Öffentlich-rechtlicher Rundfunk:

„Wir werden unser Programm reduzieren“

von am 21.01.2015 in Archiv, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

<h4>Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: </h4>„Wir werden unser Programm reduzieren“
Jörg Schönenborn, Fernsehdirektor des WDR I Foto: © WDR/Herby Sachs

WDR will am Programm sparen, aber Zulieferungen zum Ersten nicht reduzieren

21.01.15 Interview mit Jörg Schönenborn, Fernsehdirektor des WDR

Der WDR will insbesondere durch neue Unterhaltungsangebote mehr jüngere Zuschauer erreichen. Wie Fernsehdirektor Jörg Schönenborn in einem medienpolitik.net-Gespräch betont, gehe es dem ARD-Sender dabei vor allem um die 35-55-Jährigen. Diese Gruppe, die man auch noch mit normalem Fernsehen erreichen könne, habe man in den letzten Jahren verloren. Schönenborn kündigte an, dass der WDR in den nächsten Jahren insgesamt weniger produzieren und mehr wiederholen werde: „Wir werden unser Programm sichtbar reduzieren müssen. Diese Entscheidung hat die Gesellschaft getroffen. Man kann kein großes System über zwölf Jahre mit dem gleichen Geld versorgen und glauben, es könnte weiterhin das Gleiche leisten.“ Der Fernsehdirektor bestritt aber, auf Kosten der Produzenten zu sparen. „Der WDR ist ein fairer Partner.“

medienpolitik.net: Herr Schönenborn, Sie sind seit einem halben Jahr Fernsehdirektor des WDR. Welche Ziele haben Sie sich für die ersten fünf Jahre gesetzt?

Jörg Schönenborn: Mein wichtigstes Ziel ist es, dass wir trotz Sparkurs investieren und das Programm modernisieren können. Es ist schwierig das gleichzeitig zu tun, aber das ist der Kern meines Konzepts. Dazu existieren drei Leitlinien: Wir wollen das bestehende Programm für die mittlere Generation der 35- bis 55-Jährigen attraktiver machen. Wir wollen die noch Jüngeren durch Verbreitung des Programms auf allen Plattformen im Netz erreichen. Und wir möchten mit Innovationen auf uns aufmerksam machen und das Programm kontinuierlich verändern. Das sind ehrgeizige Ziele und ich hoffe, dass mich die Kolleginnen und Kollegen bei der Umsetzung unterstützen.

medienpolitik.net: Wollen Sie es der Online-Plattform von ARD und ZDF überlassen, die Jungen zu erreichen oder haben Sie spezielle Ideen für das WDR-Programm?

Jörg Schönenborn: Nein, im Gegenteil, es geht nicht in erster Linie um Jugendplattformen. Die Gruppe, die wir vor allem zurückgewinnen wollen, ist 35 bis 55 Jahre alt. Wir haben sie in den letzten Jahren leider verloren. Das kann man auch mit „normalem“ Fernsehen verändern. Die Jungen dagegen sehen seltener fern. Sie sehen sich „Tatort“ und „Sportschau“ an, aber Dokumentationen eher auf dem iPad oder auf dem Smartphone. Und deshalb müssen wir auf die Plattformen, auf denen die Jungen bereits sind. Das sind die Mediatheken aber auch andere Plattformen. Wir müssen unsere Videos dort hinstellen, wo die Jungen sie auch suchen.

medienpolitik.net: Können Sie bitte ein Beispiel dafür nennen, wie Sie die Gruppe der 35- bis 55-Jährigen zurückerobern wollen?

Jörg Schönenborn: Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass das Zuschauer sind, die eine ziemlich starke Belastung durch Familie und Beruf haben. Diese Menschen sind in der Rush-Hour des Lebens und sie wollen nicht nur den ganzen Abend informiert werden, sondern sich auch entspannen und auch mal lachen. Deshalb wollen wir einen besseren Mix aus Information und fiktionaler Unterhaltung bieten.

medienpolitik.net: Sie sagten zu Beginn des Gespräches, dass Sie sparen wollen und zugleich das Programm erneuern. Nun gab es in letzter Zeit viele Schlagzeilen zu dem geplanten Verkauf von Kunstschätzen des WDR. Bleiben Sie damit von weiteren Sparanstrengungen verschont?

Jörg Schönenborn: Das wäre schön. Aber das ist eher ein kleiner Beitrag. Wir haben das Problem, dass wir nominal von 2009 bis 2020 ungefähr mit dem gleichen Geld auskommen müssen. Durch die Inflationsraten wird es von Jahr zu Jahr weniger. Unsere Strategie ist, bevor wir am Programm sparen, uns alles andere anzusehen. Wir denken an den Verkauf von Gebäuden, werden Produktionsabläufe straffen, Stellen abbauen und für das Programm nicht notwendige Dinge einstellen. Aber wir werden am Ende auch am Programm sparen müssen.

medienpolitik.net: Was bedeutet sparen am Programm konkret? Wo können Sie am Programm sparen, ohne dass substanziell etwas verloren geht?

Jörg Schönenborn: Wir werden unser Programm sichtbar reduzieren müssen. Diese Entscheidung hat die Gesellschaft getroffen. Man kann kein großes System über zwölf Jahre mit dem gleichen Geld versorgen und glauben, es könnte weiterhin das Gleiche leisten.

medienpolitik.net: Heißt das weniger selbst produzieren und mehr wiederholen?

Jörg Schönenborn: Das heißt weniger neue Sendungen produzieren und Neuproduktionen auf die Hauptsendezeiten konzentrieren. Letztendlich bedeutet das, dass wir auch mehr wiederholen.

medienpolitik.net: Sie reduzieren den Zuschuss zur Film-und Medienstiftung um drei Millionen Euro. Bedeutet das nicht auch Verlust von Programmsubstanz? Ist das schon der Einstieg in weniger Programm?

Jörg Schönenborn: Das ist nicht der Einstieg, aber ein weiterer Schritt. Es ist eine Realität, die wir leider schon haben. Wir haben bereits 2015 für die ARD und das WDR-Programm einige Sendungen streichen müssen. Die Film- und Medienstiftung haben wir die letzten 20 Jahre freiwillig mit jährlich drei Millionen Euro subventioniert. Das können wir uns nicht mehr leisten. Was die Filmstiftung produziert, findet manchmal in der Mitte und manchmal am Rande des Programms statt. Und am Rande des Programms werden wir Schnitte setzen müssen.

medienpolitik.net: Produzenten und andere Kreative aus der Filmwirtschaft beklagen, dass die Budgets für fiktionale Produktionen reduziert werden, dass Drehzeiten gekürzt und auch bei Gagen gespart werden muss. Wann ist hier eine Grenze erreicht?

Jörg Schönenborn: Wir sind in der bitteren Situation, dass außer vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk keine wesentlichen Aufträge an Produzenten im fiktionalen Bereich gehen. Der Druck erhöht sich sicherlich, ist uns aber nicht anzulasten. Ich möchte, dass wir fair kalkulieren und faire Verträge machen. Nach meiner Überzeugung tut das der WDR. Wo Produzenten den Eindruck haben, dass wir es nicht tun, bin ich gesprächsbereit. Das heißt, wenn Produzenten höhere Kosten haben und sich das in den Kalkulationen niederschlägt, werden wir im Einzelfall mehr bezahlen müssen. Das heißt am Ende, dass wir weniger Filme in Auftrag geben können.

medienpolitik.net: Wie oft kam das 2014 vor?

Jörg Schönenborn: Wir hatten kürzlich ein Gespräch über eine Produktion, bei der der Produzent und unsere Produktionsleitung zu Kalkulationen unterschiedliche Auffassungen hatten. Wir haben das Problem einvernehmlich beigelegt.

medienpolitik.net: Es stehen anscheinend nicht jede Woche Produzenten vor Ihrer Tür?

Jörg Schönenborn: Ich kenne bisher nur einen Fall. Es handelte sich dabei auch um eine schwierige Produktion, wo die Dinge nicht so liefen wie geplant. Ansonsten bekomme ich das Signal, dass der WDR ein fairer Partner ist, was mir wichtig ist.

medienpolitik.net: Die Produzenten verhandeln über ein sogenanntes Lizenzmodell. Welche Konsequenzen hätte das bei den Auftragsproduktionen des WDR wenn es, so wie von der Produzentenallianz gefordert, 1:1 umgesetzt werden würde?

Jörg Schönenborn: Es kommt darauf an, welches Modell man umsetzt. Beim britischen Modell sind 70 Prozent der Kosten finanziert und die Produzenten müssen den Rest aufbringen. Dieses Modell hat dazu geführt, dass die kleinen, unabhängigen Produzenten zum Teil verschwunden sind und der Markt stärker von den Großen beherrscht wird, weil diese auch die Möglichkeit haben Rechte zu verwerten. Es gibt den Wunsch von Produzenten, dass wir weiterhin einhundert Prozent bezahlen, aber nur noch 60 bis 80 Prozent der Rechte bekommen. Ich verstehe, dass die Produzenten das gut finden, aber da wir Beitragsmittel verwalten, können wir diesen Weg nicht gehen. Das wäre gegen die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit und das würde uns die KEF nicht durchgehen lassen.

medienpolitik.net: Ab 2016 soll eine neue Vereinbarung gelten. Haben Sie dafür zusätzliche Mittel eingeplant um Online-Rechte zu vergüten?

Jörg Schönenborn: Wir haben 2016 weniger Geld zur Verfügung als 2015. Am Ende definiert sich über den Preis eines Films die Anzahl der Filme, die wir uns leisten können. Wir haben am Markt fast keine Möglichkeit Geld zu erwirtschaften. Unsere Finanzierung ist gedeckelt. Wir sind mit der ProduzentenAllianz über viele Dinge im Gespräch. Ich wünsche mir, dass wir neue Modelle ausprobieren und es gelingt, Rechte besser finanziell zu verwerten. Man muss aber auch die Produzenten schützen, die das nicht realisieren können.

medienpolitik.net: Wie sieht Ihr Engagement bei Kinofilmen aus? Beteiligen Sie sich weiterhin an Koproduktionen?

Jörg Schönenborn: Wir sind einer der größten Koproduzenten von Kinofilmen, nicht nur in der ARD, sondern deutschlandweit. Daran werden wir auch 2015 unverändert festhalten. Wir haben eine Mischung aus erheblichen Finanzierungen und kleineren Beiträgen. Vor kurzem lief in der ARD „Hannah Arendt“, ein großes internationales Projekt, an dem wir uns beteiligt haben. Aber wir finanzieren auch kleinere Debütfilme mit. Das ist ein wichtiger kultureller Auftrag. Aber ob wir diesen Beitrag dauerhaft in dem Umfang leisten können, hängt auch von der Entwicklung der Finanzierung ab.

medienpolitik.net: An wie vielen Kinokoproduktionen hat sich der WDR 2014 beteiligt?

Jörg Schönenborn: Der WDR beteiligt sich jährlich an ungefähr 15 Kinokoproduktionen. Darin eingeschlossen sind Beteiligungen an kleinen Debütfilmen und Beiträge zu Kinofilmen, die von anderen Landesrundfunkanstalten federführend betreut werden.

medienpolitik.net: Der WDR ist die größte ARD Anstalt. Welchen Beitrag leistet der WDR für das Erste?

Jörg Schönenborn: Wir leisten mehr als unser Anteil in der ARD verlangt. Eine Reihe von Leistungen erbringen wir freiwillig zusätzlich. Das ARD-Morgenmagazin zum Beispiel wird allein vom WDR gestemmt. Das leisten wir aus Überzeugung, weil wir glauben, dass das ARD-Programm zum Inventar der Gesellschaft gehört. Im jetzt ablaufenden Jahr standen unsere fiktionalen Beiträge wie die Münster-„Tatorte“ ganz oben in der Quotenliste. Die Serie „Mord mit Aussicht“ wird redaktionell von uns gestaltet. Wir haben herausragende Fernsehfilme produziert, die wichtige Diskussionen angeregt haben, wie „Die Auserwählten“, ein Film über die Odenwaldschule. Auch im Informationsbereich sind wir mit „hart aber fair“, „Morgenmagazin“, „Monitor“, „Sportschau“ gut aufgestellt und die WDR-Farbe ist ganz gut zu sehen.

medienpolitik.net: Eine „WDR-Farbe“ oder WDR-Handschrift – Made in WDR – erkenne ich dennoch nicht im Ersten…

Jörg Schönenborn: Die ARD ist ein nationales Programm und von nationaler und internationaler Berichterstattung geprägt. Bei „hart aber fair“ zum Beispiel am Montagabend erkennt man die zentrierte Wahl der Gesprächspartner aus Nordrhein-Westfalen. Es gibt viele Filmbeispiele aus NRW. Die letzte Monitor-Ausgabe hat sich mit den kommunalen Unternehmen befasst, die ihren Spitzenmanagern hohe 6-stellige Jahresgehälter in Leverkusen, Köln und Essen zahlen. Es steckt schon einiges von NRW in der ARD. Aber das kann nie genug sein. Ich wünsche mir auch noch ein kleines bisschen mehr.

medienpolitik.net: Wird der Anteil des WDR für das Erste in den nächsten Jahren abnehmen?

Jörg Schönenborn: Die ARD wird ohne einen starken WDR-Beitrag nicht konkurrenzfähig sein. Wir müssen engagiert bleiben. Die ARD wird überlegen müssen, wie sie ihr Gemeinschaftsprogramm mit weniger Geld auf dem jetzigen Level hält. Das ist eine schwierige Aufgabe. Wir haben zum Beispiel bereits auf die Übertragung von Boxkämpfen verzichtet. Es gibt viele einzelne Sparelemente. Jeder Sender wird mit seiner Kraft weiterhin dabei sein. Die ARD gibt es nicht ohne einen starken WDR, aber der WDR ist auch nicht mehr stark, wenn die ARD keine Rolle mehr spielt. Auch NRW ist darauf angewiesen, dass wir ein starkes Gemeinschaftsprogramm haben, das nicht auf Berlin, Hamburg oder München zentriert ist

medienpolitik.net: Nicht auf „ Berlin zentriert“ sein, scheint nicht so einfach. Wollen Sie bewusst dagegen halten?

Jörg Schönenborn: Das tun wir ja. Das Morgenmagazin aus Köln ist eine Botschaft. Morgens sieht eine wichtige Multiplikatoren-Zielgruppe fern. Der Blick auf den Dom mit dem Köln-Panorama ist kein Lokalkolorit. Der Blick auf die Politik ist aus der Distanz manchmal etwas schärfer und klarer als aus Berlin. Unsere Nachrichten kommen nicht aus Berlin, unser Mittagsmagazin kommt aus München, von der Hauptstadtberichterstattung abgesehen, ist die Dosis Berlin durchaus begrenzt.

Wir beraten im Moment über eine Mini-Eventserie, die im Bonn der 60er Jahre spielt. Das ist so ein Gegenstück zu Berlin. Ich finde, dass das ARD-Programm ein gutes Abbild eines föderalen Landes ist. Der Föderalismus ist eine wichtige Grundlage unseres Landes und deshalb arbeiten wir gegen eine Zentrierung.

medienpolitik.net: Welche Highlights planen Sie für die nächsten zwei Jahre für das Erste?

Jörg Schönenborn: Das Thema Serie wird eine herausragende Rolle spielen. Diese werden wir komprimiert an mehreren Wochentagen hintereinander im Programm zeigen. Der WDR wird auch im Fernsehfilm stark bleiben. Ein sehr gutes Projekt ist „Der Hodscha und die Piepenkötter“. Das ist ein Film, der in NRW spielt und es geht darin um den Streit über eine Moschee zwischen einem Hodscha und einer konservativen Bürgermeisterin. Das ist eines von vielen Highlights im fiktionalen Bereich. International ist es u.a. Aufgabe des WDR, die Ukraine- und Russlandberichterstattung fortzusetzen. Wir sind zudem bereits in den Vorbereitungen für die Fußball-EM 2016 in Frankreich, die der WDR federführend überträgt.

medienpolitik.net: Gibt es für „Mord mit Aussicht“ eine adäquate Nachfolge?

Jörg Schönenborn: Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Serie fortzusetzen. Das hängt von der Beteiligten ab. An uns liegt es nicht.

medienpolitik.net: Ihre Landesregierung verhandelt intensiv über eine Änderung des Länderfinanzausgleichs und eine Umschichtung der Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag. Müssten Sie mit den Problemen in NRW nicht stärker im Ersten vertreten sein?

Jörg Schönenborn: Diese Informationen haben ihren Platz in den Nachrichtensendungen „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. In einem nationalen Programm konkurrieren die Interessen der Regionen miteinander. Ich glaube nicht, dass im Ersten mehr aus Franken, Niedersachsen oder aus der Chemieregion Ludwigshafen, Mainz oder Erfurt berichtet wird als zum Beispiel aus dem Ruhrgebiet. Ich bin immer dabei, wenn es darum geht, hierfür mehr Platz zu schaffen. Doch das ist nicht einfach.

medienpolitik.net: Sollte dann nicht wenigstens die Vernetzung besser sein? Könnte zum Beispiel die Tagesschau auf einen Beitrag hinweisen, der 20.15 Uhr im WDR gesendet wird?

Jörg Schönenborn: Ja, das würde ich mir auch wünschen. Wir tun das gelegentlich mit „phoenix“ und anderen ARD-Programmen. Der WDR leistet es im Morgenmagazin, da können wir es beeinflussen. Eine solche „Vernetzung“  fordert sehr viel Solidarität. Die Tagesschau läuft in fünf dritten Programmen, sie läuft bei „3sat“ und „phoenix“. Ich verstehe Ihren Impuls, aber ich glaube, dass wir im Jahr 2014 ein Publikum haben, das besser als früher weiß, wie es seine Inhalte findet.

medienpolitik.net: Die regionale Berichterstattung ist beim WDR sehr differenziert. Wie geht es hier weiter? Wollen Sie noch stärker regionalisieren?

Jörg Schönenborn: Nein, wir haben eine Grenze erreicht. Was wir im Moment tun, können wir uns nur mit Mühe leisten. Am Samstag haben wir durch den Sport weniger Zuschauer, deshalb haben wir die elf Sendungen „Lokalzeit“ in einer konzentriert. Wir setzen im nächsten Jahr Geld dafür ein, um mit unseren Landesinhalten stärker im Netz präsent zu sein, um so weitere Publikumsschichten zu erschließen. Unter anderem bereiten wir derzeit eine YouTube –„Lokalzeit“ aus dem Bergischen Land vor. Am Nachmittag 14.30 Uhr werden die Themen des Vormittags und Mittags kurz und flott im YouTube-Kanal präsentiert. Das ist ein Experiment. Wir planen weitere Experimente mit NRW-Inhalten auf Instagram oder andere Plattformen. Die Regionalberichterstattung kann nicht noch differenzierter sein, aber sie muss weitere Zielgruppen erreichen.

medienpolitik.net: Welches Konzept haben Sie für den Digitalkanal „Einsfestival“?

Jörg Schönenborn: Gegenwärtig finden in der ARD Gespräche darüber statt, wie man „Einsfestival“ als einen Kanal für die 20 bis 49-Jährigen stärken kann. Wir sind davon ausgegangen, dass der Kanal eingestellt wird. Viele Projekte, auch mit anderen Rundfunkanstalten, sind nach und nach eingestellt worden. Jetzt müssen wir das wieder zum Leben erwecken, was mit beschränkten Mitteln nicht so einfach ist. Serien spielen für die ARD und die dritten Programme eine wachsende Rolle. Bestimmte Serien werden auf der Jugendplattform gezeigt. Da kann „Einsfestival“ eine Scharnierfunktion einnehmen. Wir können dort Angebote als Premiere zeigen, die ansonsten in den dritten Programmen laufen.

medienpolitik.net: Wann wollen Sie mit „Einsfestival“ wieder richtig durchstarten?

Jörg Schönenborn: Wir wollen es nicht mit Vollgas probieren, sondern schalten langsam von dem ersten, über den zweiten in den dritten Gang. „Einsfestival“ ist kein reines WDR-Programm und deshalb benötigen wir Partner in der ARD. Wir haben jetzt die schwierige Aufgabe, die Jugendplattform zu entwickeln, was Ideen und Geld kostet, und in diesem Zusammenhang muss „Einsfestival“ im Gleichschritt mit auf Tempo kommen. Dennoch herrscht bei „Einsfestival“ kein Stillstand, sondern man kann dort „The best of ARD“ zu passenden Tageszeiten sehen. Nun müssen wir es schaffen, in dieses Programm zu investieren, um auch neue und andere Inhalte zu zeigen.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 1/2015 erstveröffentlicht.

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