Rundfunk:

„Unser Angebot ist fernsehähnlich“

von am 11.12.2017 in Allgemein, Archiv, Digitale Medien, Internet, Journalismus, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Rundfunk

<h4>Rundfunk:</h4>„Unser Angebot ist fernsehähnlich“
Elmar Theveßen, stellvertretender ZDF-Chefredakteur und Leiter der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles.

ZDF passt Online-Nachrichten veränderter Mediennutzung an – mehr Videos, kürzere Texte

11.12.17 Interview mit Elmar Theveßen, stellvertretender ZDF-Chefredakteur und Leiter der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles

Das ZDF hat seine Online-Nachrichten heute.de modernisiert. Mit dem Relaunch von heute.de erhält die Zusammenarbeit in der „heute“-Familie eine neue Qualität: Denn die Kurznachrichten „heute Xpress“ werden auf heute.de jetzt als leitender Nachrichtenstrom abgebildet. Das „heute Xpress“-Team und das heute.de-Team können dadurch eine schnellere Bestückung der Online-Seite mit den einzelnen Clips sicherstellen. Das Bewegtbild-Angebot auf der Nachrichtenseite, ergänzt um Social Media Posts, wird so noch aktueller, umfangreicher und informativer. Die neue ZDFheute-App soll den schnellen Nachrichten-Überblick garantieren. Die „heute Xpress“-Kurznachrichten bieten 70 bis 80 Meldungen pro Tag und lassen sich über 24 Stunden zurückverfolgen, thematisch sortieren und durch Videos ergänzen. Die Texte sollen kürzer werden– für die schnelle Info und für die meisten Themen reichten bis zu 800 Zeichen aus.

medienpolitik.net: Herr Theveßen, was erwartet der Nutzer von Online-Nachrichtenangeboten?

Elmar Theveßen: Der Nutzer will vor allem zweierlei: Einerseits kontinuierliche Kurzinformationen, also einen Nachrichtenstrom, am besten gebündelt mit den top-aktuellen Bildern. Andererseits vertiefende Berichte mit Hintergründen und Einschätzungen, eine Bündelung von Einzelelementen zum jeweiligen Thema. Auch diese Erwartung versuchen wir, vor allem mit Videoinhalten, zum Beispiel Aufsagern, Gesprächen, Interviews zu erfüllen.

medienpolitik.net: Warum haben Sie heute.de erneuert, so sehr widersprachen sie diesen Erwartungen bisher auch nicht?

Elmar Theveßen: Die technischen Möglichkeiten waren früher sehr eingeschränkt. Die neue heute.de kann Themenbündel anbieten und gleichzeitig einen auffälligen Nachrichtenstrom, in dem Videos, Grafiken, kurze Meldungen und social media Posts zusammenkommen.

medienpolitik.net: Wo liegt der Vorteil für den Nutzer?

Elmar Theveßen: Er kann wählen: Tagsüber immer auf dem neuesten Stand sein und – sobald er mehr Zeit hat – auch in die Tiefe gehen. Das ist bei vielen gegen Abend der Fall.

medienpolitik.net: Sie sprechen in diesem Zusammenhang „von einer eine neue Qualität der Zusammenarbeit in der ‚heute‘-Familie „. Können Sie bitte erläutern, worin die neue Qualität besteht?

Elmar Theveßen: Wir haben die Herstellung der kurzen Nachrichten für Fernsehen und online schon seit zwei Jahren in einem Team zusammengeführt. Aber die dazugehörige Marke heuteXpress gab es so nicht auf der Webseite. Der bisherigen Nachrichtenticker war zu klein und unauffällig. Jetzt trägt der Nachrichtenstrom den Namen heuteXpress und ist ein herausragendes Merkmal der heute.de, erstmals auch mit den Social Media Posts, die gleichfalls im Newsroom in enger Zusammenarbeit mit der heute-Familie erstellt werden.

medienpolitik.net: Weshalb ist die Heute.de-App für Sie von so großer Bedeutung?

Elmar Theveßen: Die kleinen, mobilen Endgeräte, allen voran die Smartphones, sind die Vehikel für Informationen rund um die Uhr. 70 Prozent unserer Nutzer kommen jetzt schon über die heute-App, und die lässt sich nun individualisieren. Ich kann zum Beispiel wählen, ob ich den Nachrichtenstrom oder die Themenseite als Startseite haben möchte. Die Social Media Elemente führen mich direkt in die entsprechende Umgebung und zu dem Post, den ich weiter teilen oder kommentieren kann. Am wichtigsten aber ist uns, dass die heuteApp eine Top-Adresse für verlässliche Informationen in der Flut von Informationen im Netz ist.

medienpolitik.net: Warum die Einbindung in die ZDF-Mediathek?

Elmar Theveßen: Die Mediathek ist eine erfolgreiche, eingeführte Marke. Die bekannte Umgebung erleichtert nicht nur Nutzung und Orientierung, sondern auch die Arbeit unserer Redaktionen. Obendrein ist das die Möglichkeit, die Nutzer unserer Videos – Filme, Serien, Dokumentationen und Shows – zwischendurch und jederzeit mit verlässlichen Nachrichten zu erreichen.

medienpolitik.net: Wie unabhängig ist heute.de von TV-heute? Ist das ein eigenes Angebot?

Elmar Theveßen: heute.de ist eine eigenständige Redaktion, die aber mit der heute-Redaktion eng verzahnt ist, als Teil des gemeinsamen Newsrooms, inklusive einiger „Schnittstellenredakteure“, die in beiden Bereichen arbeiten. Die Beiträge, Grafiken und weitere Elemente stammen aus dem Fernsehbereich, werden aber von der heute.de durch zusätzliche Angebote wie etwa Interviews, Faktenkästen oder hin und wieder auch vertiefende Artikel ergänzt.

medienpolitik.net: Sie sprechen von dem hohen Anteil an Bewegtbild. Messen Sie erläuternden Texten keine Bedeutung bei kurzen Online-Nachrichten?

Elmar Theveßen: Doch, aber gerade wegen der dominanten Smartphone-Nutzung setzen wir besonders auf das, was wir haben: frisches Bildmaterial, top-aktuelle Sendungen und hin und wieder auch wahre Schätze aus dem Archiv. Dazu beschriften wir auch manches Video, um die mobile Nutzung zu erleichtern. Bewegtbild/Video ist die Kategorie mit den höchsten Zuwachsraten in Internet und sozialen Medien. Da haben wir viel zu bieten.

medienpolitik.net: Wo ziehen Sie für die Online-Nachrichtenangebote die Grenze zum „Presseähnlichen“?

Elmar Theveßen: Diese Vergleiche zwischen analoger und digitaler Welt sind schwierig. Wenn überhaupt, dann ist unser Angebot fernseh-ähnlich. Ich denke, dass wir mit unserem Kerngeschäft der Bildberichterstattung – ganz im Sinne der Entwicklungsgarantie des Bundesverfassungsgerichts -für die öffentlich-rechtlichen Medien auf allen technischen Plattformen auf einem guten Weg sind.

medienpolitik.net: Ist diese „Abgrenzung“ angesichts der Veränderung der Online-Angebote heute noch sinnvoll und realistisch?

Elmar Theveßen: Ich registriere, dass Videoangebote auch auf den Plattformen der Zeitungen und Verlage immer weiter zunehmen. Und dass wir als Qualitätsmedien – öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Zeitungen und Zeitschriften – einer viel größeren Konkurrenz – Google, Facebook, etc. – gegenüberstehen. Das sollten wir angesichts der munteren Diskussion nicht vergessen.

medienpolitik.net: Welche Relevanz hat heute.de innerhalb der Online-Informationsangebote insgesamt?

Elmar Theveßen: Die heute.de gehört zu den Top 15 aller Onlinenachrichtenangebote, vor allem dank der sehr fokussierten Themenmischung. Das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – das ist der journalistische Kern von heute.de. Die Relevanz ergibt sich aber auch aus dem Renommee des ZDF. Seriosität und Verlässlichkeit, dafür stehen wir als Sender, die heute Sendung und eben auch heute.de. Ein ganz wichtiger Wert in dieser Zeit.

medienpolitik.net: Ihr neues Angebot bietet sich regelrecht für Online-Seiten von Printmedien an. Gibt es da bereits Gespräche?

Elmar Theveßen: FAZ und ZEIT nutzen schon seit Jahren unsere heuteXpress. Grundsätzlich sind wir allen Interessenten gegenüber offen.

medienpolitik.net: Sie sprechen vom „heute Xpress“-Nachrichtenstrom“. Das hört sich nach einem eigenständigen Nachrichtenfluss an. Ist er künftig die Basis aller ZDF-Online-Nachrichteninformationen?

Elmar Theveßen: Er bildet gewissermaßen das Rückgrat der ZDF-Nachrichten über alle Plattformen hinweg. Aber es tauchen auch Inhalte anderer ZDF-Sendungen im Nachrichtenstrom auf.

medienpolitik.net: Mit welchem personellen Mehraufwand ist die Neugestaltung Ihrer Online-Nachrichtengebung verbunden?

Elmar Theveßen: Wir haben keinen personellen Mehraufwand, da wir einerseits die Zahl der Themenplätze auf der heute.de zugunsten des Nachrichtenstroms reduziert haben, andererseits auch die Kurzmeldungen im Videotext, die von heute.de gemacht wurden, von dpa zugeliefert bekommen. Der heute.de-Schlussredakteur entscheidet aber weiterhin über die Freigabe der Texte.

medienpolitik.net: Vor 20 Jahren entstand das erste heute.de Angebot. Was ist der wesentliche Unterschied zum neuen heute.de?

Elmar Theveßen: Vor 20 Jahren ging es in erster Linie um eine Verlängerung der Fernsehnachrichten ins Netz. Es gab noch keine mobile Nutzung. Heute dagegen will ein großer Teil der User seriöse Informationen rund um die Uhr, auf unterschiedlichsten Empfangsgeräten, schnell, präzise, übersichtlich. Genau das bietet die neue App. Damals war heute.de ein Nischenangebot, heute steht es eigenständig neben den Sendungen und spielt in der heute-Familie eine wichtige Rolle.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe 12/17 erstveröffentlicht.

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