„Cloud Atlas“ hat kampf- und risikomäßig Neues geboten

von am 24.09.2012 in Allgemein, Archiv, Filmwirtschaft, Gastbeiträge, Interviews, Top Themen

„Cloud Atlas“ hat kampf- und risikomäßig Neues geboten
Stefan Arndt und Uwe Schott, Geschäftsführer von X Filme Creative Pool GmbH

Der bisher teuerste deutsche Spielfilm erlebte in Toronto seine Weltpremiere – „,Cloud Atlas‘ hat kampf- und risikomäßig Neues geboten“

24.09.12 Interview mit Stefan Arndt, Produzent und Geschäftsführer und Uwe Schott, Produzent und Geschäftsführer von X Filme Creative Pool GmbH

Am 10. September 2011 war Drehbeginn und fast auf den Tag genau ein Jahr später erlebte „Cloud Atlas“  auf dem Toronto Film Festival eine euphorisch gefeierte Premiere. Es ist der bisher teuerste deutsche Film mit einem Budget von 100 Millionen Dollar.  Die Adaption des Romans „Cloud Atlas“ präsentiert ein Staraufgebot und erzählt sechs ineinander verwobene Geschichten, die tausend Jahre umspannen. Die drei Regisseure Tom Tykwer, Lana und Andy Wachowski haben dafür ein Jahr parallel gedreht. In Deutschland hat der Film am 15. November Premiere. In einem promedia-Interview äußern sich die X-Film-Geschäftsführer Stefan Arndt und Uwe Schott erstmals ausführlich zu ihrem Meisterwerk.

medienpolitik.net: Herr Arndt, was unterscheidet „Cloud Atlas“ von einem Hollywood-Blockbuster?

Stefan Arndt: Von der filmischen Dimension nicht viel, von der Finanzierung und Realisierung aber eine ganze Menge. Ich habe das Gefühl, dass sich in „Cloud Atlas“, an dem sich viele Partner aus aller Welt beteiligt haben, ein Übergang von einer alten zu einer neuen Welt kristallisiert, ein Schritt in die Zukunft. Die neue Filmwelt kann sich so entwickeln, dass Filmleute und unabhängige Finanziers, die irgendwo auf der Welt einen großen Film produzieren wollen, mit einander kooperieren und ihren Film unabhängig von Major-Companies finanzieren und realisieren. Davon können viele profitieren. Denn wenn amerikanische Majors dieses Projekt umgesetzt hätten, wäre es fast doppelt so teuer geworden, ohne dass es damit besser geworden wäre. „Cloud Atlas“ ist die Kombination von viel Willenskraft, Know-how und dem Finden von Schnittmengen mit vielen Partnern.

medienpolitik.net: Sie haben sehr erfolgreiche Filme in den letzten Jahren produziert. Ist da „Cloud Atlas“ eine Art lineare Fortsetzung oder doch eher ein gewisser Bruch?

Stefan Arndt: Nervlich hat der „Cloud Atlas“ schon Neues geboten, auch kampf- und risikomäßig. Insofern ist dieser Film nicht alltäglich. Aber im produzentischen Ablauf ist er im Prinzip nicht anders als all die anderen Filme, die wir sonst machen. Das ist altes europäisches Denken, dass Firmen wie wir, die relativ wertkonservativ sind, zusehen, dass der Film realistisch finanziert und professionell produziert wird. Das haben wir jetzt auf ein etwas größeres Modell angewandt.

Uwe Schott: „Cloud Atlas“ zeigt, dass wir in der Lage sind, mit dem Know-how in Deutschland solche großen Filme, solche herausragenden Bücher mit kleineren Mitteln umzusetzen.

Stefan Arndt: …Das ist so ähnlich wie in Hollywood. Ein Drittel oder maximal die Hälfte der Leute die dort Filme produzieren sind Amerikaner, die andere Hälfte hat es irgendwie dorthin getrieben. Und so hat es sie für eine Weile in die Kurfürstenstraße getrieben. Dennoch waren 85 Prozent unserer Mitarbeiter Deutsche oder Europäer.

medienpolitik.net: Sie sagten, dass mit diesem Projekt gleichzeitig auch ein Schritt in die Zukunft gemacht wurde. Was meinen sie damit?

Stefan Arndt: Es gibt immer mehrere Zukunftsvorstellungen. Eine Zukunftshoffnung beruht zum Beispiel darauf, dass es eine gewisse Emanzipation in der Finanzierung von Hollywood-Monopolen geben kann. Also ein stärkeres Selbstbewusstsein der Europäer, so wie es die Chinesen haben, weil sie wissen, dass sie 1,2 Milliarden sind. Die Europäer haben keine Lust mehr, sich enteignen zu lassen, indem sie ihr Eigenkapital als Investment nach Hollywood geben und dann dort das mit ihrem Eigenkapital Hergestelltes überteuert kaufen müssen. Deshalb ist es so wichtig, dass man für Filme dieser Größenordnung weltweit die verschiedenen Interessen bündelt und komprimiert und somit große Filme produzieren kann, die weltweit laufen.

medienpolitik.net: Im September erlebte der Film seine Weltpremiere, ein Jahr nach Drehbeginn. Hat Sie das selbst ein bisschen überrascht? Ich finde das bei so einer Größenordnung und Kompliziertheit des Projektes erstaunlich.

Stefan Arndt: Das ist eine Frage der Professionalität und einer nicht ganz unwichtigen Position in der Kalkulation: Den Zinsen und natürlich der Mitarbeiter, die auf diesem hohen Level arbeiten können – das sind nicht nur die Produzenten und Regisseure, sondern auch die Mitarbeiter der obersten drei, vier Hierarchiestufen. Diese fragen nicht nur, wie hoch ihre Wochengage ist, sondern auch, wie der Zeitplan ist. Und erst, wenn der Zeitplan realistisch ist, den wir wiederum ein Jahr vor Drehbeginn sehr konkret erarbeitet haben, beginnt man mit dem Dreh und dann kommt es auch so, wie man es plant. Also, es hat uns nicht überrascht, dass der Film rechtzeitig fertiggestellt wurde.

medienpolitik.net: Das Buch „Cloud Atlas“ galt als unverfilmbar. Warum sind Sie dieses Risiko eingegangen?

Stefan Arndt: Die großen Finanzkonglomerate, die großen Studios gehen immer mehr dahin, pro Jahr nur mehr drei, vier, fünf super teure Franchisefilme zu produzieren gegenüber zehn bis zwanzig Filmen noch vor zehn Jahren. Damit sind die kreativen und erzählerischen Grenzen so eng gesetzt, dass es beim Publikum auch zu gewissen Ermüdungserscheinungen kommt. Unser Risiko war auch deshalb überschaubar, weil den großen Sprung, nämlich von einem unverfilmbaren Roman zu einem Drehbuch zu kommen, die drei Regisseure alleine vollbracht haben. Der Zuschauer erlebt grandiose Unterhaltung über zwei Stunden und die tollsten Schauspieler der Welt. Es ist eine Geschichte, von der wir hoffen, dass sich die Zuschauer, wenn sie den Kinosaal verlassen, vorne wieder anstellen und noch eine Kinokarte für den Film kaufen, weil sie ihn erneut sehen möchten. Wir hatten es also ein bisschen leichter, weil wird ein fertiges Drehbuch hatten und da war schon sehr klar, dass die Regisseure geniale Einfälle hatten, wie sie diesen Roman verfilmbar machen.

medienpolitik.net: Aber ich habe den Eindruck, es war nicht in erster Linie die Möglichkeit, damit viel Geld zu verdienen, die Sie gereizt hat, sondern die Umsetzung und die Herausforderung des Stoffes…

Stefan Arndt: Reich wird mit diesem Film keiner. Es besteht schon ein spürbarer Unterschied zwischen dem doppelten und dem halben Budget. Es war für uns ein Experiment, als deutsche Produktionsfirma, nachdem wir 15 Jahre lang produziert haben, an den internationalen Produktionsmarkt zu gehen. Wir haben das aber ganz bewusst auch auf diesem Qualitätslevel gemacht, weil sich in Deutschland bestimmte Dinge nicht weiterentwickeln, sondern eher zum Schlechteren und wir für uns gesehen haben, dass es auch auf diesem bisher von uns erfolgreich beschrittenen Weg nicht einfacher werden wird.

medienpolitik.net: Was war das Schwierigste an der Produktion?

Stefan Arndt: Das Schwierigste ist zunächst, die Finanzierung sicher zu stellen. Um eine Finanzierung in dieser Größenordnung hinzubekommen, braucht man wirtschaftlich relevante  Fakten. Um diese Fakten zu erstellen, gibt ein Studio normalerweise ca. zehn bis 15 Millionen Dollar aus. Wir hatten eine Grenze von 2,5 Millionen und haben diese Grenze auch verletzt, obwohl wir lange nicht wussten, ob wir diesen Film drehen können. Dann mussten wir einen Vertrag für ein Segelschiff unterschreiben, das in England gechartert werden musste, um dann rechtzeitig zum Dreh in Mallorca zu sein. Das waren weitere 250.000 Pfund an Kosten. So etwas habe ich noch nie erlebt und ich weiß nicht, ob wir so etwas noch einmal wollen. Es hat alles irgendwie funktioniert, aber es war nervenaufreibend, weil wir nicht wussten, ob am am Ende alle Finanziers unterschreiben werden. Vier Wochen saßen die Heads of Department zusammen und diskutierten die Möglichkeiten eines in Europa angesiedelten Drehs. Sie stellten fest, dass die Außenaufnahmen nicht in Hawaii gedreht werden müssen, sondern auch in Mallorca möglich sind. Und San Francisco drehten wir in Edinburgh. Das führte dazu, dass wir auch im Budget bleiben konnten.

medienpolitik.net: Sie haben an mehreren Orten gedreht, noch dazu parallel. Das erfordert eine bestimmte Logistik über das hinausgeht, was normalerweise sonst bei Ihren Filmen der Fall ist.

Uwe Schott: Ja, natürlich. Das war eigentlich der große Kniff. Indem wir parallel gedreht haben, haben wir auch die Darsteller nicht für einen Zeitraum von 120 Tagen benötigt, sondern wir hatten sie nur 60 Tage hier.

Stefan Arndt: Ich weiß nicht, ob allen Schauspielern so richtig klar war, wie unfassbar viel sie arbeiten mussten. Sie haben das gemacht, weil sie es wirklich wollten. Sie haben bei diesem Budget objektiv für viel Geld, subjektiv für unfassbar wenig, nämlich einen Bruchteil der normalen Gagen gearbeitet. Aber man sieht es dem Film auch an, dass die bekannten Schauspieler vor allem mitgemacht haben, weil sie es genial fanden, für diesen Film zu arbeiten.

medienpolitik.net: Würden Sie noch einmal einen Spielfilm mit zwei Regie-Teams parallel produzieren?

Uwe Schott: Sofort.

medienpolitik.net: Warum?

Stefan Arndt: Ich glaube dass der Film mit drei Regisseuren besser wurde als ein anderer Film, den sie jeweils alleine gemacht hätten. Denn sechs Augen sehen mehr als zwei, drei Gehirne denken mehr und auch ein Regisseur ist nicht nur ein Genie, sondern macht Fehler. Und wenn es auf derselben Ebene unter vertrauten Augen ein Korrektiv gibt, dann muss man ja auch nicht immer sagen, dass seine eigenen Vorstellungen von denen der anderen abweichen und die eigenen Vorschläge weniger gut waren. Das will ich als Produzent auch gar nicht wissen.

Uwe Schott: Wir würden auch nicht auf die Idee kommen, zwei Regisseure für einen Film unabhängig voneinander zu engagieren. So etwas funktioniert wirklich nur, wenn das eine gemeinsame  Geschichte der Regisseure ist. Die Drei wollten das Projekt zusammen machen. Natürlich hätten die Drei es interessanter gefunden, zu dritt 120 Tage zusammenzuarbeiten, nur hätte es den Film dann nicht gegeben.

medienpolitik.net: Sie mussten auch andere Postionen wie Kameramann, Kostümbilder, Architekt doppelt besetzen. War das nicht schwierig, diese auf einem Level „anzugleichen“?

Stefan Arndt: Das haben vor allem die drei Regisseure geleistet und die wissen auch, was so eine Absprache bedeutet. Einer der beiden Kameramänner hat z.B. schon zwei Oscars®. Der hätte ja auch zickig sein können. Trotz der vielen Entscheidungsträger ist ein Film entstanden, mit einer Handschrift. Die Regisseure wussten auch, worauf sie sich einlassen.

Uwe Schott: Alle mussten weg von ihrem normalen Trott; sie mussten sich zunächst untereinander einigen und abstimmen, bevor es dann zur Regie ging. Das ist eine logistische Mammutleistung, wenn während des Drehs 600 bis 700 Leute anwesend sind.

medienpolitik.net: War auch der Schnitt doppelt besetzt?

Stefan Arndt: Nein, der Cutter Alexander Berner ist der Einzige, der alleine war. Er hat nicht nur die ganze Zeit drei ununterbrochen ihre Meinung sagende Regisseure um sich gehabt, sondern musste auch noch deren Wünsche umsetzen. Ich bewundere ihn. Wenn es einen Helden des Films gibt, dann ist er es. Er hat den Film in einer unglaublichen Zeit geschnitten.

medienpolitik.net: Welche Rolle haben bei der Finanzierung die Deutsche Filmförderung und die TV-Sender gespielt?

Stefan Arndt: Das war extrem wichtig und der Film wäre nicht möglich gewesen, wenn es diese Finanzierung nicht gegeben hätte und die Mitarbeiter, nicht gesehen hätten, dass es ein Unterschied ist, ob ein amerikanisches Studio herkommt und sich einer GmbH bedient, um ein deutsches Produzententum nachzuweisen oder ob das deutsche Produzenten tun. Wir wollten beweisen, dass wir heute genauso so gut sind wie die amerikanischen Produzenten. Die Produzenten sind sicher austauschbar, aber wir haben auch gezeigt, dass auch alle anderen Gewerke in Deutschland solch ein Projekt eigenständig hinbekommen können. Insofern ist jede Fördereinrichtung bis an die äußerste Grenze gegangen, um das zu ermöglichen. Natürlich sind die deutschen Mittel begrenzt.

medienpolitik.net: Wie hoch ist der deutsche Anteil an der Finanzierung?

Stefan Arndt: 20 Prozent stammen aus deutschen Quellen. Abgesehen von unseren eigenen Mitteln, vom DFFF, der FFA und der Regionalförderung aus Nordrhein-Westphalen, Berlin-Brandenburg, Mitteldeutschland und Bayern und natürlich von unserem Partner, der Degeto.

medienpolitik.net: Sie haben auch eine Bankfinanzierung gebraucht? Normalerweise haben Banken Interesse an großem Volumen. Haben die bei Ihnen angestanden, um sich mit einzubringen?

Uwe Schott: Nein, das haben sie nicht, ganz im Gegenteil. Es war eine große Schwierigkeit, eine Bank zu finden, die das komplette Budget von rund 73 Millionen Euro sichert. Aber unsere Hausbank, die DZ Bank, war von Anfang an involviert und hat sich noch zwei andere Konsortialbanken gesucht, die bei der Finanzierung mitgemacht haben. Zu guter Letzt, auch sehr spät, haben wir das Geld noch hinbekommen. Die Banken sind interessiert, wenn über die gleiche Höhe eine Sicherheit existiert, und zwar eine und nicht wie bei uns, viele verschiedene Verträge. Insofern war es hoch kompliziert, diesen Kreditvertrag zu stricken.

Stefan Arndt: …Aber auch da waren wir wahnsinnig. Wir wollten unbedingt eine Finanzierung mit einer deutschen Bank haben. Die DZ Bank und auch die ILB in Brandenburg haben uns von Anfang an begleitet und auch schon die Vorfinanzierung übernommen.

Uwe Schott: Dieses Projekt war auch für film-finanzierende deutsche Banken etwas Neues. Das lag auch nicht mehr in der Entscheidungskompetenz von den Mitarbeitern, mit denen wir sonst sprechen, sondern es ging in die Vorstände, die mit den Besonderheiten der Filmfinanzierung wenig vertraut sind. Das war die Schwierigkeit. Die kamen dann mit unrealistischen Ideen um zum Beispiel einen möglichen Ausfall eines Finanzierungspartners zu kompensieren. Das war sehr schwer, aber es hat am Ende funktioniert. Wir würden es auch wieder mit der DZ Bank machen, weil wir und die Bank jetzt über das Know-how für die Finanzierung solch hoch budgetierter internationaler Projekt verfügen.

medienpolitik.net: Machen Sie nach dem Film Pause oder liegt das nächste Projekt schon in der Schublade?

Stefan Arndt: Wir müssen produzieren. Wir werden jedes Jahr einen bis drei Filme machen, in welcher Größenordnung auch immer. Sie dürfen nicht vergessen, wir haben letztes Jahr nicht nur „Cloud Atlas“ realisiert, sondern noch fünf andere Projekte in der Größenordnung von 500.000 Euro bis hin zu der von „Cloud Atlas“. Wir haben u.a. ein Nachwuchsprojekt gedreht und wir werden weiterhin, wofür X Filme ja bekannt ist, unsere originären Projekte machen und jetzt auch versuchen, weiter internationalere Projekte umzusetzen.

medienpolitik.net: Gibt es da schon Interessenten?

Uwe Schott: Im Bezug auf die großen internationalen Projekte, möchten wir von vornherein einen Partner mit im Boot haben, der uns eine nordamerikanische Distribution garantiert. Nur so ist eine weltweite Finanzierung möglich, wenngleich die Filme nicht immer  100 Millionen kosten sollen.

Stefan Arndt: Aber, immer wieder zurückgehend auf das Land und das Umfeld, aus dem wir kommen: Wenn sich nichts an den Rahmenbedingungen im Etat für Produzenten ändert, dann kann ein Produzent zwei Dinge tun: Er kann entweder so lange weitermachen wie möglich und dann ist er geschrumpft. Oder er kann aktiv schauen, welche Überlebensmöglichkeiten es in der Welt gibt.

medienpolitik.net: Angesichts einer Globalisierung der Mediennutzung sind ja solche internationalen Projekte wie „Cloud Atlas“ eine logische Konsequenz…

Stefan Arndt: …natürlich, es setzt eine wirtschaftliche und handwerkliche Leistungsfähigkeit beim deutschen Produzenten voraus und hat auch mit den realen Umständen hier in Deutschland zu tun. Wir müssen mit so einem Sprachhemmnis, was wir nun mal mit unserer Sprache auf dem Weltmarkt haben, ganz anders umgehen und mit einem Rückenwind aus Deutschland starten und nicht aus dem Mangel und der Depression über die Grenze in andere Sprachgebiete kommen. Man kann bei den Franzosen und den Engländern sehen, wie man so etwas kraftvoll anstellen kann. Da sich das nicht so schnell ändern wird, gehen wir unseren eigenen Weg und machen die Filme, die wir machen wollen und die die Welt auch braucht.

medienpolitik.net: …Wobei sich die Förderbedingungen in den letzten Jahren schon verbessert haben.

Uwe Schott: Natürlich haben sich die Förderbedingungen verbessert, aber insgesamt ist wesentlich weniger Geld vorhanden, weil die Sender ihr Engagement, Investment und ihre Zuverlässigkeit zurückgeschraubt haben. Das kann aus ihrer Sicht vielleicht auch richtig sein. Aber für deutsche Produzenten, die deutsche Filmkunst und für den deutschen Film und Erfolg ist es extrem negativ. Das, was es an Filmförderung mehr gibt, bekommen wir auf der anderen Seite nicht mehr. Nach meiner Einschätzung sind ein Großteil der  60 Millionen Euro, die vom DFFF jährlich in die deutsche Filmwirtschaft fließen, bei den Sendern sofort verschwunden.

medienpolitik.net: Der Film kommt in den USA bereits im Oktober ins Kino, in Deutschland erst im November. Warum startet er nicht zeitgleich in den Kinos der beiden Länder?

Stefan Arndt: Wir hätten den Filmstart in den Kinos gerne zeitgleich gehabt, aber es ist eine spezielle Situation im Herbst und Winter. Wir haben für jedes Land den Starttermin gesucht, der ein optimales Ergebnis verspricht. So verbunden wie die Welt jetzt ist, so sehr ist es besonders für ein Unikat wie „Cloud Atlas“ wichtig, wenn es in jedem Land auf dem Markt vorbereitet ist.

medienpolitik.net: In wie vielen Ländern wird der Film starten?

Stefan Arndt: In allen Ländern, auf allen Kontinenten.  Nur in Vietnam wird momentan noch verhandelt.

medienpolitik.net: Wie viele Kinozuschauer brauchen Sie für die Refinanzierung?

Stefan Arndt: Viele. Das haben wir nicht genau durchgerechnet. Mittlerweile hat das Ganze eine derartige Komplexität erreicht, dass man irgendwann sagen muss, man hat sich nach bestem Gewissen um optimale Verträge und Verwertungsstrukturen gekümmert und jetzt muss man auch loslassen können.

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