Rundfunk:

„Das lineare Fernsehen ist quicklebendig“

von am 13.06.2016 in Allgemein, Archiv, Dualer Rundfunk, Interviews, Medienwirtschaft, Rundfunk

<h4>Rundfunk:</h4> „Das lineare Fernsehen ist quicklebendig“
Jan Peter Lacher, Bereichsleiter Programmplanung RTL Television und Leiter RTLplus

Mediengruppe RTL startete weiteren Free-TV-Sender

13.06.16 Interview mit Jan Peter Lacher, Bereichsleiter Programmplanung RTL Television und Leiter RTLplus

Mit RTLplus hat seit dem 4. Juni 2016 ein neuer linearer Free-TV-Sender das Angebot der Mediengruppe RTL Deutschland erweitert. RTLplus setzt auf eine Programm-Mischung aus beliebten Klassikern und exklusiven Eigenproduktionen. Das Programmangebot steht dabei bewusst ganz im Zeichen der Sendermarke RTL und ihrer größten Erfolge. Die Primetime bietet mit täglich wechselnder Programmfarbe ein Wiedersehen mit beliebten RTL-Klassikern wie ‚Dr. Stefan Frank‘, ‚Hinter Gittern‘, ‚Einsatz in 4 Wänden‘, ‚Doppelter Einsatz‘, ‚Monk‘, ‚Nikola‘ und den frühen Folgen von ‚Bauer sucht Frau‘. Zu den exklusiven Eigenproduktionen, die das Gesicht des Senders künftig prägen werden, gehören Neuauflagen beliebter Gameshows, die ab Herbst 2016 im Programm sein werden. Der frei empfangbare Sender soll vor allem Frauen im Alter von mehr als 45 Jahren ansprechen. Bisher gehören zur RTL-Mediengruppe in Deutschland die Sender RTL, Vox, N-TV, RTL Nitro sowie Beteiligungen an Super RTL und RTL II.

medienpolitik.net: Herr Lacher, Daniel Alegre, der President Global Partnership bei Google, hat kürzlich in Las Vegas gesagt, das Fernsehen sei nicht tot, es habe sich neu erfunden. Wollen Sie mit RTLplus den Beweis antreten, dass es unsterblich ist?

Jan Peter Lacher: Das lineare Fernsehen ist in der Tat nach wie vor quicklebendig. So sehen Frauen ab 45 Jahren pro Tag durchschnittlich fünf Stunden fern. Hier ist und bleibt das Fernsehen ohne Zweifel Leitmedium. Daher macht es aus unserer Sicht sehr viel Sinn, für genau dieses Publikum einen eigenen neuen Sender zu starten.

medienpolitik.net: In Zeiten, wo VoD an Bedeutung gewinnt, starten Sie RTLplus in einem immer stärker fragmentierten TV-Markt. Was versprechen Sie sich davon?

Jan Peter Lacher: Der zunehmenden Fragmentierung des Marktes sind wir bereits in den vergangenen Jahren erfolgreich begegnet, indem wir selbst neue Sender und Angebote gegründet haben. Für uns ist es genau der richtige Zeitpunkt, unser Portfolio mit RTLplus um einen weiteren Free-TV-Sender zu erweitern. Unser jüngster Free-TV-Sender RTLNitro ist 2012 gestartet und hat sich mittlerweile sehr erfolgreich im Markt etabliert. Mit RTLplus sprechen wir künftig eine Zielgruppe an, die wir mit unseren bestehenden Senderangeboten zwar abdecken, jetzt jedoch noch effizienter erreichen können.

medienpolitik.net: RTLNitro ist männlich-orientiert und RTLplus nun weiblich. Ist das Sehverhalten von Männern und Frauen bei RTL-Angeboten so unterschiedlich, dass sich dafür eigene RTL-Spartenkanäle lohnen?

Jan Peter Lacher: Auf jeden Fall. Wir sind sicher, dass wir für RTLplus genau die richtigen Inhalte haben, um Frauen über 45 erfolgreich anzusprechen. Der Programm-Mix bietet ein Wiedersehen mit den beliebtesten RTL-Klassikern. Darüber hinaus gibt es ausgewählte Eigenproduktionen.

medienpolitik.net: Neben Uralt-Wiederholungen sollen auch Neuproduktionen laufen. Dazu gehören auch Gameshows wie das „Glücksrad“. Warum gerade diese Gameshows?

Jan Peter Lacher: Es sind erfolgreiche Klassiker, die es momentan nicht auf dem Markt gibt und die von den Zuschauern immer wieder nachgefragt werden. Daher sind wir sicher, dass sich die Zuschauer über ein Wiedersehen freuen – die bisherigen Reaktionen bestätigen uns darin.

medienpolitik.net: Sowohl Sat.1 als auch ARD/ZDF haben mit dem Revival uralter TV-Formate wenig Glück gehabt. Warum glauben Sie, dass Ihre Zuschauer das sehen wollen?

Jan Peter Lacher: Wir bekommen momentan sehr viel positives Feedback auf unsere Ankündigungen, „Jeopardy“, „Familienduell“, „Ruck Zuck“ und „Glücksrad“ in moderner, frischer Form zurückzubringen und glauben daher, dass die Zeit reif für neue Gameshows ist.

medienpolitik.net: Planen Sie auch von anderen Formaten „Wiedererweckungen“?

Jan Peter Lacher: Wir haben uns bereits die Rechte an weiteren Shows gesichert. Die Palette an potentiellen Inhalten für RTLplus ist groß.

medienpolitik.net: Wird es auch neue Sendungen geben, vielleicht sogar exklusive Angebote?

Jan Peter Lacher: Wir haben viele Ideen für die Zukunft, konzentrieren uns jetzt aber erst einmal auf den Senderstart.

medienpolitik.net: Inwieweit könnte RTLplus zum Experimentiersender für RTL werden?

Jan Peter Lacher: RTLplus bietet natürlich eine schöne Fläche, um Ideen auszuprobieren. Alles, was Sinn ergibt, werden wir uns anschauen.

medienpolitik.net: RTLNitro treibt seine Marktanteile mit Fußball über die 2-Prozent-Marke. Was können Sie den Frauen adäquat bieten?

Jan Peter Lacher: Wir bieten unseren Zuschauerinnen mit unseren Gameshows gleich kurz nach dem Sendestart vier Eigenproduktionen. Das ist für einen neuen Free-TV-Sender in Deutschland einzigartig. Auch bei RTL Nitro sind wir nicht direkt mit Fußballspielen gestartet. Trotzdem können wir uns natürlich zukünftig weitere Eigenproduktionen vorstellen.

medienpolitik.net: Warum starten Sie den Sender zum jetzigen Zeitpunkt, wo doch die Zuschauer anscheinend nach Event-Fernsehen und immer neuen Highlights gieren?

Jan Peter Lacher: Es geht, mehr als in den Jahren zuvor, um Eskapismus. In einer Zeit, in der die Nachrichten von schweren, oftmals existenziellen Themen dominiert werden, sehnen sich die Zuschauer umso mehr nach unbeschwerter Unterhaltung und Nostalgie. Unser Test mit den Sitcom-Klassikern im RTL-Programm bestätigt dies.

medienpolitik.net: Nostalgie“-Sender gibt es schon mehrere. Wo sollen die neuen Zuschauer für RTLplus herkommen?

Jan Peter Lacher: Die besondere Stärke von RTLplus liegt darin, dass wir in allen Genres auf die starken RTL-Marken zurückgreifen können und uns damit deutlich von anderen Angeboten abheben können.

medienpolitik.net: Sie peilen neben den Frauen auch die Best Ager an, die nicht zu den Lieblingen der Werbebranche gehören. Müssen Sie nicht befürchten, dass sich RTLplus nicht refinanziert?

Jan Peter Lacher: Die Best Ager sind eine wichtige und stark wachsende Größe für die Werbeindustrie. Das Publikum ist sehr kaufkräftig und probiert gerne neue Produkte aus.

medienpolitik.net: Wie sieht es mit der Distribution von RTLplus aus? Wann werden Sie in alle Kabelnetze eingespeist?

Jan Peter Lacher: Der Sender wird zum Start am 04.06. über digitalen Satellit (SD) zu empfangen zu sein. Am 01.07. folgen die Kabelhaushalte von Unity Media. Am 12.07. kommt Vodafone/KDG hinzu. Weitere Plattformen werden zügig folgen. Darüber hinaus wird RTLplus online und mobile über das Bewegtbildangebot TV NOW empfangbar sein.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe 06/2016 erstveröffentlicht.

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