Jugendmedienschutz:

Zu viel verlangt?

von am 16.04.2014 in Allgemein, Archiv, Jugendmedienschutz, Rundfunk

<h4>Jugendmedienschutz: </h4>Zu viel verlangt?
Thomas Fuchs, Direktor Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH) | Foto: die medienanstalten

Medienanstalten fordern klare Kennzeichnung von Scripted-Reality-Formaten

16.04.14 Von Thomas Fuchs, Direktor Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH)

Doku-Soaps, Gerichts- und Personal-Help-Formate – bei RTL, Vox und Sat.1 belegen Scripted-Reality-Sendungen inzwischen fast die Hälfte der redaktionellen Sendezeit. In ihnen werden erfundene realitäts- und alltagsnahe Ereignisse mit Laiendarstellern wiedergegeben. Sie sind fiktiv, können aber reale Elemente enthalten und sollen den Eindruck von Realitätsdarstellungen erwecken. Von echten dokumentarischen Formaten lassen sie sich kaum unterscheiden.

Bei den Drei- bis 13-Jährigen sind solche Scripted-Reality-Formate äußerst beliebt, der Marktanteil in dieser Zielgruppe beträgt bis zu 25 Prozent. Dabei haben gerade Kinder und Jugendliche oft Probleme mit diesen Sendungen. Die beschriebene Vermischung von fiktiven und realen Elementen, die oft einseitig und voyeuristisch behandelten Themen, klischeehaften Rollenbilder und stereotypen Verhaltensmuster können junge Zuschauer durchaus desorientieren.

Wir als Medienanstalten sind daher dafür, dass Scripted-Reality-Formate im Tagesprogramm für Kinder und Jugendliche eindeutig gekennzeichnet werden. Ziel ist es, auf die Vermischung von fiktiven und realen Elementen aufmerksam zu machen, damit diese nicht verwechselt wird mit der Wiedergabe tatsächlichen Geschehens. Die Kennzeichnung soll also nicht warnen, sondern die zuschauenden Kinder und Jugendlichen im Sinne einer Bewusstseinsbildung informieren und Missverständnisse vermeiden.

Wichtig ist dabei eine einheitliche und gut wahrnehmbare Kennzeichnung. Die Hinweise auf die Fiktionalität der dargestellten Ereignisse sollten daher am Anfang und am Ende einer Sendung gut lesbar eingeblendet werden.

Den Sendern haben wir zunächst eine freiwillige Kennzeichnung vorgeschlagen. Dies hat jedoch leider zu keiner zufriedenstellenden Lösung geführt. Sie informieren nicht einheitlich, und viele Sendungen sind nach wie vor gar nicht gekennzeichnet.

Aber worin liegt das Problem? Haben die Sender Angst davor, dass ihre Programme für den Zuschauer unattraktiver werden, wenn diesem klar ist, dass das Dargestellte nicht authentisch, sondern eben nur erfunden ist?

Wir werden uns jedenfalls weiter für eine klare Kennzeichnung von Scripted-Reality-Formaten im Interesse des Jugendmedienschutzes einsetzen. Wenn die Sender dies nicht eigenverantwortlich umsetzen können oder wollen, dann muss über die Einführung einer gesetzlichen Verpflichtung nachgedacht werden. Damit klar ist, was real ist und was nicht.

Der Beitrag wurde auf scout-magazin.de erstveröffentlicht.

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