Der Dialog mit Kritikern ist mir sehr wichtig

von am 29.09.2012 in Archiv, Gastbeiträge, Medienordnung, Top Themen

Der Dialog mit Kritikern ist mir sehr wichtig
Dr. Gunnar Bender, Director Policy, Facebook Deutschland

Facebook erbringt in Deutschland 2,6 Milliarden Euro Mehrwert für die deutsche Wirtschaft  – „Der Dialog mit Kritikern ist mir sehr wichtig“

Interview mit Dr. Gunnar Bender, Director Policy, Facebook Deutschland

Die Bedeutung und Beliebtheit von Social Media wächst immer weiter. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat deshalb Vertreter von Facebook zum Dialog eingeladen. Einig war man sich darin, die Wertediskussion gemeinsam zu führen und auf das Ineinandergreifen von Medienkompetenz auf der einen und Jugendschutz auf der anderen Seite zu setzen. Vor wenigen Tagen erst war Dr. Gunnar Bender, Director Policy bei Facebook Deutschland mit Thilo Weichert dem Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein zusammengetroffen, der zu den schärfsten Facebook-Kritikern gehört.

Herr Bender, Sie waren vor kurzem als Gastredner bei der Kieler Sommerakademie des unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein – also quasi in der Höhle des Löwen. Was war Ihr Thema dort?

Dr. Gunnar Bender: Höhle des Löwen ist wohl etwas übertrieben. Ich bin heil wieder nach Berlin zurückgekommen und habe die kontroverse Veranstaltung sehr genossen, denn der Dialog mit Kritikern ist mir sehr wichtig. Das übergeordnete Thema der Sommerakademie in diesem Jahr war „Sozialere Netzwerke im Internet – durch Datenschutz“. Ich habe dort einen Einblick in unsere tägliche Arbeit gegeben und das Thema „Facebook zwischen Medienkompetenz und Datenschutz“ erläutert. Außerdem ist es mir ein Anliegen, die Diskussion zu versachlichen: Über was sprechen wir, wenn wir von sozialen Netzwerken reden, was heißt Empowerment und ich wollte deutlich machen, dass Facebook jederzeit zum fachlichen Dialog bereit ist, wenngleich die rechtliche Zuständigkeit für den Datenschutz in unserem Fall bei der irischen Datenschutzbehörde liegt.

Sie sind nun schon über 100 Tage im Amt. Wie fühlt es sich nach dieser Zeit an, für ein Unternehmen zu arbeiten, das insbesondere in Deutschland zum Teil stark in der Kritik steht?

Dr. Gunnar Bender: Ich muss zugeben, ich war von der zum Teil sehr emotionalen Kritik an Facebook überrascht. Facebook ist ein Unternehmen bei dem fast jeder direkt eine Meinung hat, selbst, wenn er den Dienst noch nie genutzt hat. Aber das macht meine Arbeit auch so spannend. Unser Leitbild ist es, die Welt offener und vernetzter zu gestalten. Und genau das mache ich gemeinsam mit meiner Kollegin Eva-Maria Kirschsieper jetzt auch in Berlin. Es ist spannend zu sehen, wie Menschen das Internet und soziale Plattformen für die unterschiedlichsten Bereiche nutzen. Natürlich ist Facebook für viele noch ein privater Ort, an dem sie sich mit Freunden und Familie austauschen, aber zugleich ist die Plattform auch ein Ort, an dem Politik und Wirtschaft nicht nur diskutiert sondern auch betrieben wird.

Welches sind Ihre Kernaufgaben im Unternehmen Facebook?

Dr. Gunnar Bender: Unsere Kernaufgaben in der politischen Kommunikation bestehen darin einen konstruktiven Dialog mit Staat und Verwaltung in Deutschland zu fördern, die richtigen Personen miteinander zu verknüpfen und nicht zuletzt Facebook und das Potential von Social Media in Deutschland zu erklären. Viele Kritikpunkte, denen wir uns hier in Deutschland stellen müssen, bedürfen der Diskussion und diese möchten wir als Unternehmen führen und vorantreiben. Gleichzeitig sind wir uns sehr bewusst, dass Facebook eine Verantwortung trägt. Drei Beispiele: Erstens der gesellschaftliche Mehrwert, den die Menschen auf der Plattform durch soziales Engagement schaffen. Hier unterstützen wir Initiativen wie beispielsweise Netz gegen Nazis oder Laut gegen Nazis um nur einige zu nennen.

Zweitens der wirtschaftliche Mehrwert den Facebook längst schafft. Eine Studie von Deloitte hat gezeigt, dass durch Facebook hierzulande mehr als 36.000 Arbeitsplätze entstanden sind und Facebook alleine in Deutschland 2,6 Milliarden Euro Mehrwert für die deutsche Wirtschaft erbringt.

Und drittens das Thema soziale Medienkompetenz, welchem wir uns ganz besonders angenommen haben. Wir möchten die Menschen, die sich in Deutschland  dem Thema bereits aktiv angenommen haben, miteinander verknüpfen und so soziale Medienkompetenz stärken.

Inwiefern zeigt Facebook in diesen Bereichen Engagement?

Dr. Gunnar Bender: Im Bereich sozialer Medienkompetenz arbeiten wir eng mit verschiedenen Organisationen und Initiativen zusammen. So haben wir beispielsweise in Kooperation mit dem Familienministerium, der Stiftung Digitale Chancen und der Berlin Media Professional School die SMARt Initiative ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um einen Social Media Advisory Roundtable (SMARt), an dem Strategien zur Stärkung der Medienkompetenz in sozialen Netzwerken entwickelt werden sollen. Die konkreten Schritte werden erstmals im November auf einer Veranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert.

Was möchten Sie in den kommenden 100 Tagen erreichen?

Dr. Gunnar Bender: Mit unserer Facebook Seite „Facebook Berlin“ haben wir eine transparenten Ort geschaffen, der zeigt was wir hier in Berlin machen. Wir verstehen uns als Botschafter für soziale Medien in der Hauptstadt. Wir möchten weiterhin den Dialog zwischen den verschiedenen Gesprächspartnern vorantreiben und zeigen, dass es sich bei Facebook um ein verantwortungsvolles Unternehmen handelt und den Menschen zu zeigen, dass sie selbst über die Verwendung ihre Daten bestimmen können. Je aufgeklärter die Nutzer im Umgang mit sozialen Medien sind desto besser.

Das Interview wurde in der promedia-Ausgabe 10/2012 erstveröffentlicht.

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