Filmwirtschaft:

„Für eine große Vielfalt des Produzentenmarktes“

von am 02.12.2014 in Archiv, Filmwirtschaft

<h4>Filmwirtschaft: </h4>„Für eine große Vielfalt des Produzentenmarktes“
Prof. Dr. Karola Wille, ARD-Vorsitzende und Intendantin des MDR I © MDR/Dabdoub

ARD und Produzenten verhandeln über Änderungen bei den „Terms of Trade“

02.12.2014 Interview mit Prof. Dr. Karola Wille, Intendantin des MDR und „Filmintendantin“ der ARD

Die Produzenten fordern eine radikale Veränderung des Status Quo der gegenwärtigen Beziehungen zu den öffentlich-rechtlichen Sendern: Lizenzmodell bei Auftragsproduktionen, bessere Verwertungsrechte bei Kinokoproduktionen, einen größeren Anteil des Rundfunkbeitrages für Filmförderung und fiktionale Produktionen. Prof. Dr. Karola Wille, Intendantin des MDR, verhandelt über diese Ansprüche mit der Produzentenallianz. Basis dafür ist das sogenannte Eckpunktepapier zu den „Terms of Trade“. Diese Vereinbarung von 2009 wurde für 2014 verlängert. Nun hat die Produzentenallianz dem Vorschlag für eine weitere Verlängerung zugestimmt. In einem medienpolitik.net-Gespräch lehnt die „Filmintendantin“ das Lizenzmodell unter Verweis auf die Erfahrungen in Großbritannien ab. Unter den TOP 10 der britischen Produktionsszene gäbe es im Jahr 2013 keinen einzigen unabhängigen Produzenten mehr. Skeptisch zeigt sich Karola Wille auch gegenüber Vorschlägen, Beitragsmittel direkt für die Filmförderung zu nutzen: „Man würde damit in die Nähe einer Subvention kommen. Im Übrigen dürfte auch das Lizenzmodell beihilferechtlich problematisch sein.“ 

medienpolitik.net: Frau Wille, das Eckpunktepapier zu den „Terms of Trade“ zwischen der ARD und der Produzenten-Allianz für fiktionale Auftragsproduktionen läuft Ende des Jahres, nachdem dieses bereits ein Jahr verlängert wurde, aus. Wie hat sich diese Vereinbarung bewährt?

Karola Wille: Wir haben mit dem Papier 2009 gemeinsam Neuland betreten und einen Meilenstein in der Geschichte der Zusammenarbeit zwischen den ARD-Anstalten und der Produzenten-Allianz gesetzt. Das Eckpunktepapier hat sich grundsätzlich bewährt. Ausgangspunkt der Vereinbarung war und ist es, ausgewogene Vertragsbedingungen und eine faire Aufteilung der Verwertungsrechte für die Beteiligten sicher zu stellen. Zum damaligen Zeitpunkt gab es für viele Fragen Klärungsbedarf und wir haben es gemeinsam geschafft, unter anderem Themen wie die Beteiligung der Produzenten an Verwertungserlösen, die Übernahme von Kosten für Bürgschaften oder die Frage, welche Positionen zu einer realistischen Kalkulation gehören, zu regeln. Es ist zum Beispiel auch entschieden worden, wie nach einem gewissen Zeitraum Rechte von den Produzenten verwertet werden können, die von der ARD nicht genutzt wurden.

medienpolitik.net: Im Anschluss an diese Rahmenvereinbarung sind zwei weitere Vereinbarungen geschlossen worden und zwar eine für Dokumentationen und eine für Entertainment. Sind diese später abgeschlossenen Vereinbarungen mit der Rahmenvereinbarung identisch oder gibt es bereits Weiterentwicklungen?

Karola Wille: Das ursprüngliche Papier aus 2009 wurde im vergangenen Jahr auf Unterhaltungssendungen im Ersten erweitert. Da es bei den Vereinbarungen immer um die hundertprozentige Auftragsproduktion geht, ist das Eckpunktepapier vor einem Jahr im Wesentlichen übernommen worden. Die separate Vereinbarung für den Doku-Bereich aus dem Frühjahr 2013 trägt darüber hinaus den Besonderheiten der dokumentarischen Produktionen Rechnung.

medienpolitik.net: Wie müsste die bestehende Vereinbarung bei Neuabschluss weiter entwickelt werden?

Karola Wille: Wir müssen der Frage nachgehen, wo es Probleme und Weiterentwicklungsbedarf gibt. Die Produzenten beschäftigen derzeit hauptsächlich die Beteiligung an Verwertungsrechten und ihr Anteil aus Verwertungserlösen. Die Produzenten-Allianz hat mit dem Lizenzmodell eine sehr radikale Lösung angeboten. Für die Produzenten ist das Lizenzmodell die Verhandlungsbasis. Das wäre aber ein völliger Paradigmenwechsel.

medienpolitik.net: Warum?

Karola Wille: Das Lizenzmodell bedeutet nach den Vorstellungen der Produzenten, dass eine Auftragsproduktion zwar zu hundert Prozent von den Sendern finanziert wird, aber dennoch nur ein Teil der Rechte bei den Rundfunkanstalten verbleibt. Dabei verweisen die Produzenten auf die ihrer Meinung nach positiven Erfahrungen in Großbritannien mit einem solchen Modell. Wir haben den Markt in Großbritannien analysieren lassen. Die Auswertung der Entwicklung des Produzentenmarktes hat ergeben, dass seit der Einführung der Terms of Trade in den Jahren 2003 und 2004 eine Konzentration in der britischen Produktionswirtschaft in erheblichen Umfang stattgefunden hat. Unter den führenden hundert britischen Produzenten waren im Jahr 2010 noch 68 unabhängig, drei Jahre später waren davon nur noch 41 übrig. Unter den TOP 10 der britischen Produktionsszene gibt es im Jahr 2013 keinen einzigen unabhängigen Produzenten mehr. Das macht uns Sorge. Die Konzentration des Produzentenmarktes spiegelt sich auch bei der Programmbeschaffung der BBC wider. Auch bei den zehn führenden Zulieferern zum BBC-Programm gab es 2012 keinen einzigen unabhängigen Produzenten mehr. Schlimmer noch: In die entstandene Lücke drängten zum Teil ausländische, global agierende Medienunternehmen, die Einfluss auf den britischen Produzentenmarkt nehmen. Es hat also eine dramatische Veränderung des Marktes stattgefunden. Im Übrigen finden wir bei der BBC einen hohen Anteil von Eigenproduktionen. Die ARD verfolgt eine andere Politik. Wir wollen für Deutschland die Vielfalt und die Leistungsfähigkeit des Produzentenmarktes erhalten sehen.

medienpolitik.net: In Deutschland versteht man unter „abhängigen Produzenten“ die Tochtergesellschaften von Studios und Sendern. Alle Anderen sind unabhängig. In Großbritannien sind doch nicht nur Töchter der BBC abhängig, sondern auch Töchter großer Konzerne?

Karola Wille: Die sogenannten „True Indies“ sind Produzenten, die nicht zu einer Unternehmensgruppe gehören und die damit echte unabhängige Produzenten sind. Der Mittelstand ist fast vollständig aus der britischen Produzentenlandschaft verschwunden.

medienpolitik.net: Aber es geht ja wohl nicht nur um die Produzentenlandschaft, sondern auch um Ihre Kosten…

Karola Wille: Natürlich. Wenn wir für eine von uns vollfinanzierte Auftragsproduktion nur einen Teil der Rechte bekämen, wäre es de facto eine deutliche Nettopreiserhöhung. Dabei stellt sich die Frage, ob wir das unter dem Sparsamkeits-und Wirtschaftlichkeitsgebot, das die Staatsverträge zugrunde legen, überhaupt zulassen dürfen. Wie hoch anderenfalls die Mehrkosten wären, können wir noch nicht sagen. Wir vertreten die Position, dass derjenige, der die Herstellungskosten zu hundert Prozent trägt, auch über die vollständigen Rechte verfügen muss.

medienpolitik.net: Und wenn keine 100-prozentige Finanzierung durch die ARD mehr erfolgen würde…

Karola Wille: Wenn natürlich Produzenten mit Eigenkapital in die Produktion gehen, können wir uns solche teilfinanzierten Auftragsproduktionen sehr gut vorstellen. Das machen wir bereits heute und haben 2009 im Eckpunktepapier vereinbart, dass das Modell der Mitfinanzierung der Produktion durch die Produzenten verstärkt werden soll. Wir möchten die Vielfalt von vollfinanzierten und teilfinanzierten Auftragsproduktionen sowie zusätzlichen Lizenzkäufen guter Filme erhalten.

medienpolitik.net: Nun hat Alexander Thies vor wenigen Tagen in einem Beitrag für die Wirtschaftswoche geschrieben, „ mit Filmen wird auch in Deutschland viel Geld verdient, von den Verwertern. Produzenten sind von der Wertschöpfung aus Film- und Fernsehrechten weitgehend ausgeschlossen“. Das impliziert, dass Sie auf Kosten der Produzenten durch die Verwertung viel verdienen.

Karola Wille: Das kann ich spätestens seit Verabschiedung des Eckpunktepapiers 2009 nicht mehr bestätigen. Wird zum Beispiel eine von der ARD vollfinanzierte Auftragsproduktion im Ausland, im inländischen Pay-TV, im Kino, auf DVD oder in kommerziellen On-Demand-Angeboten verwertet, werden die Produzenten mit 50 Prozent an sämtlichen Nettoerlösen beteiligt.

medienpolitik.net: Wie hoch waren die Erlöse aus den Verwertungen?

Karola Wille: Die Erlöse waren wahrscheinlich nicht so hoch, wie von den Produzenten erwartet. Über die Ursachen muss man diskutieren. Für die ARD-Anstalten steht nicht die Verwertung unserer  Produktionen im Vordergrund, sondern der Auftrag des Gesetzgebers, den wir zu erfüllen haben. Es ist aber auch vereinbart worden, dass nach fünf Jahren die Produzenten die Rechte verwerten können und die ARD beteiligt wird, wenn die Anstalten die Rechte nicht selbst verwerten. Diese Zeit ist jetzt erst verstrichen.

medienpolitik.net: Wie groß ist der Andrang?

Karola Wille: Es gibt von einigen Produzenten Wünsche, aber es gibt keine Warteschlange.

medienpolitik.net: Die Rechteverwertung spielt auch bei den Mediatheken eine wichtige Rolle. Bereits heute beklagen die Produzenten die 7-Tage-Regelung. Könnten Sie den Produzenten mit einer höheren Vergütung für die Online-Nutzung entgegenkommen?

Karola Wille: Ich glaube, dass dieses Thema überschätzt wird. Es gibt ja bereits auf der Basis der Telemedienkonzepte differenzierte Verweildauern. Wir prüfen natürlich auch unter programmlichen Gesichtspunkten die Dauer der Einstellung in die Mediatheken. Es kommt darauf an, welche Rechte wir haben und was es uns kostet, bestimmte zusätzliche Rechte zu erwerben. Es ist immer ein Abwägungsprozess.

medienpolitik.net: Manuela Stehr, die Vorsitzende der SPIO, beklagt die längeren Einstellzeiten in den Mediatheken, da sich dadurch die Verwertungsbedingungen der Produzenten verschlechtern.

Karola Wille: Es gibt verschiedene Nutzergruppen und wir erreichen sie  auf unterschiedlichen Ausspielwegen. Der digitale, konvergente Medienmarkt verlangt uns ab, die richtigen Plattformen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu suchen. Die Welt ist nicht mehr rein linear. Im Auftragsbereich ist die non-lineare Welt dazugekommen. Wir brauchen auch die digitalen Rechte wie insbesondere Video on Demand, um den veränderten Nutzungsgewohnheiten entsprechend so viele Beitragszahler wie möglich erreichen zu können und auftragsfest zu bleiben.

medienpolitik.net: Wenn die Ministerpräsidenten einer Verlängerung der Verweildauer zustimmen, würde sich somit für die Produzenten nicht so viel verändern?

Karola Wille: Es bleibt bei dem Spannungsfeld: Was kostet es, wie sind die Nutzerinteressen, wie sind die eigenen Programminteressen, was heißt es für die Gesamtverwertung innerhalb der ARD zwischen dem Ersten und den Dritten Programmen. Dabei stehen Serienproduktionen bereits jetzt über viele Wochen in den Mediatheken.

medienpolitik.net: Im Eckpunktepapier gab es den Vorschlag, eine Clearingstelle einzurichten. Ist diese schon einmal in Aktion getreten?

Karola Wille: Ja, wir haben damals beschlossen, dass es einen Konfliktregulierungsmechanismus geben muss. Bisher haben wir uns erst einmal getroffen. Es hat anscheinend bisher keine relevanten Themen für die Clearingstelle gegeben.

medienpolitik.net: Teilweise springen Filmförderer ein, um die Entwicklungskosten von Serien oder anderen Formaten zu finanzieren. Das ist doch sicher auch nicht die richtige Lösung?

Karola Wille: Wir haben im Eckpunktepapier eine Regelung auch zu den Entwicklungskosten getroffen. Die Projektentwicklungskosten wurden definiert und wir sind bereit, unter bestimmten Voraussetzungen Verträge über derartige Kosten abzuschließen. Was die Produzenten derzeit beschäftigt, ist die Marktveränderung. Weil sehr viele Mitbewerber unterwegs sind, bedarf es eines größeren Aufwandes, an einen Auftrag zu kommen. Deshalb sollte man das Thema Projektentwicklungskosten im Zusammenhang mit Ausschreibungen oder Pitches gemeinsam erörtern.

medienpolitik.net: Bei den Kino-Koproduktionen finanzieren die Sender nur einen Teil des Films. Auch hier gibt es Klagen und Wünsche der Produzenten bezüglich der Rechtesituation. Welche grundsätzliche Regelung gibt es?

Karola Wille: Wir haben mit den Produzenten allgemeine Vereinbarungen über Kino-Koproduktionen getroffen, die wir derzeit mit der Produzentenallianz neu verhandeln. Der Umfang und der Zeitraum der Rechte, die bei der ARD verbleiben, bemessen sich nach dem Finanzierungsanteil der Rundfunkanstalten. Es gibt verschiedene Nutzungsphasen: Die erste Phase ist allein die Kino-Auswertung. Über die Rechteverteilung während der weiteren Phasen sprechen wir gerade.

medienpolitik.net: Wie hoch ist der prozentuale Anteil, mit dem Sie sich an Kino-Koproduktionen beteiligen? Und Senden Sie alle Filme, die Sie mitfinanzieren?

Karola Wille: Schon aus Gründen der Wirtschaftlichkeit senden wir alle von uns mitfinanzierten und redaktionell betreuten Filme, und wir beteiligen uns in der Regel mit 30 bis 50 Prozent an den Kosten. Die Spanne reicht von 20 bis 70 Prozent.

medienpolitik.net: Gegenwärtig gibt es die Diskussion dass es zu viele Filme gibt und man sich mehr auf die Qualität konzentrieren sollte. Diese Debatte müsste Ihnen doch gefallen?

Karola Wille: Wir freuen uns natürlich über jeden guten deutschen Film. Allerdings sollten sich Menge und Qualität nicht ausschließen, denn wir möchten gute Angebote für die Zuschauer und keinen Inhalt an den Zuschauern „vorbei senden“. Und das funktioniert im fiktionalen Bereich wie auch bei Dokumentationen nur mit guten Produktionen. Wo wir in Qualität investieren, finden wir unser Publikum. Das Thema nehmen wir ernst und müssen darüber mit den Produzenten sprechen.

medienpolitik.net: Wird 2015/16 Ihr Engagement im Kinofilm-Bereich ähnlich hoch wie 2013/14 bleiben?

Karola Wille: Ja, zum Beispiel mit dem kontinuierlich ausgebauten Sommerkino im Ersten . Wir freuen uns sehr über den Erfolg in diesem Jahr. Im Sommerkino Teil I hatten wir 2014 zur besten Sendezeit im Durchschnitt 14,7 Prozent Zuschauerbeteiligung. Wir konnten bei den 14- bis 49-Jährigen sogar einen Marktanteil von bis zu 28 Prozent erzielen und überdies junges Publikum gewinnen. Im Sommerkino Teil II, den wir in diesem Jahr neu etabliert haben, zeigen wir vorwiegend deutsche Kino-Koproduktionen. Es wird auch 2015 wieder das  Sommerkino im Ersten geben.

medienpolitik.net: Der Rundfunkbeitrag weckt ja bei sehr vielen Begehrlichkeiten. Auch bei den Produzenten. Nun untersucht ein neues Gutachten, ob man den Rundfunkbeitrag noch stärker nutzen kann, um die Filmproduktion zu fördern. Ist der Rundfunkbeitrag dafür das geeignete Instrument?

Karola Wille: Auf den ersten Blick klingt die Idee verlockend, auf den zweiten Blick ist es schwierig. Ich halte schon den Ausgangspunkt des Gutachtens in seiner Allgemeinheit nicht für zutreffend. Meines Erachtens haben wir eine beachtliche Vielfalt im Produzentenmarkt, sodass sich die Frage nach der Notwendigkeit dieser Vorschläge stellt. Als Juristin sehe ich zudem eine Reihe rechtlicher Fragen. Finanzverfassungsrechtlich gerät man mit der Idee in die Nähe einer Steuer. Ein anderes Thema ist das Beihilferecht. Man würde damit in die Nähe einer Subvention kommen. Das weiß auch die Politik. Im Übrigen dürfte auch das Lizenzmodell beihilferechtlich problematisch sein.

medienpolitik.net: Es gäbe für die Rundfunkanstalten vielleicht auch einen Vorteil: Durch eine von den TV-Sendern unabhängigere Produktion könnten Sie mehr Lizenzen von den Produzenten zielgerichteter erwerben…

Karola Wille: Wenn wir nur Lizenzware kaufen, hätten wir im fiktionalen Bereich das Problem, dass wir nach dem Karola Willen des Gesetzgebers keine gekauften Kinofilme ins Netz stellen dürfen.  Außerdem stellt uns das vor die Frage: Wie stark sind die Produkte für unsere Programm- und Markenstrategie nutzbar? Es gibt eine Reihe von Problemen, weshalb wir den ausschließlichen Kauf deutscher Lizenzproduktionen ablehnen, die ja auch gar nicht mit Blick auf die Bedürfnisse des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hergestellt wurden. Wir brauchen unter programmstrategischen Gesichtspunkten einen Mix aus vollfinanzierten- und teilfinanzierten Auftragsproduktionen und Lizenzware.

medienpolitik.net: Prof. Eifert sagte, dass das Thema auch über eine prozentuale Quote des Anteils deutscher Produzenten geregelt werden könnte. Das hatten die Produzenten bereits von zwei Jahren gefordert…

Karola Wille: Rund 38 Prozent des Angebots der ARD sind fiktionaler Art, wie Fernsehspiele, Kinofilme, Debütfilme, Serien. Der weitaus größte Anteil daran stammt aus deutscher Produktion. Das zeigt bereits die Wertigkeit dieses Programmgenres im ersten deutschen Fernsehen. Es ist nach der Informationsstrecke der wichtigste Programmteil. Wir benötigen keine Quote, da wir diese Forderung schon jetzt mehr als erfüllen. Außerdem belegt ein Blick in die veröffentlichten Produzentenberichte, dass ein hoher Anteil unabhängiger Produzenten von den öffentlich-rechtlichen Anstalten beauftragt wird.

medienpolitik.net: Nun gibt es die Idee nach Absenkung des Beitrages, den verbleibenden Überschuss zum Teil für deutsche Filmproduktionen zu verwenden.

Karola Wille: Wie gesagt: Diese Mittel dürfen derzeit dafür  nicht verwendet werden. Der Gesetzgeber müsste dazu  eine Entscheidung treffen.

medienpolitik.net: Hätten Sie denn die Programmplätze, wenn Sie mit deutschen Produktionen „überflutet“ werden würden?

Karola Wille: Für  Qualitätsangebote werden  wir immer Sendeplätze finden. Wir haben als fiktionale Sendeplätze den Dienstag, den Mittwoch, den Donnerstag, den Freitag, den Sonnabend und den Sonntag. Es gibt im Ersten kaum einen Abend ohne fiktionales Angebot.

medienpolitik.net: Sie sagten eingangs, dass eines der Probleme, die die Produzenten bewegen, das Eigenkapital ist. Die Produzenten beklagen, dass sie zu wenig Eigenkapital bilden können und machen das auch den Sendern zum Vorwurf. Was können Sie zur Änderung der Situation beitragen?

Karola Wille: Ich finde, das Eckpunktepapier war eine gute Weichenstellung auch in diese Richtung. Es stellt sich die Frage, was sind unter den neuen Rahmenbedingungen die richtigen Verwertungsstrategien und Verwertungsstrukturen? Welche Möglichkeiten gibt es, mehr Erlöse zu erzielen? Ein weiteres Thema sind die Entwicklungskosten, bei denen wir gemeinsam nach Lösungsansätzen suchen. Das sind die wichtigsten Stellschrauben. Leider können wir allein aber nicht alle Probleme des Marktes lösen. In der ARD überlegen wir, ob die derzeitigen Verwertungsstrukturen die zeitgemäßen und für die Zukunft passenden sind. Über eine diesbezügliche Zusammenarbeit werden wir – auch nach dem Scheitern von Germanys Gold – gemeinsam mit den Produzenten weiter nachdenken. Vielleicht finden wir doch noch eine kartellrechts-konforme Lösung für eine gemeinsame Online-Verwertungsplattform.

 Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 12/2014 erstveröffentlicht.

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