Medienordnung:

Digitales Entrepreneuership – Freie Fahrt für neue Unternehmen?

von am 15.11.2012 in Archiv, Medienordnung, Top Themen

<h4>Medienordnung: </h4>Digitales Entrepreneuership – Freie Fahrt für neue Unternehmen?
Lars Klingbeil, MdB und Netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion | Foto: Marco Urban
Einführungsrede von Lars Klingbeil, MdB  und Netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion zur Fachkonferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung „Digitales Entrepreneurship – Freie Fahrt für neue Unternehmen?“ am 20. November 2012 in Berlin
 

– Es gilt das gesprochene Wort –

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Die Digitalisierung ist die umfassendste Veränderung unserer Wirtschaft und Gesellschaft seit der Industrialisierung. Die Bedeutung der Digitalen Wirtschaft als Branche wächst. Gleichzeitig sind Informations- und Kommunikationstechnologien auch Treiber von Innovationen in allen klassischen Wirtschaftszweigen –  von der Autobranche, über den Maschinenbau bis hin zu Dienstleistungen. Die Digitale Wirtschaft ist eine junge, hochinnovative und wachstumsorientierte Branche. Politik muss das begreifen und neue Ideen zur Förderung von neuen Unternehmen entwickeln.

Ich möchte in meiner Einführung Herausforderungen und Möglichkeiten aus meiner Sicht aufzeigen und eine Diskussionsgrundlage liefern. Es gibt einige Voraussetzungen, die als Grundlage für den Erfolg der Digitalen Wirtschaft erfüllt sein müssen.

Die Grundlage für den gesellschaftlichen Aufbruch in die digitale Gesellschaft und Grundlage für Wachstum und Arbeitsplätze muss die Überwindung der digitalen Spaltung unserer Gesellschaft sein. Hierzu gehört an allererster Stelle der Zugang zum schnellen Internet. Der Zugang zum Internet muss Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge sein. Wer heute keinen Zugang zum Netz hat, ist von sozialer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Teilhabe abgehängt. Gleichzeitig ist die Netzpenetration einer der entscheidenden Wachstumsfaktoren für die Digitale Wirtschaft. Umso mehr Menschen Zugang zum schnellen Internet haben, umso mehr können innovative Dienste, Portale etc. nutzen. Wir brauchen in Deutschland endlich ein Recht auf Netz!

Eine weitere Grundvoraussetzung ist die Gewährleistung der Netzneutralität. Netzneutralität ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Internetwirtschaft. Sie sichert die Offenheit und Kreativität des Netzes und fördert Innovationen. Das schafft internationale Wettbewerbsfähigkeit. Netzneutralität ist darüber hinaus Garant für Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt. Der Siegeszug des Internets und IT-gestützter Dienste und Anwendungen wäre undenkbar ohne die Neutralität des Netzes. Wir plädieren für eine gesetzliche Verankerung der Netzneutralität wie wir sie auch schon im Rahmen der TKG -Novelle beantragt haben.

Wenn diese Voraussetzungen stimmen, werden Erfolg und Wachstumschancen der Digitalen Wirtschaft werden auf zwei Feldern entschieden: TALENTS UND CAPITAL

1. talents: Gut ausgebildete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind der Garant für Kreativität und für Wachstum im Digitalen Zeitalter. Dies erfordert einen radikalen Wandel von Schule, von Ausbildung, von Universitäten. Die Vermittlung von technischer und digitaler Kompetenz muss hier integral verankert werden. Wir brauchen neue Kompetenzen und Fähigkeiten, für die heute die Fachkräfte von morgen ausgebildet werden. Der Gedanke vom Laptop als Werkbank des 21. Jahrhundert muss stärker in unsere Bildungsstrukturen verankert werden. Die Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft, hat genau hier vorgeschlagen: Jeder Schüler, jede Schülerin braucht Laptop oder Tablet, Veränderung der Lehrerausbildung, Digitalisierung der Bildungsmaterialien, Stärkung der naturwissenschaftlichen und technischen Studiengänge.

Im Übrigens lohnt es sich in diesem Kontext auch darüber zu diskutieren, wie eigentlich gute Digitale Arbeit aussieht. Freiheitgewinne für Arbeitnehmer und bessere Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen auf der anderen Seite neue Phänomene wie Projektdruck, ständige Erreichbarkeit etc. gegenüber. Diese Diskussion lohnt sich gerade aus sozialdemokratischer Sicht, denn es heißt Arbeitnehmerrechte, Arbeitnehmerschutz und viele weitere Dinge auf die Digitale Gesellschaft zu übersetzen.

Schon heute ist im Übrigen in der Digitalen Wirtschaft ein Fachkräftemangel zu spüren.

2. capital: Digitale Gründerkultur. Wir brauchen in Deutschland ein positives Klima für Gründungen. Das hat auch etwas mit der Stärkung digitaler Kompetenz in den Bildungseinrichtungen zu tun. Und wir brauchen Cluster an den Universitäten die Gründungen fördern und junge Menschen ermutigen. Es muss darum gehen frühzeitig Kreative, Juristen und Betriebswirte zusammen zu bringen und deren Konzepte mit der Erfahrung erfolgreicher Gründer anzureichern. Das ist der Stoff aus dem erfolgreiche Gründungsmythen entstehen und es ist unsere Aufgabe dies stärker als bisher zu fördern. Und wir brauchen endliche eine ordentliche Finanzierung von Gründungen. Wir brauchen Wagniskapital, das passgenau und ohne allzu viel Bürokratie zur Verfügung gestellt wird. Wir brauchen eine Kultur die Menschen ermutigt, ihre kreativen Ideen umzusetzen. Zur Gründerkultur gehört auch das Scheitern anzuerkennen. In den USA heißt es, wer scheitert mit einer Gründung lernt und macht es nächstes Mal besser. In Deutschland hat man es schwer nach einer gescheiterten Gründung wieder auf die Beine zu kommen.

Wachstumsfinanzierung: In einer Studie der FES aus diesem November wird festgehalten, dass 52 % der wachstumsorientierten jungen Unternehmen über Schwierigkeiten bei der Finanzierung von Personal aus der laufenden Geschäftstätigkeit klagen. 45 % berichten von Schwierigkeiten beim Zugang zu externer Finanzierung. Neben der Finanzierung von Gründungen geht es deshalb auch um die Frage, wie Wachstum in den Unternehmen der Digitalen Wirtschaft durch gezielte Förderung unterstützt werden kann. Die Digitale Wirtschaft hat auf Grund ihrer Dynamik und der kurzen Innovationszeiträume spezifische Anforderungen an öffentliche Förderung. Die Erfahrung zeigt, dass viele junge, dynamische Unternehmen hier den Weg über eine komplexes Förderantragsverfahren scheuen. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch die Diskussion um die steuerliche Behandlung von Streubesitzdividenden.

Die Rolle des Staates als Nachfrager und Taktgeber des digitalen Wandels. Da geht es dann auch um die industriepolitische Perspektive für die Digitale Wirtschaft. Wir brauchen eine digitale Standortpolitik, die auf Wachstum und Innovationen ausgerichtet ist. Die Energiewende wohl kaum ohne intelligente Netze zu schaffen sein. Auch in vielen anderen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge von Bildung über Gesundheit bis hin zu Verkehr und Verwaltung brauchen wir einen Aufbruch. Der Staat als change-agent beim Umbau der Öffentlichen Daseinsvorsorge zu einer innovativen, technologie-gestützten, intelligenten und Ressourcen schonenden öffentlichen Daseinsvorsorge ist die Perspektive über die wir diskutieren sollten.

Digitales Entrepreneurship zu Fördern ist auch eines der Ziele, das wir uns beim Kreativpakt gestellt haben. Der Kreativpakt ist eine Initiative, die Frank Steinmeier und Tim Renner im Jahr 2009 als Bündnis von Kreativen, Entrepreneueren und Politikern gegründet haben. Wir haben nun gemeinsam ein Konzept erarbeitet mit dem wir die Soziale Sicherheit, die Bildungspolitik, die Kultur- und Wirtschaftsförderung, das Urheberrecht und die Netzpolitik so weiter entwickeln, dass wir auf der Höhe der Zeit einer digitalen Kreativwirtschaft sind.

Vielen Dank!

(Das Redemanuskript liegt hier vom Autor überarbeitet vor.)

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