Plattformen und Aggregatoren:

„Es wird für Netflix nicht leicht“

von am 12.06.2014 in Allgemein, Archiv, Filmwirtschaft, Kreativwirtschaft, Plattformen und Aggregatoren

<h4>Plattformen und Aggregatoren: </h4>„Es wird für Netflix nicht leicht“
Andreas Heyden, Geschäftsführer maxdome

maxdome bietet über 60.000 Filme, Serien und Live-Events an

12.06.14 Interview mit Andreas Heyden, Geschäftsführer maxdome

Der Video-on-Demand Markt hat sich in den vergangenen zwölf Monaten sehr dynamisch entwickelt. Die Medienbranche diskutiert über den Einstieg von US-VoD-Service Netflix in Deutschland und Frankreich. Das Thema Online-Videotheken ist also in aller Munde. Andreas Heyden, Geschäftsführer beim deutschen Marktführer maxdome, erklärt, was sich in den letzten Monaten getan hat. maxdome ist mit über 60.000 Filmen und Serienfolgen Deutschlands größte Online-Videothek.

medienpolitik.net: Herr Heyden, vor knapp einem Jahr haben Sie das Steuer bei maxdome übernommen. Was haben Sie seither am Produkt verändert?

Andreas Heyden: Der wichtigste Schritt in 2013 war die Umgestaltung auf ein für alle Kunden verständliches Produktmodell mit einem fairen Preis. Die letzten Wochen haben wir nochmal intensiv am Produkt gearbeitet und zahlreiche Verbesserungen konzipiert, getestet und umgesetzt. Mit unserer neuen mobile App ist maxdome die einzige Online-Videothek, die  auf allen drei Betriebssystemen vertreten ist: iOS, Android und Windows 8. Aber auch beim Programmangebot hat sich einiges getan. So  bieten wir seit  Anfang des Jahres bereits einen Tag nach US-Erstausstrahlung Top-Serien auf unserem Portal an und haben das Portfolio auf über 60.000 Inhalte ausgebaut. Live-Events als Pay-per-View runden das Angebot ab.

medienpolitik.net: Reichweite ist für VoD-Anbieter ein wichtiges Thema, um sich im Markt zu etablieren. Wie verbreitet ist maxdome mittlerweile?

Andreas Heyden: Wir sind praktisch überall. Auf den Smart-TVs haben wir eine annähernd hundertprozentige Abdeckung und wie schon erwähnt, sind wir auch auf fast allen mobilen Devices vertreten. Bei den Spielkonsolen fehlen noch die Xbox und die Wii. Daran arbeiten wir. Darüber hinaus wachsen wir durch strategische Partnerschaften. Wir haben beispielsweise mit der Deutsche Telekom eine Vereinbarung über eine Einbindung unserer Inhalte in das Entertain-Angebot getroffen.  Damit kann das maxdome-Angebot künftig direkt über die TV-Plattform der Telekom abgerufen werden. Und in diese Richtung wollen wir uns auch weiter bewegen. Wir streben weitere Partnerschaften an, aus denen beide Seiten gleichermaßen profitieren können.

medienpolitik.net: Jetzt kommt mit Netflix bald ein neuer Player in den deutschen Markt. Eine Gefahr für Sie?

Andreas Heyden: Nein, wieso sollte es? Es wird keinesfalls leicht für Netflix, in Deutschland und Frankreich zu starten. Denn im Vergleich zu den Ländern, in denen sie bereits vertreten sind, sind das beides sehr komplexe Märkte. So laufen hierzulande Filme üblicherweise synchronisiert, im Gegensatz zu Skandinavien und den Niederlanden. Ganz davon abgesehen sehen wir einen weiteren Player im Markt aber auch ganz gelassen. Der VoD-Markt ist im Vergleich zum Fernsehen noch sehr jung und übersichtlich. Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt kann über 80 TV-Sender empfangen, während es bislang erst drei relevante Onlinevideotheken gibt. maxdome ist in vielerlei Hinsicht sehr gut aufgestellt – durch unsere langjährigen Kooperationen mit vielen Filmanbietern und unseren guten Beziehungen zu Geräteherstellern. Übrigens: Unser Mutterkonzern, die ProSiebenSat.1 Group, pflegt sogar Geschäftsbeziehungen mit Netflix. Das Tochterunternehmen Red Arrow produziert für das Portal zum Beispiel die Serie „Lillyhammer“. Und die Serie „House of Cards“ stand auch bei maxdome zum Abruf. Von einer Gefahr kann wirklich keine Rede sein.

medienpolitik.net: Sind Sie mit dem Wachstum Ihrer Plattform zufrieden? Wie hat sich maxdome in den vergangenen Monaten entwickelt?

Andreas Heyden: Wir entwickeln uns gut. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen wir einen Zuwachs von über fünfzig Prozent. Verschiedene Faktoren haben dabei eine Rolle gespielt. So hatten wir im vergangenen Sommer eine Preisanpassung auf 7,99 Euro und fast zeitgleich einen – von unseren Kunden sehr erfolgreich angenommenen – Relaunch unserer Seite. Zudem gewinnt Video-on-Demand insgesamt an Fahrt und setzt sich damit auch langsam in den Köpfen der Deutschen fest.

medienpolitik.net: Das Thema Ultra HD ist ja in aller Munde. Wann können Ihre Kunden bei maxdome mit den ersten Bildern in 4K Auflösung rechnen?

Andreas Heyden: Der Countdown läuft. Wir haben Anfang Mai gemeinsam mit unserem langjährigen Kooperationspartner Samsung bei einem Showcase in München 4K live gestreamt – über das offene Internet!  Eine Premiere in Deutschland, die Qualität ist sensationell. Voraussichtlich werden wir ab Herbst bereits die ersten Inhalte in Ultra-HD bei maxdome anbieten. Für 2015 ist dann ein sukzessiver Ausbau in 4K-Auflösung geplant. Natürlich sind wir dabei vom Anbietermarkt abhängig und hoffen, auch im Sinne unserer Kunden, dass künftig vermehrt in Ultra-HD produziert wird. Ich kann Ihnen versichern: Wer das einmal erlebt hat, lässt davon nicht mehr ab.

medienpolitik.net: Apropos Anbietermarkt. Sie haben Vereinbarungen mit Hollywood-Studios: Wie sieht es mit den Lizenzen aus?

Andreas Heyden: Das sind individuelle Vereinbarungen. Meistens ist es eine mehrjährige Partnerschaft, in der wir die Rechte für die Inhalte kaufen. Unser Vorteil ist, dass wir die Rechte zusammen mit unseren TV-Kollegen einkaufen. Bis auf Ausnahmefälle gehen wir hier also gemeinsam vor. Damit kann maxdome den Abo-Kunden die neuesten US-Serien zur,  beziehungsweise vor Free-TV Ausstrahlung zeigen. Dass, was im TV beworben und ausgesendet wird, können wir also auch online verfügbar machen.

medienpolitik.net: Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Auswertungsfenster bei Ihren seriellen Inhalten? Wo unterscheiden Sie zwischen Abo-Inhalten und Einzelabrufen?

Andreas Heyden: Die Lizenzierung und Veröffentlichung von Serienstaffeln ist sehr komplex. Serien mit fortlaufenden Erzählsträngen wie „Breaking Bad“ werden häufig im „Binge Watching“ angeschaut: Der Zuschauer sieht viele Folgen nacheinander an und taucht voll und ganz in die Geschichte ein. Bei solchen Serien bieten wir das auch an. Bei episodischen Sitcoms wie „How I met your Mother“ dagegen kommt es eher darauf an, immer die neuesten Folgen zur Verfügung zu stellen. Auch diesem Wunsch kommen wir entgegen, indem wir zum Beispiel bereits einen Tag nach US-Erstausstrahlung die aktuelle Episode zum Kauf anbieten. Dennoch versuchen wir natürlich alle Staffeln einer Serie komplett in unserem Angebot abzubilden. Das erwarten die Konsumenten – völlig zu recht. Hier besteht jedoch noch Optimierungsbedarf bei den Auswertungsstrategien der Studios, da wir teilweise Inhalte nur eine begrenzte Zeit anbieten können.

medienpolitik.net: Und wie sieht die langfristige Strategie aus? Gibt es da schon eine Marschrichtung?

Andreas Heyden: Wir sind vor acht Jahren gestartet, haben einen großen Erfahrungsschatz und eine sehr starke Position. Im Mittelpunkt all unserer Überlegungen stehen unsere Kunden und wir werden das Produkt kontinuierlich auf ihre Bedürfnisse zuschneiden. Wie beispielsweise bei Filmen und Serien, die wir für regelmäßige Nutzer im Paket als Abo anbieten, als auch im Einzelabruf für Kunden, die unser Angebot erst einmal unverbindlich ausprobieren wollen oder sich nicht binden möchten. Wir haben in vielen Bereichen einzigartige Angebote. Nur bei maxdome gibt es beispielsweise Previews – also Serienfolgen, noch vor Erstausstrahlung im TV. Auch unser Angebot an deutschen TV-Serien ist immens groß. Es wird häufig unterschätzt, wie stark das nachgefragt wird. Und auch in anderen Bereichen arbeiten wir daran, unser Alleinstellungsmerkmal klar herauszuarbeiten, etwa mit unserer WWE-Kooperation oder Live-Boxkämpfen, die wir demnächst exklusiv anbieten werden. Wir sind weltweit die erste Onlinevideothek, die Live-Events als Pay-per-View anbietet. Qualität zahlt sich aus, und daher werden wir auch weiter in hochwertige Inhalte investieren.

Der Beitrag wurde im promedia NRW Special 2014 erstveröffentlicht.

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