Rundfunk:

Lasst die Idee nicht vertrocknen

von am 25.03.2013 in Allgemein, Archiv, Dualer Rundfunk, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Rundfunk

<h4>Rundfunk:</h4>Lasst die Idee nicht vertrocknen
Dr. Richard Meng, Staatssekretär und Sprecher des Senats von Berlin

Beim Thema Jugendkanal verschanzen sich zu viele hinter Finanzbedenken

25.03.13 Von Dr. Richard Meng, Staatssekretär und Sprecher des Senats von Berlin

Es war nur ein Aufschlag, den die ARD da geliefert hat. Nicht viel mehr zwar als eine Ankündigung, das Thema endlich ernsthaft anzugehen – aber immerhin das. Ein Jugendkanal, gemeinsam getragen von ARD und ZDF, um endlich die Alterslücke bei den Öffentlich-Rechtlichen zwischen Kika und Midlife-Rückkehrern zu schließen: Zumindest mal wurde der Eindruck erweckt, da gehe nun mit Elan etwas voran.

Einige Diskussionsrunden später kann man an diesem Eindruck wieder zweifeln. Die frische Idee wird gedreht und gewendet und es sammeln sich dabei mittlerweile die Bedenkenträger. Frei nach dem Motto: Alle sind dafür, aber niemand sonst darf Nachteile haben, schon gar nicht finanzielle. Das ist ARD-intern spürbar, noch deutlicher wird es beim ZDF. Und gemeinsam wird das Thema an die Medienpolitik rübergeschoben, wo es konzeptionell auch hingehört. Wo aber nicht einfach nach dem Prinzip „neue Idee / höherer Rundfunkbeitrag“ verfahren werden kann.

Im Gegenteil. Nicht um höhere Beiträge sollte es gehen, sondern um ein jünger daher kommendes Gesamtangebot. Um möglichst verbindliche (und das wäre ein eigener Kanal) Zwänge, neue Sendeformate und einen jüngeren Präsentationsstil zu entwickeln. Statt letzten Endes doch oft nur Sendungen in Lightform zu kopieren, die bei den Privaten Quotenerfolg hatten.

Ja, es geht auch ums Geld. Aber da beginnen dann die Verkürzungen schon bei der These, dass die fürs Programm bereit stehenden Mittel schließlich konstant seien. Sie wären es nicht, wenn bei den Verwaltungskosten der öffentlich-rechtlichen Sender weit konsequenter reduziert würde. Das Problem bei dieser notwendigen Debatte ist, dass die Senderverantwortlichen sich derzeit viel mehr nicht zutrauen. Aber das bedeutet ja nicht, dass mehr nicht geht.

Die gute Idee wird nach und nach vertrocknen, wenn nur Schwarzer Peter gespielt wird. Das geht in diesem Fall so: Weil ein Jugendkanal ja Qualität bieten müsse, werde er deutlich mehr kosten, als aus den bislang beauftragten Digitalkanälen herausgespart werden könne. Dieses Mehr aber dürfe natürlich auch nicht von den Hauptprogrammen kommen – und von den Partnerprogrammen wie 3Sat oder Phoenix sowieso nicht. Die Politik kennt solcherart Debattenführung. Am Ende passiert gar nichts und alle betonen ihre Unschuld daran, denn sie wollten ja nur das Beste. Bedeutet dann: Lieber nichts, wenn schon nicht das Beste.

Etwa ein Fünftel der Zuschauer der Öffentlich-Rechtlichen entfällt derzeit auf Digitalkanäle oder Partnerprogramme. Das ist nicht wenig, aber auch nicht so viel, dass man das Thema Jugendkanal alleine über eine Umverteilung aus diesen Bereichen lösen kann. Deutlichere Ziele beim hausinternen Bürokratieabbau müssen hinzu kommen aber auch an der einen oder anderen Stelle die Überprüfung der Finanzprioritäten bei den Hauptprogrammen. Jedenfalls dort, wo es sich im Wesentlichen nicht um eigene journalistische Leistung handelt, sondern eher um gekaufte Quote, insbesondere bei bestimmten Sportevents.

Da schwindet dann aber der Mut. Bei den Verwaltungsabläufen würde man noch mehr hausinternen Ärger in Kauf nehmen und Quotenrisiken wären bei etwas weniger Groß-Events nun mal unbestritten die Konsequenz. Andererseits: Schließlich geht es doch gerade darum, in einer publizistisch so zentralen Zielgruppe – die das öffentlich-rechtliche Radio übrigens ganz gut erreicht – endlich wieder an Reichweite hinzuzugewinnen. Es darf niemanden ruhig lassen, dass die Öffentlich-Rechtlichen bei denen, die unmittelbar vor oder schon mitten im Berufsleben stehen, nur noch ein Minderheitensender sind.

Eine Finanzdebatte kann da auch bequem sein im Vergleich zur Inhaltsdebatte. Aber erste Schritte gibt es ja, zum Beispiel bei ZDF neo. Und zumal in der Altersgruppe unter 30 muss so ein Erfolg immer neu bestätigt werden. Im Hauptprogramm geht es bei einem Durchschnittsalter knapp über 60 nun einmal nur sehr beschränkt, nachhaltig die Jungen anzusprechen.

Gerade ZDF neo zeigt, dass es viel Sinn macht, mutig anzufangen und sich dann weiter zu entwickeln. Auf den ersten Schritt kommt es jetzt an, nicht nur auf das schöne, teure Gesamtkonzept. Also: Mut zur Praxis! Die Öffentlich-Rechtlichen sollten in Absprache mit der Medienpolitik den Start für ein junges Programm planen, das auf viele andere Angebote ausstrahlen wird. Die Medienpolitik sollte den Auftrag dazu nicht abhängig machen vom Kopfnicken der vielen Besitzstandswahrer.

Dieser Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 04/2013 erstveröffentlicht.

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