Medienanalyse:

Peer Steinbrück interagiert am besten mit seiner Facebook-Fangemeinde

von am 10.04.2013 in Archiv, Social Media

<h4>Medienanalyse:</h4>Peer Steinbrück interagiert am besten mit seiner Facebook-Fangemeinde
© Peer Steinbrück

Analyse der zehn beliebtesten Politiker auf Facebook

10.04.13 Eine aktuelle Analyse der Goldmedia Marketing GmbH erfasst den Interaktions-Index für die zehn beliebtesten deutschen PolitikerInnen.

Von Daniel Lucassen und Franziska Benkwitz

Peer Steinbrück hat mit einem Index von 10 die besten Interaktionswerte, gefolgt von Claudia Roth (Index 7). Im Mittelfeld liegen Renate Künast, Hannelore Kraft, Angela Merkel (Index 4) und Horst Seehofer (Index 3). Die geringste Interaktion wurde auf den Seiten von Jürgen Trittin und Frank-Walter Steinmeier (Index 2) sowie Wolfgang Schäuble und Joachim Gauck (Index 0) registriert.

 

 

Insgesamt ist zu erkennen, dass die meisten deutschen PolitikerInnen sehr präsent vertreten sind. Doch nicht jeder nutzt die Potenziale des Netzwerkes optimal aus. Neben aktiven teambetreuten Seiten finden sich „vernachlässigte“ (Wolfgang Schäuble) oder sogar gar keine offiziellen Facebook-Präsenzen (Joachim Gauck). Auch die Aktualität oder Regelmäßigkeit der Posts der Betreiber lässt eine eher untergeordnete Rolle von Facebook als Kommunikationskanal vermuten (Hannelore Kraft, Angela Merkel und Horst Seehofer). Hier liegen jedoch insbesondere für PolitikerInnen viele Potenziale hinsichtlich der Wähleransprache. Auffällig ist, dass ein Großteil der PolitikerInnen wenig bis gar nicht auf die Kommentare der Fans reagiert. Es fehlt zudem an persönlichen Statements und Ansprachen. Die Potenziale der Dialog-Funktion von Facebook werden dementsprechend nicht bei jedem/jeder deutschen PolitikerIn ausreichend genutzt. Denn Facebook sollte als Dialog und nicht als Informations- oder Presseportal verstanden werden.

Interessant ist darüber hinaus, dass sieben von zehn der beliebtesten PolitikerInnen in Deutschland die Postfunktion für User blockiert haben. Die Fans haben demnach nicht die Möglichkeit über die Pinnwandeinträge auf Facebook mit dem/der jeweiligen PolitikerIn in Kontakt zu treten. Weiterhin ist es auffällig, dass nur drei PolitikerInnen (Peer Steinbrück, Renate Künast und Claudia Roth) mit ihrer Fangemeinde interagieren, indem sie selber kommentieren und auf Fragen/Statements reagieren.

Chancen und Risiken für PolitikerInnen

Insbesondere für Personen der Öffentlichkeit bietet Facebook eine optimale Plattform, um mit Fans zu interagieren, Anliegen zu erkennen und darauf zu reagieren. Die transparente Informationspolitik, die Facebook mit seinen Funktionen schafft, kreiert einen neuen Raum für politische Diskurse, indem der User interaktiv mit einbezogen werden kann. So können Meinungen frei geäußert, ausgetauscht und  verbreitet werden. Bestimmte Thematiken erhalten damit einen besonderen Stellenwert und können von den PolitikerInnen in ihren Aktionen aufgegriffen werden.

Letztendlich können politische Begehren über die sozialen Netzwerke einfacher verbreitet werden. Die Wichtigkeit und Aktualität der angesprochenen Thematiken spiegelt sich sogleich in der Reaktion der User wider. So erfährt auch der Wahlkampf eine Wandlung, indem eben direkt und unmittelbar auf Handlungen der Betreiber reagiert werden kann.

Wichtig ist hier zu erkennen, dass eine große Fangemeinde nicht gleichzeitig eine hohe Interaktion garantiert. Neben dem Auftritt (Verhältnis von Bild/ Link/ Text, Transparenz von Informationen, regelmäßige Aktualisierungen) ist vor allem die direkte Ansprache wichtig. Das schafft nicht nur eine oberflächliche Nähe, sondern eine Beziehung mit den Wählern. Es ist durchaus zu erkennen, dass sich die PolitikerInnen bemühen, in Kontakt mit ihrer Fangemeinde zu treten. Allerdings läuft dieser bei den meisten sehr statisch ab. Neben wenigen persönlichen Ansprachen verhindert auch die Einschränkung der Postfunktion eine größere Beteiligung der Wähler. Das Blockieren der Postfunktion ist dabei jedoch nicht ausschließlich als negativ zu werten. So wird damit beispielsweise das Veröffentlichen von Spam oder ungewollten Kommentaren unterbunden. Außerdem kann es als Vorsichtsmaßnahme vor eventuellen Shitstorms (nach Duden: Sturm der Entrüstung) verstanden werden. Grundsätzlich sind derartige Maßnahmen insbesondere aus Sicht eines Politikers nachvollziehbar. Jedoch widerspricht diese einseitige Kommunikation der Grundidee von Social Media. Soziale Netzwerke setzen eine Diskussion auf Augenhöhe voraus.

Goldmedia Interaktions-Index März_2013_Beliebteste Deutsche Politiker from Goldmedia Group

Ein weiterer wichtiger Faktor eines erfolgreichen Aufbaus einer Beziehung zu seiner Fangemeinde ist die Interaktion. Dabei geht es um das Kommentieren der Beiträge der User als auch der eigenen Posts. Dies zeigt eine stetige Auseinandersetzung mit den Meinungen und Anliegen der Fans und führt letztendlich zu einer Aufhebung der Unnahbarkeit und Distanz zum/ zur PolitikerIn. Das verschafft dem/ der PolitikerIn eine größere Reichweite seiner/ ihrer politischen Einstellungen. Der Auftritt wird so zu einem politischen und persönlichen Statement über die eingeschlagene Richtung, Vorhaben und die Authentizität.

Es zeigt sich deutlich, dass einige Politiker (vor allem Wolfgang Schäuble und Joachim Gauck) die Potenziale des Netzwerkes noch nicht erkannt haben. Dabei sollten PolitikerInnen Facebook als eigenständige Plattform erkennen und nutzen. Denn damit öffnen sich neue Möglichkeiten zur Annäherung an neue und bestehende Wählergruppen. Schließlich schafft authentische Interaktion auf Augenhöhe Nähe und dadurch auf lange Sicht die Steigerung der Bekanntheit.

Goldmedia Marketing GmbH bringt unter www.interaktions-index.de monatlich eine Analyse der Interaktionen auf Facebook heraus. Dabei bewertet dieser Index die Facebook-Fanpages von Unternehmen oder Personen nach dem Grad der tatsächlichen Interaktion mit den Fans. Dazu werden sowohl die Aktivitäten der Betreiber als auch die auf Userseite ausgewertet.

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