Filmwirtschaft:

„Kino ist purer Eskapismus“

von am 16.02.2016 in Allgemein, Archiv, Filmwirtschaft, Interviews, Plattformen und Aggregatoren

<h4>Filmwirtschaft:</h4> „Kino ist purer Eskapismus“
Dan Maag, Vorstand Pantaleon Entertainment AG

Pantaleon Entertainment konnte Umsatz 2015 um 150 Prozent steigern

17.2.16 Interview mit Dan Maag, Vorstand Pantaleon Entertainment AG

2015 war ein sehr gutes Geschäftsjahr für die Pantaleon Entertainment AG. So konnte sie ihren Umsatz von 6,01 Mio. Euro in 2014 um mehr als 150 Prozent auf über 15 Mio. Euro steigern. Gleichzeitig wurden 2015 die sich in der Entwicklung befindenden Projekte mehr als verdoppelt – von 15 Filmen zum Jahresende 2014 auf aktuell über 30 Filme. Hinzugekommen sind insbesondere exklusive internationale Produktionen für den globalen Markt, die die Basis für eine globale Expansion der Pantaleon Entertainment darstellt. Neben dem starken Produktionsbereich entsteht künftig auch ein Vertriebsbereich. Mit Pantaflix hat das Unternehmen zudem eine neuartige weltweite VoD-Plattform angekündigt, die 2016 starten soll. Die seit März 2015 börsennotierte Pantaleon Entertainment AG zählt zu den führenden deutschen Produktionsunternehmen für Kinofilme. Es wurde 2009 von Matthias Schweighöfer gegründet. 2011 ging die Filmproduktionsgesellschaft mit „What a Man“ an den Start. 

medienpolitik.net: Herr Maag, von den sechs Kinofilmen, die von Ihrer Firma seit 2011 ins Kino gekommen sind, waren fünf Filme Besucher-Millionäre. Das ist ein Top-Ergebnis. „Highway to Hellas“ wird aber nicht dazu gehören…

Dan Maag: Nein, „Highway to Hellas“ wird nicht dazugehören. Er war auch nicht so konzipiert und kostet nur ein Viertel oder Fünftel vom dem, was unsere Filme in der Regel kosten. Er ist thematisch spezieller als unsere romantischen Comedies, die wir bis dahin produziert haben. „Highway of Hellas“ ist auf seine Art und Weise ein politischer Film, schon mit dem Anspruch sehr lustig zu sein, aber das Thema Griechenland trifft natürlich auf eine gewisse Ernsthaftigkeit beim Zuschauer. Es ist sicher nicht jeder gewillt, sich filmisch mit einem Thema zu beschäftigen, das ihn täglich über die Nachrichten erreicht. Trotzdem haben wir den Film produziert, weil wir ihn von der Grundaussage her mögen. Aber mit einem gesunden Erwartungsmanagement bei der Konzeption des Projektes.

medienpolitik.net: Der Film hatte einen sehr guten Cast, mit Top-Schauspielern. Ist das nicht mehr ausreichend, um die Zuschauer ins Kino zu locken?

Dan Maag: Das ist es leider nicht. Selbst vermeintliche Garanten, zu denen Christoph Maria Herbst gehört oder Matthias Schweighöfer, mit dem ich seit vielen Jahren zusammen eine Firma betreibe, sind keine Garantie mehr. Es sind vielmehr das Thema und die Radikalität des Films, die maßgeblich sind. Als Produzent muss man immer an die Relevanz des Themas denken und wie groß der sogenannte „call to action“ ist, wie wir das nennen. Wie groß ist der Druck des Zuschauers aus dem Haus zu gehen, sich in die S-Bahn zu setzen, die auch Geld kostet, ins Kino zu gehen, wofür er sieben oder acht Euro zahlt, dazu Popcorn und Cola zu kaufen und bei einem relevanten Preis zu landen? Wie groß ist der Druck den Film im Kino zu sehen wollen? In wie weit hebt sich der Film von den neuesten Clips auf YouTube ab oder dem neuesten Comedy-Format auf Sat.1? Ein weiterer Punkt ist das Überangebot an Filmen im Kino. Dort konkurriert man mit hochkarätigen amerikanischen Filmen, die in der Herstellung mehr gekostet haben, sich aber im Verkaufspreis fast auf dem gleichen Level bewegen.

medienpolitik.net: Umso erstaunlicher ist es, dass Sie sich so einem poltischen Thema zugewandt haben. Ist es heute noch riskanter geworden ein politisches Thema zu besetzen?

Dan Maag: Ja, das ist definitiv so. Sicherlich wäre der Film „Highway of Hellas“ sehr gut für die Prime-Time im Fernsehen geeignet. Da kostet es die Leute auch nichts. Kino ist in meinen Augen purer Eskapismus. Gerade in Zeiten, in denen die Menschen noch weniger das Bedürfnis haben mit der Realität konfrontiert zu werden. Das wird in Bezug auf die Griechenland-Krise in zwei Jahren anders sein, wenn man retrospektiv darauf schaut und mit versöhnten Herzen sagen kann, gut das diese Zeit vorbei ist. Dann ist da wieder der Eskapismus-Effekt und man kann sich im Kino erzählen lassen, dass die Welt doch nicht so kaputt ist, wie man vielleicht annimmt. Wenn man aber daran erinnert wird, dass wir uns noch inmitten einer großen Krise befinden, dann ist es eine Portion Realität zuviel.

medienpolitik.net: Wenn Sie sagen, Kino ist „Flucht aus der Realität“, dann ist es doch erstaunlich, dass Sie mit Ihrer Firma an die Börse gegangen sind und andere Leute überreden konnten, Ihnen „reales“ Geld zu geben?

Dan Maag: Ja wir verdienen mit dem Eskapismus Geld, das ist unser Modell. Wir sind ein funktionierendes Unternehmen, das auf die Produktion und den Vertrieb von Filmen ausgelegt ist. Das konnten wir den Aktionären nahe bringen. Abgesehen davon, wenden wir uns mit unserer Plattform „Pantaflix“ noch mehr dem Online-Vertrieb zu. Wir sind im Markt so aktiv, dass wir es schaffen unsere Filme durch Vorverkäufe und Förderung zu finanzieren, ohne Kapital aus dem Finanzmarkt aufnehmen zu müssen. Wir drehen lebensbejahende Filme und Eskapismus ist ja nichts negatives, dass brauchen die Menschen hin und wieder. Sie würden von uns keinen Horrorfilm im deutschen Kino erleben, weil ich davon überzeugt bin, dass es die Welt nicht besser macht. Wir nehmen uns der Stoffe an, die uns am Herzen liegen und in denen die Zuschauer zwei schöne Stunden haben können. Erfahrungsgemäß sind das die erfolgreicheren Filme.

medienpolitik.net: Im Jahr 2013 haben Sie einen Gewinn gemacht, 2014 gab es einen kleinen Verlust. Wie sieht die Tendenz 2015 aus?

Dan Maag: Der Umsatz ist sehr gut. Wir haben im Jahr 2014 sechs bis sieben Millionen Euro Umsatz gemacht und wir werden das 2015 Jahr weit mehr als verdoppeln. Die 15 Millionen sprechen für den Erfolg unseres Kerngeschäftes. Nun war schon 2014 das leicht negative Ergebnis allein darin begründet, das wir uns entschieden haben mit dem guten Geld der letzten Jahre in zweierlei Hinsicht in die Offensive zu gehen: Erstens haben wir im Produktionskerngeschäft die Projektentwicklungsbasis verbreitert und in über 30 Projekte investiert, die wir in den nächsten Jahren umsetzten wollen. Dazu gehört zum Beispiel die Biografie über Papst Benedikt, für die wir die Filmrechte erworben haben. Damit wollen wir uns von Schweighöfer und dem deutschen Markt ein wenig entfernen. Wir werden den Markt natürlich weiter mit deutschen Komödien bedienen. Aber weil ich viel in Amerika gearbeitet habe, weiß ich, wie wichtig es ist, Themen zu haben, die auch weltweit funktionieren. Desweiteren wollen wir mit einem internationalen Anbieter auch die Biografie von Boris Becker verfilmen. Was als großer Zwei-oder Dreiteiler auch international Anklang finden sollte. In Frankreich, England und in Australien ist Boris Becker so bekannt, dass wir die Finanzierung schnell zusammen hatten. Wir verfilmen aber nicht die „Besenkammer“, sondern die Wimbledonsiege. Außerdem wollen wir im nächsten Jahr unser erstes Projekt in China drehen. Und zweitens haben wir in unsere Plattform „Pantaflix“ investiert, die wir 2016 launchen wollen. Das hat uns in der Programmierung, Entwicklung und Konzeption bereits 2014 und 2015 Geld gekostet. Aber wir hoffen, damit auch gut zu verdienen.

medienpolitik.net: Die Biopics über Papst Benedikt und Boris Becker passen eigentlich nicht in das Portfolio Ihrer bisherigen Stoffe. Wird das jetzt eine eigene Reihe?

Dan Maag: Nicht unbedingt. Es ist nicht einfach, große Stoffe zu finden. Deshalb sind gelebte Leben auch dafür prädestiniert. Biografien sind sehr dankbare Stoffe und man profitiert von der Bekanntheit der Personen. Man muss die Filmtitel nicht besonders vermarkten, denn die Reichweiten sind mehr oder weniger klar. Bei Papst Benedikt muss man nur 1,3 Milliarden Katholiken weltweit darüber informieren und schon hat man eine gesunde Aufmerksamkeit für ein solches Projekt. Auch bei Boris Becker ist das Pitchen sehr viel einfacher. Diese Themen unterscheiden sich bewusst von unserem bisherigen Spektrum. Wir möchten internationaler werden und was wir in Deutschland bereits erreicht haben, auch international schaffen, ohne Anbiederung an amerikanische Themen, sondern mit europäischen Machern und europäischen Stoffen. Das ist unsere Idee. Das es nun zu Beginn zwei Biografien sind, ist zufällig. Es gibt auch sehr viele andere spannende Themen.

medienpolitik.net: Das hört sich so an, als wenn es nichts Leichteres gäbe, als deutsche Filme international zu vermarkten.

Dan Maag: Nein, es gibt nichts Schwereres als das, weil man viele Hindernisse zu überwinden hat. Aber mit dem richtigen Stoff und der richtigen Aufmerksamkeit ist es dann auch nicht mehr so schwer. Wenn man die Biografie von Boris Becker verfilmt, dann ist es kein deutscher Film. Wir werden auf Englisch drehen, mit einer deutschen Version. Boris Becker hat eine internationale Karriere hinter sich und deshalb gibt es ein weltweites Interesse an seinem Leben. Er ist in England immer noch BBC-Moderator Nummer eins für Tennis. Wir realisieren dieses Projekt mit ihm zusammen und tragen es in die Welt, weil es ein großes Bedürfnis gibt, mehr über ihn zu erfahren. Mit diesem Projekt sind wir bei potenziellen Partnern offene Türen eingerannt. Aber bei einem urdeutschen Film ist es extrem schwer, im Ausland nennenswert zu punkten. Deshalb kalkulieren wir auch unsere Filme nur in Bezug auf die deutschsprachigen Gebiete. Es gibt die eine oder andere Ausnahme, wie zum Beispiel „Das Leben der Anderen“ der in Amerika funktioniert hat. Das war einer von tausend Filmen.

medienpolitik.net: Aber wenn man sich internationaler aufstellen will, warum muss man gleich nach China gehen, um dort zu produzieren?

Dan Maag: In Richtung Westen wollen ja alle, Hollywood ist der alte Traum. Ich war lange dort, mir ging es sehr gut und ich kenne auch noch eine Menge Leute. Aber es ist dort schon sehr voll und hoch entwickelt. Die Pfründe sind verteilt. Aber im Osten sieht die Welt komplett anders aus. Ich habe mich intensiv mit China beschäftigt und war in den letzten zwei Jahren häufig dort, um zu sehen, wie die Unterhaltungsbranche funktioniert und die Strukturen sind. Ich bin auf tolle Leute und Firmen gestoßen, die mit einer große Freude eine europäische Firma willkommen heißen. Man ist sehr schnell im Gespräch und kann in chinesischen Filmen ähnlichen Humor und Erzählweisen wie in deutschen feststellen. Und da es den Willen gibt, zu kooperieren, haben wir das ernst genommen und sind aktiv geworden. Und wenn man in China einen Film mit einem mittelmäßigen Boxoffice-Erfolg hinbekommt, ist das das Hundertfache von einem erfolgreichen Film im deutschsprachigen Raum. Der Gesamtmarkt wächst nach wie vor gigantisch. Und in den Strukturen findet man schneller seinen Platz als anderswo auf der Welt. Zwei Dinge stimmen uns optimistisch: Einerseits unsere für nächstes Jahr geplante große Koproduktion und andererseits aber auch eine Kooperation mit unserem Verkauf. Es verschafft uns sehr viel Inspiration und Input in China tätig zu sein. Für uns ist es ein tolles Wachstumsfeld. Mal sehen, wie weit wir dort kommen.

medienpolitik.net: Geht es dabei um eine inhaltliche Koproduktion oder mehr um eine finanzielle, oder technische Ergänzung?

Dan Maag: Es geht um eine vollwertige Koproduktion. Der Film soll die Geschichte von 18.000 jüdischen Flüchtlingen erzählen, die im zweiten Weltkrieg über Wien nach Shanghai fliehen konnten. Sie haben aber dort nicht glücklich leben können, da sie von den japanischen Besetzern und deutschen Entsandten, die sich die Vernichtung der Juden zum Ziel gesetzt haben, wieder in ein Ghetto gepfercht worden sind. Es geht auch um eine Liebesgeschichte, die in Teilen so passiert ist. Es ist ein großes Kapitel deutsch-chinesischer Geschichte, die von einem amerikanisch-chinesischen Autor erzählt wird. Die Finanzierung war erst einmal sekundär. Angefangen hat es damit, dass uns die Chinesen nach ein paar deutschen Dialogteilen gefragt haben, die sie für den Film brauchten. So kam es vor einem Jahr vom einem zum anderen.

medienpolitik.net: Nun sind Sie mit diesem Film – quasi im Umweg über China – wieder an einem sehr aktuellen poltischen Thema dran, nämlich der Flüchtlingsfrage. Zwar im historischen Rückblick aber schon mit Parallelen zur Gegenwart.

Dan Maag: Das ist richtig. Das habe ich bisher noch gar nicht so gesehen. Aber dadurch hat der Film leider noch eine ganz andere Aktualität.

medienpolitik.net: Sie sagten, dass Sie 30 Projekte in der Entwicklung haben. Ist das für eine relativ kleine Firma, wie die Ihre, nicht ein riesiges Paket, was zu schultern ist? Auch in Bezug auf die Vorlaufkosten?

Dan Maag: Das hält sich in Grenzen. Wir sind mit 20 Mitarbeitern auch nicht mehr eine so kleine Firma. Das andere ist aber, dass wir in einem relativ smarten Business-Modell arbeiten, was unsere Risiken anbetrifft. Wir haben sehr viele exklusive Deals mit Leuten, die uns Stoffe zuarbeiten, wie Drehbuchautoren und Regisseure. Die haben wir über die Jahre „eingesammelt“, inspiriert durch das Modell „Schweighöfer“, auch langfristig am Gewinn beteiligt zu sein. Das war der Urvater des AG-Gedankens. Wir haben dann eine Struktur gesucht, bei der man alles mehr oder weniger aus einem Pool managen kann. Da kam die Vorstufe der AG ins Gespräch, alles in ein großes Ganzes zu packen. Aber die Exklusivität, die wir mit den Kreativen haben, gibt uns die Chance, relativ viel für relativ wenig Geld zu bekommen. Wir starten Pakete, die für Dritte interessant sind, die sie uns abkaufen. Zum Beispiel für Fernsehsender oder Warner Brothers, für die wir sehr viel entwickeln und produzieren. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir noch nicht viel investiert. Und auch beim Filmdreh selbst müssen wir im Schnitt nur 2,5 bis 2,6 Prozent Eigenkapital investieren. Das ist sehr wenig. Die restlichen 97,5 Prozent realisieren wir durch Vorverkäufe und die Filmförderung. Auch wenn Filme, die fünf bis sechs Millionen Euro kosten, kein Erfolg werden, ist der Breakeven bei einer Investition von 150.000 Euro nach ein paar tausend Zuschauern schon erreicht. Da liegen wir zum Glück meistens darüber.

medienpolitik.net: Damit spielt die Filmförderung auch für Ihre Firma eine wichtige Rolle. Für den Film „Der geilste Tag“ haben Sie einen Zuschuss von fast einer Million Euro erhalten. Das ist doch ziemlich viel?

Dan Maag: Das ist ganz großartig. Das ist ein tolles Modell, aber zum Glück zahlen wir das Geld auch sehr häufig zurück. Es sind ja bedingt rückzahlbare Darlehen, die im Erfolgsfall zurückgezahlt werden müssen. Und wenn man das tut, muss man auch kein schlechtes Gewissen haben. Das ist ein Tool, das die Branche in Deutschland am Laufen hält.

medienpolitik.net: Zum Schluss zu Ihrer VoD-Plattform-„Pantaflix“, die 2016 starten soll. Nun gibt es inzwischen eine Reihe nationaler und globaler Plattformen. Wie wollen Sie sich dagegen behaupten?

Dan Maag: Wir sind die Ergänzung dazu. Die Idee entstammt der Analyse der Branche, die ich seit 20 Jahren begleite. Es ist die Erkenntnis, dass sich die Mehrzahl der Filme in der Heimat wunderbar vermarkten lassen, aber nicht international. Von 100 Prozent der weltweit produzierten Filme finden nur 10 Prozent den Weg aus dem Heimatmarkt in eine globale Vermarktung. Das Filmgeschäft ist ein territorial abgegrenztes Geschäft, bei dem es von einem Lizenzgebiet in das andere hohe Mauern gibt und was juristische Implikationen mit sich bringt, wenn man die umgeht. Dadurch findet ein Film nur ganz selten seinen Weg von Land A in Land B, auf der anderen Seite des Planeten, sondern er bleibt auf einem regionalen Filmmarkt oder in irgendwelchen Rechtepakten liegen. Der Produzent selber muss aber diesen Weg gehen, wenn er seinen Film monetarisieren will, denn er hat nicht den direkten Zugang zum Konsumenten. Zum Beispiel wenn er seinen Film den Menschen, die in Amerika deutsch sprechen, zugänglich machen möchte. Dafür gibt es bisher keine Plattform, höchstens YouTube, aber dann ist der Film weg, in einem lustigen Gemischtwarenladen aus Kosmetikvideos und Kochtipps. Dort kann man ihn nicht auf einem guten Level monetarisieren. Höchstens über Werbung, die aber den Konsumenten bei einem hochwertigen Kinofilm sehr stört.

medienpolitik.net: Aber dann kann der Produzent doch den Film Netflix anbieten?

Dan Maag: Und wenn Netflix den Film nicht kauft, weil die zu erwartende Rendite zu gering ist? Unser Gedanke ist, eine Plattform zu initialisieren, die es den Produzenten einfach macht, dem Konsumenten weltweit sein Produkt verfügbar zu machen, sodass er technisch darauf zugreifen kann. Dadurch sieht sich natürlich noch nicht die ganze Welt den Film an. Aber da wir pro Release für eine deutsche Komödie hunderte von E-Mail aus aller Welt bekommen, von der die Leute über Social Media erfahren haben, zum Beispiel deutsche Austauschstudenten oder Austauschschüler, dann gibt es vielleicht hunderttausend Menschen, die an dem Film interessiert sind. Für diese Menschen schaffen wir eine weltweite Verfügbarkeit, ohne Opportunitätskosten. Für eine so geringe Menge Zuschauer würde es nicht lohnen in Amerika in die klassischen Vermarktungswege zu gehen, ebenso wenig für die existierenden Plattformen. Da keine Opportunitätskosten anfallen, weil sich die Filme über Social Media selbst vermarkten, kann man ab dem ersten potentiellen Zuschauer Geld verdienen. Damit bekommt dieses Zuschauerpotenzial eine ganz andere Relevanz. Es geht uns um eine Befreiung der Produzenten aus den Klauen des bestehenden Systems. Der Produzent soll selbst bestimmen können, wo er seinen Film zur Verfügung stellt.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe Nr. 2/2016 erstveröffentlicht.

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