Internet:

Google – Der Nutzer steht an erster Stelle

von am 02.02.2015 in Archiv, Internet

<h4>Internet: </h4>Google – Der Nutzer steht an erster Stelle
Annegret König, Syndikusanwältin, Google Germany, und Jan Kottmann, Leiter Medienpolitik DACH, Google Germany

Wer vorschnell nach Regulierung ruft, erweist den Nutzern einen Bärendienst

02.02.15 Von Annegret König, Syndikusanwältin, Google Germany, und Jan Kottmann, Leiter Medienpolitik DACH, Google Germany

„Alles auf der Erde lässt sich finden, wenn man nur zu suchen sich nicht verdrießen lässt.” Als der griechische Dichter Philemon rund 300 Jahre vor Christus seine Weisheit formulierte, konnte er nicht ahnen, wie sehr einmal das Internet das Suchen der Menschen nach allem auf der Erde” verändern würde. Dank allgemeiner und spezialisierter Suchmaschinen im Netz dürfte es heute nur wenig Irdisches geben, das sich nicht binnen weniger Sekunden finden ließe: Autos und Immobilien, Kultur und Nachrichten, Urlaubsreisen und – ja sogar – Lebenspartner. Der Verdruss” einer langwierigen und mühseligen Suche wandelte sich in das sekundenschnelle Aufzeigen von Ergebnisalternativen, der Suchende wurde zum Nutzer, der mit jedem Mausklick souveräne Entscheidungen trifft.

Die zentrale Rolle freier Bürger als entscheidender Instanz im Netz wird in der Debatte um Suchmaschinen und Google erstaunlich oft vernachlässigt. Dabei sind die Bürger auf diesem virtuellen Marktplatz nicht nur machtlose Konsumenten, im Gegenteil. Mit Millionen von Klicks bestimmen sie jeden Tag, jede Stunde, über das Wohl und Wehe einer wachsenden Zahl von Webseiten. Kein Unternehmen, auch nicht Google, Facebook, Apple oder Amazon, könnte es sich erlauben, auch nur wenige Wochen die Interessen seiner Nutzer zu ignorieren.

Um dennoch regulatorische Eingriffe in den Markt und die Funktionsweise von Suchmaschinen zu rechtfertigen, werden deshalb – teils gegen die Interessen der Konsumenten  neue Ziele konstruiert. So ist im Zusammenhang mit der Websuche des Öfteren davon die Rede, die Suche müsse „neutral” sein.

Suche als beste Antwort für den Nutzer

Aus Sicht des Nutzers wäre eine “neutrale” Suchmaschine wenig zielführend. Die einzige Aufgabe einer Suchmaschine muss es sein, die jeweilige Suche des Nutzers (ganz im Sinne Philemons) möglichst “verdrusslos” zu gestalten. Sprich: dem Nutzer schnell und unkompliziert aus einem Meer von Billionen Webseiten die beste Antwort zu liefern. Es geht also um Relevanz, nicht um Neutralität. Das erwarten die Nutzer von Google und ganz allgemein von jeder Suchmaschine, insofern kann die Internetsuche per definitionem nicht „neutral” sein.

In der Konsequenz muss jeder Suchalgorithmus den Suchergebnissen wertende Kriterien zuordnen, um auf dieser Basis Unterscheidungen zu treffen. Wenn das Ergebnis den Erwartungen der Mehrzahl der Nutzer entspricht, indem es deren Suchanfrage erfolgreich  beantwortet, hat die Suchmaschine ihren Auftrag erfüllt. Es liegt in der Natur einer Rangfolge, dass manche Webseiten mal höher, mal tiefer als andere platziert werden. Es kommt auf die spezifische Anfrage des Nutzers an. Ebenso ist es natürlich, dass andere Suchmaschinen (mit anderen Suchalgorithmen) andere Suchergebnisse liefern. Gerade dies ist Ausdruck eines funktionierenden Wettbewerbs zwischen Suchmaschinen im Netz. Am Ende entscheidet der Nutzer, welcher Anbieter ihm für eine spezifische Frage die besten Ergebnisse liefert.

Im Falle Googles wird gerne argumentiert, die hochrangige Platzierung von eigenen Diensten sei der Beleg dafür, dass die Google Suche nicht “neutral” sei, sprich: eigene Dienste bevorzuge. Ein Blick in die Ergebnisse anderer Suchmaschinen zeigt jedoch, dass Dienste wie Google Maps oder YouTube auch dort häufig prominent platziert sind. Es handelt sich dabei um beliebte Angebote mit hunderten Millionen regelmäßigen Nutzern. Es geht also auch hier um die Qualität der betreffenden Angebote, etwas anderes würden die Nutzer auch schwerlich tolerieren.

Ein „objektiv korrektes Suchergebnis”, welches als Vergleichsmaßstab zur Feststellung der Einhaltung einer „Suchneutralität” herangezogen werden könnte, gibt es nicht. Die Vorgabe einer „Neutralität” oder vielmehr das Verbot, die Reihenfolge der Suchergebnisse nach eigenen Kriterien und Algorithmen zu bestimmen, kann daher sinnvollerweise auch kein regulatorisches Ziel sein. Eine derartige Vorgabe würde dem Wunsch der Bürger, relevante Informationen rasch zu finden, entgegen stehen und somit den durch Suchmaschinen generierten volkswirtschaftlichen Nutzen empfindlich beeinträchtigen.

Transparente Erläuterung von Google Algorithmen in Blogs und Videos

Im Zusammenhang mit Forderungen nach jener „Neutralität” wird teilweise beklagt, die Kriterien, nach denen Google seine Suchergebnisse organisiere, seien “nicht transparent”. Der Google-Algorithmus wird als „black box” beschrieben, den niemand von außen beurteilen könne. Dieser Vorwurf lässt sich durch eine einfache Google-Recherche leicht entkräften. Auf einer zentralen Informationsseite können sich Webmaster umfassend informieren, wie ihre Website besser auffindbar gemacht werden kann. In einem eigens dafür angelegten Google-Blog werden seit 2006 regelmäßig aktuelle Informationen zum Thema “Crawling” und der Indexierung von Internetseiten angeboten, inzwischen in über 1.000 Einträgen. Darüber hinaus gibt esHilfswerkzeuge, ein Support-Forum sowie einen YouTube-Kanal mit über 600 Videos, um Seitenbetreiber und andere Interessierte zu unterstützen. Zudem wurde im Mai 2011 der „Inside Search Blog” gestartet, der Informationen über viele – einschließlich kleinerer – Veränderungen bietet. Google hält aber nicht nur Informationen für Experten bereit, sondern zugleich eine animierte Informationsseite für nicht speziell vorgebildete Nutzer: „So funktioniert die Suche”. Dort kann sich jeder in der von ihm gewünschten Detailtiefe informieren.

Google führt jährlich rund 20.000 Experimente durch, um den Algorithmus seiner Suche zu verbessern und betreibt erheblichen Aufwand, um die Integrität der Suchergebnisse zu sichern. Es versteht sich von selbst, dass dabei nicht alle Einzelheiten offengelegt werden können, sind doch die meisten Anpassungen gerade darauf ausgelegt sind, Spam und unzulässige Suchmaschinenoptimierung („black-hat-SEO”) abzuwehren. Die komplette Offenlegung der Schutzmechanismen würde es für Spam-Versender einfach machen, das System auszutricksen und die Google-Suchergebnisse mit nutzlosen oder gar mit Viren und anderer Malware verseuchten Webseiten zu fluten. Die kontinuierliche Verbesserung und stetige Veränderung der Algorithmen ist eine Maßnahme, die im Interesse der Nutzer der Websuche liegt.

Google nur einer von vielen Zugängen zu Webseiten

Die große Beliebtheit der Google-Suche bei den Nutzern und die Bedeutung von Suchmaschinen für die Navigation im Netz wurden zuletzt auch zum Anlass genommen, Google als so genannten „Gatekeeper” des Internets kritisch zu hinterfragen. Manche Autoren gehen sogar soweit, von einer „Googleisierung der Informationssuche” zu sprechen. Impliziter Vorwurf: Google würde als häufig besuchte Plattform den Zugang zu Informationen in irgendeiner Weise „beschränken” oder “redaktionsgleich” steuern.

Falsch sind daran bereits die Grundannahmen: Suchmaschinen “beschränken” weder den Zugang zu Informationen noch wählen sie diese „redaktionsgleich” aus. Sie ermöglichen vielmehr den direkten Zugang zu den digitalen Informationen der Welt in all seinen Facetten, Formen und Sprachen. Erschwert werden kann dieser Zugang allenfalls durch technische Vorkehrungen der Seitenbetreiber oder andere Eingriffe von außen in die Architektur des Internets, die die Verlinkung auf bestimmte Inhalte im Netz behindern. Davon abgesehen entsprechen Suchmaschinen in ihrer Struktur am ehesten dem Karteikartensystem einer Bibliothek, bei dem jeder im Index verfügbare Inhalt unbeschränkt auffindbar ist. Die Vorstellung eines Inhalte bewusst auswählenden, begrenzenden oder ausschließenden „Gatekeepers” geht fehl.

Daneben vernachlässigt die Theorie vom “Gatekeeper” den intensiven Wettbewerb im Internet. So konkurriert Google zum einen mit anderen, horizontalen Suchmaschinen wie Bing, Yahoo!, DuckDuckGo oder Qwant sowie einer großen Zahl vertikaler Suchmaschinen in verschiedenen Segmenten wie zum Beispiel Amazon, Idealo, Opodo oder Zalando. Zum Zweiten sind Suchmaschinen bei weitem nicht die einzige Möglichkeit, Inhalte im Netz aufzusuchen. Gerade bei der Nutzung vieler Medieninhalte macht der Zugang über Suchmaschinen lediglich einen geringen Anteil des Traffics aus. Auf Desktop-Rechnern, vor allem aber mobilen Geräten (Apps), erreicht das Gros der Nutzer die betreffenden Webseiten direkt, über Lesezeichen sowie Empfehlungen und – in stark zunehmendem Maße – soziale Netzwerke. Beispiel Bild-Zeitung: Im vierten Quartal 2014 kamen zu bild.de 66 Prozent der Nutzer direkt, knapp 14 Prozent folgten Empfehlungen, lediglich 10 Prozent steuerten bild.de über eine Suchmaschine (Google, Yahoo!, Bing) an, weitere 9 Prozent wurde durch soziale Netzwerke generiert. Ähnliche Zugriffszahlen lassen sich für Spiegel Online nachweisen. (Quelle: similarweb.com)

Noch etwas unterscheidet eine Suchmaschine von meinungsbildenden Medien wie Presse, Radio oder TV. Eine Suchmaschine entscheidet weder darüber, was publiziert wird, noch kommentiert sie, was richtig oder falsch ist. Eine Suchmaschine hilft dem Nutzer, das zu finden, wonach er individuell sucht. Auf welches Ergebnis der Nutzer am Ende klickt und welchen Artikel er liest, entscheidet er ganz alleine.

Einen Platz in den Google Suchergebnissen kann man sich nicht kaufen

Und noch ein Mythos ist in der Debatte um die Google-Suche weit verbreitet. Der Verdacht, man könne prominente Plätze in den Suchergebnissen kaufen. Auch dies ist falsch. Die Reihenfolge von Googles Suchergebnissen wird nicht durch kommerzielle Interessen beeinflusst. Die Trennung zwischen klar gekennzeichneten Werbeanzeigen und organischen, strikt nach Relevanz geordneten Suchergebnissen ist für Google selbstverständlich. Hierzu hat sich Google bereits vor mehr als 10 Jahren im Rahmen der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multimediaanbieter verpflichtet.

„Der Nutzer steht an erster Stelle.” Mit diesem Grundsatz ist Google vor gut 15 Jahren angetreten. Daran hat sich bis heute nichts geändert, alles andere wäre nicht zuletzt wirtschaftlich riskant. Denn verlöre Google das Vertrauen seiner Nutzer, würden binnen kürzester Zeit neue Anbieter an seine Stelle treten.  Die täglichen Mausklicks von Millionen von Bürgern sowie die hohe Dynamik von Innovation und Wettbewerb im Netz sind die wirksamsten Mittel gegen Manipulation und Machtmissbrauch im Netz. Wer hier vorschnell nach Regulierung ruft, erweist am Ende den Nutzern einen Bärendienst.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 2/2015 erstveröffentlicht.

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