Netzpolitik:

„Die Breitbandbandstrategie ist eine Glasfaserstrategie“

von am 22.10.2015 in Allgemein, Archiv, Netzpolitik, Netzpolitik, Regulierung, Technik

<h4>Netzpolitik:</h4>„Die Breitbandbandstrategie ist eine Glasfaserstrategie“
Bruno Jacobfeuerborn, Chief Technology Officer (CTO) der Deutschen Telekom AG und Geschäftsführer Technik Telekom Deutschland GmbH

Deutsche Telekom: LTE-Abdeckung bis 2018 auf 95 Prozent, beim Festnetz durch Vectoringtechnik bis 250 MBit/s

22.10.15 Interview mit Bruno Jacobfeuerborn, Chief Technology Officer (CTO) der Deutschen Telekom AG und Geschäftsführer Technik Telekom Deutschland GmbH

Die Deutsche Telekom investiert verstärkt in ihre Mobilfunk- und Breitbandfestnetze. Die Die Zahl der eigenen Breitband-Kunden kletterte im zweiten Quartal 2015 um 81.000 und damit so stark wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Für das Gesamtjahr erwartet die Telekom rund 250.000 neue Breitband-Kunden. In einem medienpolitik.net-Interview betonte Bruno Jacobfeuerborn, Chief Technology Officer (CTO) der Deutschen Telekom AG: „ Wir setzten auf einen Technologie-Mix und investieren hohe Summen in den Ausbau aller Netze.“ So will die Telekom ab 2018 mit einer neuen Generation von Vectoringtechnik Bandbreiten von 250 MBit/s anbieten. Allerdings, so Jacobfeuerborn, fehle für den Einsatz der Vectoringtechnik noch die regulatorische Regelung durch die Bundesnetzagentur.

medienpolitik.net: Herr Jacobfeuerborn, die Deutsche Telekom hat Im Juni Frequenzen für mobiles Breitband ersteigert. Wie werden Sie diese Frequenzen nutzen?

Bruno Jacobfeuerborn: Grundsätzlich werden wir mit den neu ersteigerten Frequenzen die Qualität und Geschwindigkeit der LTE-Angebote der Telekom Deutschland deutlich steigern. Zunächst werden wir mit dem zurückerworbenen Spektrum unsere aktuellen Angebote weiter fortführen. Dazu gehört sowohl der GSM Sprachverkehr über 900 MHz, wie auch unsere LTE Services über 1800 MHz. Mit den zusätzlich neu erworbenen Frequenzen im Bereich um 700 MHz werden wir die Qualität der mobilen Breitbanddienste deutlich verbessern können, sobald diese verfügbar sein werden. Dies wird sowohl zu einer signifikanten Verbesserung der Versorgung in Gebäuden, als auch zu deutlich schnelleren Geschwindigkeiten im ländlichen Umfeld führen.

medienpolitik.net: Ab wann ist die Nutzung möglich?

Bruno Jacobfeuerborn: Die traditionellen Bänder 900 und 1800 MHz werden ab Anfang 2017 verfügbar sein. Im 700 MHz-Bereich stehen wir vor der Herausforderung der Grenzkoordination mit Nachbarländern.

medienpolitik.net: Wie ist heute die LTE-Abdeckung in Deutschland über die Netze der Deutschen Telekom? Inwieweit sind auch schon ländliche Gebiete abgedeckt?

Bruno Jacobfeuerborn: Aktuell erreichen wir mit LTE rund 85 Prozent der deutschen Bevölkerung. Bis 2018 planen wir durch weiteren Ausbau eine Abdeckung von mehr als 95 Prozent zu erreichen.

medienpolitik.net: Sie übernehmen Netzstandorte von Telefónica Deutschland. Wird das den Ausbau beschleunigen?

Bruno Jacobfeuerborn: Durch die Übernahme der Standorte können wir unsere Ausbau-Planung schneller umsetzen und unsere Kunden profitieren noch früher von zusätzlicher Leistung im Telekomnetz. Die zusätzlichen Standorte verdichten unser Mobilfunknetz und daraus resultieren Verbesserungen hinsichtlich Empfang, Qualität und Geschwindigkeit. Durch die Übernahme bereits existierender Standorte fallen zudem weniger Baumaßnahmen und Genehmigungsverfahren an.

medienpolitik.net: Wann wird die 100-prozentige Abdeckung erreich sein?

Bruno Jacobfeuerborn: Bis 2018 planen wir durch weiteren Ausbau eine Abdeckung von größer 95 Prozent zu erreichen. Die letzten Prozent sind jedoch immer die Schwierigsten, da es sich hier um sehr kleinteilige Bereiche handelt, die nur mit hohem Aufwand versorgbar sind. Langfristig werden wir eine LTE-Abdeckung wie bei dem heutigen 2G Standard erreichen.

medienpolitik.net: Wie ist die Nachfrage nach LTE?

Bruno Jacobfeuerborn: Die Nachfrage nach LTE ist bei unseren Kunden sehr hoch. LTE ist der legitime Nachfolger von UMTS – jedoch wesentlich leistungsfähiger

medienpolitik.net: Verliert mit dem Ausbau des LTE-Netzes der Ausbau des stationären Netzes an Bedeutung?

Bruno Jacobfeuerborn: Nein, keineswegs. Wir setzten auf einen Technologie-Mix und investieren hohe Summen in den Ausbau aller Netze. Mit der Einführung von Magenta Eins bietet die Telekom ein integriertes Produkt aus Festnetz und Mobilfunk an, was eine echte Erfolgsgeschichte erzählt. Die Telekom setzt beide Technologien ergänzend ein. In vielen Regionen zum Beispiel, wo heute noch wenig DSL Bandbreiten verfügbar sind, bietet die Telekom mit de Hybrid Access Router eine Kombination von Festnetz und Mobilfunk an, sodass bei hohem Bandbreitenbedarf der Datentransport über Mobilfunk und Festnetz gleichzeitig läuft.

medienpolitik.net: Zu den Zielen der Bundesregierung gehört, dass bis 2018 jeder Haushalt mindestens mit einer Bandbreite von 50 MBit/s versorgt wird. Welchen Beitrag kann dazu die Telekom leisten?

Bruno Jacobfeuerborn: Am Kapitalmarkttag im Februar 2015 hat sich die Telekom Deutschland erklärt ca. 80 Prozent der Haushalte in Deutschland mit einer Bandbreite von mindestens 50 MBit/s zu versorgen. Allerdings hängt die Zusage der Telekom auch von den regulatorischen Rahmenbedingungen ab. So sind beispielsweise Bandbreiten von 50 MBit/s und mehr in einem Radius von grob 550 Metern um unsere Technikgebäude nur dann möglich, wenn auch hier ein Glasfaserausbau und der Einsatz von VDSL-Vectoringtechnik erlaubt sind. Hierzu fehlt noch die regulatorische Regelung.

medienpolitik.net: Kabelnetzbetreiber erreichen bereits Bandbreiten bis zu 400 MBit/s. Kann die Telekom da mithalten?

Bruno Jacobfeuerborn: Ja, absolut. Die Bandbreite des Netzes der Telekom Deutschland wächst gemeinsam mit den Anforderungen der Kunden. Wir stellen das richtige Netz mit der richtigen Bandbreite, Latenz und Zuverlässigkeit für die aktuell vorhandenen Anwendungen zur Verfügung.
Heute können Sie mit 50 MBit/s mehrere HD-Streams gleichzeitig ansehen, parallel noch hochauflösende Spiele spielen, mehrere Telefongespräche führen und auch noch surfen.
Mit unserem VDSL/Vectoring Angebot sind wir in der Lage den meisten unserer Kunden sogar 100 MBit/s im Download und 40 MBit/s im Upload über das Festnetz anzubieten. Die meisten Kunden benötigen selbst mittelfristig nicht mehr Bandbreite und sind auch aktuell nicht bereit für mehr Bandbreite zusätzlich zu bezahlen.
Ab 2018 werden wir mit einer neuen Generation von Vectoringtechnik Bandbreiten von 250 MBit/s anbieten können und steigern damit die Bandbreite für die bis dahin gewachsene Anforderungen.
Für Kunden, denen diese Bandbreiten nicht ausreichen, haben wir unser Hybridprodukt. Damit können unsere Kunden bereits heute bis zu 200 MBit/s  übertragen und perspektivisch ab 2018 sogar bis zu 550 MBit/s. Längerfristig setzen wir dann auf die direkte Anbindungen von Haus und Wohnung mit Glasfaser. Dann sind der Bandbreite keine Grenzen gesetzt. Für Kunden, die besonders hohe Bandbreiten bereits heute nutzen möchten, realisieren wir diese Anbindung bereits – vorausgesetzt der Kunde ist bereit, unsere finanzielle Deckungslücke weitgehend zu schließen.

medienpolitik.net: Welche Rolle werden beim weiteren Netzausbau Glasfaserkabel spielen?

Bruno Jacobfeuerborn: Die Breitbandbandstrategie der Telekom Deutschland ist eine Glasfaserstrategie. Wir bringen die Faser schrittweise und bedarfsgerecht zum Kunden. Heute wird die Glasfaser bis hin zu unseren Verteilerkästen am Straßenrand (KVz) gelegt und ermöglicht damit Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s und ab 2018 sogar 250 MBit/s. Im nächsten Ausbauschritt bringen wir Glasfasern bis in die Häuser und die Wohnungen unserer Kunden (FTTH). Wo immer wirtschaftlich möglich realisieren wir bereits heute Glasfaseranschlüsse direkt beim Kunden. So bauen wir z.B.  Neubaugebiete in der Regel heute schon mit FTTH aus. Die Glasfaser ist aber auch für unser Mobilfunknetz von zunehmender Bedeutung. Wir nutzen Glasfaseranbindungen auch zur Anbindung unserer Mobilfunkstandorte und ermöglichen somit auch hier höchste Bandbreiten.

medienpolitik.net: Es gibt den Vorwurf, dass die Telekommunikationsunternehmen sich bei den Investitionen in Festnetze vor allem auf Ballungsgebiete konzentrieren und zu wenig in die Fläche investieren würden. Muss der Netzausbau in ländlichen Gebieten finanziell gefördert werden?

Bruno Jacobfeuerborn: Wir investieren kontinuierlich in den Ausbau unserer Netze, um die Kunden mit schnellen Internetanschlüssen zu versorgen. Wir planen bis Ende 2018 – sofern die regulatorischen Voraussetzungen gegeben sind – 80 Prozent der Haushalte in Deutschland mit schnellen Anschlüssen zu versorgen. Durch dieses Investitionsprogramm der Deutschen Telekom bauen wir unsere Netze bis weit in den ländlichen Raum aus.
Darüber hinaus sind wir schon seit 2008 der größte Investor im ländlichen Raum. Hier arbeiten wir eng mit Kommunen und Landkreisen zusammen, um Gebieten, wo den hohen erforderlichen Investitionen nur geringe Erlöse gegenüber stehen, in den Ausbau mit einzubeziehen. Wir haben seit 2008 rund 6000 Kooperationen realisiert und im ländlichen Bereich mehr als 3 Mio. Haushalte an das schnelle Internet angeschaltet.

medienpolitik.net: Die digitale Agenda der Bundesregierung sieht vor zu prüfen, „ob und in welcher Form privates Kapital für den Ausbau der passiven Breitbandinfrastruktur, z.B. für den Tiefbau, eingesetzt werden kann“. Würde das den Netzausbau für ländliche Gebiete beschleunigen?

Bruno Jacobfeuerborn: Einerseits findet von Seiten der Industrie ein umfassender Eigenausbau der Netze statt. Die Deutsche Telekom investiert kontinuierlich in den Ausbau ihrer Netze mit dem Ziel, bis Ende 2018 – sofern die regulatorischen Voraussetzungen gegeben sind – alleine von Seiten der Deutschen Telekom 80 Prozent der Haushalte in Deutschland mit schnellen Anschlüssen zu versorgen. In Gebieten, wo den erforderlichen hohen Investitionen allerdings nur geringe Erlöse gegenüberstehen, ist eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten erforderlich. Wir begrüßen hier die aktuelle Entscheidung der Bundesregierung, die Erlöse aus der Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen für den Breitbandausbau in Deutschland einzusetzen. Grundsätzlich hilft in solchen ökonomisch schwierigen Gebieten jegliche Art von Unterstützung, die eine Refinanzierung der Investitionen möglich macht.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 10/2015 erstveröffentlicht.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen