Netzpolitik:

„Die Herausforderungen sind erheblich“

von am 25.04.2013 in Allgemein, Archiv, Infrastruktur, Internet, Medienpolitik, Netzpolitik, Netzpolitik

<h4>Netzpolitik: </h4>„Die Herausforderungen sind erheblich“
Anne Ruth Herkes, Beamtete Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie I © BMWi

Deutschland digital – Empfehlungen des BMWi

25.04.13 Rede von Anne Ruth Herkes, Staatssekretärin auf dem D21-Expertenforum „Auf dem Weg in ein digitales Deutschland?!“ am 23. April 2013

– Es gilt das gesprochene Wort –

Vor kurzem hat Gartner, das USamerikanische Marktforschungsunternehmen aus Stanford, seine Prognose für 2013 veröffentlicht: Die weltweiten ITAusgaben sollen um 4,1 % auf 3,8 Billionen Dollar bzw. rund 3 Billionen Euro steigen. Am stärksten sollen die Ausgaben für Hardware steigen. Die zentrale treibende Kraft sei die Nachfrage nach teuren Smartphones, sagen die Marktforscher.

Das ist nicht überraschend und deckt sich mit unserer hiesigen Entwicklung. Die Attraktivität der mobilen Geräte löst einen wahren Wachstumsschub aus. Was bedeutet das für die digitale Gesellschaft? Sind wir bald alle mobil digital und können die weitere Entwicklung dem Selbstlauf bzw. dem Markt überlassen?

I. D21-Digital-Index und Monitoring-Report Digitale Wirtschaft                                                                                                   

Analyse und Standortbestimmung sind wichtig, um die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen. Mit dem Monitoring-Report Digitale Wirtschaft haben wir seit Jahren ein Instrument, mit dem wir die Leistungsfähigkeit der deutschen digitalen Wirtschaft im internationalen Vergleich bestimmen können. Aktuell liegt Deutschland im weltweiten Vergleich der Standorte gemeinsam mit den Niederlanden auf Rang sechs. Und wir wollen noch weiter nach vorn kommen. Ich freue mich sehr, dass wir mit dem neuen D21-Digital-Index nun auch einen noch genaueren Blick nach innen – auf die digitale Gesellschaft – haben.

Die Studien der Initiative D21 bieten seit 2001 verlässliche Daten zur Internetnutzung und seit 2006 zur Internetkompetenz der Bevölkerung in unserem Lande. Aber wie das reale Leben besteht auch die digitale Welt nicht nur aus Ja und Nein, Schwarz und Weiß oder Onlinern und Offlinern. Die Zusammenhänge sind vielfältig. Wir müssen genauer hinsehen. Das tun wir jetzt dank dieses Public-Private-Partnership-Projektes von Bund, Ländern und Unternehmen. Die wichtigsten Ergebnisse haben Sie soeben gehört und gesehen.

Die Herausforderungen sind erheblich, um aus „digital Interessierten“ kompetente „digitale Nutzer“ zu machen. Da heißt es:
Kräfte bündeln.

II. Aktionsprogramm Digitale Wirtschaft

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, von dem ich Ihnen an dieser Stelle herzliche Grüße übermitteln darf, hat auf dem IT-Gipfel Ende 2012 das Aktionsprogramm „Digitale Wirtschaft“ gestartet. Es richtet seine Maßnahmen besonders auf drei Wachstumsfelder:

1. Digitalisierung der Industrie, das heißt Einsatz digitaler Technologien in allen Wirtschaftsbereichen,

2. intelligente Netze und

3. junge Unternehmen und Startups.

III. IKT-Wirtschaft und -Startups

Die IKT-Branche selbst ist eine der größten und wachstumsorientiertesten Branchen in Deutschland. Fast 900.000 Menschen sind in diesem Bereich beschäftigt. 222 Milliarden Euro werden jährlich von deutschen IKT-Unternehmen umgesetzt. Hier im ansonsten strukturschwachen Berlin wird das Wachstum besonders sichtbar.

Wir haben mittlerweile eine viel versprechende Startup-Szene, die der gesamten Wirtschaft wichtige Impulse gibt. Die „digital Natives“ werden zu Unternehmern. Diesen Gründergeist und die Innovationskraft der digitalen Welt gilt es gezielt zu stärken.

Der neue Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“, ein zentraler Punkt des Aktionsprogramms Digitale Wirtschaft, soll den Dialog der Politik mit den jungen Unternehmerinnen und Unternehmern intensivieren. Dabei geht es um Finanzierungsfragen und Fördermöglichkeiten wie z.B. den High-Tech Gründerfonds oder den Investitionszuschuss Wagniskapital und um die Gewinnung von Fachkräften.

Das BMWi kümmert sich um die Fachkräftegewinnung aus dem In- und Ausland. Das Fachkräftekonzept der Bundesregierung sensibilisiert die Öffentlichkeit mittels verschiedener Maßnahmen allgemein für das Thema Fachkräftesicherung. Es bietet über das Portal www.fachkräfteoffensive.de Informationen und Tipps für inländische Fachkräfte und Unternehmen.

Vielleicht lässt sich dies noch stärker auf Branchenanforderungen wie im IT-Bereich erweitern. Ich begrüße es jedenfalls sehr, dass Sie das Thema heute Nachmittag in einem Forum vertiefen.

Um bei Jugendlichen das Interesse an natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern sowie an technologieorientierten Berufen zu fördern, bieten das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt übrigens Schülerlabore an.

IV. Digitalisierung der Industrie

Für Deutschland als starkem Industriestandort ist die Verknüpfung von digitalen Technologien und industriellen Prozessen eine große Chance. Mehr als ein Fünftel des Wachstums in Deutschland ging in den letzten Jahren auf digitale Technologien und das Internet zurück.

Auch in den klassischen Branchen sind es heute die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien, die innovationen und neue Geschäftsmodelle auslösen – Stichwort Industrie 4.0. Das BMWi unterstützt die Industrie zum Beispiel mit dem Technologieprogramm „Autonomik für Industrie 4.0“.

V. Mittelstand-Digital

Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Prozess den kleinen und mittleren Unternehmen, denn der „German Mittelstand“ ist ein
Erfolgsrezept, um das wir im Ausland beneidet werden. Internet-Anwendungen und neue Softwarelösungen zu Cloud Computing oder Big Data sowie standardisierte eBusiness-Prozesse bieten gerade kleinen und mittleren Unternehmen enorme
Effizienzpotenziale und neue Geschäftsfelder.

Online-Angebote erreichen nicht nur neue Kundenkreise, sie werden essenziell für die erfolgreiche Geschäftstätigkeit in allen Branchen. Allerdings ist gerade in kleinen und Kleinstbetrieben das Know how bei diesem Thema oft begrenzt bzw. muss zusätzlich zur eigentlichen Fachqualifikation – zum Beispiel des Handwerksmeisters – erworben werden.

Das BMWi unterstützt in seinem neuen Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital deshalb ein bundesweites eKompetenz-Netzwerk. Es besteht aus 39 regionalen eBusiness-Lotsen, die besonders kleine Unternehmen wie auch das Handwerk anbieterneutral und praxisnah auf der Suche nach effizienten, einfachen und bezahlbaren IKT-Lösungen begleiten.

Ein weiteres Thema bei Mittelstand-Digital ist die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit oder Usability betrieblicher Software.
Der Siegeszug der Smartphones und Tablet-PC beruht in hohem Maße auf ihrer intuitiven Bedienbarkeit. Auch in betrieblichen Prozessen sollten Softwareanwendungen leicht handhabbar sein. Deshalb fördert das Bundeswirtschaftsministerium bisher 10 Verbundvorhaben aus Wissenschaft und Praxis, um Vorgehensmodelle für eine höhere Gebrauchstauglichkeit zu entwickeln, und Software-Hersteller wie Anwender für das Thema zu sensibilisieren.

VI. Innovationskonzept „Lust auf Technik“

Die Entwicklung von Innovationen und die Begeisterung für neue Technologien sind grundlegend für unser wirtschaftliches Wachstum und den gesellschaftlichen Wohlstand in Deutschland. Das von Bundesminister Rösler im Mai 2012 gestartete Innovationskonzept „Lust auf Technik“ soll neue Impulse für die Innovationsaktivitäten der Wirtschaft, der öffentlichen Institutionen und der Gesellschaft insgesamt geben.

Naturwissenschaften und Technik sollen in der Öffentlichkeit wieder mehr Raum bekommen. Es geht darum, den Bürgerinnen und Bürgern neue Technologien besser zu erklären und sie zum Mitmachen bei technischen Neuerungen anzuregen. Das Bundeswirtschaftsministerium führt dazu eine Workshopreihe durch, um konkrete Handlungsempfehlungen an Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zu erarbeiten.

Im Vordergrund werden die Bereiche Mobilfunk, Biotechnologie, Nanotechnologie, Smart Systems und Bildung stehen. Am 5. Juni findet die Auftaktveranstaltung im BMWi statt.

Wir wollen aber auch dafür sorgen, dass die öffentliche Hand selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Denn der Staat kann in seiner Eigenschaft als Nachfrager von neuen Technologien eine Vorreiterrolle einnehmen und innovative Unternehmen stärken.

Mit dem neuen „Kompetenzzentrum für innovative Beschaffung“ sollen öffentliche Beschaffungsstellen jetzt in die Lage versetzt werden, verstärkt neueste technische Produkte und innovative Dienstleistungen zu erwerben.

VII. Sicherheit im Internet

Es ist ein deutliches Zeichen, wenn der Digitalindex feststellt, dass Datenschutz- und Sicherheitsbedenken die häufigsten Gründe für die Nichtnutzung des Internet sind. Nun liegt das möglicherweise zum Teil an der deutschen Mentalität. Viele Studien belegen, dass die Deutschen ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben. Schließlich sind wir auch Weltmeister bei Versicherungen. Hier ist offenbar noch mehr Aufklärung nötig und Schulung für eine objektive Bewertung der Risiken im Internet und für geeignete Sicherheitsmaßnahmen – bei den privaten wie bei den gewerblichen Nutzern.

Eine Studie im Auftrag des BMWi hat letztes Jahr das IT-Sicherheitsniveau kleiner und mittelständischer Unternehmen in Deutschland untersucht. Danach sind Virenscanner (99 %) und Firewalls (98 %) zwar nahezu flächendeckend im Einsatz. Aber es besteht Nachholbedarf bei der Verschlüsselung von Daten oder beim Management mobiler Endgeräte. Deshalb haben wir im Jahr 2011 im Rahmen der Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland im BMWi eine Task Force „ITSicherheit in der Wirtschaft“ eingerichtet.

Aus dem Maßnahmenbündel der Task Force möchte ich hier besonders die Online-Schulungen der BITKOM Akademie erwähnen und die sog. Multiplikatorenprojekte. Sie sollen bestimmte Berufsgruppen wie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwälte und Notare gewinnen, ihre Mandanten und Klienten auf das Thema IT-Sicherheit aufmerksam zu machen. Die Gewinnung und Schulung von Multiplikatoren ist immer wieder ein gutes Modell, um eine größere Breitenwirkung zu erzielen.

Das hat sich auch bei der Initiative „Internet erfahren“ bewährt, mit der bis 2011 Maßnahmen zur  Heranführung bisher wenig erreichter Bevölkerungsgruppen an das Internet gefördert wurden.

Netzwerke sind sehr wichtig, wenn wir die unterschiedlichen Nutzergruppen gezielt ansprechen wollen. Deshalb danke ich der Stiftung Digitale Chancen, dem Kompetenzzentrum Technik, Diversity, Chancengleichheit e. V. und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen für ihr fortgesetztes Engagement über die Förderphase von „Internet erfahren“ hinaus.

Im Übrigen werde ich heute mittag im BMWi eine Expertenrunde zum Thema IT-Schutz leiten, die heute erstmalig stattfindet. Sie soll den Dialog mit IT-Sicherheitsexperten, Wirtschaft, Wissenschaft und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik intensivieren.

VIII. Schluss

Der D21-Digital-Index bietet viel Gesprächsstoff. Ich wünsche Ihnen eine konstruktive Diskussion und möglichst konkrete Ergebnisse und Anregungen beim heutigen Expertenforum. Der Initiative D21 wünsche ich viel Erfolg bei der weiteren Steuerung in das digitale Deutschland und danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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