Rundfunk:

„Qualität ist nicht zum Billigtarif zu haben“

von am 06.09.2017 in Aktuelle Top Themen, Allgemein, Interviews, Journalismus, Medienpolitik, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Rundfunk

<h4>Rundfunk: </h4>„Qualität ist nicht zum Billigtarif zu haben“
Marlehn Thieme, Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates I © ZDF_Andrea Enderlein

ZDF-Fernsehrat dringt auf „bedarfsgerechte Finanzierung“, um Relevanz des ZDF weiter zu sichern

08.09.17 Interview mit Marlehn Thieme, Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates

Der ZDF-Fernsehrat werde sich auf seiner nächsten Sitzung im September mit den Vorschlägen des ZDF zur Strukturreform befassen. Es bleibe abzuwarten, so Marlehn Thieme, die Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates, ob ARD und ZDF mit ihren Vorschlägen die Regierungschefinnen und -chefs schon überzeugen können oder ob die Länder eigene Erwartungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk konkretisieren werden. Der Fernsehrat werde darauf achten, dass für den Qualitätsjournalismus und das niveauvolle Unterhaltungsangebot im ZDF eine zukunftssichere Grundlage bestehen bleibe. „Die Betrachtung der Kosten ist nicht alles, die Aspekte von Pluralität, Regionalität und auch Wettbewerb unter den öffentlich-rechtlichen Sendern sind ebenfalls wichtig und dürfen nicht leichtfertig über Bord geworfen werden“, betont Marlehn Thieme in einem medienpolitik.net-Gespräch.

medienpolitik.net: Frau Thieme, Sie wurden vor einem Jahr zur Vorsitzenden des ZDF-Fernsehrates gewählt. Welchen Einfluss hat der Fernsehrat auf das ZDF?

Marlehn Thieme: Allein die formalen Instrumente des Fernsehrates, wie z. B. die Wahl und die Entlastung des Intendanten oder die Genehmigung des Haushaltes, sind schon starke Einflussmöglichkeiten. Darüber hinaus haben die Mitglieder des Gremiums die Aufgabe, als Repräsentanten der Gesellschaft darüber zu wachen, dass das ZDF seinem Auftrag und seinen Programmgrundsätzen gerecht wird. Die Fernsehräte aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft vermitteln den Programmverantwortlichen intensiv, wie die ZDF-Programme rezipiert werden. Das gilt insbesondere für die Teile der Gesellschaft, zu denen die Programm-Macher selbst keinen vergleichbar direkten Zugang haben. Ich öffne hier Gesprächsräume zwischen Fernsehrat und Programmverantwortlichen und rege Themen an, die bereits im ersten Jahr intensiv genutzt und aufgegriffen wurden, sei es öffentlich-transparent in Sitzungen oder auch in direkten persönlichen Gesprächen.

medienpolitik.net: Es wird gegenwärtig viel über die Aufgabe und den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks diskutiert, auch darüber, den Auftrag aus Kostengründen zu reduzieren. Wo sehen Sie die wichtigste Aufgabe des ZDF für die gesellschaftliche Kommunikation?

Marlehn Thieme: Die Zuschauer erwarten vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine plurale, politische Berichterstattung ebenso wie den Diskurs über grundlegende gesellschaftliche Entwicklungen in Deutschland und anderswo. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist auch gefragt, wenn es darum geht, die kulturelle Identität des Landes zu bewahren. Das ist aber nicht zum Billigtarif zu haben. Hier als ZDF Benchmark für Qualität, Quote und Kosten zu bleiben und neue Zielgruppen mit diesem Angebot zu überzeugen, ist Herausforderung und Chance für das ZDF.

medienpolitik.net: Das ZDF hat in den vergangenen Monaten viel getan, um Falschmeldungen zu vermeiden, differenzierter zu informieren, mehr Hintergründe aufzuzeigen und damit die Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Sehen Sie das ZDF dennoch nach wie vor – zusammen mit den anderen Medien – in einer Glaubwürdigkeitskrise?

Marlehn Thieme: Eine mediale Glaubwürdigkeitskrise sehe ich vor allem bei den großen britischen und US-amerikanischen TV-Kanälen, die sich selber politisch instrumentalisieren. US-Präsident Trump, der Brexit und ihre medialen Helfer zeigen, wie wertvoll ein gesellschaftlich vernetzter, von direkter politischer Einflussnahme freier und im Wettbewerb stehender starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist. In Deutschland ist das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der klassischen Medien in den vergangenen Monaten wieder gewachsen. Das hat die Forschungsgruppe Wahlen bei einer Umfrage im Juni festgestellt. Dabei hatten die Nachrichtensendungen von ZDF und ARD erheblich höhere Glaubwürdigkeitswerte als Nachrichten von Privatsendern, oder sozialen Medien wie Facebook und Twitter. Ihre Glaubwürdigkeit müssen sich die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren Programmen aber jeden Tag neu erarbeiten.

medienpolitik.net: Es ist eine für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wichtige Zeit der Weichenstellung. Wie bewerten Sie die Chancen und Risiken für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

Marlehn Thieme: Weichen stellen vor allem die Nutzer: Wählen diese auch die öffentlich-rechtlichen Medien aus, dann sind die Chancen gut. Informieren sie sich ausschließlich aus dem globalen Internet, dann müsste eine intensivere Präsenz öffentlich-rechtlicher Inhalte auf Drittplattformen ermöglicht werden. Nur so können Menschen angesprochen werden, die wegen ihres Nutzungsverhaltens mit öffentlich-rechtlichen Inhalten über andere Verbreitungswege kaum noch in Kontakt kommen.

medienpolitik.net: Wo erwarten Sie von der Politik Entscheidungen, um die Zukunftssicherheit des ZDF zu garantieren?

Marlehn Thieme: Ich bin mir im Grunde sicher, dass die Politik weiß, wie wichtig ARD und ZDF künftig für einen gesellschaftlichen Diskurs im Netz sind, und dass es hierfür adäquate Spielräume auszugestalten gilt. Das gilt gerade dann, wenn sich die großen deutschen Medienhäuser in der digitalen Welt zunehmend aus ihrer publizistischen Rolle verabschieden und lieber auf die Entwicklung anderer Geschäftsfelder, etwa von Verkaufsportalen, setzen. Nicht gut wäre es, wenn der Regulierer sich intensiv mit dem nationalen Medienmarkt befasst, die Konkurrenzsituation mit den großen US-Plattformen (z.B. Amazon Prime, Netflix, YouTube oder Facebook) aber ausblendet. Im Interesse der Beitragszahler müssen ARD und ZDF auch im Netz eigenständige audiovisuelle „Online-Only“-Angebote ohne bisher erforderlichen unmittelbaren Sendungsbezug anbieten können.

medienpolitik.net: Welchen Beitrag muss das ZDF selbst leisten, um sich auf die Zukunft einzustellen?

Marlehn Thieme: Vor allem muss die ZDF-Familie mit guten Inhalten nahe bei den Menschen bleiben. Nach meinem Eindruck gelingt das auch mit Qualitätsangeboten und einer diversifizierten Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen. Dazu gehören aber auch Gemeinschaftserlebnisse für das Publikum, etwa spannende Live-Übertragungen von großen Sportevents. Klar ist, dass Fernsehen und Internet weiter verschmelzen werden; daher muss sich der Sender im non-linearen Bereich noch weiterentwickeln. Die inzwischen stark am Bewegtbild orientierte ZDFmediathek bietet hier einen guten Ansatzpunkt.

medienpolitik.net: Die Länder streben eine Beitragsstabilität auch über das Jahr 2017 hinaus an. Inwieweit befürworten Sie dieses politische Ziel?

Marlehn Thieme: Das Bundesverfassungsgericht hat klargestellt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk bedarfsgerecht zu finanzieren ist, damit er seinen Programmauftrag auch erfüllen kann. Der Rundfunkbeitrag wurde das letzte Mal vor acht Jahren erhöht, danach auf 17,50 € abgesenkt und ist bis 2020 festgeschrieben. Das bedeutet elf Jahre (!) Beitragsstabilität bei entsprechender Kostensteigerung für Personal, Technik und Produktionen. Nichtsdestotrotz sehe auch ich ARD und ZDF in der Pflicht, Strukturen und Abläufe auf den Prüfstand zu stellen, um weitere Synergien zu heben.

medienpolitik.net: Ist es realistisch?

Marlehn Thieme: Ihre Hausaufgaben können die Sender beispielsweise durch mehr technische und vielleicht auch strukturelle Kooperationen machen. Aber die Betrachtung der Kosten ist nicht alles, die Aspekte von Pluralität, Regionalität und auch Wettbewerb unter den öffentlich-rechtlichen Sendern sind ebenfalls wichtig und dürfen nicht leichtfertig über Bord geworfen werden.

medienpolitik.net: Der Telemedienauftrag soll neu definiert werden. Wo wünschen Sie sich beispielsweise mehr Möglichkeiten für das ZDF?

Marlehn Thieme: Wenn zunehmend Smartphones, Tablets und auch viele Fernseher ständig mit dem Internet verbunden sind, verschwimmt die Unterscheidung zwischen klassischen TV-Inhalten und Online-Inhalten. Bei den Beitragszahlern herrscht deshalb oft Unverständnis, wenn eine Sendung zwar im klassischen linearen Fernsehen empfangbar ist, jedoch nicht auf Abruf in der Mediathek zur Verfügung steht. Für die öffentlich-rechtlichen Sender ist es für die Erfüllung ihres Programmauftrags zwingend notwendig, ihre Angebote im Internet so zu gestalten, wie es im Netz möglich und üblich ist und wie es die Nutzerinnen und Nutzer von einem professionellen Angebot erwarten. Wären Inhalte von ARD und ZDF im Internet breiter verfügbar, würde das die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seiner Finanzierung in der Bevölkerung steigern.

medienpolitik.net: Mit welchen Themen hat sich der Fernsehrat in den vergangenen Monaten befasst?

Marlehn Thieme: Die Zukunft des Mediums Fernsehen beschäftigt den Fernsehrat immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen und Perspektiven. Zentrale Frage ist also: Wie muss das ZDF programmlich, strukturell und finanziell aufgestellt sein? Deshalb hat der Fernsehrat die Start-Phase von funk sehr intensiv begleitet. In unserer letzten Sitzung haben wir uns intensiv mit dem Image der ZDF-Programme, gerade mit Blick auf ein jüngeres Publikum befasst. Die Frage, wie sich das ZDF als beitragsfinanzierter Sender künftig in seiner Sport-Berichterstattung aufstellt, beschäftigt uns fortlaufend, sei es mit Blick auf die Fußball-Champions League oder die Olympischen Spiele. Dazu kam als Kernaufgabe des Fernsehrates die programmliche Selbstverpflichtungserklärung für die Jahre 2017 – 2018.

medienpolitik.net: Die Pressemeldungen zu den Fernsehratssitzungen lesen sich immer sehr „harmonisch“. Über welche Fragen gab es auch kontroverse Debatten?

Marlehn Thieme: Im Fernsehrat beobachte ich eine große Identifikation mit dem ZDF, es gibt auch eine breite Anerkennung für die erfolgreiche Programm- und Geschäftspolitik des Senders. Daran konstruktiv weiter zu arbeiten ist aber nicht immer harmonisch; immer wieder treffen unterschiedliche Meinungen zwischen dem Fernsehrat und dem Haus aufeinander. Auch ist es ein Trugschluss zu glauben, dass in einem plural besetzten Gremium immer alle einer Meinung sind. So zeigten die Fernsehratsdebatten über die Finanzplanung, die Selbstverpflichtung, die Kosten für Sportrechte oder das junge Angebot „funk“ manchmal sehr entgegengesetzte Standpunkte der Mitglieder auf. Dennoch sollte am Ende einer Diskussion ein klares Votum des Fernsehrates stehen, an dem sich die Geschäftsleitung orientieren kann.

medienpolitik.net: Widersprechen Sie auch dem Intendanten oder suchen Sie stets den Konsens?

Marlehn Thieme: Der ZDF-Staatsvertrag hat dem Fernsehrat aufgegeben, den Intendanten bei der Programmgestaltung zu beraten. Ich sehe es als meine Aufgabe, den Fernsehrat und den Intendanten in eine konstruktive Zusammenarbeit zu bringen. Mal kann der Rat unseres Gremiums Unterstützung, mal Widerspruch bedeuten.

medienpolitik.net: Der Fernsehrat ist seit dem vergangenen Jahr neu, politikferner, zusammengesetzt. Wie politiknah ist er dennoch bei seinen Entscheidungen?

Marlehn Thieme: Das Bundesverfassungsgericht hatte in seiner Entscheidung zu den ZDF-Gremien weniger eine politikferne als eine staatsferne Zusammensetzung des Fernsehrates angemahnt. Daher wurde im ZDF-Staatsvertrag die Zahl der staatlichen Vertreter im Gremium stark reduziert. Daraus würde ich nicht den Schluss ziehen, dass unser Gremium unpolitisch geworden ist. Denn auch die Vertreter der Zivilgesellschaft denken und handeln politisch: Sie werben in einem kritischen Diskurs für ihre Positionen, treten für ihre Überzeugungen ein.

medienpolitik.net: Man liest nach wie vor von den „Freundeskreisen“. Nehmen diese keinen politischen Einfluss mehr?

Marlehn Thieme: Dass Mitglieder eines 60-köpfigen Gremiums über Tagesordnung und Sitzungsprotokoll hinaus einen Rahmen für einen informellen Austausch suchen, halte ich für nachvollziehbar. Vor den vier Plenarsitzungen des Fernsehrates treffen sich traditionell zwei sog. „Freundeskreise“ zu informellen Runden.
Zu einem Kreis lädt der ver.di-Vertreter im Fernsehrat, Frank Werneke, ein, diese Runde ist eher gewerkschaftlich-sozialdemokratisch ausgerichtet. Der ehemalige Verteidigungsminister Franz-Josef Jung leitet den anderen eher bürgerlich-konservativ ausgerichteten Freundeskreis, dem ich mich im Übrigen auch angeschlossen habe.
Meines Wissens nehmen alle Mitglieder ein solches Angebot wahr, um allgemeine medienpolitische Fragen, Themen aus dem Plenum oder Ausschüssen breiter zu diskutieren. Im Vorfeld einer vom Fernsehrat vorzunehmenden Wahl werden dort auch Personalien angesprochen. Nach meinem Eindruck wird die Verbindlichkeit der Meinungsbildung in den Kreisen etwas unterschiedlich gehandhabt. Konkrete Auswirkungen auf das Stimmverhalten der Mitglieder waren bei Beschlussfassungen und Wahlen in diesem Fernsehrat bislang nicht erkennbar.

medienpolitik.net: Der Fernsehrat ist insgesamt breiter und vielschichtiger zusammengesetzt. Wie hat sich das auf die Arbeit des Fernsehrates ausgewirkt?

Marlehn Thieme: Die Persönlichkeiten repräsentieren die Vielschichtigkeit der Gesellschaft, so sind die Diskussionen auch vielfältiger, jünger und internetaffiner geworden und beziehen regionale Erfahrungen stärker ein. Wenn beispielsweise Migranten, die Internet-Community oder der Bereich Inklusive Gesellschaft Sitz und Stimme im Fernsehrat bekommen haben, bedeutet das eine größere Themenbreite in den Diskussionen, werden doch neue, andere Erwartungen an die ZDF-Programme artikuliert, als wir sie in der Vergangenheit kannten. Für den Fernsehrat ist das aus meiner Sicht eine Bereicherung, für das Unternehmen ZDF sicher eine Veränderung. Für viele neue Mitglieder waren auch Verfahren und Rechtsfragen ganz neu. Wenn ich aber daran denke, wie lange ich Zeit hatte, über das Vertreten der Interessen meiner entsendenden Organisation auf das Ganze des ZDF zu sehen, ist dieser Fernsehrat sehr schnell in einen belastbaren Arbeitsmodus gekommen. Übrigens ist die Präsenz bei Fernsehratssitzungen von 69 Prozent 2015 auf 81 Prozent im Jahr 2016 angestiegen.

medienpolitik.net: Wo sehen Sie die Schwerpunkte für die Arbeit des Fernsehrates für die nächsten Monate?

Marlehn Thieme: Die an die Länder-AG „Auftrag und Strukturoptimierung“ gerichtete Stellungnahme des ZDF wird der Fernsehrat in seiner kommenden Sitzung beraten und einordnen. Hier ist der unmittelbare Austausch mit den Länder-Vertretern im Fernsehrat sehr wichtig. Es bleibt abzuwarten, ob ARD und ZDF mit ihren Vorschlägen die Regierungschefinnen und -chefs schon überzeugen können oder die Länder eigene Erwartungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk konkretisieren werden. Das würde sicher eine medienpolitische Debatte auslösen, in die sich der Fernsehrat aktiv einbringen würde. In diesem Prozess wird der Fernsehrat darauf achten, dass für den Qualitätsjournalismus und das niveauvolle Unterhaltungsangebot im ZDF eine zukunftssichere Grundlage bestehen bleibt. In programmlicher Sicht wird sich der Fernsehrat nach der Bundestagswahl sicher mit der ZDF-Wahlberichterstattung befassen. Strategisch bleibt die Positionierung der ZDF-Familie in der nonlinearen Welt auf der Tagesordnung unseres Gremiums.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe 09/17 erstveröffentlicht.

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2 KommentareKommentieren

  • Heiko Sander - 08.09.2017 Antworten

    Hallo,

    bedarfsgerechte Fina­nzierung? Interessan­t. Es sind ja eh Quo­ten das Wichtigste, was zählt auf dem Le­rchenberg. Es wäre sinnvoll, dass ZDF aus Werbeeinnahmen zu finanzieren, statt aus Zwangsbeitrag. Als Privatsender kann das ZDF bedarfsgerec­ht Werbung im Progra­mm platzieren, was letztendlich auch die gewünschte bedarfsg­erechte Finanzierung sicherstellen dürft­e.

    Mit freundlichen Grü­ßen

    Heiko Sander

  • Es ginge auch anders - 09.09.2017 Antworten

    Danke für das Interview!

    Nur ein paar Punkte:

    > „Die Betrachtung der Kosten ist nicht alles, die Aspekte von Pluralität, Regionalität und auch Wettbewerb unter(*) den öffentlich-rechtlichen Sendern sind ebenfalls wichtig…“
    (*) wohlgemerkt: UNTER
    Es ist eben genau nicht Aufgabe der ÖRR, auch noch untereinander in „Wettbewerb“ zu treten (sonst überweise ich künftig mein Monatsgehalt an den ÖRR)

    > Frage: „Welchen Einfluss hat der Fernsehrat auf das ZDF?“
    Falsche Fragestellung, nicht „auf das“, sondern „innerhalb des“ ZDF. Der Fernsehrat ist Bestandteil!

    > „Die Fernsehräte aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft…“
    Wer oder was wird hier genau „repräsentiert“? Betrachten Sie die Zusammenstellung selbst etwas genauer!

    > „ZDF will „Benchmark für Qualität“ bleiben“
    Konkurrenz (aka qualitätsloses „Leitmedium“) ist nicht „Grundversorgung“
    Siehe dazu „Zeitvertreib“ auf ZDFneo, „Unterhaltung“ im ZDF etc.

    > „Eine mediale Glaubwürdigkeitskrise sehe ich vor allem bei den großen britischen und US-amerikanischen TV-Kanälen, die sich selber politisch instrumentalisieren.“
    Darum ging doch die Fragestellung gar nicht, oder?
    Ich sehe nur Ablenkung und anderweitige „Schuldzuweisungen“!

    > „…wie wertvoll ein gesellschaftlich vernetzter, von direkter(*) politischer Einflussnahme freier und im Wettbewerb stehender starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist.“
    (*) Damit vermeiden Sie, die „indirekte“ Beinflussung zur Sprache zu bringen, sonst hätten Sie „direkt“ weggelassen => Staatsferne, …wirklich?
    Wir sollten hier sehr wohl zwischen „inhaltlicher“ Einflußnahme, auf z.B. „das Programm“, und dem Rest (i.e. Finanzierung) unterscheiden. ….

    > „…wie wichtig ARD und ZDF künftig für einen gesellschaftlichen Diskurs im Netz sind, und dass es hierfür adäquate Spielräume auszugestalten gilt.“
    Hier geht es um „Deutungshoheit“ durch Masse zu Lasten der später erwähnten Print-Medien, die genauso unter der einseitigen „Staatsfinanzierung“ leiden, dies aber offensichtlich gar nicht bemerken.
    Was wären 8,3 Milliarden Euro (selbstbestimmt durch den Bürger) verteilt auf Medien-Unternehmungen, vor allem in ihrer Bedeutung für „Pluralismus“, „Demokratie“ oder „Qualität“?

    > „Vor allem muss die ZDF-Familie mit guten Inhalten nahe bei den Menschen bleiben.“
    Muss es eben nicht, ich entscheide, ob ich ein „ZDF“ nahe bei mir haben will oder nicht => Informationsfreiheit . Was wäre daran so schwer zu verstehen???

    > „Nach meinem Eindruck gelingt das auch mit Qualitätsangeboten und einer diversifizierten Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen. Dazu gehören aber auch Gemeinschaftserlebnisse für das Publikum, etwa spannende Live-Übertragungen von großen Sportevents. Klar ist, dass Fernsehen und Internet weiter verschmelzen werden; daher muss sich der Sender im non-linearen Bereich noch weiterentwickeln. Die inzwischen stark am Bewegtbild orientierte ZDFmediathek bietet hier einen guten Ansatzpunkt.“

    Das ist, mit Verlaub gesagt, die unsinigste Annahme von allen, und der allergrößte Irrtum zu Lasten der Beitragszahler:

    – Ich brauche keine „Werbung“ im Sinne einer „diversifizierten“ Ansprache, ich brauche „Qualität“ im Sinne von gut recherchiert.

    – Ich brauche keine von anderen bestimmte „Gemeinschaftserlebnisse“. Noch kann ich selbst für mich Sorge tragen und entscheiden.

    – Ich entscheide, ob eine Live-Übertragung von was auch immer „spannend“ ist oder nicht, NICHT Sie. Ich entziehe Ihnen damit jegliche Zuständigkeit für meine Gefühle.

    – Ich entscheide, ob ich die derzeitigen „Ergüsse“ offentlich-rechtlicher „Unterhaltung“ auch noch als „non-lineare“, sprich jederzeit abrufbare, und zusätzliche „Zeitverschwendung“ ertragen will.
    Und ich will es definitv nicht!

    – Die „ZDFmediathek“ bietet noch nicht mal einen kleinen „Ansatzpunkt“ dessen, was mir bspw. eine „Bibliothek“ bieten könnte, vor allem im Sinne von „offen“, „frei“ zugänglich, sinnvoll(sic) durchsuchbar.
    Die ganzen Investitionen in irgendwelche Tracking- und Darstellungs-Apps, die zusätzlich massive Datenschutzprobleme aufwerfen, werden von Beiträgen finanziert, und verbieten sich daher eigentlich von selbst.
    Ich kann mir bspw. mit meinem Browser noch nicht mal mehr die Startseite des ZDF anzeigen lassen, da Zugriffe auf google-analytics und ähnliche javascript-basierte Tracker von mir nicht gestattet werden

    … und es gäbe noch viel mehr zu sagen (i.e. zur „Sozialverträglichkeit“ des ÖRR), aber in Anbetracht meiner Lebenszeit…

    Eines vielleicht doch noch:
    Sie könnten „Falsch- oder Mindermeldungen“ verbreiten, soviel Sie wollen. Das ist für mich überhaupt nicht relevant.
    Ich will lediglich die freie Entscheidung, welche(!) „Informationsleistung“ ich in Anspruch nehme, und bin dann dementsprehend auch gerne bereit, etwas dafür zu bezahlen.
    Funktioniert im freien Wettbewerb bisher ganz gut – warum nicht hier?
    Nicht ein „Mehr“ an „Programm“ und/oder „Technik“ oder „Verbreitungsmöglichkeiten“ ist entscheidend, sondern ein „Minimum“ an den „Qualitätsanspruch“ => Grundversorgung
    Es wären einfach nur all die Bereiche abzudecken, die nicht anderweitig bereits „versorgt“ sind => Subsidiarität.

    Der Anspruch des ÖRR darf geradezu einzig und allein NUR der an die „Qualität“ sein, und diesen Boden hat er sich in der Vergangenheit mehr und mehr, nicht zuletzt durch sein „Programm“ selbst massiv entzogen. Hier war „Mehr“ niemals „Weniger“, sondern immer nur noch „Mehr“ Die „Qualität“ bleibt bei so etwas auf der Strecke, wenn es sie denn überhaupt noch gibt.

    Über das, was ein „Leitmedium“ wirklich ist, entscheidet der Konsument, und nicht die Politik, und auch nicht die Selbsdefinition eines Mediums.
    Sie sind bisher den Beweis schuldig geblieben, dass Sie wirklich eines sind!

    Und bitte, bitte begreifen Sie endlich , dass ich Sie nicht zu meinem „Seeligmacher“ berufen habe!

    Danke für Ihre Zeit!

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