Rundfunk:

„Ein Qualitätsangebot zu fairen Konditionen“

von am 28.10.2013 in Allgemein, Archiv, Digitale Medien, Internet, Interviews, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Plattformen und Aggregatoren, Rundfunk

<h4>Rundfunk:<h4>„Ein Qualitätsangebot zu fairen Konditionen“
Dr. Alexander Coridaß, Sprecher der Geschäftsführung von ZDF Enterprises

ZDF Enterprises plant nach dem Aus von Germany’s Gold keine eigene VoD-Plattform

28.10.13 Interview mit  Dr. Alexander Coridaß, Sprecher der Geschäftsführung von ZDF Enterprises

Nach dem Scheitern von Germany’s Gold will ZDF Enterprises, einer der Hauptgesellschafter der geplanten VoD-Plattform keine eigene Plattform betreiben. Wie Dr. Alexander Coridaß, Sprecher der Geschäftsführung von ZDF Enterprises gegenüber medienpolitik.net betonte, habe man die Arbeiten an Germany’s Gold eingestellt, weil ein rechtliches Vorgehen gegen die zu erwartende Entscheidung des Bundeskartellamts sehr lange gedauert  hätte: „Zu lange und zu teuer für uns.“ Mit Germany’s Gold sollte dem Nutzer „ein klares und möglichst umfassendes Qualitätsangebot der deutschen TV- und Film-Produktionen aus den letzten sechs Jahrzehnten gemacht werden – zu wirklich fairen Konditionen“, so Coridaß.

medienpolitik.net: Herr Coridaß, seit über zwei Jahren haben Sie an der Idee des VoD-Portals „Germany’s Gold“ gearbeitet. Was war der Auslöser für diese Idee, warum wurde „Germany’s Gold“ geplant?

Dr. Alexander Coridaß: Wir arbeiten schon viel länger an der Idee eines eigenen VoD-Angebot. Dabei geht es uns letztlich immer um die optimale Vermarktung unserer VoD-Rechte sowie um eine gute Positionierung im digitalen Markt. Bereits vor einigen Jahren hatten wir die Etablierung einer ZDF Enterprises-eigenen Plattform geprüft – der damalige Business-Plan ergab aber keine positive Prognose. Als in der deutschen Medienlandschaft im Laufe der Zeit deutlich wurde, dass sowohl Produzenten als auch andere Distributoren aus verschiedenen Gründen gleichfalls an diesem Thema interessiert waren, haben wir unsere Ideen und Anstrengungen gebündelt und „Germany’s Gold“ gegründet. Dabei hat es gut gepasst, dass ungefähr zu dieser Zeit auch medienrechtlicher und -politischer Rückenwind  aufkam: die Länder wollten die Zusammenarbeit von Sendern und Produzenten beim digitalen Vertrieb gestärkt sehen.

medienpolitik.net: In welcher Form war das Portal ursprünglich geplant, um wirtschaftlich zu arbeiten?

Dr. Alexander Coridaß: Als gemeinsame Vermarktung der Partner, offen für passende Inhalte anderer Anbieter und offen auch für neue Gesellschafter. Technisch war ein Angebot geplant, das es so bis heute auf dem deutschen Markt nicht gibt: tVod, sVod und aVod auf und von einer Plattform, verbunden mit Ausspielungen auf alle maßgeblichen Endgeräte vom Smart TV über mobile Devices bis zu Konsolen und PC. Dem Nutzer sollte ein klares und möglichst umfassendes Qualitätsangebot der deutschen TV- und Film-Produktionen aus den letzten sechs Jahrzehnten gemacht werden – zu wirklich fairen Konditionen.

medienpolitik.net: Was sollte auf „Germany’s Gold“ verwertet werden?

Dr. Alexander Coridaß: Serien, Dokumentationen, Kinder-und-Jugendprogramme, TV-Movies, Spielfilme, Kinofilme, Shows, Ratgebersendungen, Kulturprogramme, Koproduktionen, von topaktuellen Angeboten bis zu Kultserien – sowohl von den Projektpartnern als auch sonstigen Lizenzgebern.

medienpolitik.net: Warum wäre durch die Einwände des Bundeskartellamtes die Wirtschaftlichkeit von „Germany’s Gold“ nicht mehr gegeben gewesen?

Dr. Alexander Coridaß: Nach den mehrfach überprüften Einschätzungen und Prognosen aller Partner war die Wirtschaftlichkeit einer im Wesentlichen auf deutsches Programm gestützten VoD-Plattform mit dem geplanten  technischen Komfort und der angestrebten Nutzerfreundlichkeit nur bei einer gemeinsamen Vermarktung und einem entsprechend breiten, günstigen Angebot als USP gegeben. Die geforderte technische Plattform wäre hingegen nicht geeignet gewesen, diese Grundvoraussetzungen zu erfüllen.

medienpolitik.net: Es gab an diesem Modell auch die Kritik vom Kartellamt, dass mit Gebühren finanzierte Programme ein zweites Mal bezahlt werden müssten. Ist diese Kritik berechtigt?

Dr. Alexander Coridaß: Nach unserer Ansicht: nein. Die Rechte, die z.B. ZDF Enterprises erwirbt und verwertet, werden nicht mit Gebühren finanziert, sondern mit am Markt erwirtschafteten Mitteln. Es wäre kein einziger Gebühren-Cent in das Projekt geflossen. Im Übrigen sind kommerzielle VoD-Angebote eigenständige Nutzungen, vergleichbar etwas dem Angebot von DVDs oder Bücher zu Sendungen.

medienpolitik.net: Auch die Länder hatten gegen ein VoD-Modell anscheinend keine Bedenken. Da hätten Sie doch „hart“ bleiben können?

Dr. Alexander Coridaß: Ein rechtliches Vorgehen gegen die zu erwartende Entscheidung des Bundeskartellamts hätte sehr lange gedauert – zu lange und zu teuer für uns.

medienpolitik.net: Ließ sich das VoD-Portal nicht auch ausschließlich über Werbung wirtschaftlich betreiben?

Dr. Alexander Coridaß: Gegebenenfalls schon, aber auch insoweit nur als breites, gemeinsames Angebot der maßgeblichen Rechteinhaber.

medienpolitik.net: Die Gewinne wären von der KEF gegengerechnet worden und wären so auch dem Gebührenzahler wieder zugutegekommen. Mit welchen Gewinnen für das ZDF hatten Sie gerechnet?

Dr. Alexander Coridaß: Das Projekt hätte zunächst weitere Investitionen in siebenstelliger Höhe erfordert und wäre erst nach einigen Jahren profitabel geworden. Aber natürlich  haben alle Projektpartner mit einem letztlich guten Geschäft gerechnet – dessen Erträge wären in der Tat in unser Jahresergebnis eingeflossen, das regelmäßig an unseren Gesellschafter ausgeschüttet wird.

medienpolitik.net: Welche Möglichkeiten bestehen nun für das ZDF, die Programmschätze aus 50 Jahren Sendetätigkeit weiter zu verwerten?

Dr. Alexander Coridaß: Das müssen Sie unseren Gesellschafter direkt fragen. Soweit Rechte bei uns liegen bzw. für uns zugänglich sind, werden wir uns zunächst auf die Lizensierung an Dritte konzentrieren.

medienpolitik.net: Wäre auch eine eigene ZDF-VoD-Plattform denkbar?

Dr. Alexander Coridaß: Das ZDF selbst darf keine kommerzielle VoD-Plattform errichten. Wohl aber ZDF Enterprises – wir planen bis auf weiteres jedoch nicht, als Plattformbetreiber tätig zu werden

medienpolitik.net:  Die Politik plant im Zusammenhang mit einem crossmedialen Jugendangebot, die Sieben-Tage-Frist für Mediatheken zu verändern, um ein längeres kostenloses Abrufen von Sendungen zu ermöglichen. Würde sich das für ZDF Enterprises negativ auswirken?

Dr. Alexander Coridaß: Wir können und wollen keinerlei Einschätzungen zu Vorhaben unseres Gesellschafters machen. Letztlich richten unser Geschäft immer an dem wirtschaftlich Sinnvollen und rechtlich Möglichen aus, und bisher waren wir damit ganz erfolgreich.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 11/2013 erstveröffentlicht.

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