Filmpolitik:

„Im internationalen Wettbewerb zu einer aktiven Kraft werden“

von am 12.02.2018 in Aktuelle Top Themen, Filmwirtschaft, Interviews, Medienpolitik, Medienwirtschaft

<h4>Filmpolitik:</h4> „Im internationalen Wettbewerb zu einer aktiven Kraft werden“
Monika Grütters (CDU), Staatsministerin für Kultur und Medien I © Christof Rieken

Internationale Rahmenbedingungen für die Filmwirtschaft sollen verbessert werden

12.02.18 Interview mit Monika Grütters (CDU), Staatsministerin für Kultur und Medien

Nach Auffassung von Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, ist Deutschland mit den Erhöhungen bei der Filmförderung – insgesamt stehen von Bund, Ländern und FFA rund 400 Millionen Euro bereit – international konkurrenzfähig: „Wir verfügen in Deutschland aber nicht nur über nennenswerte Fördermöglichkeiten, sondern dank erstklassig ausgebildeter Menschen auch über das entsprechende Know-how und eine hervorragende Infrastruktur. Deutschland ist ein starker Standort für nationale und internationale Filmproduktionen.“ Ihr Ziel sei es, dass die deutsche Filmwirtschaft im internationalen Wettbewerb künftig deutlich weniger eine reaktiven Rolle wahrnehme, sondern zu einer aktiven, treibenden Kraft werde. „Hierzu bedarf es nicht nur medienpolitischer Weichenstellungen auf nationaler, sondern insbesondere auch auf europäischer Ebene.“ Eine „Bewegtbildförderung“ unter Einschluss von Games sieht Monika Grütters skeptisch: „Soll ein Förderansatz gefunden werden, der den gesamten audiovisuellen Bereich in den Blick nimmt, so muss sich dieser auch damit befassen, was die jeweiligen Teilbranchen selbst für ihre Stärkung leisen können“. Dabei erinnert sie an die FFA, die wesentlich zur Förderung der Filmbranche beiträgt.

medienpolitik.net: Frau Grütters, Sie haben die kulturelle Filmförderung erhöht und den DFFF II eingerichtet. Welche Erwartungen verbinden Sie mit diesen deutlichen Steigerungen?

Monika Grütters: Mit den zusätzlichen Mitteln für die kulturelle Filmförderung möchte ich den Kreativen im Filmbereich einen noch größeren künstlerischen Freiraum ermöglichen, unabhängig von Standorteffekten oder Erwartungen an den ökonomischen Erfolg eines Films. Im Mittelpunkt stehen vor allem die künstlerische Qualität und die kulturelle Bedeutung dieser Kinoproduktionen. Insbesondere freut mich, dass mein Haus seit 2016 ausgewählte Spiel- und Dokumentarfilmprojekte mit deutlich höheren Beträgen, im Einzelfall mit bis zu 1 Mio. Euro, fördern kann. Für den Dokumentarfilm haben wir eine Stoffentwicklungsförderung neu eingeführt. Hinzu kommen deutliche Erhöhungen bei der Verleihförderung und bei den Kinoprogrammpreisprämien, damit diese Filme ein möglichst großes Publikum erreichen. Der Erfolg BKM-geförderter Filme wie „Toni Erdmann“ oder wie dem aktuellen Golden Globe-Gewinner „Aus dem Nichts“ zeigt, dass wir mit dieser Schwerpunktsetzung richtig liegen.
Der DFFF II wurde eingerichtet, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Filmstandorts Deutschland zu sichern. Die Einführung des DFFF II erfolgte nicht nur mit dem Ziel einer deutlichen Entlastung des DFFF I zugunsten kleiner und mittelgroßer deutscher Produzenten, sondern wir begegnen damit zugleich auch dem Paradigmenwechsel für die Filminfrastruktur im digitalen Zeitalter: Antragsberechtigt sind nämlich nicht mehr ausschließlich Produzenten, sondern auch Produktionsdienstleister und damit auch VFX-Unternehmen. Letztere spielen wirtschaftlich und künstlerisch eine immer größere und sehr innovative Rolle; das geht einher mit großer, auch künstlerischer Verantwortung. Damit auch solche Produktionsdienstleister weiter wachsen und mit den besten Talenten arbeiten können, müssen sie vernünftig ausgelastet sein. Dies ist in erster Linie durch internationale Großproduktionen möglich. Deren Aufträge sichern die Auslastung unserer filmtechnischen Infrastruktur, auf die wiederum auch die deutschen Produzenten angewiesen sind. Zudem wollen wir mit dem DFFF II erreichen, dass junge, kreative und talentierte Menschen, die auf höchstem Niveau und mit tollen Erfolgen an den Filmhochschulen ausgebildet werden, im Land bleiben bzw. wieder nach Deutschland zurückkehren. Sie sind die Talente, von denen unsere Filmwirtschaft lebt.

medienpolitik.net: In diesem Jahr stehen insgesamt fast 400 Mio. Euro an Fördermitteln durch die FFA, den Bund und die Länder zur Verfügung. Ist unsere Filmförderung damit wieder international konkurrenzfähig?

Monika Grütters: Ja, das sind wir, wobei der Bund mit rund 150 Mio. Euro der mit Abstand größte Förderer ist. Wir verfügen in Deutschland aber nicht nur über nennenswerte Fördermöglichkeiten, sondern dank erstklassig ausgebildeter Menschen auch über das entsprechende Know-how und eine hervorragende Infrastruktur. Deutschland ist ein starker Standort für nationale und internationale Filmproduktionen.
Aber machen wir uns nichts vor: Die Subventionsspirale unter den großen Filmländern wird von potenten Auftraggebern für Großproduktionen in deutlich dreistelliger Millionenhöhe ständig am Laufen gehalten. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis erneut der Ruf nach weiteren Erhöhungen der Filmförderung ertönt. Dieses Gegeneinander-ausspielen der Produktionsstandorte – mindestens innerhalb Europas – können wir alle nicht unbegrenzt mitmachen. In filmpolitischer Hinsicht ist es daher mein Ziel, dass wir im internationalen Wettbewerb künftig deutlich weniger in der reaktiven Rolle sind, sondern zu einer aktiven, treibenden Kraft werden. Hierzu bedarf es nicht nur medienpolitischer Weichenstellungen auf nationaler, sondern insbesondere auch auf europäischer Ebene. Erwähnt seien hier z.B. Urheber- und Verwertungsrechtsthemen, Fragen der Direkteinspeisung im Rahmen der Kabel- und Satellitenverordnung, die Sicherung der territorialen Lizenzen, Rahmenbedingungen der Förderung wie der Kinomitteilung und ihre Auslegung, die Zukunft von Creative Europe oder die Genehmigungsfähigkeit der deutschen Förderinstrumente unter beihilferechtlichen Gesichtspunkten. Eben aus diesem Grund sind wir hier kontinuierlich im Dialog mit der Europäischen Kommission, die ja eine ganz entscheidende Rolle bei der Frage der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten europäischen Filmwirtschaft spielt.

medienpolitik.net: Es gibt die Forderung verschiedener Verbände nach einer „Bewegtbildförderung“ unter Einschluss von Games. Halten Sie das für sinnvoll?

Monika Grütters: Gemeinsam mit meinem Haus schaue ich mir die Handlungsfelder in ihrer ganzen Vielfalt aus medien- und kulturpolitischer Hinsicht genau an. Denn es steht außer Zweifel, dass sich Kultur- und Medienpolitik an den Menschen und auch an ihrem Nutzerverhalten orientieren müssen. Hierbei sollen wir aber zugleich aufpassen, dass angesichts der rasanten Entwicklungen nicht der Blick auch für solche kulturellen Errungenschaften verloren geht, die sich über Generationen hinweg in unserem kulturellen Selbstverständnis verwurzelt haben und uns als Gesellschaft im Ganzen prägen. Sowohl die Qualität als auch der kulturelle Anspruch von Games oder auch Serien haben in den vergangenen Jahren einen großen Schritt vorwärts getan, was sie nicht nur für die Nutzerinnen und Nutzer immer attraktiver macht, sondern auch für Kreative aus unterschiedlichen Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Wir müssen daher neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung gerade auch die kulturelle Relevanz von Games und Serien betonen. Soll ein Förderansatz gefunden werden, der den gesamten audiovisuellen Bereich in den Blick nimmt, so muss sich dieser auch damit befassen, was die jeweiligen Teilbranchen selbst für ihre Stärkung leisen können. Wir feiern dieses Jahr den 50. Geburtstag der Filmförderungsanstalt – sie ist z.B. eine echte Erfolgsgeschichte. Der Kinofilmbranche ist es über diesen Zeitraum gelungen, erheblich zu ihrer eigenen Förderung beizutragen.

medienpolitik.net: Die 2017er Herbstumfrage der Produzentenallianz ergab ein bemerkenswertes Ergebnis: Erstmals in der Geschichte der seit 2009 durchgeführten Umfrage geht es den Produktionsunternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, besser als im Vorjahr. Wie lässt sich diese positive Situation stabilisieren?

Monika Grütters: Das müssen Sie vor allem die Produzenten fragen! Diese sind ja die Unternehmer und beweisen sich offenbar erfolgreich am Markt. Aufgabe der Politik ist es hingegen, die richtigen Rahmenbedingungen für eine solche erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit zu setzen. Dass uns dies – u.a. dank eines fortgesetzten Austauschs mit der Branche – aber auch unter erheblicher finanzieller Anstrengung offenbar gelungen ist, freut mich. Aber keine Angst: Ich werte das nicht nur als Bestätigung, sondern auch als Zukunftsauftrag für ein mindestens „weiter so“.

medienpolitik.net: Sie nehmen in diesem Jahr das fünfte Mal als Staatsministerin an der Berlinale teil. Welchen Stellenwert hat dieses Ereignis in Ihrem Kalender?

Monika Grütters: Berlin ist in dieser Zeit das internationale Zentrum der Filmwelt, und es ist immer wieder ein herausragendes Ereignis in meinem Jahreskalender. Es ist Dieter Kosslick und seinem Team zu verdanken, dass sich die deutsche und internationale Filmbranche jedes Jahr im Februar zehn Tage Zeit nimmt, dieses filmische Weltereignis hier bei uns zu feiern. Da gibt es hervorragende Möglichkeiten, sich mit den Akteuren der Filmbranche auszutauschen, z.B. bei den zahlreichen Empfängen wie bei der Filmakademie, den Berlinale Talents oder bei einem Rundgang über den European Film Market. Gleichzeitig ist die Berlinale auch eine wichtige Plattform, um aktuellen Tendenzen im Film nachzuspüren und die Ergebnisse unserer Förderungen gemeinsam mit dem Publikum zu erleben. Und nicht zuletzt macht es nie mehr Spaß, aufregende Filme zu sehen!

Das Interview wurde in der promedia-Ausgabe 02/18 erstveröffentlicht.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen