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„Die Buchpreisbindung muss auch für die Weiterentwicklung gelten“

von am 25.04.2013 in Archiv, Infrastruktur, Internet, Kreativwirtschaft, Medienpolitik, Plattformen und Aggregatoren, Urheberrecht, Verlage

<h4>Verlage: </h4>„Die Buchpreisbindung muss auch für die Weiterentwicklung gelten“
Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion I © Werner Schuering

25.04.13 Rede von Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU- Bundestagsfraktion

Auf der Veranstaltung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion „Das Gedruckte – nur noch etwas für Nostalgiker? Die Zukunft des Buches im digitalen Zeitalter“ spricht sich Volker Kauder für eine Buchpreisbindung und einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von elektronischen Büchern und Hörbüchern aus. Eine weitere Reduzierung des klassischen, mittelständischen Buchhändlers wird sich nicht vermeiden lassen, jedoch müsse die Politik Rahmenbedingungen schaffen, dass der Kontakt zum Buch in Zukunft nicht nur anonym übers Internet erfolgt.

Die Rede von Volker Kauder als Videomitschnitt finden Sie hier.

Ein politisches Resümée der Veranstaltung von Michael Kretschmer MdB, Dr. Günter Krings MdB (beide stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU- Bundestagsfraktion) und Dagmar Wöhrl MdB (Mitglied im Bundestagsausschuss für Kultur und Medien) finden Sie als Videomitschnitt hier.

Rede von Volker Kauder MdB

Lieber Wolfgang Börnsen, meine sehr verehrten Damen und Herren,

die größte Werbeveranstaltung für das gedruckte Wort, für das Buch überhaupt, ist die Buchmesse in Frankfurt. Es gibt überhaupt nichts Bewegenderes, Faszinierenderes als auf der Buchmesse die ganze Welt des Buches, der Verlage zu erleben und dort einzutauchen. Und für dieses einmalige Erlebnis sage ich Ihnen, lieber Herr Honnefelder, einen herzlichen Dank. Die Welt des Buches, Buchmesse, hat ein Gesicht und sie heißt Honnefelder. Herzlichen Dank dafür.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, warum beschäftigen wir uns in der Bundestagsfraktion mit diesem Thema? Nun, es hat konkrete Auswirkungen und es stehen auch konkrete Entscheidungen an. Aber das allein reicht nicht aus, sondern ich finde, wir müssen uns mit einer kulturellen Entwicklung befassen, die vieles in unserem Land verändern könnte. Und wir müssen uns die Frage stellen: Wollen wir diese Veränderung? Was wollen wir bewahren? Und was können wir dafür auch tun?

Die Sprache ist das wichtigste Handwerkszeug eines Politikers. Leider wird sie nicht immer so eingesetzt, wie es notwendig und sinnvoll wäre. Und dabei ist die deutsche Sprache etwas eigen, was ganz besonderes, weil ich nämlich glaube, dass es keinen Sachverhalt gibt, der nicht präzise mit der deutschen Sprache beschrieben werden könnte. Und die deutsche Sprache ist natürlich durch die Literatur, durch die Wissenschaft etwas ganz besonderes geworden. Und wir sehen mit großer Sorge, dass Deutsch als Wissenschaftssprache immer mehr in den Hintergrund zurückgedrängt wird. Ich will aber auf gar keinen Fall, dass Deutsch als Sprache der Literatur, als Sprache der Denker, als Sprache der Philosophie verschwindet. Und deswegen sollten wir überall dort, wo wir unterwegs sind, auch die deutsche Sprache einsetzen. Ich kann mich nicht damit anfreunden, wenn ich im Ausland unterwegs bin, und ganz egal, wo ich bin, mir bei offiziellen Terminen gesagt wird, können wir uns nicht in Englisch unterhalten? Ganz egal, wo man ist: Englisch soll es gemacht werden. Vor allem finde ich das eine besondere Form der Gastfreundschaft, wenn die Amerikaner sagen, wir unterhalten uns in Englisch. Und ich sage: Nein, wir unterhalten uns in Deutsch und Englisch und übersetzen die ganze Geschichte. Vor allem wenn es besonders schwierig wird, lege ich auf große Präzision wert und diese Präzision bringe ich eben nur in der deutschen Sprache und nicht in meinem angelernten Englisch, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Aber die deutsche Sprache und das Buch hängen eng zusammen, wenn gleich ich natürlich auch zugeben muss, dass deutsche Sprache und Zeitschriften auch etwas miteinander zu tun haben. Auch im Fernsehen. Man kann zwar nicht immer behaupten, dass es da DIE deutsche Sprache ist, die kommt, aber trotzdem auch da. Und deswegen ist das Buch und Sprache ein besonderes Thema.

Aber das Buch selber, es hat nicht nur Information. – Wir Politiker lesen ja viele Bücher in einer besonderen Form des Lesens und versuchen Informationen zu bekommen. – Das Buch hat auch noch etwas anderes. Wie kein anderes Medium kann es Phantasie befördern, kann es Bilder entstehen lassen, kann es fesseln, dass man es nicht mehr aus der Hand legen will. Aus der Hand legen? Nein, dass man sein IPad nicht mehr aus der Hand legen will.

Das Buch und die Literatur waren Avantgarde. Sie haben gesellschaftliche Entwicklungen vorangetrieben. Im Augenblick hat man ein wenig den Eindruck, als ob jetzt eine neue Phase begonnen hat, wo die Technik die Literatur und das Buch treibt und sie die Avantgarde ist.

Wenn ich auf längeren Reisen unterwegs bin und sehe, dass immer weniger Leute im Zug oder im Flugzeug ein Buch aus der Tasche holen, sondern ihr iPad, dann beschleicht mich da ein ganz besonderes gefühl. Nicht, weil ich denke, ich bin noch nicht soweit und sei vielleicht aus der Zeit gefallen. Sondern weil ich mir eben nicht vorstellen kann, dass man die Gegenständlichkeit, den physischen Kontakt zu dem, was Buch bedeutet, einfach weglegen kann und sagen kann, ich nehme mir ein elektronisches Medium.

Trotzdem wird die Entwicklung dahin gehen. Es sind noch keine dramatischen Zahlen. In Amerika ist es wesentlich weiter entwickelt. Aber man muss zur Kenntnis nehmen, die Wirklichkeit anschauen: es wird das Hard Cover-Buch, wie ich noch sage, durch die elektronische Möglichkeit noch eine Zeit lang ergänzt und dann vielleicht auch weiter betrieben. Und deswegen muss ich mir die Frage stellen: All das, was ich jetzt für das Buch bereits als gute Voraussetzung habe, ob ich dies auch weiterführen will. Und da sage ich, für mich ist die elektronische, die neue Möglichkeit der iPads, Tablets und vielen anderen nicht etwas grundlegend Neues. Denn es kommt entscheidend – bei aller Verliebtheit in das Buch, in die Hand zu nehmen und es zu riechen und zu sehen, dass es schön gemacht ist, also das sinnlich Erlebnis – kommt es entscheidend auf den Inhalt an.

Das Buch, das Buch auf dem iPad als ganz normale Weiterentwicklung des gedruckten Buches, das Buch in anderer Form. Und daraus folgt für mich die ganz logische Konsequenz: Das was jetzt für das Buch gilt, nämlich die Buchpreisbindung muss auch für diese Weiterentwicklung gelten, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Und natürlich – keiner kann mir jetzt eine Frage stellen, ist eigentlich nicht schön – trotzdem spüre ich natürlich, dass die Fragen da sind. Was ist eigentlich mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz, den wir jetzt auf das gedruckte Buch haben? Jetzt muss ich zunächst einmal sagen, wenn es richtig ist und sie haben das ja unterstützt, dass die Weiterentwicklung des Buches auf dem iPad auch „Buch“ ist, dann wird es einem sehr schwer fallen, eine redliche, überzeugende Begründung zu geben, warum das elektronische Buch nicht auch wie das andere Buch mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz versehen werden soll.

Mir fällt keine ein. Wolfgang Schäuble würde sagen: Tja, dort, wo das Herz hängt, ist die Begründung einfach. Stimmt. Und das Herz hängt am Buch. Und deswegen kann ich nur sagen, ich will keine neuen Ausnahmenbestände für die Mehrwertsteuer. Wir sollten eher zu einer Harmonisierung kommen. Ich glaube nicht, dass es gelingen wird, überhaupt das Thema hinzukriegen, weil wir nämlich am Thema Kultur und Zeitungen und Verlage überhaupt keine Überseinstimmung finden werden. Aber so lange das ist, meine ich schon, keine neuen Tatbestände, aber die alten Tatbestände auf das anzuwenden, was genau das ist, wo wir es bisher auch machen und deswegen werde ich diese Position auch versuchen umzusetzen, so schwer es auch ist.

Und, meine sehr verehrten Damen und Herren, natürlich muss ich an diesem Punkt jetzt auch einen Satz sagen. Sie ist zwar heute nicht da, aber sie hat Anspruch drauf, dass ich auch das sage, nämlich Frau Baumhöfer vom Hörbuchverlag. Da teile ich die Auffassung auch mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz. Buch ist Buch. Ob auf der CD oder auf dem anderen.

Also ganz klare Position. Wir müssen alles dafür tun, dass das Buch in einer schwierigen Phase überlebt. Aber mit dem Buch hängt ja auch der Vertrieb zusammen. Und mit dem Buch hängen ja auch Erlebnisse und Erfahrungen im Buchhandel zusammen. Da erleben wir natürlich, dass der Buchhandel erheblich unter Druck gekommen ist. Nicht erst durch Amazon, sondern er ist schon durch große Häuser in Druck gekommen, die kleinere in Schwierigkeiten gebracht haben.

Aber jetzt kommt eine neue Kategorie. Und da finde ich schon, sollte der Buchhandel etwas selbstbewußter mit seinen Möglichkeiten umgehen. Wir müssen auch viel deutlicher machen und ich will dafür auch werben, dass man Bücher nicht nur im Buchhandel kaufen und nicht nur bei Amazon bestellen kann, sondern dass die Buchhändler selber eine Plattform haben, bei der man die Bücher bestellen kann und manchmal die Dinge viel besser bekommt als woanders. Wir sollten also viel selbstbewußter dafür werben, dass wir als Buchfreunde und die Buchhändler Möglichkeiten haben. Wer weiß denn schon… Jeder weiss, was Amazon ist. Aber kaum einer weiss, dass auch der deutsche Buchhandel eine interessante Plattform hat, wo man Bücher bestellen kann. Dafür müssen wir mehr werben.

Und wir müssen natürlich auch dafür werben, dass der Buchhandel als Beratungseinrichtung Informationen geben kann, die wir so nicht haben. Wir werden damit eine weitere Reduzierung des klassischen Buchhändlers, des kleinen mittelständischen Buchhändlers nicht verhindern können. Es ist der Lauf der Welt, dass sich da auch etwas verändert. Aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, der Kontakt zum Buch sollte sich nicht ausschließlich im Anonymen mit meinem Internetanschluss abfinden. Das sollte nicht sein. Dafür werben wir und das, was wir als Politiker in den Rahmenbedingungen tun können, wollen wir auch tun. Da sind wir auch auf Ihre Einschätzungen und Vorschläge angewiesen und dem soll dieser heutige Abend dienen.

Mit dem Buch hängen eine ganze Reihe anderer Fragen zusammen, mit denen ich mich auch beschäftige. Nämlich die Frage vom Urheberrecht und vor allem von einer Frage, die einen großen deutschen Literaten, dessen Jahrestag wir im letzten Jahr gefeiert haben, nicht ausschließlich aber doch auch in den Tod getrieben hat, nämlich Kleist, der darunter gelitten hat, dass er von seiner Arbeit, von seinem Schreiben nicht leben konnte. Und deswegen kann ich nur sagen, jemand, der sich der Kultur, der Literatur, der Kunst verschreibt, hat keinen Anspruch darauf, dass er mit seiner Arbeit und von seiner Arbeit leben kann. Aber er muss eine Chance haben, dass er von seiner Arbeit leben kann. Und deswegen ist der Satz: „Absolute Freiheit im Netz.“ nicht der Satz, den wir in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vertreten wollen.

Dies alles zusammennehmend wünsche ich uns jetzt einen interessanten und spannenden Abend. Wir werden uns immer wieder mit diesem Thema befassen müssen. Und so lange es Chancen gibt, das Buch zu verteidigen, werden wir es tun.

Herzlichen Dank.

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