Internet & Politik:

„Wäre es nach dem sichtbaren Online-Wahlkampf gegangen, hätte die AfD 10% der Stimmen gewonnen“

von am 07.11.2013 in Allgemein, Archiv, Digitale Medien, Gastbeiträge, Internet, Netzpolitik, Plattformen und Aggregatoren, Social Media

<h4>Internet & Politik:</h4>„Wäre es nach dem sichtbaren Online-Wahlkampf gegangen, hätte die AfD 10% der Stimmen gewonnen“

Ein Buch gibt Aufschluss über die  Bundestagswahl 2013 – Themen, Tools, Wahlkampf.

07.11.13 Von Klas Roggenkamp, Geschäftsführer der compuccino GmbH und Erfinder der Online-Wahlhilfe Wahl-O-Mat und Sebastian Schmidtsdorf, Politik- und Kommunikationswissenschaftler, Redaktion wahl.de und wahl.de Blog

Seit 2008 beobachtet wahl.de die Online-Aktivität von Parteien und Politikern, Kandidaten und Mandatsträgern. Täglich zeigen wir auf der Plattform die aktivsten und erfolgreichsten Akteure, analysieren Themen und Beziehungen und werten aus, wo Aktivität überhaupt stattfindet.

Mit dem wahl.de Blog haben wir zur Bundestagswahl 2013 den Blick erweitert: Regelmäßig haben Experten aus PR- und Public Affairs, Parteien und Wissenschaft ihre teils kontroversen Beiträge auf wahl.de veröffentlicht und damit das Themenspektrum der Plattform kräftig erweitert. Mit Erfolg, wie die hohe Reichweite der Beiträge und auch die Wahrnehmung einzelner Meinungen gezeigt hat. Von Energiewende bis Netzpolitik, Verbraucherschutz bis Internationale Beziehungen, und natürlich Beobachtungen zum Online-Wahlkampf, Methoden und Tools.

Dieses Buch bündelt alle Beiträge in ein handliches und v. a. dauerhaftes Format, welches chronologisch und thematisch alle Facetten des vermeintlich ereignisarmen Wahlkampfes beleuchtet.

Exklusiver Auszug aus dem Buch „#BTW13“

Vorwort

Die BundesTagsWahl 2013 war langweilig. Viele Beobachter hatten sich schon sehr früh darauf eingestimmt, wenige Erwartungen haben zu können an die Parteien und v.a. an die Spitzenkandidaten. Viel wurde über Form und Formate, aber erstaunlich wenig über Inhalte diskutiert.

2013 ist im Vergleich zu 2009 sicher kein Superwahljahr gewesen, obwohl sich bei drei Landtagswahlen und schließlich der Bundestagswahl einiges bewegt hat: In Niedersachsen verliert der CDU-Hoffnungsträger McAllister überraschend gegen einen eher unbekannten Herrn Weil, weil er „seine“ Zweitstimmen für die FDP geopfert hat. In Bayern holt dafür Horst Seehofer die absolute Mehrheit zurück, während die FDP aus dem Landesparlament weichen muss.
In Hessen ist irgendwie alles offen, mit FDP… und im Bund dasselbe Bild, nur ohne die Liberalen und mit einer nur knapp verpassten CDU-Alleinregierung.

Wäre es nach dem sichtbaren Online-Wahlkampf gegangen, dann hätte es ein vollkommen anderes Ergebnis sein müssen. Dann hätte die AfD locker 10% der Stimmen für sich gewonnen, und auch die Piraten wären problemlos über die 5%-Hürde gehüpft. Aber weder die Zahl der Likes und Shares, noch die Retweet-Quote sind wahlentscheidend geworden. Ebenso wenig wie Snowden und Prism, Griechenland und Euro.

Netzwerke

Trotz einiger neuer Angebote zeigte sich auch im Online-Wahlkampf die deutliche „Weiter so“-Stimmung. Anders als noch 2009 war die Existenz von Social Media Profilen eher Basic denn Breaking News. Natürlich gab es die Beobachter, die nur mehr Reichweite zählen, also Fans oder Follower auf einem Kanal. Aber anders als in den letzten Jahren ist vielen Berichterstattern klar, dass das virtuelle „Lattenmessen“ nicht berichtenswert ist ohne begleitende Beobachtung von Aktivität, Beziehungen und… den Inhalten, die Nutzer verbreiten.

Während die Zahl der Nutzer, also der „Social Media Kandidaten“ insgesamt deutlich gestiegen ist, hat sich die Reichweite bei den meisten Profilen unwesentlich gesteigert.
Die Aktivität und Aufmerksamkeit der Akteure konzentrierte sich auf wenige Kanäle.
Die Wahlkampf-Kommunikation der Parteien und vor allem die Organisation der Anhänger fand auf eigenen Plattformen, verstärkt aber auch auf Facebook statt.
Spott, Häme, vereinzelt aber auch ernst gemeinte Inhalte verbreitete man auf Tumblr, weniger oft via YouTube oder Soundcloud.
Die „Diskussion“ bahnte sich auf Twitter ihren Weg, stellenweise wurde aber auch bei Google+ oder XING diskutiert. Die Agenda der Politik-Diskussion wurde aber nur in den seltensten Fällen hier bestimmt, vielmehr wurden Themen der „klassischen Medien“ nur verstärkt und in die verstreuten „Filterblasen“ gepustet.

Mitmachen

Bei den öffentlichen Mitmachplattformen scheinen die Parteien weiterhin mehr zu experimentieren als zu erreichen. Aber trotzdem gibt es zahlreiche und auch gute Angebote.
Die SPD hat hier mit ihrer mitmachen.spd.de Plattform einen soliden Grundstock für weitere Kampagnen gelegt. Ebenfalls zu erwähnen sind natürlich auch CDUplus und die schon länger laufende „Meine Kampagne“ von den Grünen. Der Mobilisierung der eigenen Anhänger und Mitglieder kam immer noch die größte Bedeutung im Online- und Social Media Wahlkampf zu, der Neuwählergewinnung und Überzeugung wohl eher weniger. Was fehlte dann noch? Innovative Spendenplattformen, Apps und Infografiken.

On- und Offline

Für den Onlinewahlkampf gilt das, was auch für die meisten anderen Instrumente, wie Plakate, Wahlkampfstände auf dem Marktplatz oder TV-Spots gilt: Keines entscheidet alleine die Wahl, aber ohne eines der Instrumente geht es auch nicht! Eine konsequente Verknüpfung von On- und Offlinekommunikation sowie eine Verbindung zu konkreten Aktionen wurde versucht, ist aber noch ausbaufähig.

 

Zur #BTW13 – Buchvorstellung am 13. November 2013, 18:30 Uhr im BASE_camp Berlin will wahl.de nochmal den Blick auf die Highlights des Wahlkampfes werfen. Was wurde erwartet? Was ist tatsächlich passiert? Was wird bleiben?

Ausgangspunkt der Diskussion ist eine Onlineumfrage zur #BTW13.

Das Buch kann hier bestellt werden.

Eine Übersicht über den Inhalt und die Autoren finden Sie hier:

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