Rundfunk:

„Wir sind für eine disruptive TV-Zukunft gerüstet“

von am 26.10.2015 in Allgemein, Archiv, Dualer Rundfunk, Filmwirtschaft, Interviews, Medienwirtschaft, Rundfunk

<h4>Rundfunk:</h4> „Wir sind für eine disruptive TV-Zukunft gerüstet“
Carsten Schmidt, CEO Sky Deutschland

Sky will Anteil eigener fiktionaler Produktionen ausbauen

26.10.15 Interview mit Carsten Schmidt, CEO Sky Deutschland

Die Sky-Gruppe gibt 2015 in Deutschland, England und Italien über 6,5 Milliarden Euro für Content aus – und ist damit die Nummer 1 in Europa. Diese Fakten nannte Carsten Schmidt, CEO von Sky Deutschland, in einem medienpolitik.net-Gespräch. Sky – so Schmidt weiter – stehe für Premium-Inhalte und exklusives Programm. Deshalb würden Eigenproduktionen eine immer größere Rolle spielen. Dazu gehöre auch die mit der ARD produzierte Serie „Babylon Berlin“. „Unser Anspruch ist nicht, alles zu haben, sondern das Beste“, erläutert der Sky-Deutschland-Chef. Sky sei mehr als Sport. Auf die erfolgreichen Tests mit Ultra HD und einen eigenen Ultra-HD-Kanal angesprochen hält sich Schmidt noch bedeckt. Allerdings stellt er fest, dass man sich „einem Regelbetrieb“ nähere. Für eine regelmäßige Ultra HD-Ausstrahlung sei entscheidend, dass sowohl die Kunden als auch Sky vom Produkt überzeugt seien.

medienpolitik.net: Herr Schmidt, seit fast einem Jahr ist Sky Deutschland Teil der Sky-Europa-Gruppe. Welchen Vorteil hat diese Übernahme Sky Deutschland bzw. den Sky-Kunden gebracht?

Carsten Schmidt: Der europäische Zusammenschluss macht uns effizienter und lässt uns von Best Practice in anderen Märkten profitieren. Sprich: Nachdem wir Sky nun auf ein sehr solides Fundament gestellt haben, schlagen wir das nächste Kapitel auf, um auf einer europäischen Ebene zu agieren. Dabei werden wir neben offensichtlichen Synergien vor allem auch von einem engen Wissens- und Erfahrungsaustausch mit unseren britischen und italienischen Kollegen profitieren. Denken Sie etwa an die gemeinsame Entwicklung neuer technischer Innovationen oder hochklassiger Programminhalte. Als Gruppe geben wir 2015 über 6,5 Milliarden Euro für unseren Content aus – und sind damit die Nummer 1 in Europa. Und das kommt ganz konkret im Wohnzimmer unserer Kunden an: Eigenproduktionen wie die weltweit gefeierte Serie „Gomorrha“ von Sky Italia oder das sehr erfolgreiche „Fortitude“ von Sky UK sehen sie als erste. Mit „Babylon Berlin“ steht außerdem unsere erste eigene, gemeinsam mit der ARD realisierte, Serienproduktion aus Deutschland schon in den Startlöchern.

medienpolitik.net: Sky steht für Premium und Exklusivität. Werden Sie dieses Konzept weiter verfolgen?

Carsten Schmidt: Wir stehen in der Tat für Premium-Inhalte und exklusives Programm – aber das ist etwas kurzgegriffen. Genauso wichtig sind Innovationen mit Mehrwert und ein mehrfach ausgezeichneter Kundenservice. Das sind unsere drei strategischen Säulen, die sich seit Jahren bestens bewähren und die die Grundlage für die weitere Wachstums- und Erfolgsgeschichte von Sky sein werden. Wir haben bei allen Aktivitäten eine klare Vision im Blick: Wir wollen einfach und verständlich für unsere Kunden sein, wir wollen als Synonym für ein faires Unternehmen stehen und wir wollen wachsen – und das schnell.

medienpolitik.net: Der Wandel der Mediennutzung geht weiter. Die Zuschauer wollen ihr Programm zunehmend überall und selbstbestimmt nutzen. Demensprechend bestimmen VoD-Plattformen und Mediatheken immer mehr die TV-Nutzung. Wie stellt sich Sky darauf ein?

Carsten Schmidt: Die Medienbranche wandelt sich und als Innovationsführer im Pay-TV-Markt beobachten wir die Entwicklung nicht nur ganz genau, sondern gestalten den Wandel aktiv mit. Unsere Innovationsgeschwindigkeit ist rasant, das ist Teil unseres Selbstverständnisses. Wir bringen ständig neue Produkte auf den Markt, die unsere Kunden begeistert nutzen. Mit Sky Go etwa haben wir als erster deutscher Anbieter unsere Programme auch jenseits des heimischen Fernsehers zugänglich gemacht. Mit riesigem Erfolg: Allein im vergangenen Geschäftsjahr hatten wir über 150 Millionen Kunden-Logins bei Sky Go – Tendenz stark steigend. Auch unseren On-Demand-Service haben wir kürzlich stark ausgebaut und neue Online-Produkte eingeführt. Sie sehen: Wir sind auch gerüstet für eine disruptive TV-Zukunft. Trotz des Hypes von Streaming-Angeboten wird allerdings nach wie vor ein Großteil der Fernsehnutzung ganz klassisch linear stattfinden. Wir sind bei beidem bestens aufgestellt.

medienpolitik.net: Es gab im Geschäftsjahr 2014/2015 mehr als 150 Serienpremieren mit über 1.800 Einzelfolgen, viele davon exklusiv auf Sky. Wie lange halten Sie den Kurs durch, alles an TV-Serien, das halbwegs attraktiv ist, aufzukaufen und exklusiv zu zeigen?

Carsten Schmidt: Unser Anspruch ist nicht, alles zu haben, sondern das Beste. Wir wollen unseren Kunden die Serien zeigen, die zu unserem Premium-Anspruch passen, die Maßstäbe setzen, über die gesprochen wird. Erst kürzlich wurden zwei HBO-Produktionen bei den Emmys in den beiden wichtigsten Kategorien ausgezeichnet. „Game of Thrones“ als beste Dramaserie und „Veep“ als beste Comedyserie. Beide sehen Sie in Deutschland zuerst exklusiv bei Sky. Insgesamt sehen Sie bei Sky Serien, die bei den Emmys 50 Mal nominiert oder ausgezeichnet wurden.

medienpolitik.net: Sky Sport News HD im August erzielte einen neuen Zuschauerrekord mit der höchsten durchschnittliche tägliche Nettoreichweite seit Senderstart. Auch beim Start der Fußballbundesliga erreichten Sie einen Reichweitenrekord. Bleibt Sport weiterhin der Treiber für Abonnenten oder werden das immer mehr fiktionale Angebote?

Carsten Schmidt: Sport, vor allem der Fußball, ist ein Zuschauermagnet, keine Frage. Und Sky Sport News HD ist mittlerweile aus der deutschen Medienlandschaft und der Must-See-Liste vieler unserer Kunden nicht mehr wegzudenken. Aber Sky ist eben viel mehr als Sport. Wir bieten ein starkes, werbeunterbrechungsfreies Gesamt-Portfolio – und dazu gehören exklusive Blockbuster, die besten Serien, Dokumentationen – im Oktober haben wir übrigens mit dem „Dok.tober“ die größte Doku-Sonderprogrammierung in Deutschland gezeigt – und ein umfangreiches Lifestyle- und gewaltfreies Kinderprogramm. Die Mischung macht‘s.

medienpolitik.net: Die acht Olympischen Spiele zwischen 2018 und 2024 werden vom Eurosport-Konzern Discovery ausgestrahlt. Ist für Sie von Interesse, Rechte für Deutschland an dieser Berichterstattung zu erwerben?
Carsten Schmidt: Es wird sich zeigen, welche Vorstellungen Discovery bezüglich der Rechteverwertung hat. Eurosport HD und Eurosport 2 sind Teil unseres Angebots. Insofern können alle Sky Kunden dort ausgestrahlte Inhalte über Sky erleben.

medienpolitik.net: „The Last Panthers“, die erste Serie, die gemeinsam von der gesamten Sky Gruppe in Auftrag gegeben wurde, hatte kürzlich Premiere. „Babylon Berlin“ entsteht in Koproduktion mit der ARD. Werden weitere Serien- oder Fernsehfilm-Eigenproduktionen folgen?

Carsten Schmidt: Definitiv. Das Thema ist spannend und wichtig für uns und passt perfekt zu unserem Anspruch, qualitativ hochklassiges Entertainment zu bieten. Jeremy Darroch, der CEO unserer Sky Gruppe, hat erst wieder im April im Rahmen seiner Keynote bei der Fernsehmesse MIPTV in Cannes die große Bedeutung von Eigenproduktionen für Sky hervorgehoben. Aktuell befinden sich mehrere Serienprojekte in der Pipeline. Vor kurzem haben zum Beispiel die Dreharbeiten zu „The Young Pope“ mit Jude Law in der Hauptrolle begonnen, einer Serie, die wir gemeinsam mit HBO und Canal+ produzieren.

medienpolitik.net: Sky Deutschland ist Partner des Filmfestes Hamburg und Hauptsponsor beim Internationalen Filmfest München. Auch Ihr Programm ist ja sehr filmaffin. Werden Sie sich möglicherweise auch in Koproduktionen stärker für den deutschen Kinofilm engagieren?

Carsten Schmidt: Unser Engagement für den deutschen Film spiegelt sich nicht nur in unseren zahlreichen Sponsorings von Filmfestivals in ganz Deutschland wider – neben den genannten sind wir z. B. auch langjähriger Förderer des Filmkunstfestes Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, wo eines unserer Servicecenter sitzt. In diesem Jahr haben wir darüber hinaus z. B. die Produktion des deutschen Kinofilms „Boy 7“ mit David Kross gefördert und so einen wichtigen Beitrag zur Entstehung des Films geleistet. Auch den sehr erfolgreichen Matthias-Schweighöfer-Film „Vaterfreuden“ haben wir in der Produktion mit der Bereitstellung von Requisiten und Grafikelementen unterstützt.

medienpolitik.net: Sky und Sony Mobile Communications haben eine strategische Partnerschaft mit Sky Go
gestartet. Wie wichtig sind solche Partnerschaften mit Plattform-/Geräteanbietern für die Verbreitung des Sky-Angebotes?

Carsten Schmidt: Sehr wichtig. Durch die Partnerschaften mit Premiummarken wie Sony, LG, Microsoft, Samsung und Google Chromecast erreichen wir noch mehr Menschen, die unsere Produkte und unser Qualitätsprogramm selbst erleben können. So steigern wir unsere Reichweite einerseits durch die Verbreitung auf noch mehr Geräten und Plattformen und andererseits über umfangreiche gemeinsame Vermarktungsaktivitäten und attraktive Bundles für die Nutzer.

medienpolitik.net: Sky testet seit 2012 als einer ersten deutschen TV-Anbieter Ultra HD. Wann folgt der erste 4K- Sender? Welche Bedeutung haben technische Innovationen für die Zukunft von Sky?

Carsten Schmidt: Innovation war schon immer eine der drei elementaren Säulen von Sky und ein bedeutender Treiber von Pay-TV. Wir waren seinerzeit bei HD ganz vorne dabei und auch bei Ultra HD ist Sky jetzt erneut die Speerspitze der Entwicklung: Die erste Aufzeichnung eines Fußballspiels fand schon 2012 zum ersten Mal statt, 2014 haben wir weltweit das erste Spiel live in Ultra HD über Satellit ausgestrahlt und dann das DFB-Pokalfinale sowie das UEFA Champions League Finale 2015 erstmals Zuschauern in Sportsbars gezeigt. Das alles passierte mit dem Ziel, uns einem Regelbetrieb zu nähern. Für eine regelmäßige Ultra-HD-Ausstrahlung ist entscheidend, dass sowohl unsere Kunden als auch wir vom Produkt überzeugt sind. Das ist, wie bei allem, unsere oberste Maxime.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 11/2015 erstveröffentlicht.

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