Rundfunk:

„Fernsehen ist und bleibt das Leitmedium“

von am 09.04.2014 in Allgemein, Archiv, Rundfunk

<h4>Rundfunk: </h4>„Fernsehen ist und bleibt das Leitmedium“
Dr. Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten und Direktor der LfM NRW

Programmbericht der
Landesmedienanstalten 2014

09.04.14 Von Dr. Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM)

Fernsehen ist und bleibt einstweilen das Leitmedium für die Mediennutzer in Deutschland und in anderen Ländern. Das bedeutet: Auch wenn seine absolute Nutzung in den letzten Jahren immer weiter zurück geht, rangiert das Fernsehen nach wie vor in der Beliebtheit weit vor dem Hörfunk und noch vor dem Internet. Was uns für die Debatten über das Medium Fernsehen, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, weiter hilft, sind empirisch gesicherte Daten und Fakten. Hier kommt der Programmbericht der Medienanstalten ins Spiel, der seit 1998 jedes Jahr die acht reichweitenstärksten Vollprogramme in einer kompletten Woche aufzeichnet und analysiert und dies sogar zwei Mal pro Jahr, einmal im Herbst und einmal im Frühjahr.

Durch diese Langzeitstudie, bundesweit einzigartig, liegt Mediennutzern, aber vor allem Experten wie den Programmgestaltern in den beiden Teilen des Systems, ein valides und begründetes Zahlenwerk vor. Für uns als Medienanstalten war seit Beginn ganz wichtig, dass der deutsche Fernsehmarkt inhaltlich komplett abgebildet wird. Dass also nicht nur RTL, Sat.1 und Co., sondern eben auch die ARD und das ZDF in die Untersuchung einbezogen werden. Das Ergebnis: Man kann nun über die Jahre hinweg seit 1998 wunderbar Programmentwicklungen nachverfolgen. Man kann sich fokussieren auf Spezialthemen, z. B. auf die Frage, wie sich Nachrichtensendungen als eine der untersuchten Kategorien in den Programmen der beiden Systemteile entwickelt haben. Kurzum: Hier halten die Medienanstalten einen bedeutenden, empirischen Datenschatz vor. Die wissenschaftlichen Leiter, Professor Hans-Jürgen Weiß und Professor Joachim Trebbe, die als anerkannte Wissenschaftler seit Beginn an das Unterfangen leiten, stehen für mich und für viele andere im System für Qualität von Medienforschung.

Im aktuellen Programmbericht, der gerade vorgelegt wurde, kam es, unverhofft und tragisch unerwartet, zu einer Besonderheit: In der Woche, die als Aufzeichnungszeitraum festgelegt war, fielen – fast genau ein Jahr ist das nun her – der Boston Marathon und der Anschlag auf Zuschauer und Läufer. Interessant ist nun zu sehen, wie sich an diesem Beispiel die aktuelle Berichterstattung in den Programmen niederschlägt (Tipp: weiterlesen im Programmbericht oder in der Pressemitteilung).

Auf eine weitere Besonderheit sei hingewiesen: Auch die Nutzung der Mediatheken der einzelnen Sender wird untersucht. Auch hier zeigen sich überraschende Erkenntnisse etwa zwischen dem „internetaffinsten“ Programm (RTL) und dem „internetresistentesten“ Programm (ProSieben), um nur ein Beispiel zu nennen (Tipp: auch weiterlesen im Programmbericht).Ein anderes Resultat der Untersuchung betrifft die sogenannten Scripted Reality-Formate. Auch hier können Daten vorgelegt werden, die belegen, dass diese Formate vor allen Dingen Kernbestandteile des privaten Fernsehprogramms sind – und dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen einen großen Bogen um diese Sendungen macht.

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