Medienpolitik:

Wir stellen uns der Dynamik des Wandels

von am 19.11.2015 in Allgemein, Archiv, Digitale Medien, Internet, Interviews, Medienförderung, Medienpolitik, Medienwirtschaft, Plattformen und Aggregatoren

<h4>Medienpolitik:</h4>Wir stellen uns der Dynamik des Wandels
Wolfgang Elsäßer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen TV-Plattform und Vice President Sales Central Western Europe des Luxemburger Satellitenbetreibers SES

25 Jahre Deutsche TV-Plattform – Veränderungen im audiovisuellen Bereich erfordern intensiveren Branchendialog

19.11.15 Interview mit Wolfgang Elsäßer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen TV-Plattform und Vice President Sales Central Western Europe des Luxemburger Satellitenbetreibers SES

Der technologische Wandel bei Endgeräten und Infrastrukturen eröffnet zusammen mit verändertem Nutzungsverhalten neue Geschäftsfelder im Bewegtbildmarkt. Etablierte Marktteilnehmer und Newcomer liefern sich einen heftigen Wettbewerb – die TV-Industrie verändert sich rasant. Das wirft etliche Fragen auf und nicht auf alle gibt es schon Antworten. Wie die vor 25 Jahren gegründete Deutsche TV-Plattform damit umgeht, erklärt Vorstandsvorsitzender Wolfgang Elsäßer (SES, Astra).

medienpolitik.net: Herr Elsäßer, die Deutsche TV-Plattform begeht ihr 25. Gründungsjubiläum. Welche Meilensteine halten Sie als Vorsitzender denn für die wichtigsten?

Wolfgang Elsäßer: Als Geschäftsführer der Astra Deutschland fällt mir da als erstes natürlich das Ende der analogen TV-Ära beim Satellitenfernsehen im April 2012 ein. Aber es gab schon davor eine ganze Reihe von Meilensteinen der digitalen TV-Marktentwicklung in Deutschland, die die Deutsche TV-Plattform aktiv mitgestaltet hat. Das reicht vom Analog-Digital-Switchoff bei der Terrestrik über die Einführung von HDTV, IPTV und Smart TV. All diese Themen haben wir mit zwei Dutzend Arbeitsgruppen, jährlichen Symposien und Workshops, Messeständen und Beteiligungen an Branchentreffs und zahlreichen Publikationen mit vorangetrieben.
Ein paar Dinge wie die Multimedia Home Plattform (MHP) oder DVB-H haben sich nicht durchgesetzt, aber unter dem Strich ist die Bilanz der Branche und der Deutschen TV-Plattform in puncto Digitalisierung und Innovationen sehr positiv. Jetzt gilt es den Blick nach vorn zu richten, denn die Dynamik des Wandels in der TV-Industrie ist hoch: Trends kommen und gehen schneller, Innovationen entfalten disruptive Wirkung.

medienpolitik.net: Was sind denn aus ihrer Sicht wesentliche Veränderungen?

Wolfgang Elsäßer: Bei den DVB-Standards ist die vollständige Umstellung auf die zweite Generation im vollen Gange, insbesondere beim Antennenfernsehen DVB-T2 HD. Bei der Kabelnutzung ist nun auch das Aus für Analog-TV 2018 in Sicht. Nach der Erfolgsgeschichte HDTV hat Ultra HD schon beachtliche Fahrt aufgenommen…

medienpolitik.net: … was alles eher die klassisch lineare Verbreitung betrifft. Das Symposium im November steht aber wohl nicht umsonst unter dem Motto “TV or not TV?“…

Wolfgang Elsäßer: Generell steht das lineare Fernsehen zunehmend im Wettbewerb mit Video-on-Demand und Streaming-Diensten, keine Frage. Beim smarten Fernsehen geht es nicht nur um Geschäftsmodelle, hier haben wir auch eine Sicherheits- und Datenschutzdebatte zu führen. Mit der Verknüpfung von TV und Social Media sowie neuen Empfehlungsfunktionen entstehen neue Vermarktungsformen. Das TV-Gerät ist zwar weiter der beliebteste Bildschirm für Bewegtbild, aber neue Geräte bieten Alternativen – gerade für mobile Mediennutzung. Etablierte Fernseh-Marken und neue Bewegtbild-Größen konkurrieren um Aufmerksamkeit sowie Zeit- und Medienbudgets.
Die audiovisuelle Branche wird neu vermessen und das Fernsehen muss sich in Teilen neu erfinden, um sich langfristig zu behaupten. Das bietet eine Fülle von Themen und Entwicklungen in den nächsten Jahren für die Branche und die Deutsche TV-Plattform.

medienpolitik.net: Wie wird die Deutsche TV-Plattform mit diesen Veränderungen umgehen?

Wolfgang Elsäßer: Wir werden Sie aktiv gestalten und sind dafür mit der Breite unserer Mitgliedschaft als Branchenforum gut aufgestellt. Unsere derzeit vier Arbeitsgruppen bewegen hier wirklich einiges – zum Bespiel Ultra HD. Da arbeiten alle federführenden Kräfte branchenübergreifend zusammen und entwickeln das Thema von der Contentproduktion bis hin zum Empfang mit viel Elan und Knowhow. Nehmen Sie nur einmal unsere Plugfeste, die sind einmalig in Deutschland!
Bei Smart-TV gehören wir auch zu den Vorreitern und haben mit „Suchen – Finden – Navigieren“ ein viel beachtete Veranstaltungsreihe aufgesetzt. Die Umstellung von DVB-T zu DVB-T2 HD wird natürlich ein Riesenthema in den nächsten Jahren: Hier verwalten wir im Auftrag der entsprechenden Initiative die Mindestspezifikationen für Geräte und vergeben an Hersteller das Logo als Gütesiegel.
Es wird zukünftig bestimmt auch neue Themen geben, die sich vielleicht im Moment noch nicht abzeichnen. Da halten wir die Augen offen für neue Mitglieder und Kooperationen.

medienpolitik.net: Kommen wir noch einmal zurück zum Symposium. Was wird die Deutsche TV-Plattform dort thematisieren?

Wolfgang Elsäßer: Wir stellen dort die Frage, wie dramatisch sich unsere Industrie verändern wird. Konkret: Wie verändern sich Nutzungsmuster, Produktion, Transport und Konsum von Inhalten, welchen Stellenwert hat die Auffindbarkeit von Inhalten, welche Rolle spielt Social Media, was heißt das alles für alte und neue Geschäftsmodelle. Der Spannungsbogen reicht von einer medienpolitischen Keynote über acht Themenvorträge zu den Veränderungen in verschiedenen Bereichen bis zur Podiumsdebatte.
Das ist sicher schon an der einen oder anderen Stelle diskutiert worden, aber als Verein und übergreifendes Forum können wir einen ganzheitlichen und vernetzten Blick auf diese Themen werfen. Das ist wichtig, denn die skizzierten Veränderungen im audiovisuellen Bereich laufen ja nicht losgelöst voneinander ab, sondern parallel und in Wechselwirkung. Das werden wir im Rahmen unseres kompakten Symposiums am 10. November in Berlin beleuchten.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 11/2015 erstveröffentlicht.

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