Rundfunk:

„Radio Bremen wird von allen verteidigt“

von am 11.05.2015 in Allgemein, Archiv, Hörfunk, Internet, Interviews, Livestream, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Rundfunk

<h4>Rundfunk:</h4>„Radio Bremen wird von allen verteidigt“
Jan Metzger, Intendant von Radio Bremen I © Radio Bremen/Klaus Fittschen

Älteste ARD-Anstalt ist auf dem Weg zu einem trimedialen Medienhaus

11.05.15 Interview mit Jan Metzger, Intendant von Radio Bremen

Radio Bremen feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Ende 1945 wurden von den Alliierten in mehreren westdeutschen Großstädten, darunter Bremen, Radiosender neu gegründet. Der einzige, der von diesen Stadtradios heute noch existiert, ist Radio Bremen und damit auch die älteste ARD-Anstalt.
Für den Intendanten Jan Metzger bedeutet das auch eine Verpflichtung: „Unser wichtigstes Gut ist unsere Glaubwürdigkeit – und die speist sich aus unserer Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft, aus gründlicher, nach allen Seiten offener Recherche und aus präziser und für alle verständlicher Darstellung.“ Mit dem neuen Finanzausgleich innerhalb der ARD ab 2017 ist der Sender nach Auffassung Metzgers auch für die Zukunft finanziell abgesichert.

medienpolitik.net: Herr Metzger, Radio Bremen wurde bereits nur wenige Monate nach dem Ende des 2. Weltkrieges gegründet und besteht in diesem Jahr seit 70 Jahren. Inwieweit haben sich die Hoffnungen der Gründungsväter erfüllt?

Jan Metzger: Die Gründerväter wären sehr stolz auf ihren öffentlich-rechtlichen Rundfunk – nicht nur auf Radio Bremen. Mit ARD und ZDF haben wir in Deutschland ein in der Welt ziemlich einmaliges System von elektronischen Qualitäts-Medien. Wir bieten Information, Bildung und Unterhaltung in vielfältigen Farben und Formen und für fast jeden Geschmack. Vor allem aber: Mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben die Bürgerinnen und Bürger eine unabhängige Informationsquelle, die es ihnen ermöglicht, sich selbst eine freie Meinung zu bilden. Und genau dies war – nach den Erfahrungen der Nazi-Diktatur mit einem Staatsrundfunk als Hetz- und Propaganda-Instrument – das wichtigste Anliegen der Gründer von Radio Bremen.

medienpolitik.net: Ergibt sich aus der Tatsache, der älteste öffentlich-rechtliche Sender zu sein, eine Art Verpflichtung für Sie?

Jan Metzger: Natürlich. Wir sollten die Ansprüche des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf unseren professionellen Genen haben. Unser wichtigstes Gut ist unsere Glaubwürdigkeit – und die speist sich aus unserer Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft, aus gründlicher, nach allen Seiten offener Recherche und aus präziser und für alle verständlicher Darstellung. Das ist – im besten Fall – die besondere Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dass wir trotzdem nicht makellos sind, dass wir Fehler machen, dass wir manchmal zu bequem sind und nicht weit genug denken, dass passiert natürlich auch und trotzdem. Aber an der Qualität unserer Angebote zu arbeiten und uns dabei nicht nach unten, sondern nach oben zu vergleichen, z.B. mit guten Tageszeitungen oder mit öffentlich-rechtlichen Sendern in anderen Ländern, das ist für mich eine ständige Verpflichtung.

medienpolitik.net: Die Debatte um die Notwendigkeit eines öffentlich-rechtlichen Senders hat sich mit dem neuen Rundfunkbeitrag verstärkt. Was würde der Region um Bremen und Bremerhaven fehlen, wenn es Radio Bremen nicht mehr gäbe?

Jan Metzger: Ich bin auch nach Jahren immer noch verblüfft, wie sehr sich die Menschen in Bremen und in Bremerhaven mit „ihrem“ Sender identifizieren! Und wir sind in der Tat ja auch ihr Sender: Wir gehören nicht der Landesregierung und auch nicht der Handelskammer. Wir halten zu keiner Partei und wir promoten keine Interessengruppe. Selbst zu Werder Bremen halten wir professionelle Distanz, was in dieser Stadt, die mit Werder lebt und leidet, gar nicht so einfach ist. Die Menschen nehmen uns deshalb ab, dass sie bei uns alles Wichtige aus ihrem Bundesland erfahren. Daneben spiegeln unsere Programme auf unterhaltsame Weise auch das Lebensgefühl ganz unterschiedlicher Milieus in unserem Zwei-Städte-Land wider. Das fördert die Verständigung untereinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dazu kommt in Bremen gewiss aber auch noch etwas Anderes: Die Menschen hier sind unglaublich stolz auf ihre Jahrhunderte alte Unabhängigkeit – die, so lange man denken kann, nur einmal unterbrochen war, zwölf Jahre lang in der Nazi-Zeit. Radio Bremen, der eigene Landessender, gehört dabei zu den Symbolen der Bremer Eigenständigkeit. Der Verlust des Senders wäre für viele hier ein Schritt in Richtung des Verlusts der Unabhängigkeit des Landes. Auch deshalb wird Radio Bremen nicht nur gemocht, sondern auch quer durch die Parteien, über alle gesellschaftlichen Organisationen hinweg von ganz vielen Bürgerinnen und Bürgern verteidigt, als wäre es die eigene Haustür.

medienpolitik.net: Als kleiner Sender sind Sie es seit jeher gewohnt, zu sparen. Seit 2014 erhalten sie durch den ARD- Finanzausgleich mehr Geld. Was ist das für ein Gefühl, jetzt im Geld zu schwimmen?

Jan Metzger: Obwohl Küstenbewohner, können wir nicht schwimmen – und mussten es bei dieser Gelegenheit leider auch nicht lernen. Der neue Finanzausgleich macht in Teilen rückgängig, was der alte Finanzausgleich Radio Bremen vor 15 Jahren genommen hat. Dazwischen lag ein schwieriger und in Teilen auch sehr schmerzhafter Schrumpf-Prozess, der Radio Bremen stark verändert hat. Manche Veränderungen waren ein Verlust, vor allem in der Breite unseres Programm-Angebotes, manche Veränderungen waren ein Gewinn, wie die Zusammenlegung von zwei Funkhaus-Standorten und die Einführung moderner, crossmedialer Arbeitsweisen, die uns fit gemacht haben für die digitale Medienzukunft. Vor dem neuen Finanzausgleich waren wir – selbst in unserer kleinen und schlanken Version – strukturell unterfinanziert. Mit dem neuen Finanzausgleich machen wir keine großen Sprünge, wir wirtschaften weiter strikt und sparsam, aber wir kommen hin, ohne weiter abbauen zu müssen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben wir Planungssicherheit und eine positive Entwicklungsperspektive. Dafür sind wir der ARD sehr dankbar, die uns in all den Jahren solidarisch unterstützt hat, aber auch der KEF, die unsere Situation immer wieder zutreffend beschrieben hat, und den Bundesländern, die am Ende den neuen gesetzlichen Finanzausgleich beschlossen haben. Der Dank gilt übrigens ausdrücklich auch unserem eigenen Bundesland – denn Bremen hat uns in den Verhandlungen der letzten Jahre immer unterstützt und zur Seite gestanden.

medienpolitik.net: Wo sehen Sie bei ihrer Aufgabenerfüllung nach wie vor finanzielle Defizite?

Jan Metzger: Mehr geht immer und ist meist auch ganz schön – wobei wir hier ja im Kern nicht von uns selbst sprechen, sondern von Programm-Angeboten für die Bürgerinnen und Bürger in Bremen. Die bekommen von ihrem Landessender heute ein schmaleres Angebot als früher und als es in anderen Bundesländern üblich ist. Daran wird sich auch in der Zukunft wenig ändern. Wir versuchen heute, mit den vorhandenen Spielräumen wenigstens unsere wichtigsten Lücken im Programm zu schließen. Das schaffen wir vor allem dadurch, dass wir intern umschichten und indem wir sehr konsequent über unsere Prioritäten diskutieren und dann Dinge eben auch sein lassen. In der nächsten Etappe werden wir unser Online-Angebot stärken und ein crossmediales Angebot für die Zielgruppen unter 30 Jahren entwickeln, für die wir heute als öffentlich-rechtlicher Sender in Bremen gar nichts haben. Darüber hinaus bedürfen natürlich auch unsere bestehenden Radio-Wellen und unser Fernseh-Programm der beständigen Aufmerksamkeit, Pflege und Weiterentwicklung. Auch das kostet Geld. Am stärksten sind unsere knappen Finanzen gewiss im Fernsehen zu spüren: Fernsehen war und ist teuer, gutes Fernsehen war und ist sehr teuer. Hier hat Radio Bremen in den vergangenen Jahrzehnten die größten Abstriche machen müssen und das werden wir mit den vorhandenen Mitteln auch nicht wieder auch nur annähernd aufholen können. Da gilt es mit Intelligenz, cleveren Ideen und modernen Produktionsmethoden auszugleichen, was mit Geld nicht möglich ist. Dass dies durchaus geht, zeigt zum Beispiel der überproportional große Erfolg unserer zwei Tatorte pro Jahr oder die Tatsache, dass wir es immer wieder mit Fernseh-Dokumentation oder zuletzt auch mit der Vorabend-Serie „Unter Gaunern“ in die Gemeinschaftsprogramme der ARD schaffen. Für ein so kleines Haus ist das eine große Leistung. Das ändert aber nichts daran, dass unsere Stärke in der Zukunft in innovativen und crossmedialen Formaten liegt, für die man auch mit neuen, preiswerten Mitteln produzieren kann. Hier können wir als kleines Haus manches ausprobieren, was in großen Häusern schwieriger zu realisieren ist. Genau hier liegt unsere Nische innerhalb der ARD.

medienpolitik.net: Die freiwilligen Finanzausgleichszahlungen in Höhe von je 5 Millionen Euro enden 2016. Und was dann?

Jan Metzger: Ab dem 1. Januar 2017 greift der neue gesetzliche Finanzausgleich, der einen großen Teil der befristeten und zum Teil bilateralen Hilfsmaßnahmen der ARD für Radio Bremen ablöst und auf eine dauerhafte Grundlage stellt. Darüber sind wir sehr froh. Das ist übrigens auch ein Gewinn für die ARD, weil die ständigen, kleinteiligen und komplizierten Diskussionen über die Finanzen von Radio Bremen und dem Saarländischen Rundfunk dann ein Ende haben. Das erleichtert alle. Mit dem neuen gesetzlichen Finanzausgleich werden wir dann ab 2017 ungefähr so viel Mittel haben, wie wir seit 2015 und zur Zeit mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen haben, zu denen auch der von Ihnen genannte freiwillige Finanzausgleich gehört.

medienpolitik.net: Wie sehen Sie die Notwendigkeit, die Aufteilung des Rundfunkbeitrages innerhalb der ARD strukturell neu zu regeln, zu einer Art „Gerechtigkeitsmodell“ zu kommen, wie es der rbb fordert. Geplant ist das schon seit längerem…

Jan Metzger: Ich sehe zur Zeit keinen Spieler auf der medienpolitischen Bühne – nicht bei der ARD, in der KEF oder bei den Ländern – der ein Interesse daran hat, die Finanz-Strukturen innerhalb der ARD erneut anzufassen. Das ist mit dem neuen Finanzausgleich ja gerade eben geschehen und es war ausreichend kompliziert und hat lange gedauert. Selbst diese, überschaubare Veränderung müssen wir in unseren Strukturen noch vollständig verarbeiten. Das wird noch seine Zeit dauern. Dazu kommt, dass wir mit der Umstellung von der Rundfunkgebühr auf den Rundfunkbeitrag gerade eine noch viel größere Veränderung hinter uns haben. Deren Wirkung wird gerade evaluiert, gegebenenfalls wird es noch einmal Anpassungen im Modell geben. Auch die finanziellen Konsequenzen für das Gesamtsystem stehen noch nicht endgültig fest. Wir haben also zurzeit noch genügend andere Themen vor uns.

medienpolitik.net: Sie haben neun Audio-Web-Channels. Warum? Lohnt sich das?

Jan Metzger: Die Web-Channels sind Wiederverwertungs- und unmoderierte Schleifenprogramme, die es uns ermöglichen, Spezialsendungen auf Abruf anzubieten. Hier können wir bestehende Radiowellen ein wenig flankieren und außerdem Dinge ausprobieren. So ist Bremen Next einmal aus einem Web-Channel von Bremen Vier entstanden. Web-Channels kosten uns praktisch kein Geld und erfüllen so ihren kleinen Zweck. Viel wichtiger sind für uns die regionalen Informationsangebote im Netz. Hier sind wir schon gut, wollen aber in Zukunft noch besser werden. Das ist echter Mehrwert für Nutzer aller Generationen und Geräte-Klassen.

medienpolitik.net: Worauf konzentrieren Sie sich gegenwärtig bei den TV-Produktionen?

Jan Metzger: Wir haben fast alles, was wir im Fernsehen haben, in den letzten eineinhalb Jahren auf unser Vorabendprogramm konzentriert – auf unser regionales Informationsmagazin buten un binnen, auf die tägliche Sendung Sportblitz für Bremen und Bremerhaven. Aktuelle regionale Information und Service für unser Sendegebiet – das ist der Kernauftrag für unser Bundesland. Das macht niemand und das kann niemand so gut wie Radio Bremen. Daneben sind wir stolz darauf, mit 3nach9 Deutschlands dienstälteste Talkshow zu produzieren. Es ist gar nicht so einfach, einen Evergreen immer wieder in neue Zeiten zu bringen. Dafür, dass sich die Konkurrenz in all den Jahren gewaltig verändert hat, ist 3nach9 vital, erfolgreich und äußerst robust. Unsere Tatorte machen uns große Freude, denn sie spielen nicht nur sehr gut in der nationalen Tatort-Liga mit. Sie transportieren auch viel Bremen ins Land und sie tragen inhaltlich zu unserem Profil bei, indem sie gerne auch gesellschaftlich heikle und schwierige Themen aufnehmen und so zu Debatten und Meinungsbildung beitragen. Wir hauchen gerade dem deutschen Dokumentations-Klassiker, der einmal bei Radio Bremen erfunden wurde, „Unter Deutschen Dächern“ wieder Leben ein. Und wir mischen auch mit aktuellen, politischen und historischen Dokumentationen im Ersten, im Dritten und bei arte mit. Schließlich: Kennen Sie den „Zoo am Meer“ in Bremerhaven? Falls nicht, sollten Sie Das Erste schauen.

medienpolitik.net: Es gibt bei Ihnen einen Programmdirektor für Radio und Fernsehen und eine Multimedia-Chefredakteurin. Wie weit ist Radio Bremen heute bereits ein trimediales Medienhaus?

Jan Metzger: Es gibt sehr verbreitet die Erfahrung, dass in herkömmlichen Medien-Organisationen die Zusammenarbeit über Medien-Grenzen hinweg – gar die von vorn herein crossmedial angelegte Produktion von Themen – sehr schwierig ist, wenn die betreffenden Kolleginnen und Kollegen unterschiedliche Chefs haben, aus unterschiedlichen Budgets bezahlt werden, in getrennten technischen Infrastrukturen produzieren – um nur die wichtigsten Hindernisse zu nennen. Jeder schützt sein eigenes Fürstentum und die schlechtesten Menschen wohnen immer im Nachbar-Dorf – um es auf einen kurzen Nenner zu bringen. Diese Probleme hat Radio Bremen mit seinem Neubau und einer damit verbundenen Reorganisation vor einigen Jahren grundsätzlich gelöst: Wir haben einen Programmdirektor, der für alle Inhalte zuständig ist und alle entsprechenden Budgets verantwortet, eine Chefredakteurin, die Inhalte aller Mediengattungen koordiniert, eine gemeinsame technische Infrastruktur, in der alle arbeiten, ein Haus mit viel Glas und kurzen Wegen. Dies sind notwendige Voraussetzungen. Wir haben in den zurückliegenden Jahren allerdings auch gelernt, dass es keine hinreichenden Voraussetzungen sind. Auch in der Struktur eines trimedialen Medienhauses gibt es die unterschiedlichen Notwendigkeiten der verschiedenen Medien oder – wie man heute eher sagen würde – Ausspielwege und Plattformen. Die Produktion eines Beitrages für ein lineares Fernseh-Magazin ist etwas völlig anderes als die Bearbeitung des gleichen Themas für soziale Netzwerke. Was aber im Alltag mindestens so schwer wiegt: Unsere Journalistinnen und Journalisten bringen größtenteils die Sozialisation und die Erfahrungen eines Berufslebens mit sich, das an Radio, Fernsehen oder Online gebunden ist. Das heißt, sie „können“ meist nur ein Medium und viele von ihnen „wollen“ auch nur ein Medium. Erst in unserer jüngsten Nachwuchs-Generation ändert sich das gerade. Die Kunst des Übergangs in eine Welt der Mediennutzung, die nicht mehr zwischen Radio, TV und Online unterscheidet, sondern Audio, Video, Bild und Text nahtlos und überall erwartet, besteht also darin, sowohl mit den Menschen und ihren Fähigkeiten als auch unter Berücksichtigung der spezifischen Notwendigkeiten unterschiedlicher Ausspielwege und Plattformen exzellenten, interessanten Journalismus zu machen. Denn das ist – Plattform hin, Ausspielweg her – der Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrages. Für diese Fragen Lösungen zu finden, ist alles andere als trivial. Ich kann also sagen: Ja, wir sind immerhin schon einmal strukturell ein crossmediales Medienhaus. Aber im Alltag sind wir ganz gewiss noch in der Phase des Übergangs, in einer Zeit von Versuch und Irrtum, von Veränderung und Unsicherheit. Aber wir sind stolz darauf, dass wir als kleinste Landesrundfunkanstalt der ARD immerhin schon ein gutes Stück des Weges gegangen sind. Neugier und Improvisationskunst sind auf den Radio Bremen-Genen – das hat sehr geholfen.

medienpolitik.net: Wo liegen beim Zusammenwachsen von Radio, Fernsehen und Online nach wie vor die größten Probleme?

Jan Metzger: Jeden Tag neu darum zu kämpfen, dass unsere wichtigsten Themen auch wirklich über alle Mediengrenzen geplant werden und dass unsere Medien bei der Produktion dort zusammen marschieren, wo dies möglich ist, und dort getrennt zuschlagen, wo dies nötig ist. Dass alle Beteiligten den Wert und die Bereicherung von crossmedialem Beiträgen über verschiedene Plattformen hinweg für unser Publikum erkennen: Mehr Tiefe, mehr Vielfalt, bessere Verfügbarkeit in allen Lebens- und Nutzungslagen. Dass wir neben unseren linearen Programmen auch die neuen Kommunikations- und Verbreitungswege über das Netz, über soziale Medien und über die wachsende Zahl mobiler Geräte annehmen. Dass wir in dieser Hinsicht täglich Neugier und Experimentierfreude bei unseren Kolleginnen und Kollegen entfachen. Denn für die Medien sind die neuen Nutzungsgewohnheiten der digitalen Welt eine große Herausforderung, aber sie sind eben auch eine große Chance und eine Bereicherung. Wenn wir das verspielen – die Welt wird nicht auf uns warten.

medienpolitik.net: Sie experimentieren schon seit längerem auch mit jungen Formaten. Was kann Radio Bremen zum Online-Jugendangebot von ARD und ZDF beisteuern?

Jan Metzger: Weil wir in den letzten Jahren viel mit jungen, medienübergreifenden Formaten experimentiert haben – TagesWEBschau, wochenwebschau, LateLine, Netzreporter für das ARD-Morgenmagazin, jetzt Bremen Next – und entsprechende Erfahrungen sammeln konnten, haben wir von Anfang an konzeptionell am Jugendangebot von ARD und ZDF mitgearbeitet. Ich persönlich halte dies für eines der wichtigsten Projekte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, nicht nur, weil wir damit wieder Anschluss an die ganz junge Zielgruppe gewinnen werden, sondern auch, weil wir darüber Erfahrung, Wissen und Können im Umgang mit der neuen, digitalen Mediennutzung sammeln werden. Das junge Angebot wird nicht nur nach außen wirken – es wird auch in unsere Häuser hinein wirken und wird uns helfen, den Medienwandel zu umarmen. Was wir als Radio Bremen konkret zum jungen ARD-/ZDF-Angebot beisteuern werden, ist zurzeit noch offen, weil das Konzept ja noch in Arbeit ist. Wir legen Bremen Next aber bewusst parallel und flexibel so an, dass wir hier im Regionalen von den nationalen Angeboten etwas haben werden und dann hoffentlich umgekehrt auch unser ‚best of‘ aus der Region zum nationalen Angebot etwas beiträgt. Schon jetzt kann ich sagen: Beide Prozesse – der große in ARD und ZDF und der kleine hier bei uns – bereichern einander.

medienpolitik.net: Wie wird Radio Bremen zu seinem 80. Geburtstag aussehen?

Jan Metzger: Wer weiß schon, wie die Medienwelt in zehn Jahren aussehen wird. Ganz gleich wie: Radio Bremen wird wie heute den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Information, Bildung und Unterhaltung in Unabhängigkeit und hoher Qualität anbieten. Auch wenn die Wege und die Formen im Jahr 2025 dann vielleicht andere sein werden. Radio Bremen wird auf diese Weise weiter zur Meinungsbildung und zum Zusammenhalt in unserem Bundesland beitragen. Wir glauben und hoffen, dass wir das Leben der Bremerinnen und Bremer jeden Tag ein wenig bereichern können. Das wird auch in zehn Jahren noch unser Ehrgeiz sein.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 5/2015 erstveröffentlicht.

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1 KommentarKommentieren

  • Van Binh Nguyen - 14.06.2016 Antworten

    Die Gründerväter würden sich eher an den Kopf fassen, wenn Sie sähen zu was für einem Monster die öffentlich-rechtlichen pervertiert sind.
    Geschützt durch Politiker und mehr als seltsame Urteile bedient man sich ordentlich am Geld der Gebührenzahler und produziert , was man für richtig hält. Kritik prallt ab, Argumente für einen Erhalt hat man keine, außer dem Status Quo.

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