Medienpolitik:

Jugendschutz als Qualitätsmerkmal für Verbraucher

von am 10.04.2013 in Allgemein, Archiv, Dualer Rundfunk, Jugendmedienschutz, Medienpolitik, Medienregulierung, Regulierung, Rundfunk

<h4>Medienpolitik:</h4>Jugendschutz als Qualitätsmerkmal für Verbraucher
Sandra Singer, Jugendschutzbeauftragte Sky Deutschland AG

Debatte um neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag

10.04.13 Von Sandra Singer, Jugendschutzbeauftragte Sky Deutschland AG

Zwei Jahre nach dem Scheitern kommt Bewegung in die Debatte um einen neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Gegenwärtig wird in den Staatskanzleien der Länder und mit den verschiedenen Interessengruppen über einen neuen Vertragsentwurf diskutiert. Im Herbst 2013 soll den Ministerpräsidenten ein neuer Entwurf für die JMStV-Novelle vorliegen.

Eine Vielzahl juristischer Vorgaben, unterschiedlich bewertende Aufsichtsorgane und gesonderte Rechtslagen für Kino, Fernsehen und Internet stellt Jugendschützer im Hinblick auf ein verändertes Nutzungsverhalten gerade jüngerer Zielgruppen vor neue Herausforderungen. Doch nur eine rechtlich einheitliche und gleichzeitig kundenorientierte Regelung kann einen wirkungsvollen Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien sicherstellen. Wie ein zeitgemäßer Jugendschutz schon heute praktiziert werden kann, zeigt Sky Deutschland.

Schier undurchdringlich sogar für Rechtsexperten scheint mittlerweile der Dschungel des deutschen Jugendschutzrechts: Neben Jugendmedienschutzstaatsvertrag und Jugendschutzgesetz existieren weitere Richtlinien und Satzungen, daneben eine Vielzahl von Institutionen mit gesonderten Zuständigkeiten für Kino, Fernsehen und Internet. Wie Kinder und Jugendliche wirkungsvoll vor problematischen Inhalten in Fernsehen und Internet geschützt werden können, ist für viele unserer Kunden eine zentrale Frage bei der Mediennutzung. Daher ist ein hoher und verlässlicher Jugendschutzstandard ein wesentliches Verkaufsargument für unser Angebot, das sich an die ganze Familie richtet. Als einer der größten Inhalteanbieter in der deutschen Medienlandschaft und als Mitglied der FSF (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen) und der FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia) übernehmen wir darüber hinaus gesellschaftliche und soziale Verantwortung und messen dem Thema Jugendschutz einen besonders hohen Stellenwert bei.

Individuelles Rating aller Medien

Die Einhaltung aller gesetzlichen Regularien ist dabei selbstverständlich. Ein siebenköpfiges Team prüft vor Einsatz alle Inhalte und erteilt jedem Beitrag eine individuelle Altersangabe. Die Information über das Rating für eine bestimmte Altersstufe ist ein wichtiges Jugendschutzinstrument in der familiären Medienerziehung. Deshalb bieten wir im Sky Online-EPG, auf Sky Anytime und Sky Go zu allen Filmen, Serien und Dokumentationen aktuelle und verlässliche Alterskennzeichnungen.

Technischer Jugendschutz bei Sky

Dem Bedürfnis der Eltern nach einem verantwortungsvollen und gleichzeitig zeitgemäßen Jugendschutz  tragen wir darüber hinaus auf ganz besondere Weise Rechnung – mit unserem technischen Jugendschutzkonzept. Sky Kanäle mit entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten sind nur nach Eingabe einer vierstelligen PIN sichtbar, die den erwachsenen Kunden bei Vertragsbeginn per Post zugeschickt wird. Nach einer von den Landesmedienanstalten beauftragten Studie erachten zwei Drittel der Bevölkerung und sogar 86 Prozent der Abonnenten die Vorsperre als effektiver als die herkömmliche Sendezeitenregelung. Akzeptanz und Wirkungsgrad der Vorsperre sind also durchweg groß.

Die ganze Medienvielfalt – aber sicher

Durch den Einsatz der Vorsperre werden uns liberalere Sendezeiten erlaubt: Vorgesperrt dürfen FSK16-Filme ganztags, FSK18-Filme bereits ab 20 Uhr gesendet werden. Der Kunde erhält dadurch die Flexibilität, Inhalte unabhängig von deren regulärer Sendezeit zu sehen – und kann sich dabei trotzdem darauf verlassen, dass Kinder und Jugendliche auf für sie ungeeignete Inhalte nicht zugreifen können.

Während im Fernsehbereich die Verantwortung für den Jugendschutz überwiegend dem Anbieter zukommt, setzt die jugendschutzrechtliche Regulierung des Internets in höherem Maße auf die Elternverantwortung. Jugendschutz im WWW kann nur funktionieren, wenn Eltern in den Endgeräten zuhause technische Jugendschutzkonzepte einsetzen. Wir helfen Eltern dabei und unterstützen daher auch die von Bund, Ländern und der Wirtschaft getragene Initiative „Sicher online gehen“ als Partner und mit einem hohen Mediavolumen.

Vorreiterrolle bei TV und Internet

Je zeitunabhängiger und non-linearer Fernsehen genutzt wird, desto mehr nimmt die Notwendigkeit technischer Jugendschutzkonzepte zu. Denn Sendezeitenregelungen widersprechen der Nutzungslogik in Telemedien mit ihren zeitunabhängigen Zugriffsmöglichkeiten. Deswegen setzen wir auch im eigenen Online-Bereich auf innovative technische Jugendschutzlösungen. So sind in der Online-Mediathek Sky Go FSK16- und FSK18-Inhalte rund um die Uhr nur mit PIN abrufbar. Für unsere Apps auf Iphone und Ipad bieten wir den „Kids-Lock“, so dass Kinder im Kids-Bereich unbeschwert nach altersgerechten Inhalten stöbern können, ohne auf ungeeignete Inhalte zu stoßen. Auf diese Weise können wir unseren Kunden ein durchgängig hohes Jugendschutzniveau sowohl onair als auch online garantieren, womit wir uns von vielen Angeboten – gerade im Netz – abgrenzen. Ziel ist der „einheitliche Schutz von Kindern und Jugendlichen vor beeinträchtigenden Inhalten“, wie er ja auch im Jugendmedienschutzstaatsvertrag formuliert ist – und zwar unabhängig von Verbreitungsform und Anbieter.

Gesetzgebung mit Nachbesserungsbedarf

Diese Konvergenz bildet der deutsche Jugendschutz dagegen noch nicht ausreichend ab: Während im Internet FSK12-Filme beispielsweise ganztags ohne PIN-Abfrage abrufbar sind, müssen sie im Fernsehen grundsätzlich vorgesperrt werden. Hier wird den Eltern auch keine Entscheidungsfreiheit gewährt und damit keine Verantwortung zugestanden – die Vorsperre muss senderseitig signalisiert werden, ohne dass Eltern die Möglichkeit haben, die PIN-Abfrage bei 12er-Inhalten optional zu deaktivieren. Besonders augenfällig wird die Unstimmigkeit der unterschiedlichen rechtlichen Vorgaben dann zu Hause im Wohnzimmer, nämlich bei der Verwendung von Smart TV mit der simultanen Nutzung von Fernsehen und Internet auf einem Gerät. Hier ist es für den Zuschauer überhaupt nicht nachvollziehbar, weshalb der identische Film über das Rundfunksignal nur nach PIN-Eingabe sichtbar ist, während er gleichzeitig online frei verfügbar ist. Doch nicht nur ungleiche Verbreitungswege erschweren den vom Gesetzgeber gewünschten „einheitlichen Schutz“ von Kindern und Jugendlichen, auch im Fernsehen wird mit zweierlei Maß gemessen: Unterschiedliche Zuständigkeiten in der Aufsicht führen dazu, dass die Ausstrahlung eines Programms, das vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk bereits tagsüber gesendet wurde, im privaten Rundfunk zur gleichen Sendezeit die Einleitung eines aufsichtlichen Beanstandungsverfahrens nach sich ziehen kann. Dies liegt an unterschiedlichen Prüf- bzw Bewertungsmaßstäben der Jugendschützer. Aktuell wurde zum Beispiel die Episode „Unter Druck“ der ZDF-Krimireihe SOKO Wien durch die KJM mit einer Sendezeitbeschränkung belegt. Sky Deutschland darf diese Folge zukünftig nicht mehr vor 20 Uhr ausstrahlen, während sie im ZDF unbeanstandet lief und dort auch weiterhin tagsüber ausgestrahlt werden darf.

Medienunabhängige Bewertung im Fokus

Solange identische Programminhalte unterschiedlich bewertet werden, kann Jugendschutz die heutigen und künftigen Anforderungen nur schwer zufriedenstellend meistern. Die Transparenz von jugendschutzrechtlichen Bewertungen wird damit in Frage gestellt. Ein verbraucher- und familienfreundlicher Jugendschutz setzt vielmehr die Gleichbehandlung gleicher Inhalte voraus. Ziel eines wirkungsvollen und medial zeitgemäßen Jugendschutzes muss daher dessen rechtliche Angleichung in Rundfunk und Telemedien und innerhalb des dualen Systems sein. Nur die Bereitstellung einheitlicher, einfacher und verständlicher Maßnahmen und Instrumente kann den sicheren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor für sie ungeeigneten Medieninhalten gewährleisten. Sky Deutschland zeigt, dass ein zeitgemäßer, zuverlässiger und effizienter Jugendschutz schon heute in der Praxis erfolgreich umsetzbar ist.

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