Filmpolitik:

„Das Kinos ist und bleibt ein besonderer Ort“

von am 15.02.2016 in Allgemein, Archiv, Filmwirtschaft, Interviews, Plattformen und Aggregatoren, Urheberrecht

<h4>Filmpolitik: </h4>„Das Kinos ist und bleibt ein besonderer Ort“
Martin Moszkowicz, Geschäftsführer der Constantin-Film, Vorstand Film und Fernsehen I © Martin Hangen

Constantin Film plädiert für eine größere Flexibilisierung bei den Sperrfristen

15.2.16 Interview mit Martin Moszkowicz, Geschäftsführer der Constantin-Film

Constantin Film gehört zu den wesentlichen Protagonisten des erfolgreichen Kinosjahres 2015. „Fack ju Göhte 2“ hatte 2015 mehr Zuschauer ins Kino gelockt als sein Vorgänger „Fack ju Göhte “. 7,7 Millionen Zuschauer haben den Film auf der Leinwand gesehen. Beide Teile gehören zu den erfolgreichsten deutschen Filmen aller Zeiten. In den Top 5 der Bestenliste deutscher Filme sind damit nun vier Filme der Constantin Film. „Neben einer professionellen Mannschaft und dem notwendigen Know-how gehört zu jedem Erfolg auch eine Prise Glück. Man benötigt viele Pfeile in seinem Köcher, denn nicht jeder Schuss trifft ins Schwarze“, so der Constantin-Geschäftsführer Martin Moszkovicz in einem medienpolitik.net-Gespräch. Zugleich verweist Moszkovicz auf die Gefahr, die der Filmwirtschaft durch die Novelle des Urhebervertragsrechtes drohe: „Es kann nicht Sinn einer Gesetzgebung sein, allen Kreativ-Branchen ein dysfunktionales Regelwerk an die Hand zu geben, mit der Maßgabe, dass sich deren Akteure schon irgendwie daraus befreien und auf funktionierende Bestimmungen einigen werden. Dies wäre leichtfertig und gefährlich.“

medienpolitik.net: Herr Moszkowicz, Sie haben 2015 acht Spielfilme, die Constantin produziert hat, in die Kinos gebracht. Davon erreichten fünf mehr als eine Million Zuschauer. Wie schafft man das, solche Erfolge am Fließband zu produzieren?

Martin Moszkowicz: 2015 war für die Constantin ein besonderes Jahr. Gründe für den Erfolg gibt es mehrere. Das ist zum einen eine sorgfältige Stoffentwicklung, eine gelungene, qualitativ hochwertige Umsetzung und dazu ein wirksames Marketing. Gleichzeitig ist es der Constantin Film gelungen, die besten Produzenten und Filmemacher an uns zu binden. Zum anderen hat der Erfolg aus meiner Sicht auch stark etwas mit unserer Stoffauswahl zu tun. Alle diese Titel sind starke Marken. Zwei der fünf von Ihnen erwähnten Filme basieren auf sehr prominenten Romanen („Fünf Freunde 4“ und „Er ist wieder da“), einer auf einem erfolgreichen Theaterstück („Frau Müller muss weg“) und zwei sind Original-Stoffe („Ostwind 2“ und „Fack Ju Göhte 2“), die durch die Vorgängerfilme zu Franchises geworden sind. Und neben einer professionellen Mannschaft und dem notwendigen Know-how gehört zu jedem Erfolg auch eine Prise Glück. Man benötigt viele Pfeile in seinem Köcher, denn nicht jeder Schuss trifft ins Schwarze. Ansonsten wären ja alle Filme der Constantin in 2015 Besuchermillionäre geworden.

medienpolitik.net: „Fack ju Göhte 2“ ist der erfolgreichste deutsche Film seit 13 Jahren mit fast 8 Millionen Zuschauern. Wie sicher waren Sie sich, dass „Fack ju Göhte 2“ die erste Auflage sogar überholen kann? Es gab nicht nur positive Rezensionen: „Der Spiegel“ schrieb „Göhte, abgefuckt“.

Martin Moszkowicz: „Fack ju Göhte“ ist das erfolgreichste deutsche Filmfranchise aller Zeiten. Aufgrund des gewaltigen Erfolgs von Teil 1 hatten wir große Erwartungen an den zweiten Teil. Aber mit dem zweiten Teil den Erfolg von Teil 1 noch zu überbieten? Das war nicht absehbar. Bora Dagtekin, Lena Schömann und alle an der Produktion und am Vertrieb Beteiligten haben ihr Bestes gegeben und das Unglaubliche geschafft.

medienpolitik.net: Anscheinend beeinflussen positive oder negative Pressestimmen nicht die Zuschauerzahlen?

Martin Moszkowicz: Positive Pressestimmen sind nur in einem bestimmten Segment wichtig. Und selbstverständlich wünscht man sich als Produzent, dass ein Film, in den man so viel Mühe, Zeit und Geld investiert, möglichst allen gefällt. Aber nicht jeder der Rezensenten sieht sich unsere Filme mit den Augen unserer jeweiligen Zielgruppe an, weswegen sich auch nicht jede Rezension, ob positiv oder negativ, im gleichen Maße bei der Zielgruppe auswirkt.

medienpolitik.net: Wann knacken Sie wieder die 10-Millionen-Zuschauer-Marke?

Martin Moszkowicz: Dazu muss ich erst in unserer Produktionsplanung nachsehen. Im Ernst: Zehn Millionen sind keine Marke, die ein Produzent deutscher Filme im Voraus ernsthaft anpeilen kann. Aber lassen Sie sich überraschen.

medienpolitik.net: Werden Sie die Intensität von 2015 auch 2016 und 2017 durchhalten?

Martin Moszkowicz: Wir haben für die nächsten Jahre über alle Genres und Zuschauersegmente viele Projekte in Entwicklung, die aus unserer Sicht erfolgversprechend erscheinen. Die Intensität der Constantin ist jedes Jahr immer in etwa gleich. Wir produzieren jährlich in etwa zehn bis zwölf Filme und bringen zwölf bis 18 Filme in Deutschland in die Kinos.

medienpolitik.net: Insgesamt gab es 2015 neun deutsche Filme mit mehr als 1 Mio. Zuschauer. Davon kam mehr als die Hälfte von Ihnen, drei entstanden in Kooperation mit Warner Brothers. Wo bleibt die Breite? Schaffen es nur noch die ganz großen deutschen Filmfirmen Zuschauermillionäre zu produzieren?

Martin Moszkowicz: Mit  einer Million Zuschauer legen Sie die Latte für einen Film sehr hoch. In der Tat ist im Kino ein gewisser Trend zu großen, gewaltigen Spektakeln zu beobachten. Derartige Großproduktionen erfordern enormen finanziellen Aufwand in Produktion und Marketing, der regelmäßig nur von unseren überseeischen Mitbewerbern aus den USA gestemmt werden kann. Mit unseren oben genannten fünf Produktionen – die im Übrigen allesamt sehr unterschiedlich sind- haben wir in 2015 erneut gezeigt, dass schiere Größe beim Budget nicht der alleinige ausschlaggebende Punkt für Publikumserfolg ist. Dennoch ist eine gewisse Größe bei einer deutschen Filmproduktion nicht unwichtig, um sich angesichts der starken Konkurrenz mit US-Produktionen am Kinomarkt durchzusetzen. Der Gesamtanteil US-amerikanischer Filme an Besuchern in Deutschland in 2015 lag bei ca. 67 Prozent, der deutscher Filme bei über 25 Prozent.
Der Marktanteil der Constantin Film liegt in 2015 bei knapp 11 Prozent, d.h. ohne uns wäre ein Marktanteil deutscher Filme von 25 Prozent nicht zu erreichen. Einem Vorwurf der mangelnden Breite im deutschen Kinofilmgeschäft möchte ich mich nicht anschließen, denn das wäre letztlich eine Kritik an unserem Kunden, dem Kinogänger. Er allein entscheidet. Meine Aufgabe als Produzent und Vorstandsvorsitzender ist nicht, mir Kritik am Publikumsgeschmack oder dessen Sehgewohnheiten anzumaßen, sondern mich auf beides einzustellen.
In 2015 sind über 150 rein deutsche Filme in den deutschen Kinos gestartet. In nur einem Jahr! Rechnet man die deutschen Koproduktionen hinzu, waren es insgesamt sogar über 200 Kinostarts deutscher Filme – das halte ich doch für eine ziemlich breite Auswahl.

medienpolitik.net: Was fehlt den kleineren? Geld, Know-how, Fortune?

Martin Moszkowicz: Nein. Bedenken Sie, dass eine ganze Reihe der Erfolgsproduktionen der Constantin Film von kleineren Produktionsfirmen hergestellt werden. Die Situation unterscheidet sich hier letztlich von keinem anderen Wirtschaftsbereich, der sich in einem starken Wettbewerb um Ideen befindet. Für die Kreativität ist eine gewisse Unternehmensgröße erst einmal nicht unbedingt erforderlich, im Bereich der Produktion und des Vertriebs ist sie dagegen umso hilfreicher. Wir bei der Constantin decken bei uns jegliche Unternehmensgrößen ab, indem wir mit einer Vielzahl kleinerer Produktionsgesellschaften, an denen wir zum Teil auch beteiligt sind, hervorragend und partnerschaftlich zusammenarbeiten.

medienpolitik.net: Wie verkaufen sich Ihre deutschen Filme international?

Martin Moszkowicz: Das ist äußerst Einzelfall abhängig. Bestimmte Filme sind sehr auf Deutschland zugeschnitten, andere weniger. Wir haben beispielsweise gerade unsere Produktion „Er ist wieder da“ für die meisten Territorien weltweit an Netflix verkauft. Ein Debüt.

medienpolitik.net: Warum sind Sie bei Internationalen Koproduktionen anscheinend so zurückhaltend? Drängt es Sie mit Ihrem Know-how nicht auf den internationalen Markt?

Martin Moszkowicz: Wir führen jedes Jahr internationale Koproduktionen durch. Die Entscheidung dazu ergibt sich primär aus den Filmstoffen. Aus Gründen der Risikoverteilung möchten wir uns aber auch nicht mit jedem unserer Filme in Konkurrenz mit überwiegend überseeischen Großproduktionen begeben. Die Mischung muss stimmen. Zudem strecken wir uns gerade in Richtung internationale TV-Produktionen. Unsere erste englischsprachige Serie Shadowhunters ist gerade sehr erfolgreich in den USA bei Freeform und im Rest der Welt bei Netflix angelaufen.

medienpolitik.net: „Fack ju Göhte 2“ hat bisher einen Umsatz von über 60 Mio. Euro ein Deutschland eingespielt und wurde kritisiert, Filmförderung in Höhe von 1,2 Mio. Euro in Anspruch genommen zu haben. Sie haben darauf bereits unter Verweis auf den Automatismus des DFFF geantwortet. Wie groß ist der wirtschaftliche Effekt, den Sie mit diesem Film in Deutschland erzielt haben?

Martin Moszkowicz: Der Punkt meines Unverständnisses an der oben genannten Kritik war, dass dabei außer Acht gelassen wurde, dass bei der Filmförderung des DFFF für alle die identischen Regeln für ihre Projekte gelten. Der DFFF ist mit seiner Standortförderung international überaus erfolgreich und es gibt in vielen Ländern entsprechende Fördermodelle. Er hat seit seinem Start Folgeinvestitionen in Höhe von rund 3,2 Mrd. Euro in Deutschland ausgelöst. Der für die Förderung als Voraussetzung notwendige wirtschaftliche Effekt eines jeden Projekts in Deutschland, an dem sich die Fördersumme bemisst, lässt sich mit dem Taschenrechner nachvollziehen; die Berechnungsformel findet sich in den DFFF-Richtlinien, die im Internet für jedermann frei zugänglich sind – das ist alles völlig transparent.
Diskutieren kann man etwas anderes: In Zeiten von nicht ausreichenden Fördermitteln sollte man überlegen, ob die Mittel der FFA und der Länderförderungen zur Subventionierung internationaler milliardenschwerer Multis wirklich notwendig sind. Mal ganz davon abgesehen, dass deren Leistung für die Filmlandschaft in Deutschland, z.B. die Nachwuchs- und Talentförderung überschaubar ist sind sie sicherlich in der Lage sind, ihre Filme – inklusive der deutschsprachigen – auch ohne derartige Mittel zu finanzieren.

medienpolitik.net: Eine Expertenkommission der FFA hatte mit Blick auf die FFG-Novellierung vorgeschlagen, die Relation von Referenzförderung und Projektförderung zugunsten der Referenzförderung zu verändern und damit auch bei der FFA-Förderung zu fast zu einem Automatismus zu kommen. Dieser Vorschlag wird vom BKM nicht umgesetzt. Welche Effekte hätte der Vorschlag der Expertenkommission für den deutschen Film bringen können?

Martin Moszkowicz: Dieses Konzept hätte bei der Mittelvergabe den wirtschaftlichen und künstlerischen Erfolg eines Filmes belohnt. Nach einer mathematischen Formel und in Abhängigkeit von den Herstellungskosten. Im Ergebnis hätte das eine Entwicklung zu besseren und erfolgreicheren Filmen und eine Reduzierung von Misserfolgen und Mittelmaß bewirkt. Ich halte diese Verschiebung nach wie vor für richtig. Leider konnten wir das BKM, aber auch viele unserer Produzentenkollegen, nicht überzeugen.

medienpolitik.net: Was sollte am neuen FFG mindestens geändert werden, um die Förderung den veränderten Marktbedingungen anzupassen?

Martin Moszkowicz: Hauptzweck der Förderung durch das FFG bleibt weiterhin die Produktion von Kinofilmen. Dazu müssen sich künftig an der Finanzierung der Förderung durch die FFA aus unserer Sicht auch diejenigen hinzugekommenen Marktteilnehmer beteiligen, die inzwischen ebenfalls von der Produktion bzw. der Verwertung deutscher (Kino-) Filme profitieren, wie etwa Telekommunikationsunternehmen, SVOD und sonstige Onlineanbieter.

medienpolitik.net: Sie sind mit Ihren Filmen auf vielen VoD-Plattformen präsent. Plädieren auch Sie für eine Verkürzung oder sogar Abschaffung des Kino-Auswertungsfensters?

Martin Moszkowicz: Auch wenn manche Filmliebhaber es offenbar gar nicht erwarten können, sich jeden Film sofort online anzusehen, ist und bleibt das Kino ein besonderer Ort, an dem Filme ein anderes Erlebnis bieten und anders wahrgenommen werden, als auf mobilen Endgeräten, dem heimischen Computer oder Fernseher. Wir überlegen uns bei jedem Stoff vorab sehr gründlich, für welchen Vertriebskanal er sich inhaltlich am besten eignet, was Einfluss auf die Umsetzung und das Budget der Verfilmung hat. Eine vollständige Abschaffung der Kinosperrfrist ist von uns weder gewünscht noch realistisch. Natürlich wünschen wir uns eine gewisse Flexibilisierung bei den Sperrfristen, insbesondere auch weil unklar ist, wie sich der Markt weiter verändern und etwa im Jahr 2019 aussehen wird. Am Ende entscheidet auch hier der Konsument mit seinen Bedürfnissen.

medienpolitik.net: Constantin hat sich kurz vor Jahresfrist gegen den Entwurf der Novellierung des Urhebervertragsrechts gewandt. Sie haben von einem „wirtschaftsfeindlichen Gesetz“ gesprochen. Aber profitieren Sie nicht auch von Kreativen, die angemessen vergütet werden?

Martin Moszkowicz: Diese Frage unterstellt, dass die Urheber bislang nicht angemessen vergütet würden. Das trifft auf den Filmbereich aber ganz überwiegend nicht zu. Für beinahe alle Tätigkeitsbereiche an einem Filmset gibt es tarifliche oder auf sog. „gemeinsamen Vergütungsregeln“ beruhende (Mindest-) Regelungen zur Vergütung, die auch eingehalten werden. In der Praxis von Produzenten kommerzieller Filme wie der Constantin werden viele Fachkräfte noch weit höher bezahlt, als es diese bereits großzügigen Regelungen vorsehen. Nicht selten verdienen sie dabei so gut, dass sie mit einer Beschäftigung von wenigen Monaten ihren Lebensunterhalt für das ganze Jahr bestreiten können. Und wenn ein Film sehr erfolgreich ist, wie z.B. bei „Fack Ju Göhte 2“ werden die Kreativen über die tarifvertraglichen Abrechnungsverpflichtungen am Erfolg beteiligt.
Im Nachwuchs- und Low-Budget-Bereich ist die Situation sicher anders. In diesem Bereich sind die Verdienstmöglichkeiten sämtlicher Beteiligten, einschließlich der Produzenten, derart gering, dass man von Selbstausbeutung sprechen muss. Filmhersteller sind in der Regel, trotz geringer Verdienstaussichten bei hohem Risiko, vom gleichen Idealismus angetrieben wie die Kreativen. Ausschlaggebend für die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Kreativer und Filmschaffender ist, dass nicht ausreichend viele Kino- und TV-Projekte umgesetzt werden, um die große und ständig wachsende Menge an Filmschaffenden mit für ihren Lebensunterhalt ausreichenden Aufträgen zu versorgen. Dies ist ein schwerwiegendes Problem für viele Menschen in der Branche. Es ist aber kein Problem, das man einseitig den Produzenten vorwerfen könnte, die ja gerne mehr Filme machen würden. Die Verfasser des Referentenentwurfes haben sich mit diesen Hintergründen leider nicht auseinandergesetzt, sondern unterstellen pauschal Produzenten und Verwertern eine Schuld für diese Situation. Mit ihren Vorschlägen würde die Arbeit der Produzenten, den wichtigsten Partnern der Kreativen, massiv behindert. Von solcher Gesetzgebung profitiert niemand, auch nicht die Kreativen.

medienpolitik.net: Wie würde sich das Gesetz, wenn es so kommt, wie der Entwurf vorsieht, konkret auf Ihre Arbeit auswirken?

Martin Moszkowicz: Eine ausführliche Antwort zu dieser Frage würde den Rahmen des Interviews sprengen. Wir hätten es auf einen Schlag mit einer Vielzahl von Regelungen zu tun, die unsere Arbeit unnötig, unverhältnismäßig und zu Unrecht erheblich behindern. Damit meine ich unter anderem die Forderung, die Urheber für jede gesonderte Nutzung des Films gesondert vergüten zu müssen. Jeder, der sich mit Film beschäftigt weiß, dass der Produzent selbst von seinen Lizenznehmern nicht auf diese Weise vergütet wird. Er könnte eine solche Vergütungsstruktur auch gar nicht durchsetzen, so dass dieser Vorschlag uns Produzenten vor unlösbare Probleme stellen würde. Ähnliches gilt für den Vorschlag des Auskunftsanspruches, der uns vor allem administrativ unverhältnismäßig belasten würde. Die Vorschläge für die Verschärfung des Rückrufrechts bzw. die Einführung eines neuen Rückrufrechts bei Bestehen eines Drittinteresses, würde unsere Entwicklungsarbeit, die im Filmbereich üblicherweise mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann, und damit die Qualität unserer Drehbücher, stark gefährdet. Auch die Vorschläge für die Regelung des Wiederverfilmungsrechts sind verunglückt und würden Urheber wie Produzenten gleichermaßen nur behindern. Zwar sagen uns die Verfasser des Referentenentwurfes, dass die Produzenten es selbst in Hand nehmen können, die Neuregelungen in kollektiven Vereinbarungen mit den Kreativen-Verbänden wieder abzuändern. Ob dies gelänge, ist aber unsicher. Es kann nicht Sinn einer Gesetzgebung sein, allen Kreativ-Branchen ein dysfunktionales Regelwerk an die Hand zu geben, mit der Maßgabe, dass sich deren Akteure schon irgendwie daraus befreien und auf funktionierende Bestimmungen einigen werden. Dies wäre leichtfertig und gefährlich. Wir hoffen sehr, dass die in den letzten Wochen von allen Seiten geäußerte große Empörung noch zu einem Umdenken im Justizministerium führt.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 2/2016 erstveröffentlicht.

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