekannten qualitativen Einschränkungen. Allerdings es ist immer besser, die Übertragungsqualität auch in der Produktion zu sichern.

Wann wird das ZDF mit diesem neuen Standard produzieren und senden?

Dr. Andreas Bereczky: Es gibt hierzu keine Beschlüsse im Haus, derzeit wird die Entwicklung lediglich beobachtet.

Gegenwärtig wird 3D weiterentwickelt, die ersten TV-Geräte ohne Brille sind auf dem Markt. Ist da UHDTV nicht überflüssig?

Dr. Andreas Bereczky: Auch 3D ist derzeit kein Thema im ZDF, und wie Sie bestimmt festgestellt haben, ist es um dieses Thema sehr ruhig geworden. Außerdem sind dies zwei voneinander unabhängige Themen und nicht vergleichbar.

Aber würde es nicht Sinn machen, wenigstens in 3D zu produzieren?

Dr. Andreas Bereczky: Auch hierzu gibt es keinerlei Beschluss im ZDF, die Entwicklungen auf diesem Gebiet werden allerdings ständig beobachtet.


Interview mit Dhananjay Mirchandani

TV-Plattform Vodafone TV erreicht inzwischen 120.000 Kunden- „Vodafone TV ist bereits 3D-Ready“

Interview mit Dhananjay Mirchandani, Director Home Access and Video, Vodafone Deutschland

Neben der Deutschen Telekom bietet seit November 2011 auch Vodafone eigenes Fernsehangebot – Vodafone-TV. Dabei setzt das Telekommunikationsunternehmen auf ein Hybrid-Konzept aus IPTV– und Sat- oder Kabel-Anschluss sowie ein breites Video-on- Demand-Angebot. Neben dem Basispaket von über 50 Free-TV-Programmen und 29 HD-Sendern haben Vodafone TV-Kunden Zugriff auf über 5500 Spielfilme, Serien und Dokumentationen, die sie individuell aussuchen und buchen können.

Vodafone TV ist im November 2011 gestartet. Wie sieht heute die Bilanz an Sendern und Abonnenten aus?

Dhananjay Mirchandani: Vom Start weg ist Vodafone TV auf sehr großes Interesse bei Verbrauchern gestoßen und wir zeichnen eine sehr positive Bilanz. Vodafone TV hat inzwischen 120.000 Kunden und ist mit 29 Sendern und über 5.500 On-Demand-Inhalten, unter anderem auch von den sechs Top Hollywood-Studios, das größte HD-Angebot im IPTV-Umfeld. Unsere Kunden nutzen das reichhaltige Angebot an Free-to-Air- und kostenpflichten Inhalten aus einer Box.

Wie hoch ist heute die technische Nutzungsmöglichkeit?

Dhananjay Mirchandani: Da sich Vodafone TV schon mit einer Leitung mit etwa 2 Mbit/s nutzen lässt, können über 33 Millionen deutsche Haushalte das Produkt in den unterschiedlichsten Ausprägungen nutzen: über IPTV via DSL, über Digital- Satellit mit unverschlüsselten HD-Programmen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und auch via Analog-Kabel. Alle Empfangswege werden von unserer hybriden Set-Top-Box unterstützt.

Wie hoch ist heute der Marktanteil von IPTV insgesamt an den Distributionswegen?

Dhananjay Mirchandani: Etwa Zwei Drittel der Vodafone TV-Kunden nutzen IPTV, der überwiegende Anteil der sogenannten Hybrid-Nutzung entfällt auf die digitale Satellitenübertragung. Dies ist ein Beleg dafür, dass die robuste Vodafone-Netzinfrastruktur in der Lage ist, ein Großteil unseres DSL-Kundenbestandes mit einem qualitativ anspruchsvollen TV-Produkt zu bedienen.

Wie viele HD-Angebote existieren inzwischen und wie sehen Sie deren Perspektive?

Dhananjay Mirchandani: Vodafone TV bietet IPTVKunden mit ausreichender DSL-Bandbreite inzwischen 29 frei zu empfangende HD-Kanäle. Damit haben wir ein äußerst reichhaltiges und kundenrelevantes HD-Angebot, dessen Erweiterung wir fallweise sorgfältig überprüfen. Im On-Demand-Umfeld haben wir knapp 1.000 HD-Inhalte. Dies ist der Schwerpunkt unserer Erweiterungsbestrebungen, da wir fast allen Vodafone TV-Kunden HD-Inhalte auf Abruf anbieten können.

Sie bieten Ihren Kunden auch HD-Sender von ARD und ZDF sowie privater Sender, die man gegenwärtig in Kabelnetzen noch nicht empfangen kann. Auf welcher Basis konnten Sie sich mit den Sendern einigen?

Dhananjay Mirchandani: Vodafone TV ist mit dem Anspruch gestartet, unseren Kunden ein besseres Fernseherlebnis zu ermöglichen. Digitale Bildqualität, HD, eine hochmoderne Programmzeitschrift, zeitversetztes Fernsehen, ein persönlicher Videorekorder und eine bestens bestückte Videothek. Wir haben diese Kundenwünsche erfüllen und dabei auch die Interessen der privaten Sendergruppen berücksichtigen können. Beispielsweise können unsere Kunden eine HD-Sendung auf ProSieben anhalten und wieder fortsetzen, ein Vorspulen der Werbung lässt Vodafone TV auf Wunsch der Sendergruppe nicht zu. Dieses Ausbalancieren von Anforderungen unserer Kunden und die unserer Senderpartner war die Basis der Einigung.

Wo liegt für den Abonnenten der Mehrwert gegenüber einem Kabel- oder Satellitenanschluss?

Dhananjay Mirchandani: Vodafone TV kann viel mehr als ein gewöhnlicher Kabel- oder Satellitenanschluss: wir bieten ein breiteres HD-Angebot, digitale Bildqualität, zeitversetztes Fernsehen, eine Videothek mit tausenden Filmen und Serien auf Abruf. Und all dies auf einer hochmodernen und kinderleichten Benutzeroberfläche. Zu den attraktivsten Features aus Sicht unserer Kunden gehören beispielsweise unsere elektronische Programmzeitschrift und die einfache Benutzerführung auf dem TV-Bildschirm.

Welche Resonanz findet Ihre Mediathek? Es existieren inzwischen mehrere Möglichkeiten für Video-on-Demand. Wie kann sich da Ihre Mediathek behaupten?

Dhananjay Mirchandani: Monatlich nutzen mehrere Tausend Kunden die Videothek, und dies sogar mehrmals im Monat. Zudem bieten wir unseren Premium-TV Kunden eine Fülle an Inklusiv-Inhalten auf Abruf innerhalb ihrer Programmpakete. Beispielsweise beinhaltet unser Serienpaket „Lounge“ als Inklusivleistung ein reichhaltiges On-Demand-Angebot an topaktuellen Serien aus den USA. Das ist ein hochattraktives und einmaliges Kombi-Angebot mit einem ausgezeichneten Preis-/Leistungsverhältnis für unsere Serienliebhaber.

Was ist mit 3D? Wann werden Sie Filme oder Programme in 3D anbieten?

Dhananjay Mirchandani: Vodafone TV ist bereits 3D-Ready. Werden Programme in 3D beispielsweise über Satellit ausgestrahlt, so können unsere Kunden bereits heute in den Genuss der 3DUnterhaltung kommen.

Werden künftig auch Eigenkanäle an den Start gehen?

Dhananjay Mirchandani: Wir möchten Vodafone TV nutzen, um zum einen unsere Kunden über Neuigkeiten rund um Vodafone TV und zum anderen über erweiterte Bedienungsmöglichkeiten zu informieren. Diese Inhalte werden wir in Kürze über zwei eigene IPTV-Kanäle anbieten. Dabei soll es dann aber auch bleiben, da die Produktion von Bewegtbild-Inhalten keineswegs zum Schwerpunkt unserer Entertainment-Strategie gehört. 

Sie bauen 2012 LTE weiter aus. Wie sehr wird das die Verbreitung und Nutzung von Bewegtbild beeinflussen?

Dhananjay Mirchandani: Mit der so wertvollen 800 MHz-Frequenz hat Vodafone eine einmalige Position beim LTE-Ausbau. Eine GSM-nahe Flächenversorgung des Bundesgebiets ist somit in Reichweite gerückt, und zwar mit über 50 Mbit/s bereits in der ersten LTE-Ausbaustufe. Die Verfügbarkeit einer hochleistungsfähigen mobilen Netzinfrastruktur gekoppelt mit der zunehmenden Verbreitung von videofähigen Smartphones und Tablets lässt viel Fantasie über die Zukunft des Bewegtbildkonsums entfalten. Wir glauben zwar, dass der Fernseher im Wohnzimmer weiterhin im Mittelpunkt des Bewegtbild- Konsums stehen wird, wir gehen aber auch von einer zunehmenden mobilen Nutzung allen voran von Tablets für den Videokonsum aus.

Würde es sich da nicht auch anbieten, Vodafone TV mobil zu machen?

Dhananjay Mirchandani: Ein auf dem Smartphone angebotenes TV-Angebot muss einen klaren Kundenvorteil gegenüber den vorhandenen und bekannten mobilen Videoangeboten beinhalten. Das ist die größte Herausforderung, und dies nicht nur für Vodafone.

Beide Interviews wurden in der promedia-Ausgabe Nr. 09/2012 erstveröffentlicht.

Das Interview mit Dhananjay Mirchandani lesen Sie im Anschluss weiter unten

TV-Plattform Vodafone TV erreicht inzwischen 120.000 Kunden- „Vodafone TV ist bereits 3D-Ready“

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