Medienpolitik:

„Das ist tatsächlich eine Sehvolution“

von am 08.08.2016 in Allgemein, Archiv, Infrastruktur, Interviews, Medienpolitik, Medienwirtschaft, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Rundfunk, Technik

<h4>Medienpolitik: </h4>„Das ist tatsächlich eine Sehvolution“
Holger Meinzer, Chief Commercial Officer Media Broadcast

Holger Meinzer zum Start von DVB-T2 HD in Deutschland am 29.03.2017 und zur Vorbereitung der neuen terrestrischen Fernsehplattform

08.08.2016 Interview mit Holger Meinzer, Chief Commercial Officer Media Broadcast

Schon heute sind 38 Standorte in Deutschland mit DVB-T2 versorgt. Beim offiziellen Start am 29.03.2017 können dann bundesweit etwa 40 Sender – jeweils die Hälfte Öffentlich-rechtliche und Private – auf diesem neuen Übertragungsweg empfangen werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender werden kostenfrei und unverschlüsselt zur Verfügung stehen, die Privaten hingegen entgeltlich. Die Set-Top-Boxen, die zum Empfang dieser hervorragenden HD-Bildqualität erforderlich sind, werden etwa 50 bis 70 € kosten. Neben der Qualität ist auch die dann mögliche mobile Nutzung ein großer Sprung in der Fernsehwelt.

medienpolitik.net: Herr Meinzer, ein wichtiges Thema auf der ANGA in Köln Anfang Juni war DVB-T2. Im Jahr 2017 soll es bundesweit losgehen. Wie ist der Stand bei Media Broadcast?

Holger Meinzer: Zunächst sind wir stolz darauf, in Deutschland die weltweit modernste terrestrische Fernsehplattform geschaffen zu haben – tatsächlich eine Sehvolution. Aktueller Stand ist, dass wir zum 31.05.2016 insgesamt 36 Sendestandorte in Betrieb genommen haben. Mit den zur ANGA aufgeschalteten Sendern in Mannheim und Heidelberg sind wir nun schon bei 38 Standorten. Damit haben wir schon heute eine größere Abdeckung für die privaten Programmangebote als bei DVB-T. Derzeit laufen die Aufbauarbeiten für den Start am 29.03.2017 – das wird das Umschaltdatum für den Regelbetrieb sein, und an diesem Tag werden zeitgleich in den einzelnen Regionen alle öffentlich-rechtlichen und privaten Multiplexe auf DVB-T2 HD umgeschaltet. Parallel dazu laufen derzeit massive Vermarktungsaktivitäten mit dem Ziel, das Produkt freenet TV bekannt zu machen und die Endgeräte in den Markt zu bekommen. Der Zuschauer, der sehr frühzeitig bei DVB-T2 HD einsteigt und ein freenet-TV fähiges Gerät kauft, profitiert länger von der kostenlosen HD-Nutzung.

medienpolitik.net: Kommen wir noch einmal auf den Start am 29.03.2017 zurück. Es werden circa 40 Sender insgesamt, davon etwa die Hälfte öffentlich-rechtliche und die andere Hälfte private Sender an das Netz gehen. Wird das unverschlüsselt sein?

Holger Meinzer: Die öffentlich-rechtlichen Programme werden weiterhin kostenfrei und unverschlüsselt zur Verfügung gestellt. Die privaten HD-Programme werden auf der neuen freenet TV-Plattform gebündelt und können – wie auf allen anderen Verbreitungsplattformen auch gegen ein technisches Entgelt empfangen werden – allerdings in noch besserer Full-HD-Qualität.

medienpolitik.net: Welche Regionen außer den Ballungsräumen werden dann beim Start am 29.03.2017 abgedeckt sein?

Holger Meinzer: Neben allen Regionen, in denen heute Privatsender über DVB-T empfangen werden können, versorgen wir heute schon die Regionen Rostock, Schwerin, Leipzig-Halle, Magdeburg und Jena sowie Stuttgart und die Metropolregion Rhein-Neckar . Insgesamt erreichen wir damit bereits mehr als 55 Millionen Einwohner. Ab dem 29.03.2017 folgen dann unter anderem Karlsruhe und Darmstadt sowie sukzessive alle weiteren Ballungsräume um Städte größer 100.000 Einwohner. Bereits heute können sich Zuschauer auf unserem Verfügbarkeits-Check unter freenet.tv darüber informieren. Sie geben ihre Postleitzahl ein und können dann direkt sehen, ob das Programmangebot jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt empfangen werden kann.

medienpolitik.net: Sprechen wir über die Kosten. Es entstehen monatliche Gebühren für den Nutzer und er muss sich zusätzlich eine Box kaufen um das Signal in HD-Qualität empfangen zu können. Können Sie heute zum Preisniveau schon etwas sagen?

Holger Meinzer: Das Preisniveau bei den Set-Top-Boxen ist sehr erfreulich. Wir sehen bereits heute zum Start Geräte in einer Preisdimension von 50 bis 70 € im Handel und gehen davon aus, dass die Preise noch weiter sinken werden. Darüber hinaus sind in vielen modernen Fernsehgeräten DVB-T2 und HEVC, also die technischen Voraussetzungen für den Empfang des neuen Programmangebotes, bereits verbaut. Hier benötigt der Kunde ausschließlich ein freenet TV-Modul, was wir bereits über den Handel zu einem Preis von 79 € vertreiben.

medienpolitik.net: Warum sollte der Kunde das tun. Was sind die Gründe für ihn, zusätzliches Geld auszugeben?

Holger Meinzer: Der Kunde erhält eine nach wie vor sehr einfach zu empfangende Plattform, die nicht nur den stationären sondern auch portablen und mobilen Empfang unterstützt. Mit Full-HD (1080p50) bekommt er zudem die beste Bildqualität, die es heute bei den großen Privaten zu sehen gibt. Und all dies zu einem sehr günstigen Preis in Höhe von 5,75 Euro pro Monat.

medienpolitik.net: Stichwort mobiles Fernsehen: Auf der ANGA Anfang Juni ist das Thema mobiles Fernsehen kontrovers diskutiert worden. Für die stationäre und portable Nutzung im Haus sei die Zukunft von DVB-T2 sehr positiv. Für das mobile Fernsehen klang das erheblich negativer?

Holger Meinzer: So wie ich die Diskussion auf der ANGACOM in Köln wahrgenommen habe, bezog sich dies auf die Mobilfunknetze. Dort macht es keinen Sinn, diese Netze mit linearem Full-HD-Fernsehen zu belasten. Aber das ist ja genau der Vorteil von DVB-T2 HD: Es ist überall empfangbar und kann sowohl stationär als auch portabel und mobil genutzt werden. Spannend in diesem Zusammenhang ist, dass wir auch bei der Automobilindustrie entsprechende Aktivitäten sehen. Bei BMW z.B. können Kunden mittlerweile bei nahezu allen Modellen einen DVB-T2 Receiver mit HEVC mitbestellen, der in das Auto eingebaut wird. Mit an Bord ist auch ein Cam-Slot für das CI+ -Modul von freenet TV. So können Sie auch die Privaten im Fahrzeug empfangen.

medienpolitik.net: Aber hoffentlich nicht als Fahrer?

Holger Meinzer: Nein, standardmäßig war es immer so, dass ab gewissen Geschwindigkeitsbereichen das Bild für den Fahrer ausgeschaltet wird und der Ton weiterläuft. Aber insgesamt ist das Thema Entertainment von großem Interesse. So können z.B. die Kinder auf dem Rücksitz während der Fahrt mit Fernsehen unterhalten werden.

medienpolitik.net: Media Broadcast ist jetzt mit freenet TV zusammen. Sie haben selbst von jetzt erforderlichen Vermarktungsanstrengungen für DVB-T2 gesprochen. Wollen Sie da weiter mit dem Handel zusammenarbeiten oder eher mit freenet TV selbst in die Vermarktung gehen – einschließlich der Geräte?

Holger Meinzer: Der Handel spielt natürlich nach wie vor eine ganz zentrale Rolle bei der Vermarktung des Produkts. Sicherlich werden wir auch die Vertriebsmannschaft und die Vertriebspower von Freenet bzw. von Mobilcom-Debitel mit nutzen und gemeinschaftlich auf dem Markt agieren. Parallel werden wir das Produkt weiterhin ganz massiv über den Handel vertreiben. Wir sehen das synergetisch!

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