Rundfunk:

„Das Thema ‚trimediales Jugendangebot‘ bleibt auf dem Tisch“

von am 27.11.2013 in Allgemein, Archiv, Digitale Medien, Internet, Jugendkanal, Medienförderung, Medienpolitik, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

<h4>Rundfunk:</h4>„Das Thema ‚trimediales Jugendangebot‘ bleibt auf dem Tisch“

Länder befürworten weiterhin trimediales Jugendangebot von ARD und ZDF

27.11.13 Fragen an Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt, Jacqueline Kraege, Chefin der Staatskanzlei von Rheinland-Pfalz und Lutz Marmor, ARD-Vorsitzender und Intendant des NDR

Die Ministerpräsidenten der Länder haben auf ihrer Jahrestagung in Heidelberg wider Erwarten noch kein grünes Licht für das Konzept eines ARD-ZDF-Jugendangebotes gegeben. Die Öffentlich-Rechtlichen hatten einen Jugendkanal für junge Leute zwischen 14 und 29 Jahren vorgeschlagen. Damit könnte die Zahl der Digitalkanäle von ARD/ZDF von sechs auf vier schrumpfen. Das neue Angebot ist als Fernsehsender, Radio- und Internetangebot geplant. Die ARD soll zwei Drittel der geplanten Kosten von 45 Millionen Euro pro Jahr tragen, das ZDF ein Drittel. Für Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei in Sachsen-Anhalt, Jacqueline Kraege, Chefin der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz, und Lutz Marmor, ARD-Vorsitzender, ist mit der Verschiebung der Entschei-
dung das Thema noch nicht vom Tisch. „Die Länder stehen vor der Aufgabe, den öffentlich-rechtlichen Auftrag an dieser Stelle unter dem Vorzeichen der fortgeschrittenen Konvergenz neu zu formulieren, was insgesamt weitreichende Folgen nach sich ziehen kann. Erstmals geht es um ein Gesamtangebot, dass nicht nur die bisher getrennten Medien Radio, Fernsehen und Internet verbinden soll, sondern auch die Systeme ARD und ZDF gemeinsam beauftragt“, so Rainer Robra.

Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt

Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt

medienpolitik.net: Herr Robra, die Ministerpräsidenten haben ARD und ZDF Anstalten beauftragt, das Konzept „nachzubessern“. Ist das ein Indiz dafür, dass es bei einem großen Teil der Ministerpräsidenten doch Vorbehalte gegen einen Jugendkanal gibt? Ist das Thema damit faktisch vom Tisch?

Rainer Robra: Das Thema „trimediales Jugendangebot“ ist und bleibt auf dem Tisch. Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder haben den Tagesordnungspunkt „Gemeinsames Jugendangebot von ARD und ZDF“ bei ihrer Jahreskonferenz vom 23. – 25. Oktober 2013 ausführlich und intensiv beraten. Sie haben unter anderem festgestellt, dass ein crossmediales Jugendangebot sicher eine wertvolle Ergänzung der bisherigen Programmangebote sein kann. Allerdings haben sie noch inhaltlichen und finanziellen Klärungsbedarf. Bei der Konferenz am 13. März 2013 wollen sich die Regierungschefinnen und Regierungschefs erneut damit befassen. ARD und ZDF werden sicherlich die Chance nutzen, ihr Konzept bis dahin zu optimieren.

medienpolitik.net: Es sollen vor allem die CDU/CSU-regierten Länder Vorbehalte gegen das vorliegende Konzept des Jugendangebotes gegeben haben….

Rainer Robra: Die Beauftragung eines gemeinsamen trimedialen Jugendangebots von ARD und ZDF hat zweifelsohne große strategische Bedeutung für die Rundfunkanstalten. Die Länder selbst stehen vor der Aufgabe, den öffentlich-rechtlichen Auftrag an dieser Stelle unter dem Vorzeichen der fortgeschrittenen Konvergenz neu zu formulieren, was insgesamt weitreichende Folgen nach sich ziehen kann. Erstmals geht es um ein Gesamtangebot, dass nicht nur die bisher getrennten Medien Radio, Fernsehen und Internet verbinden soll, sondern auch die Systeme ARD und ZDF gemeinsam beauftragt. Dass die Regierungschefs in Bezug auf Inhalt und Finanzierung des neuen Angebots größere Genauigkeit des Konzepts fordern, bevor sie grünes Licht geben für einen Entwurf zur Änderung des Rundfunkstaatsvertrags, ist daher gut zu verstehen.

medienpolitik.net: Auch die veranschlagten Kosten von 45 Mio. Euro wurden mit Skepsis aufgenommen.. Warum?

Rainer Robra: Die Rundfunkkommission hatte die Rundfunkanstalten gebeten, den Ländern rechtzeitig vor der Ministerpräsidentenkonferenz auch einen Wirtschaftsplan für das trimediale Jugendangebot vorzulegen. Diese Qualität erreichte das schriftlich vorgelegte Finanzierungskonzept der Rundfunkanstalten noch nicht. Allerdings haben der ARD-Vorsitzende und der ZDF-Intendant im Rahmen der politischen Beratungen erklärt, dass sie das neue Angebot mit 45 Mio. Euro jährlich werden finanzieren können. Die Länder haben diese Erklärung im Beschluss der Regierungschefinnen und Regierungschefs berücksichtigt, indem sie die Bereitschaft von ARD und ZDF begrüßen, eine verbindliche finanzielle Selbstverpflichtungserklärung im Sinne von § 3 Absatz 3 Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag abzugeben. Aus meiner Sicht wäre dadurch die finanzielle Obergrenze gesichert.

medienpolitik.net: Im Zusammenhang mit dem Jugendkanal wurde auch die Sieben-Tage-Regelung bei den Mediatheken diskutiert. Sie haben sich dafür ausgesprochen, dass die Regelung fallen soll. Wird dieser Vorschlag auch von allen Unions-regierten Länder unterstützt?

Rainer Robra: Die Rundfunkkommission ist beauftragt, einen Entwurf für einen zeitgemäßen Telemedienauftrag von ARD, ZDF und DLR vorzulegen, durch den insbesondere die bisherige 7-Tage-Regelung ersetzt wird. Die Erfahrung mit dieser Regelung zeigt, dass sie niemandem hilft, auch nicht den privaten Medienanbietern. Das Angebot der Rundfunkanstalten wird dadurch zwar übersichtlich gehalten, aber angesichts des technischen Fortschritts sollten die Rundfunkanstalten heute in der Lage sein, ein leicht bedienbares und kostengünstiges Recherchesystem für ein vernetztes Archiv einzurichten. Die vielbeschworene Wissensgesellschaft könnte profitieren, wenn insbesondere die von den Rundfunkanstalten selbstproduzierten Inhalte der öffentlich-rechtlichen Kernkompetenzen Information, Bildung, Kultur und Kinder zeitlich unbegrenzt zur Verfügung stünden. Zu Recht fragen heute viele Bürgerinnen und Bürger, weshalb diese von ihnen durch den Rundfunkbeitrag finanzierten Inhalte nicht auf Dauer zugänglich sind. Für Unterhaltungsangebote und Shows sowie für Filme und Serien halte ich dies nicht im selben Maß für notwendig. Insgesamt bedarf es einer neuen, differenzierten Regelung, die auch die Interessen der Produzenten berücksichtigen muss.

medienpolitik.net: Was soll mit den Digitalkanälen geschehen? Ist es auch die Position der B-Länder, dass das ZDF ZDFneo und ZDFinfo behalten kann?

Rainer Robra: Die Themen stehen schon aus Finanzierungsgründen miteinander in enger Beziehung. Ein trimediales Jugendangebot lässt sich unter Beachtung des Ziels der Beitragsstabilität nur bezahlen, wenn andere Angebote aufgegeben werden. Dafür haben ARD und ZDF in ihrem Konzept Vorschläge gemacht, die nach meinem Dafürhalten weiterverfolgt werden sollten. Ich habe die Diskussion der Länder dabei so verstanden, dass ZDFneo und ZDFinfo nicht in Frage stehen.

medienpolitik.net: Wird mit der Entscheidung über einen Jugendkanal die AG „Beitragsstabilität“ seine Aufgabe erfüllt haben.

Rainer Robra: Das Ziel der Beitragsstabilität ist ein medienpolitisches Querschnittsthema. Es wird daher auch im Zusammenhang mit der Diskussion um die Neuordnung der öffentlich-rechtlichen Angebote beachtet. Die Regierungschefinnen und Regierungschefs haben es ausdrücklich begrüßt, dass ARD und ZDF bei ihren vorgelegten Planungen zur Neuordnung des Programmangebots zugrunde legen, dass hierfür bis 2020 keine zusätzlichen Rundfunkbeitragsmittel zur Verfügung stehen. Persönlich bin ich überzeugt, dass die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Bevölkerung stark davon abhängt, dass der gegebene Finanzrahmen von jährlich 7,5 Mrd. € nicht ausgeweitet wird. Der Rundfunk gilt noch immer als Kulturgut. Die Menschen in Sachsen-Anhalt wären froh, wenn die Theater, Orchester, Chöre, Museen, Bibliotheken, Baudenkmale und die vielen anderen Kultureinrichtungen des Landes ebenso stabil und dauerhaft finanziert werden könnten, wie dies den Rundfunkanstalten gewährt wir

Staatssekretärin Jacqueline Kraege, Chefin der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz I © Staatskanzlei Rheinland-Pfalz

Jacqueline Kraege, Chefin der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz

medienpolitik.net: Frau Kraege, die Ministerpräsidenten haben ARD und ZDF beauftragt, das Konzept „nachzubessern“. Wird der Jugendkanal kommen?

Jacqueline Kraege: Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder haben eine Neuordnung der Spartenkanäle und ein gemeinsames Jugendangebot von ARD und ZDF intensiv diskutiert. Sie waren der Meinung, dass ein crossmediales Jugendangebot sicher eine sinnvolle Ergänzung der bisherigen Programmangebote sein kann. Fragen zur Konzeption und Finanzierung, insbesondere des Jugendangebots, sind jedoch noch offen. Diese sollen in den kommenden Monaten bis zur Ministerpräsidentenkonferenz im März 2014 geklärt werden.

medienpolitik.net: Das Konzept soll „nachgebessert“ werden? Was war an dem Konzept noch nicht ausreichend?

Jacqueline Kraege: Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder haben deutlich gemacht, dass der Erfolg des Angebots bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine wichtige Voraussetzung ist, um dem Generationenabriss entgegenzuwirken. Deshalb wollen sie nähere Informationen, wie die Anstalten ihr Konzept für ein Jugendangebot nach geeigneten Marktanalysen ausrichten. Um eine enge Anbindung an die Bedürfnisse und Wünsche der Zielgruppe bei der Programmentwicklung eines Jugendangebotes zu gewährleisten, fordern die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten die Einrichtung eines Jugendbeirats. Der Jugendbeirat soll die Entwicklung und inhaltliche Ausgestaltung des Programmangebots kontinuierlich begleiten.

medienpolitik.net: Welche Bedeutung hat für die Länder die Crossmedialität eines Jugendkanals?

Jacqueline Kraege: Das Fernsehen ist für junge Menschen nach wie vor Ausgangspunkt für die Nutzung der Online-Angebote der Sender. Ein linear ausgestrahltes Fernsehprogramm allein genügt jedoch nicht mehr, um junge Leute gezielt zu erreichen. Daher ist der crossmediale Ansatz das strukturelle Herzstück des Jugendangebots. Denn die Angebote müssen ort- und zeitunabhängig online abrufbar sein.
Neben Fernsehen und Internet soll das Jugendangebot auch fest im Radiobereich verankert sein. Hier hat die ARD bereits erfolgreiche Formate entwickelt, über die junge Kultur in ein crossmediales Jugendangebot eingebracht werden kann. Das Jugendangebot soll der Zielgruppe die Inhalte bieten, die sie ansprechen, wann sie sie will und in der Form, in der sie sie will.

medienpolitik.net: Es wurden Zweifel an den geplanten Kosten von 45 Mio. € laut. Soll die KEF jetzt die Berechnungen überprüfen?

Jacqueline Kraege: Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder haben zur Kenntnis genommen, dass ARD und ZDF die Ausgaben für ein Jugendangebot entsprechend ihrer Erwartung auf maximal 45 Mio. € pro Jahr begrenzen wollen. Diese Mittel sollen durch den Verzicht auf mehrere Digitalkanäle und durch Umschichtungen im Programm aufgebracht werden. Um diesen Grundsatz auch in der Systematik der Ermittlung des Finanzbedarfs der Anstalten zu verankern, haben die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder die KEF gebeten zu prüfen, ob diese Finanzierung für das von ARD und ZDF vorgelegte Konzept ausreicht.

medienpolitik.net: Wird die Sieben-Tage-Regelung für die Mediatheken gelockert??

Jacqueline Kraege: Der Onlinebereich ist im Hinblick auf die Nutzungsgewohnheiten von jungen Zuschauern ein elementares Standbein des Jugendangebots. Vor diesem Hintergrund werden wir die 7-Tage-Regelung einer Revision unterziehen. Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder haben die Rundfunkkommission beauftragt, einen Entwurf für einen zeitgemäßen Telemedienauftrag von ARD, ZDF und DLR vorzulegen, durch den insbesondere die 7-Tage-Regelung ersetzt wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Regelung über die Verweildauer komplett entfallen wird. Vielmehr wird die 7-Tage-Regelung durch eine aktualisierte Regelung ersetzt werden.

medienpolitik.net: Haben sich die Ministerpräsidenten auf die künftige Anzahl der Digitalkanäle verständigt oder besteht hier ein Zusammenhang zu einem möglichen Jugendkanal?

Jacqueline Kraege: Die Rundfunkkommission der Länder hat die Beauftragung von ARD und ZDF mit einem crossmedialen Jugendangebot immer im Gesamtzusammenhang mit der Neuordnung der Spartenkanäle diskutiert. Auf eine konkrete Anzahl der Digitalkanäle haben sich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder noch nicht abschließend verständigt. Allerdings besteht Einigkeit darüber, dass sowohl ARD als auch ZDF auf Angebote ihrer bisherigen Programmfamilie verzichten werden.

medienpolitik.net: Was bleibt neben der Neuordnung der Digitalkanäle noch für die AG Beitragsstabilität?

Jacqueline Kraege: Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder haben bei ihrer Jahreskonferenz in Heidelberg im Oktober das Ziel der Beitragsstabilität im Zusammenhang mit der Neuordnung der Spartenkanäle von ARD und ZDF nochmals bekräftigt. ARD und ZDF haben bei ihren vorgelegten Planungen zur Neuordnung eines Programmangebots zugrunde gelegt, dass hierfür bis 2020, also bis über die nächste Beitragsperiode hinaus, keine zusätzlichen Rundfunkbeitragsmittel zur Verfügung stehen. Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder haben ausdrücklich begrüßt, dass ARD und ZDF bereit sind, hierzu eine verbindliche Selbstverpflichtungserklärung im Sinne von § 3 Abs. 3 Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag abzugeben, an die auch die KEF bei der Ermittlung des Finanzbedarfs der Anstalten gebunden ist. Die Neuordnung der Spartenkanäle von ARD und ZDF sowie die Beauftragung eines Jugendangebots von ARD und ZDF sind von der AG Beitragsstabilität mehrfach vorberaten worden.
Als weiteren Schwerpunkt der Arbeit der AG Beitragsstabilität sehe ich die Kooperationen zwischen ARD und ZDF und innerhalb der ARD Anstalten mit möglichen Optimierungspotentialen.

Lutz Marmor, Intendant des Norddeutschen Rundfunks und ARD-Vorsitzender I © NDR/David Paprocki

Lutz Marmor, ARD-Vorsitzender und Intendant des NDR

medienpolitik.net: Herr Marmor, Sie haben die Beratung der Ministerpräsidenten zum Jugendkanal positiv und als grundsätzliche Zustimmung zu einem Jugendkanal gewertet. Wie kommen Sie zu dieser positiven Bewertung?

Lutz Marmor: Die Ministerpräsidenten der Länder haben festgestellt, dass „ein crossmediales Jugendangebot sicher eine sinnvolle Ergänzung der bisherigen Programmangebote sein kann“. Sie haben ARD und ZDF nun um weitergehende Informationen zur wirtschaftlichen Plausibilität und inhaltlichen Tragfähigkeit des vorgelegten Konzepts gebeten. Den Wunsch der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten nach weiteren Erläuterungen kann ich nachvollziehen, wir werden dem nachkommen und alle Fragen zufriedenstellend beantworten.

medienpolitik.net: Sie haben angekündigt, das Konzept überarbeiten zu wollen. An welchen Punkten werden Sie vor allem das Konzept ändern

Lutz Marmor: ARD und ZDF haben unter hohem Zeitdruck ein gemeinsames Finanz- und Programmkonzept für einen jungen Kanal erstellt. Natürlich werden wir das Konzept gerne noch näher erläutern und die ihm zugrunde liegende Datenbasis im Detail darstellen. Das Konzept sieht beispielweise eine hohe interaktive Kommunikation mit dem Publikum vor. Eine endgültige Programmplanung kann es aber erst geben, wenn die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten uns den Auftrag für einen Jugendkanal erteilt haben.

medienpolitik.net: Was halten Sie von der Idee, einen Jugendbeirat einzusetzen?

Lutz Marmor: Das kann helfen. Wenn kompetente und kreative junge Menschen das Programm beobachten und begleiten, können dabei wichtige Impulse entstehen. Allerdings müssen wir programmlich unabhängig und schnell bleiben, ohne langwierige Abstimmungsprozesse.

medienpolitik.net: Anscheinend sind bei einigen Ministerpräsidenten Zweifel an der Finanzierbarkeit aufgekommen. Wie valide ist Ihre Berechnung, dass der Kanal im ersten Jahr 45 Mio. Euro kosten werde?

Lutz Marmor: ARD und ZDF können ein solide finanziertes Angebot für Jüngere machen, davon bin ich überzeugt. ZDF-Intendant Thomas Bellut und ich haben den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten schon im Vorfeld zugesichert, dass der Jugendkanal nicht mehr als 45 Millionen Euro kosten wird, und dass wir dafür keine Beitragserhöhung anmelden werden. Daran halten wir uns selbstverständlich. Wir stehen im Wort. Natürlich können wir mit dem Budget nicht rund um die Uhr neues, innovatives Programm anbieten, wir werden auch Wiederholungen senden müssen. Aber wenn sich alle Sender einbringen und junge Angebote bereitstellen, bin ich zuversichtlich, dass wir ein attraktives Programm anbieten können. Finanzielle Spielräume ergeben sich z. B. durch den von der ARD angebotenen Wegfall der Digitalkanäle EinsFestival und EinsPlus. Zusätzlich werden sich Synergieeffekte ergeben, auch durch die enge Einbindung der jungen Radioprogramme wie z. B. Sputnik, Fritz, 1Live oder N-JOY.

medienpolitik.net: Im Zusammenhang mit dem Jugendkanal wird auch über Veränderungen bei der Sieben-Tage-Frist für die Mediatheken diskutiert. Besteht hier ein Junktim zwischen einem Jugendangebot und dem „Fall“ der Sieben-Tage-Frist?

Lutz Marmor: Ein Junktim ist zu viel gesagt. Auch wenn die 7-Tage Regel für Telemedienangebote weiterhin gelten sollte, werden wir den Jugendkanal trimedial gestalten. Das ist unabdingbar, um junge Menschen auf verschiedenen Ausspielwegen je nach Bedarf zu erreichen. Aber natürlich würden wir uns wünschen, dass wir unsere Fernseh- und Radiobeiträge bzw. -sendungen nicht grundsätzlich nach sieben Tagen aus dem Netz nehmen müssten. Gerade bei der eher flüchtigen Zielgruppe der Jüngeren ist die Nachhaltigkeit interessanter Programme über das Netz sehr wichtig.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 12/2013 erstveröffentlicht. 

/p

Die Rundfunkkommission der Länder hat die Beauftragung von ARD und ZDF mit einem crossmedialen Jugendangebot immer im Gesamtzusammenhang mit der Neuordnung der Spartenkanäle diskutiert. Auf eine konkrete Anzahl der Digitalkanäle haben sich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder noch nicht abschließend verständigt. Allerdings besteht Einigkeit darüber, dass sowohl ARD als auch ZDF auf Angebote ihrer bisherigen Programmfamilie verzichten werden.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen