Kommentar zur Situation der Zeitungsverlage:
Ein Pakt für die Demokratie

von am 28.09.2012 in Archiv, Kommentar

Kommentar zur Situation der Zeitungsverlage:</br> Ein Pakt für die Demokratie
Helmut Hartung, Herausgeber promedia

Ein Kommentar von Helmut Hartung, Chefredakteur promedia

Die Situation der Zeitungsverlage hat sich im 1. Halbjahr 2012 verschlechtert. Davon zeugen zahlreiche Meldungen über weitere Personaleinsparungen, Redaktionsschließungen und Auslagerungen. Die Insolvenz von dapd bestätigt diese Tendenz. Bei einem stagnierenden und teilweise rückläufigen Werbemarkt gelingt es den Verlagen nur schwer, die Rückgänge beim Verkauf der Printausgaben durch neue digitale Geschäftsmodelle auszugleichen. Dazu kommen hohe Investitionen in diesem Bereich. Eine aktuelle Studie von Roland Berger belegt die schwierige Lage: Lasen 1984 noch über 70 Prozent der Deutschen bis 19 Jahren regelmäßig Tageszeitungen, so sind es heute nur noch 33 Prozent. Ähnlich drastisch ist der Rückgang bei den 20- bis 39-Jährigen. Der Anteil der Tageszeitungsleser ist hier von 86 Prozent im Jahr 1984 auf knapp 50 Prozent im Jahr 2011 gesunken. Entsprechend hat die Auflage der Tageszeitungen von 1991 bis 2011 um 30 Prozent abgenommen.

Angesichts dieser Entwicklung hat Marc Jan Eumann, Vorsitzender der SPD-Medienkommission und Medienstaatssekretär in NRW einen Stabilitätspakt für die Sicherung der Zeitungsvielfalt angeregt. „Zwar sind die allermeisten Verlage in ihrem Kernbereich heute noch wirtschaftlich gesund, aber es ist nicht zu übersehen, dass der Trend nach unten zeigt. Und diese Entwicklung muss gestoppt werden, wenn wir Presse- und Meinungsvielfalt erhalten wollen“, so Eumann.

Zu den Vorschlägen des SPD-Medienpolitikers gehören: eine Förderung der Fort- und Weiterbildung von Journalisten, ein weiteres Absenken der Mehrwertsteuer für Printprodukte, die Absetzbarkeit eines Zeitungsabo von der Steuer, eine stärkere Erleichterung von Nachbarschaftsfusionen sowie eine Verlagsbeteiligung von Mitarbeitern. Ein solcher Stabilitätspakt wird nicht nur Freunde finden, das weiß auch Eumann: „Ich bin überzeugt, dass wir da nicht knausern dürfen. Denn: wenn es den Medien schlecht geht, steht es auch mit der Demokratie nicht zum Besten“.

Hier geht es zum Interview von Marc Jan Eumann. 

Hier geht es zur Studie von Roland Berger: „Online-Medien verdrängen zunehmend Printangebote“

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