Rundfunk:

„Wir können mit ARD und ZDF mithalten“

von am 14.12.2017 in Allgemein, Archiv, Interviews, Medienwirtschaft, Rundfunk

<h4>Rundfunk:</h4>„Wir können mit ARD und ZDF mithalten“
Dr. Torsten Rossmann, Geschäftsführer WeltN24

Im Januar verschmelzen N24 und die „Welt“ vollständig

14.12.17 Interview mit Dr. Torsten Rossmann, Geschäftsführer WeltN24

Aus N24 wird am 18. Januar 2018 „Welt“. Der neue Name für Deutschlands Marktführer im Nachrichtenfernsehen ist die Vollendung einer Idee, die am 9. Dezember 2013 mit dem Verkauf von N24 an Axel Springer begann. Damit gibt es ab Mitte Januar unter „Welt“ in Print, Digital und TV ein europaweit einzigartiges journalistisches Angebot. Auch unter dem neuen Namen „Welt“ will der Sender weiter auf eine klare Programmstruktur aus Nachrichten und Dokumentationen ergänzt durch Magazine und Talk setzen.

medienpolitik.net: Herr Rossmann, N24 erreicht an ereignisreichen Tagen, wie am Abend der Bundestagswahl, einen Marktanteil über Ihrem Durchschnitt, trotz starker öffentlicher-rechtlicher Konkurrenz. Wo sehen Sie die Ursachen?

Dr. Torsten Rossmann: Bei wichtigen Nachrichtenereignissen schaltet das Publikum N24 zunehmend gezielt ein – und wir erzielen fast immer überdurchschnittliche Leistungswerte. Breaking News und unsere Live-Sondersendungen prägen unser Profil als Nachrichtensender inzwischen maßgeblich. In diesem Jahr haben wir davon auch erstmals signifikant bei den Bundestagswahlen profitiert, bei denen die Konkurrenz vor allem ab 18 Uhr tatsächlich sehr groß ist. Das gibt uns aber auch die Gelegenheit zu zeigen, dass wir im direkten Vergleich mit ARD und ZDF qualitativ mithalten können. Wir sind diesmal sehr früh eingestiegen und haben ab 14 Uhr durchgehend live berichtet. Unsere Reporter waren bei allen Parteien vor Ort, die in den Bundestag gewählt wurden, und haben die Atmosphäre und viele Stimmen eingefangen. Im Studio diskutierten unsere Moderatoren Tatjana Ohm und Carsten Hädler mit Michel Friedman und weiteren Gästen intensiv die politische Situation und den Verlauf des Wahltages. Und auch in unsere grafische Aufbereitung und Analyse der Hochrechnungen und Ergebnisse haben wir viel Arbeit gesteckt.

medienpolitik.net: Inwieweit profitiert die TV-Berichterstattung an solchen Tagen von der „Welt“-Redaktion?

Dr. Torsten Rossmann: Insgesamt profitieren alle voneinander, und das nicht nur zu den Bundestagswahlen. Wir sind redaktionell breiter als andere aufgestellt, haben deshalb mehr journalistische Möglichkeiten und können Themen aus einer Redaktion heraus übergreifend aufbereiten und darstellen. Das kommt beispielsweise bei Videos, Meinungsbeiträgen oder Expertengesprächen zum Tragen.

medienpolitik.net: Mehrere Politiker haben nach der Wahl die Journalisten dafür kritisiert, mit ihrer Berichterstattung die AfD groß gemacht zu haben. Ziehen Sie sich diese Jacke auch an?

Dr. Torsten Rossmann: Nein. Journalisten berichten, was ist. Aufgabe der Politik ist es, die Wähler und den politischen Wettbewerb ernst zu nehmen.

medienpolitik.net: Wie wird N24 mit einer Bundestagspartei AfD umgehen?

Dr. Torsten Rossmann: Wir werden sie wie alle anderen Parteien sehr genau beobachten und berichten.

medienpolitik.net: Einige TV-Sender haben angekündigt, bei der nächsten Bundestagswahl zwei Kanzler-Duelle durchführen zu wollen: Wird sich N24 von so einem Duell „aussperren“ lassen?

Dr. Torsten Rossmann: Diese Frage steht jetzt nicht auf unserer Agenda, es sei denn, es käme kurzfristig zu Neuwahlen. Ob und wie solche Duelle durchgeführt werden, hängt nicht zuletzt von den Kandidaten ab. Wir werden sehen, wer das nächste Mal antritt. Das ist alles offen. Bis dahin kann sich noch viel verändern, und das gilt auch für die Frage, wie der Diskurs zwischen Politik und Wählern dann geführt wird.

medienpolitik.net: Ab 18. Januar wird aus N24 „Welt“. Warum?

Dr. Torsten Rossmann: Mit „Welt“ setzen wir auf eine gemeinsame starke Marke im Informationsbereich, die beste Orientierung und maximale Verlässlichkeit für ein vielgestaltiges Angebot bietet, das auf allen Kanälen verfügbar ist und das Vertrauen des Publikums verdient und genießt. In einer Zeit großer Umbrüche, Konflikte und Fragen weltweit ist das noch wichtiger geworden.

medienpolitik.net: Wenn aus N24 „Welt“ wird – was verändert sich im Programm?

Dr. Torsten Rossmann: N24 ist klar positioniert. Die Zuschauer wissen, dass sie bei uns Nachrichten und Dokumentationen bekommen, ergänzt um Magazine und Talk. Sie wissen auch, dass N24 in Breaking-News-Situationen sein Programm sofort umstellt und live berichtet. Daran werden wir nichts ändern. Soweit es die Nachrichten betrifft, arbeitet eine gemeinsame Redaktion am aktuellen Programm des Senders, des digitalen Angebotes und der Zeitungen. Sie verbindet ein gemeinsames Verständnis für Journalismus und ein gemeinsamer Qualitätsanspruch. Und jetzt verbindet sie auch ein gemeinsamer Name.

medienpolitik.net: Wie stark werden die N24-Videos, die in die „Welt“-Berichterstattung online bereits eingebunden sind, genutzt?

Dr. Torsten Rossmann: Sehr stark. Entsprechend zufrieden sind wir mit unseren Videoabrufzahlen. Das gilt sowohl für den „Alltag“ als auch für alle Breaking-News-Situationen.

medienpolitik.net: Wie stark werden diese Videos in sozialen Netzwerken verbreitet?

Dr. Torsten Rossmann: Das hängt ganz von der Situation ab. Zuallererst ist es unser Ziel, unser Publikum mit unserem eigenen digitalen Angebot vertraut zu machen.

medienpolitik.net: Wird es noch eine eigene TV-Redaktion geben, oder wird es dann nur noch eine gemischte Redaktion geben?

Dr. Torsten Rossmann: Bereits heute sind das Nachrichtenteam vom Potsdamer Platz und die Kollegen im Newsroom von „Welt“ eine Redaktion. Insofern ändert sich nichts.

medienpolitik.net: Bleibt es bei einem TV-Kanal oder setzen Sie künftig auf ausschließlich Online und die Verbreitung der Videos über verschiedene Plattformen, also das „funk“-Konzept?

Dr. Torsten Rossmann: Natürlich wird es weiterhin den TV-Kanal geben. Sie vergessen aber unseren zweiten Sender N24 Doku, der seit gut einem Jahr als Timeshift-Sender on air ist und sich erfreulich entwickelt. Online sind wir mit dem Livestream, unserem YouTube-Kanal, Facebook Live und den Smart-TV-Apps ja schon länger unterwegs.

medienpolitik.net: Wird sich „Welt“ tendenziell zu einem vorwiegenden Bewegtbildangebot verändern?

Dr. Torsten Rossmann: Warum sollten wir das tun? Die Stärke von „Welt“ ist die Kompetenz der Journalisten für alle Formen der Berichterstattung. Da sind wir absolut einzigartig.

medienpolitik.net: Sie bieten auch Dokumentationen, zum Teil exklusive Inhalte. Wird es diese auch weiterhin geben?

Dr. Torsten Rossmann: Die Stärke von „Welt“ besteht darin, dass wir für jeden Kanal die genau richtige Art und Weise der Informationsaufbereitung finden und anbieten. Insofern wird sich auch hier nichts ändern.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe 12/17 erstveröffentlicht.

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