Rundfunk:

Pay-TV im deutschen Fernsehmarkt angekommen

von am 24.07.2014 in Allgemein, Archiv, Dualer Rundfunk, Medienwirtschaft, Plattformen und Aggregatoren

<h4> Rundfunk: </h4>Pay-TV im deutschen Fernsehmarkt angekommen
Clemens Appel, Staatssekretär a. D.

Private TV-Landschaft in Deutschland zählt rund 400 Programme

22.07.14 Von Clemens Appel, Staatssekretär a.D. und Redaktionsleiter medienpolitik.net

Bezahlfernsehen – vor Jahren noch das Sorgenkind – etabliert sich zunehmend im deutschen TV-Markt und bildet damit neben dem öffentlich-rechtlichen und dem privaten, werbefinanzierten Fernsehen die dritte und aktuell sogar die wachstumsstärkste Säule. Nach einer Analyse des Verbands Privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT) verfügten in Deutschland Ende 2012 schon 6,1 Mio. Kunden über ein Pay-TV-Abonnement. Ein Grund dafür sind neue bessere Verbreitungstechniken, Haupttreiber ist aber die Möglichkeit, dort Programme nonlinear, d.h. zu jedem gewünschten Zeitpunkt und auf verschiedenen Endgeräten abzurufen. Hinzu kommen neue, unter anderem mobile Distributionswege, die es dem Kunden möglich machen, Programmangebote auch unterwegs auf dem Smartphone und dem Tablet zu nutzen.

Auch die Anzahl der Pay-TV-Sender ist leicht angestiegen. Waren es 2012 noch 73 Bezahlsender, stieg die Zahl im Jahr 2013 auf 75. Davon verbreiten, so der VPRT, immerhin 57 Prozent ihre Inhalte in HD-Qualität. Inhaltlich werden vorwiegend Unterhaltungsformate angeboten, gefolgt von Sport und Dokumentationen. Schätzungen des VPRT beziffern die Programminvestitionen der Pay-TV-Sender auf insgesamt rund 800 Mio. Euro. Ende 2012 noch mit einer Kostendeckung von 99 Prozent, standen die Bezahlfernsehanbieter nach eigenen Angaben 2013 auf dem Sprung in die Gewinnzone.

Wachstum auch im TV-Werbemarkt

Anders als im restlichen Europa verzeichnet der deutsche Fernsehwerbemarkt einen Aufwärtstrend. Die Brutto-TV-Werbeeinnahmen stiegen von 2012 auf 2013 um 5,7 Prozent und betrugen rund 12 Mrd. Euro. Ähnliche Entwicklungen lassen sich für die großen TV-Sendergruppen ablesen. Bei ProSiebenSat.1 stieg der Umsatz im Segment Broadcasting German-Speaking um 3,7 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro. Auch bei RTL erhöhten sich die Werbeerlöse leicht. Das Unternehmen verzeichnete 2013 mit insgesamt 2,003 Mrd. Euro rund 1,1 Prozent höhere Umsätze als 2012 und führt dieses positive Ergebnis vor allem auf die abermals gestiegenen Einnahmen aus der TV-Werbung zurück. Die beiden größten Sendergruppen standen damit im Jahr 2013 für über 85 Prozent des gesamten TV-Werbevolumens in Deutschland.

Private TV-Landschaft ausdifferenziert

Am Start waren in Deutschland 1984 zwei private Sender, Sat.1 und RTL. Nur 30 Jahre später sind es 400 private Programme. Dazu gehören Voll- und Spartenprogramme, Fernsehfenster, Teleshopping, Pay-TV, regionale Sender und Lokalfernsehen. Mittlerweile verfolgen die großen Sendergruppen veränderte Strategien, um ihre Einnahmen auch außerhalb des Werbesegments zu steigern und bauen dazu ihre Aktivitäten vor allem im digitalen Bereich aus. So wuchsen bei ProSiebenSat.1 die Umsätze im Bereich Digital & Adjacent von 2012 auf 2013 um 44,5 Prozent auf 483,7 Mio. Euro. Damit trugen sie im Jahr 2013 mit rund 18,6, Prozent (im Jahr 2012 waren es noch 14,2 Prozent) maßgeblich zum Umsatzanstieg der Gruppe bei.

Profitabilität hoch wie nie zuvor

2013 gab es in Deutschland 395 private TV-Programme, das waren zwar weniger als 2012 (421), dafür arbeiteten diese aber profitabler. Die Erträge im privaten Fernsehen insgesamt betrugen im Jahr 2012 8,1 Mrd. Euro (plus 5 Prozent). Den Umsätzen standen Aufwendungen von rund 6,9 Mrd. Euro gegenüber, was einen Kostendeckungsgrad von 118 Prozent bedeutet, und dies mit steigender Tendenz.

Beschäftigtenzahl konstant

Die Zahl der Beschäftigten im privaten Fernsehen betrug Ende 2012 rund 18.200. Das war bis dahin der Rekord (plus 180). Ohne die rund 5.400 Beschäftigten im Bereich Teleshopping, die zu großen Teilen auch in TV-fremden Bereichen wie Vertrieb, Callcenter etc. tätig sind, lag die Zahl der Mitarbeiter beim privaten TV bei etwa 12.800. Vier von fünf Beschäftigten waren bei den privaten TV-Anbietern Festangestellte (Voll-, Teilzeit, Auszubildende, Volontäre). Knapp die Hälfte aller Mitarbeiter waren Vollzeitbeschäftigte, weitere 28 Prozent in Teilzeit. Vier Prozent der Mitarbeiter waren Auszubildende bzw. Volontäre. 13,2 Prozent arbeiteten als freie Mitarbeiter bei den privaten Sendern, davon der überwiegende Teil als sog. feste Freie. Verbleibt ein Anteil von 4,7 Prozent an Praktikanten.

Quelle: Jahrbuch 2013/2014, Landesmedienanstalten und privater Rundfunk in Deutschland

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