Netzpolitik:

D21-Studie zeigt Digitalisierungsgrad Deutschlands auf einen Blick

von am 24.04.2013 in Allgemein, Archiv, Internet, Medienpolitik, Netzpolitik, Netzpolitik, Regulierung

<h4>Netzpolitik: </h4>D21-Studie zeigt Digitalisierungsgrad Deutschlands auf einen Blick

24.04.13 Eine neue Studie der Initiative D21 zeigt den Digitalisierungsgrad Deutschlands erstmals auf einen Blick. Dem Index zu Folge haben mehr als die Häfte der Deutschen mittlerweile einen digitalen Zugang und sind Neuerungen der digitalen Welt offen gegenüber. Jedoch erreicht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern damit nur einen mittleren Digitalisierungsgrad. Außerdem macht die Studie eine digitale Spaltung innerhalb der deutschen Gesellschaft deutlich.

Sebastian Blumenthal MdB (FDP), Vorsitzender des Unterausschusses Neue Medien, Brigitte Zypries MdB (SPD), ebenfalls Mitglied des Unterauschusses „Neue Medien“, und Dr. Peter Tauber MdB (CDU), Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, bewerten für medienpolitik.net die Ergebnisse.

Zur ausführlichen Vorstellung des D21-Digital-Index

Studie zum Download

Sebastian Blumenthal MdB (FDP), Vorsitzender des Unter-ausschusses Neue Medien I © Sebastian Blumenthal MdB

„Ich sehe einen mittleren Digitalisierungsgrad keineswegs als ausreichend an“

Statement von Sebastian Blumenthal, MdB, Vorsitzender des Unterausschusses Neue Medien 

Die neue Studie „D21-Digital-Index – auf dem Weg in ein digitales Deutschland?!“ bietet eine gute Grundlage, um unser politisches Handeln und die Zielgenauigkeit von Maßnahmen zu überprüfen.

In den vergangenen vier Jahren wurden im Rahmen der Breitbandstrategie der Bundesregierung große Anstrengungen unternommen die flächendeckende Versorgung mit breitbandigem Internet voranzutreiben. Die Gestaltung der Digitalisierung ist mittlerweile ein Schwerpunkt der Arbeit des Bundeswirtschaftsministeriums.

Dass diese Anstrengungen Wirkung zeigen, belegt die D21-Studie wonach mittlerweile die Menschen in Deutschland überwiegend in der Digitalisierung angekommen sind und Deutschland einen mittleren Digitalisierungsgrad aufweist.

Dies zeigt jedoch auch, dass noch ein gutes Stück des Weges vor uns liegt. Für eine der führenden Industrienationen der Welt, sehe ich einen mittleren Digitalisierungsgrad keineswegs als ausreichend an. Wir müssen in den kommenden Jahren unsere Bemühungen daher in zwei Richtungen gleichzeitig intensivieren: Wir müssen unsere Innovationskraft weiter stärken, in Spitzentechnologien investieren und dürfen auch nicht vor einer Elitenförderung zurückschrecken. Gleichzeitig müssen wir jedoch auch dafür Sorge tragen, dass sich die Tendenzen hin zu einer digitalen Spaltung nicht verstärken. Die Studie zeigt deutlich, dass wir uns verstärkt um ältere Menschen und Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau bemühen müssen, um allen Menschen die Chancen zur digitalen Teilhabe zu eröffnen.

Jeder soll eine echte Chance zur Teilhabe am digitalen Fortschritt haben, um Potentiale der Digitalisierung für seine individuelle Lebensgestaltung nutzen zu können. Politik und Gesellschaft müssen aber auch akzeptieren, wenn jemand sich bewusst dazu entscheidet an der Digitalisierung nicht aktiv teilhaben zu wollen.

Brigitte Zypries MdB (SPD), Mitglied im Unterausschuss Neue Medien I © Studio Kohlmeier

„Auf dem Weg in ein digitales Deutschland?!“ – Aber na klar!

Beitrag von Brigitte Zypries

Niemand würde bestreiten, dass Deutschland auf dem Weg ins digitale Zeitalter ist – und zwar mit großen Schritten. In vielen Bereichen unseres Lebens nutzen wir digitale Anwendungen täglich. Die Digitalisierung erleichtert uns in vielen Bereichen den Alltag.

Der Index, der heute (23.4.) von D21 vorgestellt wurde, belegt diese Entwicklung: Die Mehrheit der Deutschen, nämlich 76,5 %, nutzt das Internet und digitale Angebote. Für mich auffällig bei diesem Index war die Diskrepanz zwischen digitalem Zugang und digitaler Kompetenz auf der einen Seite und der tatsächlichen Nutzung des WorldWideWebs auf der anderen Seite: Weniger Menschen in Deutschland, als es tatsächlich könnten, nutzen das Internet. Die Frage ist nur, warum? Die Zahlen zeigen, dass der Anteil der Internetnutzer insgesamt – nach erheblichen Steigerungen – in den vergangenen zwei bis drei Jahren stagniert. Wird es vielleicht immer einen Anteil an „Internet-Muffel“ geben? Werden die Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit bei einigen auch in Zukunft dazu führen, dass die Möglichkeiten des Internets (bewusst) nicht genutzt werden? Ich hoffe nicht! Aber klar ist auch: Wir wollen und können niemanden zwingen, das Internet zu nutzen. Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen stimmen und der Staat entsprechende digitale Angebote macht – ob die dann auch abgerufen werden, bleibt jedem einzelnen überlassen – und das ist auch richtig. Deshalb gilt auch: Staatliche Angebote zum Beispiel im Bereich der Verwaltung müssen nach wie vor auch analog bereit gehalten werden. Der Staat sollte dabei die digitale Nutzung zum Beispiel über Vergünstigungen oder das Angebot an kürzeren Bearbeitungszeiten fördern, jedoch nicht mit Sanktionen arbeiten.

Zwei Bereiche sind meines Erachtens besonders wichtig: Zum einen muss es insbesondere für Kinder und Jugendliche, d.h. für die kommenden Generationen, gute und umfassende Bildungsangebote geben. Medienkompetenz ist zwar in aller Munde, bei den konkreten Angeboten vor allem in den Schulen können wir aber noch besser werden. Entscheidend für mich ist dabei auch, dass die Möglichkeit des Umgangs mit PC, Laptop und dem Internet am Ende nicht vom Geldbeutel abhängig ist, sondern jedes Kind die gleichen Chancen erhält.

Zum anderen müssen wir die Rahmenbedingungen so setzen, dass die Digitalisierung auch für die deutsche Wirtschaft positive Effekte hat und den Unternehmen nutzt. Aktuell diskutierte Beispiele dafür sind das IT-Sicherheitsgesetz, die EU-Datenschutzreform oder das E-Government-Gesetz.

Es gibt gute Gründe, das Internet im Alltag an vielen Stellen zu nutzen, und ich selbst tue das täglich. Wir müssen aber akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich bewusst dagegen entscheiden. Auch zu seinem „digitalen“ Glück kann niemand gezwungen werden – und das ist auch gut so.

Dr. Peter Tauber MdB, Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft I © Tobias Koch

Netzpolitik ist kein Nischenthema mehr!

Statement von Dr. Peter Tauber MdB, Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, Gründungsmitglied und Sprecher des cnetz-Verein für Netzpolitik e.V. 

In Deutschland gibt es nach wie vor 16,5 Millionen Menschen, die nicht online sind – die „überzeugten Offliner“. Dieser Gruppe sollten wir in Zukunft unsere verstärkte Aufmerksamkeit schenken, denn es sind vor allem Ängste und Sorgen, die diese Gruppe davon abhält, sich im Internet zu bewegen. In erster Linie sind das Bedenken über die Sicherheit ihrer Daten und Sicherheitsfragen im Allgemeinen, aber der D21-Digital-Index 2013 hat auch hervorgebracht, dass der größte Teil der Offliner das Internet nicht nutzt, weil schlichtweg Kompetenzen im Umgang mit den neuen Medien fehlen. So haben Befragte beispielsweise angegeben, dass sie das Internet nicht nutzen, weil sie niemanden haben, der es ihnen erklärt. Besonders hier hilft ein offensiver und transparenter Umgang mit den Fragen der Digitalisierung, um möglichst vielen Menschen das Gefühl der Angst und Unsicherheit zu nehmen.

Die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages hat einen wichtigen Grundstein für eine breite und intensive gesellschaftliche Debatte gelegt, denn jetzt ist das Thema „Netzpolitik“ endgültig in den Medien, der Politik und den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskursen angekommen. Ich begrüße vor allem die einstimmig beschlossene Handlungsempfehlung zur Einführung eines ständigen Ausschusses für das Thema Netzpolitik, sowie einen in der Bundesregierung angesiedelten Staatsminister für Internet und digitale Gesellschaft. Außerdem plädiere ich persönlich dafür, ein „digitales“ Weißbuch einzuführen, um regelmäßig eine Bestandsaufnahme über die Digitalisierung in Deutschland zu haben.

Die Gründung eines Ausschusses wäre ein immens wichtiges Zeichen, um die Handlungsfähigkeit der Politik unter Beweis zu stellen und offensiv mit den großen Herausforderungen umzugehen, die die Digitalisierung mit all seinen Vor- und Nachteilen mit sich bringt.

/p

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