Medienpolitik:

HDTV in Top-Qualität auf das Antennenfernsehen

von am 01.07.2015 in Allgemein, Archiv, Digitale Medien, Hörfunk, Internet, Interviews, Livestream, Medienordnung, Medienpolitik, Medienregulierung, Regulierung, Rundfunk

<h4>Medienpolitik:</h4>HDTV in Top-Qualität auf das Antennenfernsehen
Frank Schulz, Chief Technology Officer Media Broadcast

Regelbetrieb DVB-T2 in Deutschland im ersten Quartal 2017

01.07.15 Interview mit Frank Schulz, Chief Technology Officer Media Broadcast

In einem aktuellen Interview mit medienpolitik.net erläutert Frank Schulz von Media Broadcast die Schwerpunkte des Unternehmens für die nächsten zwölf Monate. Abgesehen von der Einführung von DVB-T2 in Deutschland sieht er – trotz positiver Entwicklungen – noch Verbesserungspotentiale beim digitalen Radio DAB+

medienpolitik.net: Herr Schulz, was steht auf der Agenda für das nächste Jahr für Media Broadcast?

Frank Schulz: Wir haben drei absolute Top-Themen in der Media Broadcast. Das erste Thema ist ganz logisch die Einführung von DVB-T2 in Deutschland. Wir bereiten uns schon lange darauf vor. Erste Pilotprojekte laufen bereits bzw. starten demnächst und wir wollen im ersten Quartal 2017 den Regelbetrieb aufnehmen. Es ist zudem ein sehr spannendes Thema, da wir damit zugleich erstmals HDTV in Top-Qualität auf das Antennenfernsehen bringen.
Der zweite Punkt ist der weitere Ausbau von DAB+. Beim digitalen Radio in Deutschland sind wir schon sehr erfolgreich unterwegs. Allerdings bleiben wir weiter am Ball und werden z. B. bis Ende 2016 fast alle Autobahnen in Deutschland mit DAB+ versorgen.
Das dritte Thema betrifft die Infrastruktur. Damit dies alles technisch funktioniert werden wir ein Back-Bone-Network auf Layer 1-Technologie aufbauen, mit dem wir in der Lage sind, hochbitratige Daten innerhalb Deutschlands zu übertragen.

medienpolitik.net: DAB+, also digitales Radio war und ist in Deutschland umstritten, in anderen europäischen Staaten mag dies sicherlich anders sein. Hat sich da aus Ihrer Sicht im letzten Jahr etwas bewegt und wenn ja, hat sich genug bewegt?

Frank Schulz: Es könnte sich, ähnlich wie bei vielen Einführungen neuer Technologien, immer etwas mehr bewegen. Natürlich sind noch nicht alle Wünsche und Hoffnungen, die wir mit DAB+ verbinden, heute schon erfüllt. Wir haben jedoch seit der Einführung erhebliche Fortschritte gemacht. Der Markt ist ins Rollen gekommen und wir können inzwischen eine zufriedene Zwischenbilanz ziehen. Die Verkaufszahlen für DAB+ gehen in die Höhe. Wenn Sie heute in den Media-Markt gehen, dann treffen sie tatsächlich immer mehr Verkäufer, die DAB+-Geräte weiterempfehlen, weil sie vom digitalen Radio einfach überzeugt sind und der Kunde das beste Preis-/Leistungsverhältnis für sein Geld bekommt. Wir sehen da ganz klar eine ansteigende positive Entwicklung. Diese stimmt uns sehr optimistisch, dass wir mit DAB+ in Deutschland auf dem absolut richtigen Weg sind.

medienpolitik.net: Können sie eine Zahl nennen wie die Steigerungsrate prozentual ausfällt?

Frank Schulz: Die Nachfrage nach DAB+ Geräten steigt in einer beeindruckenden Weise: Die Zahl der in Haushalten genutzten digitalen Empfänger erhöhte sich innerhalb des letzten Jahres um 82 Prozent, die Zahl der DAB-Autoradios hat sich im selben Zeitraum verdoppelt.

medienpolitik.net: Ist der jetzt erreichte Stand der Entwicklung bei DVB-T2 für Sie befriedigend?

Frank Schulz:Der Erhalt der Plattform-Lizenz war für uns sehr wichtig und ist eine starke Motivation, nun die Einführung von DVB-T2 mit allen Kräften voranzutreiben. Wir sind sehr zufrieden, wie sich die Verhandlungen mit den TV-Anbietern bisher gestalten. Hier haben wir schon einen großen Schritt nach vorne gemacht und befinden uns derzeit in einem konstruktiven Dialog mit unseren Kunden und Partnern, wie wir DVB-T2 ab 2017 ausrollen wollen. Hingegen empfinden wir aktuell die Frequenzsituation nicht so richtig zufriedenstellend. Hier gibt es noch relativ viele Unwägbarkeiten. Etwa bei der Frage welche Kanäle uns ab wann tatsächlich zur Verfügung stehen. Wir sehen zudem ganz erhebliche Umstellungskosten auf uns zukommen. Dabei ist die wichtige Frage noch nicht geklärt, wie die ganzen Umstellungskosten letztendlich auch in der Zukunft in unsere Richtung entgolten werden.

medienpolitik.net: Herr Schulz, welche Forderungen haben Sie ganz aktuell an die Politik in Deutschland?

Frank Schulz: Aller guten Dinge sind drei: Für die nachhaltig erfolgreiche Entwicklung von DVB-T2 brauchen wir langfristige frequenztechnische Planungssicherheit. Nach dem Verlust der Digitalen Dividende II muss das verbleibende TV-Spektrum bis 2030 gesichert werden. Wir fordern den Bund auf, sich auf der WRC 15 im November und auf europäischer Ebene aktiv dafür einzusetzen.

Nachdem gerade das 700 MHz-Frequenzband versteigert worden ist, brauchen wir jetzt schnell eine Rechtsgrundlage für die Erstattung all derjenigen Kosten, die dem Rundfunk durch die Räumung des Bandes entstehen. Auch hier sehen wir den Bund bei der Erstattungsrichtlinie am Zug.

Schließlich wünschen wir uns politische Unterstützung bei DAB+ durch die Länder und den Bund. Hier begrüßen wir sehr die Initiative des BMVI, mit dem Digitalradio Board dem Projekt neuen Schwung zu geben, sowie die Anstrengungen, die EU-Kommission dafür zu gewinnen.

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