Digitale Medien:

Verschiedene Aspekte zu Connected TV und neue Plattformen

von am 05.11.2013 in Allgemein, Archiv, Digitale Medien, Dualer Rundfunk, Internet, Medienwirtschaft, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Plattformen und Aggregatoren, Rede, Regulierung, Rundfunk, Social Media

<h4>Digitale Medien:</h4>Verschiedene Aspekte zu Connected TV und neue Plattformen

Der rechtliche Rahmen muss flexibel sein, um bei der rasanten, technischen Entwicklung  nicht zu schnell zu veralten. 

 05.11.13 Keynote von Gareth Barr (Head of Public Service Policy, Ofcom)

Der VPRT, die Medienanstalten und die Deutsche TV-Plattform präsentierten am 4. November 2013 in Berlin im Rahmen ihrer gemeinsamen Veranstaltung „Suchen – Finden – Navigieren“ die aktuellen Entwicklungen rund um Nutzerführung und Steuerungsmöglichkeiten auf TV- und zugehörigen Geräten.  Herr Barr,  Head of Public Service Policy der Ofcom, gibt in seinem Vortrag einen Überblick über die momentane Situation in England. 

Lesen Sie hier eine deutsche Zusammenfassung. 

Es gab viele Veränderungen innerhalb technologischer Entwicklungen in letzter Zeit. Besonders die Medienindustrie verbindet die Gesellschaft. Dies wird alle herausfordern: Geschäftsmodelle, sowie die öffentliche Staatstätigkeit. Deswegen ist nun die Zeit gekommen über Politik und Regulationen zu reflektieren, um effektiven Wettbewerb zu fördern und angemessenen Schutz und Sicherheit zu bieten.

  1. Veränderungen in der Technologie

Im Jahr 1972 gab es ein Wohnzimmer mit einem analogen Fernseher und ein paar Kanälen. Die britische Regierung erlaubte 9900 Stunden Sendezeit auszustrahlen, die auf die Kanäle BBC 1, BBC2 und ITV aufgeteilt wurden. In den 90er Jahren kamen Channel 4 und 5 dazu, die eine hohe inhaltliche Qualität lieferten, aber auch Anlass einer öffentlichen Staatstätigkeit forderten.

Momentan ist das System auf verschiedenste Art und Weise finanziert. BBC gehört der Öffentlichkeit und wird über öffentliche Fernsehlizenzen finanziert, die 140 Pfund pro Jahr und Haushalt kosten. Channel 4 gehört ebenso der Öffentlichkeit, aber wird nicht über öffentliche Einnahmen finanziert, sondern durch Werbung. I TV und Channel 5 sind Handelsgesellschaften, die diverse Sendeprogrammverpflichtungen haben, wie zum Beispiel nationale und regionale Nachrichten im Tausch gegen Vorteile (elektronische Programmführer, Zugang zu Spektrum etc.). Diese Public Service Broadcasters (PSB) strahlen wichtige Programme aus, die von Millionen Menschen jeden Tag gesehen werden.

Die große Veränderung trat schlagartig zu Beginn der 90er Jahre ein. Multi-Channel Platforms, wie z. B. Satelliten und digitales terrestrisches Fernsehen boten den Zuschauern eine Programmauswahl. Dazu kam eine steigende Anzahl an Fernsehgeräten in den einzelnen Haushalten. Jeder konnte nun sein eigenes Programm wählen. Verschiedene Menschen sahen verschiedene Kanäle an verschiedenen Orten.

Durch die Einführung von Video-on-Demand, Catch-Up video kamen weitere Wahlmöglichkeiten dazu und der Markt explodierte durch die Konnektivität mit Mobiltelefonen. Die Anzahl der Kanäle und das Volumen der Inhalte erweiterten sich exponentiell. Heute hat Ofcom mehr als 2000 Broadcast Services, von denen viele mehr als 24 Stunden pro Tag senden. Dieser Massenwettbewerb erforderte eine Diversion in Marktlücken, sogenannte Multi-Channels in diversen Sprachen, und verursachte einigen Druck auf das PSB System. So verloren einige der bisherigen Vorteile, vor allem der Zugang zu Spektrum, an Wert, da sich die Knappheit von Spektrum verringerte.

Da die Zuschauer nun mehrere verschiedene Kanäle sahen, verringerten sich die Einkünfte aus Werbungen der PSBs. BBC nähert sich momentan einer stagnierenden Lizenzgebühr an.

  1. Das Verhalten des Verbrauchers und wie es sich verändert aufgrund dieser Veränderungen

Dieses Jahr gab es eine interessante Entwicklung, die die „Wiedererfindung des 50er Jahre Wohnzimmers“ genannt wird. Die Anzahl der Haushalte mit mehr als einem Fernseher gehen zurück, Haushalte mit nur einem Fernseher im Wohnzimmer steigen wieder an. 91% der Britischen Haushalten sehen sich das Main TV Set an. Sie schauen im Durchschnitt über vier Stunden fern pro Tag. Die Anzahl der Kinder, die einen Fernseher in ihrem Zimmer haben, fällt ebenso.

Aufgrund dieser Entwicklung und der Wirtschaftskrise fallen die Fernsehverkaufszahlen, jedoch spielt die zunehmende Benutzung von Tablets sicherlich auch eine Rolle.

Die Fernsehgeräte von heute haben eine hervorragende Bildqualität: in Farbe, 3D und HD. Der Grund dafür, warum die Menschen wieder gemeinsam ins Wohnzimmer zurückkehren, liegt wahrscheinlich darin begründet, dass sie die verschiedenen Kanäle auf unterschiedlichen Geräten, wie z. B. Mobiltelefonen, Tablets oder Laptops, abrufen können und sich doch gleichzeitig am selben Ort aufhalten können.

Diese Geräte werden ebenso auch als Kommunikationsmittel benutzt, was wir „Media Mashing“ nennen. Es handelt sich um Kommunikationsplattformen, wie Facebook, Emails, Twitter, etc., auf denen man darüber spricht, was man gerade schaut, auch mit Menschen, die man gar nicht kennt. Während des Wimbledon Endspiels twitterten 1,1 Millionen Menschen auf der ganzen Welt, die 2,6 Millionen Tweets generierten, von welchen 80 % von Mobiltelefonen kamen. Live-TV wird immer beliebter.

Digital Video Recorders sind bereits bei der Hälfte aller Haushalte und oft in Pay TV Packages vorhanden. Tablets sind in 24 % der Haushalte, Smartphones in über der Hälfte der Haushalte vorzufinden und wir wissen, dass diese Geräte überwiegend zu Kommunikationszwecken verwendet werden. Die Internetfunktion ist nun auch schon in den Fernsehgeräten mit eingebaut. Letztes Jahr war in einem von fünf verkauften Fernsehgeräten die Internetfunktion integriert. Mehr als 7 Millionen Haushalte, circa 27 % installierten dieses Jahr eine Internet Top Box.

On-Demand Fernsehen wird immer populärer, wo hingegen On-Demand Videos auf Laptops immer unpopulärer werden.

24 % der Haushalte besitzen ein Tablet, was sich aber bald ändern wird aufgrund von sinkenden Preisen. 50 % der Tabletbenutzer könnten nicht ohne ihr Tablet leben. Im Durchschnitt werden diese Tablets 1 Stunde und 45 Minuten pro Tag benutzt und 34 % sagen, dass es ihr wichtigstes Internetgerät ist. 56 % der Haushalte benutzen ihr Tablet, um Audio Visual Content zu schauen. Diese Zahlen sagen voraus, dass sich noch viel verändern wird.

Diese Veränderungen sind nur mit einer sehr schnellen Breitbandverbindung  möglich. Allerdings haben 25 % der Haushalte in England keinen Breitbandanschluss und sind abhängig vom Fernsehen. Die Datennutzung wächst jedoch sehr schnell an. Immer mehr Menschen benutzen ihre Smartphones oder Tablets, um eine Vielzahl verschiedener Videos im Internet zu schauen.

Internet-Dienstleister werden zu TV Plattformen und kaufen ihre eigenen TV Rechte ein. Broadcasters bieten Diesntleistungen online an und gründen ihre eigenen Plattformen, die entweder ihren eigenen Inhalt anbieten oder Platz zur Verfügung stellen, damit die Nutzer ihre eigenen Inhalte tauschen können. Die Technologie bietet Zugang zu Internet Connected Services, sowie Broadcast Services, wobei man manchmal gar nicht mehr den Unterschied feststellen kann.

3. Die Auswirkungen dieser Veränderungen für die Legislative und Regulationen

Diese Verschmelzung bedeutet, dass der Bedarf besteht, einen rechtlicher Rahmen zu entwickeln, besonders in Bezug auf die elektronische Kommunikation. Dieser rechtliche Rahmen muss flexibel genug sein, um zu verhindern, bei dieser momentanen rasanten Geschwindigkeit der technischen Entwicklung  zu schnell zu veralten. Er muss  für die Öffentlichkeit klar und einfach verständlich formuliert sein. Eine inkrementelle Planung wird gebraucht.

Was bedeutet das alles für die Entdeckung des Inhaltes? Früher gab es kaum eine Auswahl, aber dann stieg die Anzahl an Fernsehkanälen und –programmen und somit der Wettbewerb. Die Finanzierung der PSB Kanäle stellte sich als problematisch heraus. Die Navigation der einzelnen Kanäle wurde immer wichtiger. Daraufhin führte die Regierung Englands Electronic Program Guides (Videotexte) für alle PSB Kanäle ein. Die Idee dahinter war, dass man bei diesem steigenden Angebot an Fernsehkanälen, die PSB Kanäle sehr einfach finden sollte, damit die Zuschauerzahl wieder steigt und mehr Firmen wieder Geld in Werbespots investieren. Diese Strategie war sehr erfolgreich.

Allerdings funktioniert das heute immer weniger, weil Fernsehen mehr bedeutet als nur das lineare Fernsehprogramm zu schauen. Fernsehgeräte werden mittlerweile auch für Social Media, Apps, Search und PVRs genutzt, um Inhalte zu finden. Diese Anwendungen helfen dem Zuschauer, schnell das zu finden, was er sucht. Der Wettbewerb auf diesem Gebiet ist in England sehr hoch, allerdings hat die Industrie noch keinen klaren Ansatz für eine Industrienorm gefunden.

England debattiert momentan über die Legislative und die rechtlichen Rahmen. Die Regierung sollte sich folgende Fragen stellen: Wie sichern wir die Verfügbarkeit des Inhaltes im Public Service Broadcasting ab, d. h. Zugang zu Netzwerken und zu User Interfaces? Wie sichern wir die Qualität der Informationen, die die Menschen schnell finden wollen? Wie sichern wir den EPG Zugang für die Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen? Bezüglich des Wettbewerbes: Wie sind die Auswirkungen der Integration von so vielen, verschieden Geräten und Inhalten? Bezüglich der rechtlichen Zuständigkeit: Wie gehen wir mit den Dienstleistungen innerhalb und auβerhalb der EU-Mitgliedsstaaten um?

Die Welt wird immer komplexer und wir sind nicht sicher, wie sich die EPGs entwickeln bzw. welche Rolle sie spielen werden, um es dem Zuschauer zu vereinfachen, seinen angemessenen Inhalt zu finden.

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