Digitale Medien:

„Der VoD-Markt ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht“

von am 20.03.2014 in Allgemein, Archiv, Digitale Medien, Filmwirtschaft, Internet, Jugendmedienschutz

<h4>Digitale Medien: </h4>„Der VoD-Markt ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht“
Stefan Schulz, Geschäftsführer Watchever

Watchever plant weitere Kooperationen mit TV-Sendern

20.03.14 Interview mit Stefan Schulz, Geschäftsführer von Watchever

Seit Januar 2013 ist die VoD-Plattform Watchever, ein Tochterunternehmen des französischen Medienkonzern Vivendi, in Deutschland aktiv und hat sich inzwischen zu einer der größten deutschsprachigen VoD-Plattformen entwickelt. Watchever bietet eine Familien-Flatrate für Serien und Filme, auch in HD. Zu einem Komplettpreis von 8,99 Euro im Monat können Kunden so viele Serien und Filme sehen, wie und wo sie wollen. Watchever kann auch auf Smart TVs, Notebooks, Tablets, Smartphones und Spielekonsolen laufen. Nach der Kooperation mit dem ZDF, so Geschäftsführer Stefan Schulz gegenüber medienpolitik.net, verhandle man gegenwärtig mit weiteren TV-Sendern, auch mit privaten.

medienpolitik.net: Herr Schulz, im Januar 2013 ist Watchever gestartet. Mit welchen Erwartungen?

Stefan Schulz: Watchever hat den deutschen Markteintritt lange vorbereitet und wir waren und sind davon überzeugt, dass der deutsche Markt reif ist für ein Flatrate-Angebot im VoD-Markt. Es hat sich erwiesen, dass die Zuschauer in Deutschland durchaus bereit sind, in das richtige Programmangebot einen angemessenen Preis zu investieren.

medienpolitik.net: Wie haben sich die Erwartungen bestätigt?

Stefan Schulz: Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen. Watchever registriert momentan bis zu 5.000 neue Nutzer täglich. Auch die Nutzungsdauer ist überwältigend: weit über 25 Millionen Stunden Film- und Serien wurden 2013 geschaut.

medienpolitik.net: Was wissen Sie über Ihre Nutzer? Sind es vor allem Jugendliche, die auf Watchever zugreifen?

Stefan Schulz: Nein, der Massenmarkt interessiert sich für Dienste wie Watchever. Das Internet löst in den deutschen Haushalten das lineare TV-Angebot zunehmend ab, wie gerade erst die aktuellste ARD/ZDF-Onlinestudie 2013 bestätigt hat. Auch das Beratungs- und Forschungsunternehmen Goldmedia hat erst kürzlich analysiert, dass sich Video-on-Demand auf dem Weg zum Massenmarkt befindet. Watchever verfügt anders als Fernsehsender auch über Informationen zur Nutzung der Inhalte auf tatsächlicher und nicht nur repräsentativer Basis. Sie werden vor dem Hintergrund ausgewertet, das Programmangebot noch gezielter auf die Interessen und Bedürfnisse unserer Kunden ausrichten zu können.

medienpolitik.net: Es existieren inzwischen zahlreiche VoD-Portale. Was macht Watchever anders oder besser?

Stefan Schulz: Watchever besticht insbesondere durch die Einfachheit des Produktes in allen Bereichen. Die Plattform ist sehr leicht und intuitiv zu bedienen: Über den Smart TV lässt sich Watchever ganz unkompliziert starten, so dass man sich als Nutzer zurücklehnen und das Programm bequem genießen kann. Watchever ist auf nahezu allen Geräten abspielbar und oft schon vorinstalliert. Einfach ist auch die Kündigung, da sie monatlich und unbürokratisch über den eigenen Account möglich ist. Nicht zuletzt ist es zweifellos das qualitativ hochwertige und umfangreiche Programmangebot an Spielfilmen, Dokumentationen und Serien, das Watchever sehr attraktiv für die Nutzer macht.

medienpolitik.net: Man hört immer wieder, dass die Deutschen für Online-Content nicht bezahlen wollen. Welche Erfahrungen machen Sie hier?

Stefan Schulz: Entscheidend ist, dass Preis und Leistung stimmen. Der deutsche VoD-Markt ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht und angelt längst in den althergebrachten Ressorts der Film- und Fernsehbranche. Dem deutschen Videofan bietet sich heute eine bunte Welt vieler großer VoD-Dienste. Das wissen auch die Nutzer durchaus zu schätzen und zahlen dafür.

medienpolitik.net: Was bieten Sie Ihren Kunden für ihr Geld?

Stefan Schulz: Für den monatlichen Beitrag von 8,99 € bieten wir unseren Abonnenten über 12.500 Filme zeitgleich zur Auswahl. Das Angebot reicht dabei von Disney Klassikern für die Kleinsten über Arthouse-Filme bis zu populären Serien (etwa „Breaking Bad“, das bei Watchever bereits parallel zum amerikanischen Serienstart ausgestrahlt wurde). Der Offline-Modus ermöglicht es, vorher gespeicherte Filme überall innerhalb Deutschlands auch ohne Internetverbindung zu schauen. Für Familien ist dagegen die Jugendschutz-Funktion besonders relevant. Sie orientiert sich an den FSK-Freigaben. Mit Watchever haben Eltern von Kindern aller Altersgruppen eine attraktive Auswahl an hochqualitativen, altersgerechten Kinderserien und -filmen zur Verfügung.

medienpolitik.net: Wie können Sie sich gegen die Mediatheken der TV-Sender behaupten?

Stefan Schulz: Watchever kann den Nutzerbedürfnissen mit einer einfachen Bedienungsfunktion im Vergleich zu Mediatheken viel besser entsprechen. Der sogenannte Run auf das sog. Binge Viewing – die extensive Nutzung von Serienstaffeln – ist über Mediatheken mit ihrer sieben Tage zeitversetzten linearen Nutzungsdauer gar nicht möglich. Die deutsche Fernsehlandschaft kommt immer mehr in Fahrt und übernimmt mehr und mehr die All-you-can-watch-Mentalität aus den Staaten. Watchever hat zugleich ein Augenmerk auf das Publikum in Deutschland.

medienpolitik.net: Sie haben jetzt eine Vereinbarung mit ZDF Enterprises als ersten deutschen TV-Sender abgeschlossen. Wo liegt der Vorteil für Sie?

Stefan Schulz: Der Mix macht es! Als ein in Berlin ansässiges Unternehmen legt Watchever besonderen Wert auf deutschsprachige Inhalte und die Berücksichtigung der nationalen Sehgewohnheiten. ZDF-Produktionen wie der „Tatortreiniger“ und „Verbrechen“ nach Ferdinand von Schirach sind riesige Zuschauermagneten – und das nicht nur in Deutschland.

medienpolitik.net: Sind Vereinbarungen mit weiteren deutschen Sendergruppen möglich?

Stefan Schulz: Wir bieten unseren Nutzern ein möglichst vielfältiges und sehenswertes Angebot. Daher werden weitere Senderkooperationen, insbesondere auch mit privaten Sendeanstalten durchaus angestrebt.  Das Angebot muss jedoch passen. Denn allzu oft wird unterschätzt, dass vor allem die Qualität der Inhalte den höchsten Nachfrageeffekt hat.

medienpolitik.net: Die Filme und Serien erhalten Sie aber nicht exklusiv. Ist das nicht von Nachteil?

Stefan Schulz: Es geht auch gar nicht die Exklusivität aller Inhalte, sondern um die sofortige Verfügbarkeit der angebotenen Inhalte. Man bekommt gerade im Serienbereich immer wieder Inhalte, die es noch gar nicht im TV zu sehen gab.

medienpolitik.net:  Wie entwickelt sich die mobile Nutzung?

Stefan Schulz: Die mobile SVoD-Nutzung nimmt kontinuierlich und sehr rapide zu. Watchever unterstützt und verstärkt diesen Trend noch. Insgesamt bieten wir für fast alle iOS und Android Smartphones und Tablets Apps. Diese schnelle Verfügbarkeit zeigt sich auch im Nutzungsverhalten. Auf dem Tablet wird immer mehr und sehr gerne geschaut. Gerade mit dem Offline Modus, wenn man keine Internetverbindung kann.

medienpolitik.net: Wie sehen Sie das Potenzial für VoD in Deutschland und damit die Wachstumschancen für Watchever, wenn weitere ausländische Anbieter dazu kommen?

Stefan Schulz: Momentan ist der Markt der deutschen SVoD-Anbieter noch sehr überschaubar. Wir glauben daran, dass Wettbewerb sich immer positiv für den Kunden auswirkt. Mit unserem SVoD-Angebot befinden wir uns gegenüber dem Einzelabruf oder DVD-Kauf langfristig definitiv im Vorteil, denn die Nachfrage nach Flatrates wird weiterhin steigen. Abgesehen davon ist es wohl ein deutsches Phänomen, dass immer mehr über Angebote spekuliert wird, die sich noch nicht einmal auf dem Markt befinden, als dass die vorhandenen Anbieter entsprechend wahrgenommen werden.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 3/2014 erstveröffentlicht. 

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