Filmpolitik:

„Wir brauchen starke, attraktive und moderne Kinos“

von am 14.02.2018 in Aktuelle Top Themen, Allgemein, Filmwirtschaft, Interviews, Kreativwirtschaft, Kulturpolitik

<h4>Filmpolitik:</h4>„Wir brauchen starke, attraktive und moderne Kinos“
Dr. Christoph Palmer, Geschäftsführer Allianz Deutscher Produzenten

Produzentenallianz: Solche Kinos zusätzlich fördern, die mehr als 50 Prozent europäischer Produktionen spielen

14.02.18 Interview mit Christoph E. Palmer, Geschäftsführer der Produzentenallianz

Die Produzentenallianz verhandelt gegenwärtig um einen Ausgleich für längere Einstellfristen in die Mediatheken von ARD und ZDF. Eine Einigung in dieser Frage haben die Länder u.a. zur Bedingung für den neuen Telemedienauftrag gemacht. Wie Christoph Palmer, Geschäftsführer der Produzentenallianz, in einem medienpolitik.net-Gespräch erklärte, gehe es vor allem darum, die Einstellzeiten zu begrenzen. Palmer fordert die öffentlich-rechtlichen Sender auf, „die Kernkompetenzen zu stärken, sich auf den Gründungsauftrag zu besinnen.“ Ca. 70% des Auftragsvolumens in der Fernsehproduktionswirtschaft kommen von ARD, ZDF, ARTE oder aus internationalen öffentlich-rechtlichen Co-Produktionen. Die Produzentenallianz tritt für eine stärke Modernisierungsförderung für die Kinos ein. Ein „Digitalen Standort-Kino-Entwicklungs-Fonds“ solle insbesondere für Kinos zur Verfügung stehen, die im Durchschnitt der letzten Jahre z.B. mehr als 50 Prozent europäischer Produktionen spielen. Auf keinen Fall dürfe die Filmförderung zugunsten eines solchen Fonds reduziert werden.

medienpolitik.net: Herr Palmer, der Telemedienauftrag wurde nicht verabschiedet. Unter anderem ist die Vergütung für Produzenten nicht geklärt. Sie sollen sich mit ARD und ZDF darüber verständigen, welcher finanzieller Ausgleich erfolgt, wenn Produktionen länger als bisher in die Mediathek eingestellt werden können. Wie ist der Stand?

Christoph E. Palmer: Die Gespräche mit ARD und ZDF laufen intensiv. Es sind dabei unterschiedliche Kategorien zu bewerten. Für vollfinanzierte Auftragsproduktionen gibt es beim ZDF seit einem Jahr einen allerdings bei 1,5 Mio. Euro Nettofertigungskosten gedeckelten Gewinnzuschlag von 1%. Die ARD prüft die Situation im Rahmen der Evaluation unserer Eckpunkte nach dem 1.1.2019. Bei den teilfinanzierten Auftragsproduktionen stecken wir derzeit im Detail. Da hier von Produzenten Mitfinanzierungsanteile zu erbringen sind, die refinanziert werden müssen, ist die Begrenzung der Verweilzeiten in den Mediatheken von großer Bedeutung. Mit der ARD wollen wir das im Rahmen des innovativen Schichtenmodells regeln, an dessen Konkretisierung im Hinblick auf die Mediatheken, wir derzeit intensiv arbeiten. Das ZDF hat sich bei den teilfinanzierten Produktionen auf den Standpunkt gestellt, dass generell individualvertragliche Regelungen zu vereinbaren sind. Das halten wir für unzureichend! Bei den angekauften Lizenzproduktionen gibt es im Rundfunkstaatsvertrag eine Verbotsregelung zur Mediathekeneinstellung, für deren Beibehaltung wir eintreten. Förder- und Co-Produktionen folgen wieder anderen Gegebenheiten.

medienpolitik.net: Die Politik begründet längere Einstellfristen mit einer veränderten Mediennutzung und der Akzeptanz des Beitrages. Es müsste auch im Interesse der Produzenten sein, die Position von ARD und ZDF zu stärken. Erweisen Sie sich damit nicht einen Bärendienst, wenn Sie einen zusätzlichen Ausgleich fordern?

Christoph E. Palmer: Wir waren und sind flexibel was die Stärkung der öffentlich-rechtlichen Mediatheken betrifft. Das kann nun nicht mit einer „Umsonst-Mentalität“ einhergehen. Die Produzenten erwarten eine faire und angemessene Partizipation an diesen relativ neuen Verwertungsarten, vor allem die Begrenzung der Verweilzeiten. Das leuchtet grundsätzlich auch den Ländern ein, sonst hätten sie ARD und ZDF keinen Verhandlungsauftrag mit den Produzenten auf den Weg gegeben.

medienpolitik.net: Welche Vorstellungen gibt es bei Ihnen für eine solche Verständigung?

Christoph E. Palmer: Die Produzenten werden insbesondere bei teilfinanzierten Produktionen in ihren kommerziellen Verwertungsmöglichkeiten im Video-on-Demand Bereich durch lange Mediatheken-Verweildauern, begrenzt. Deshalb müssen Grenzen gezogen werden.

medienpolitik.net: Gibt es aus Ihrer Sicht weitere Kritik an dem Entwurf des neuen Telemedienauftrags?

Christoph E. Palmer: Hier möchte ich eher hervorheben, dass die Länder den Telemedianauftrag vom 21. RÄStV abgetrennt haben, nicht zuletzt damit Produzenten mit ARD und ZDF Gemeinsamkeiten ausloten und zu Lösungen für angemessene und faire Vertragsbeziehungen gelangen.

medienpolitik.net: Es scheint klar zu sein, dass ARD und ZDF mehr sparen müssen. Es gibt inzwischen auch Forderungen, an Inhalte zu gehen, z.B. bei Sportrechten oder Unterhaltungssendungen. Sind Sie in Sorge, dass es zu massiven inhaltlichen Kürzungen kommt, unter denen die Produzenten auch zu leiden haben?

Christoph E. Palmer: Bei Parallelstrukturen von ARD-Anstalten, aber auch in den Häusern selbst, scheint es uns noch erhebliches Optimierungspotential zu geben, in diese Richtung zielen ja auch Überlegungen von ARD und ZDF gegenüber der KEF. Gleichzeitig ist zu gewährleisten, dass die medienspezifische Teuerungsrate im Programm ankommt. Das in Zukunft etwa bei IT und Technik einfacher zusammengearbeitet werden kann, begrüßt die Produzentenallianz sogar. Kürzungen im Programm wären jedoch kurzsichtig und kontraproduktiv. Nachlassende Programmqualität würden den Gegnern des öffentlich-rechtlichen Systems erst recht Auftrieb geben. Es geht im Kern doch darum, den Grundauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, also seine Kompetenz für ein ausgewogenes, abwechslungsreiches, plurales, informatives und aktuelles Programm zu stärken. Daraus rechtfertigt sich dann auf Dauer auch seine Finanzierung durch die Haushalte in unserem Land.

medienpolitik.net: Die Länder begründen ihren eisernen Sparwillen damit, dass der Beitrag sonst keine Akzeptanz mehr findet. Sehen Sie das auch so?

Christoph E. Palmer: Auch die Länder haben ihr Augenmerk weit stärker als früher auf das Programm gerichtet. Mittlerweile ist durch die erreichte Transparenz der Programmittel in den Produktionsbereichen ja auch gut ersichtlich, für welche Genres, Redaktionsbereiche, Programme, das Geld verwandelt wird. Transparenz gehört zum demokratischen Rundfunk. Ich bin von den in den letzten Jahren erreichten Fortschritten sehr angetan. Wenn Menschen wissen, wofür ihr Geld konkret ausgegeben wird, steigt auch die Akzeptanz für den Beitrag.

medienpolitik.net: Der Druck auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland nimmt zu. In der Schweiz wird im März über die Abschaffung des Rundfunkbeitrags abgestimmt, in Österreich gibt es möglicherweise nach der Regierungsbildung in neues ORF-Gesetz, mit einem reduzierten Beitrag, in Schweden wurde die Rundfunkgebühr durch eine Steuer ersetzt. Befindet sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Modell, als System, in der Krise?

Christoph E. Palmer: Ihre Beispiele, die sich noch fortsetzen ließen, wenn ich etwa an unser Nachbarland Frankreich denke, zeigen in der Tat die derzeitige „Stresssymptome“ anschaulich auf. Die Produzentenallianz betont freilich immer auch die Vorzüge unseres dualen Rundfunksystems. Vor allem durch beiden öffentlich-rechtlichen Senderfamilien haben wir weiterhin eines der besten Fernsehsysteme der Welt: tolle Unterhaltung, spannende Action, Bildungs- und Informationsprogramme, qualitativ hochwertige Spiel- und Fernsehfilme, in die Tiefe gehende Dokumentationen und Recherchen. Vieles davon fiele rein privat finanziert, dem vorgeblichen Massengeschmack, der Quote zum Opfer. Ich will mir gar nicht ausdenken, wie unsere Wirklichkeit ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk aussähe. Aber die Antwort kann auch nicht am sturen Festhalten am Status quo liegen. Es gilt die Kernkompetenzen zu stärken, sich auf den Gründungsauftrag zu besinnen. Ganz prononciert: Wir wollen gemeinsam das freiheitlichste Gesellschaftsmodell unserer deutschen Geschichte verteidigen, unsere rechts- und sozialstaatliche Grundordnung sichern, das westliche, demokratische Lebensmodell bewahren. Dass die Demokratie als einzige Staatsform Kritik nicht nur zulässt, sondern sogar ermutigt, macht sie so verletzlich, aber auch stark und attraktiv. Das ist ein großer Vorteil zu allen anderen Gesellschaftsformen. Ehrlich gesagt, ich hätte nicht gedacht, dass man einmal wieder so entschieden und grundsätzlich argumentieren muss, um unsere Grundlagen zu verteidigen.

medienpolitik.net: Wie sehr ist die deutsche Filmwirtschaft vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk abhängig?

Christoph E. Palmer: Die deutsche Filmwirtschaft verdankt dem öffentlich-rechtlichen System viel, mit Selbstbewusstsein sage ich, umgekehrt ist es aber auch so. Ca. 70% des Auftragsvolumens in der Fernsehproduktionswirtschaft kommen von ARD, ZDF, ARTE oder aus internationalen öffentlich-rechtlichen Co-Produktionen.

medienpolitik.net: Immer mehr Plattformen vergeben Aufträge auch an deutsche Produzenten. Das müsste doch auch Ihre Position gegenüber den TV-Sendern verbessern?

Christoph E. Palmer: Alle Entwicklungen, die zu einer Erweiterung des Marktes führen, unterstützen wir selbstredend. Die Plattformen beginnen Aufträge an deutsche Produzenten zu vergeben, insbesondere für die Serie gibt es große Chancen. Noch sind das „zartes Pflänzchen“, aber die Richtung stimmt.

medienpolitik.net: Auch das Kino ist durch Plattformen wie Netflix unter Druck geraten. „Netflix schreitet in Richtung Oscar-Nominationen“ hat am 21. November die NZZ geschrieben. Wie wird Netflix das Kino verändern?

Christoph E. Palmer: Der Markteintritt von so potenten Mitspielern wie Netflix oder Amazon und das von diesen neuen Akteuren bereitgestellte Produktionskapital ermöglicht es, diese neuen Serien in einer Qualität und mit einem Aufwand zu realisieren, dem in der Tat „Kino“ Qualität zukommen kann. Gerade diese Aussage macht aber auch das weiterhin hohe Ansehen des Kinofilms und der Kinos als Spielstätte für diese Form audiovisuellen Schaffens deutlich. Die Verdichtung und Konzentration, der es für das Erzählen einer Geschichte in „nur“ 90 oder 100 Minuten bedarf, stellen eine große künstlerische Herausforderung dar. Wir sind überzeugt, dass diese spezifische Form des Erzählens, der es für einen Kinofilm bedarf, weiterhin eine große Zukunft hat und den derzeit zum Teil auch übersteigerten Serien Hype mit Sicherheit überleben wird. Beide Formate, die Serie wie der Kinofilm, haben ihre Berechtigung und die für ihre spezifischen Gegebenheiten optimal geeigneten Präsentations- und Abspielstätten. Wenn Netflix & Co. auch in Deutschland vermehrt als Auftraggeber von qualitätsvollen Serien und/oder von Kinofilmen auftreten, so ist dies aus Sicht der Produzenten nur zu begrüßen und natürlich haben Netflix & Co. dann, wenn sie einen Kinofilm finanzieren, auch das Recht, diesen Film zu entsprechenden Wettbewerben anzumelden. Wir haben aber Verständnis dafür, dass die Veranstalter von Filmfesten oder Wettbewerben gewisse Kriterien vorgeben, um Kinofilme von VoD-Produktionen zu unterscheiden. Das ist in der Vergangenheit in gleicher Weise für Kinofilme und TV Produktionen erfolgt und das klarste Kriterium, um einen Kinofilm von anderen Produktions- und Verwertungsformaten zu unterscheiden, ist nun einmal, dass er zunächst ein Vorabspiel im Kino erfahren hat bzw. erfahren soll. Bei der Dauer der Exklusiv- und Sperrfristen wird es über die Jahre sicher noch Veränderungen geben, aber ein grundsätzliches Festhalten an der Unterscheidung zwischen Kinofilmen und Filmen, die für andere Auswertungskanäle hergestellt werden, schließt natürlich auch nicht aus, dass Filmmessen und -festivals auch gesonderte Reihen und Preise für Produktionen eröffnen, die von bzw. für die Plattformen hergestellt wurden.

medienpolitik.net: Das heißt, Netflix-Produktionen sollten gleichberechtigt auch bei Filmfestivals zugelassen werden?

Christoph E. Palmer: Ich denke, das sollte jedes Festival ganz undogmatisch für sich entscheiden. Natürlich ist auch ein Festival oder ein Wettbewerb denkbar, der eine Reihe vorsieht oder Preise vergibt für die besten 90 bis 110 Minüter, die beste kurze Serie und die beste lange Serie. Gerade die großen Festivals haben ihre Attraktion jedoch seit Jahren gerade vom Nimbus des Kinofilms abgeleitet und dessen Renommee für sich nutzbar gemacht. Deshalb haben wir viel Verständnis dafür, dass sie auch in Zukunft nicht alle für verschiedene Abspielwege hergestellte Produktionen in einen Topf werfen wollen und in der Kategorie „Kinofilm“ eben auch weiterhin fordern, dass diese Filme eine ernsthafte und glaubwürdige Auswertung im Kino und dort nicht nur einige Alibi Aufführungen erfahren haben.

medienpolitik.net: Nun schlägt der HDF-Kino den Aufbau einer kinoeigenen VoD-Plattform für die Zweitverwertung von Kinofilmen vor. Wäre das ein Kompromiss, den die Produzenten mitgehen können?

Christoph E. Palmer: Diese vom HDF schon seit einigen Jahren verfolgte Idee ist durchaus interessant und wir stehen hier auch gerne als Gesprächspartner zur Verfügung. Die Herausforderungen für ein solches Projekt sind allerdings enorm. Das gilt sowohl in rechtlicher, wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht, denn so interessant es für einen Kinobesitzer sein mag, den Film auch über eine eigene VoD-Plattform anbieten zu können, so dringlich stellt sich für die Produzenten die Frage, wie sehr eine solche Kino nahe Zusatzverwertung die Werthaltigkeit sonstiger Verwertungsmöglichkeiten und damit die Möglichkeit zur Refinanzierung der Produktionskosten beeinträchtigen würde. Und natürlich bleibt die Frage, ob ein solches Konzept schnell genug realisiert werden könnte und ob die großen internationalen Plattformen nicht schon zu etabliert sind, um hier noch Raum für ein solches Modell zu geben.

medienpolitik.net: Um die Kinos zukunftsfest zu machen, fordert der HDF-Kino einen „Digitalen Standort-Kino-Entwicklungs-Fonds“ (DSKEF) für alle Kinotypen. Was halten Sie von dieser Idee?

Christoph E. Palmer: Produzenten und Verleiher brauchen starke, attraktive und moderne Kinos, um ihre Filme dort zeigen und das Publikum erreichen zu können. Deshalb haben wir uns bei den letzten Novellen des FFG auch für diverse Verbesserungen bei der Kinoförderung eingesetzt und diese mitgetragen. Besonders deutlich ist dies bei der inzwischen erfolgten Digitalisierung der Kinos geworden. Heute und in Zukunft werden weitere Investitionen in den Kinos anstehen. Diese betreffen teilweise die zweite Generation der Digitaltechnik, oftmals aber auch Investitionen in eine Verbesserung des allgemeinen Standards der Kinos oder die Schaffung barrierefreier Zugänge. Wenn hierfür die Bereitstellung zusätzlicher öffentlicher Mittel erreicht werden kann, so findet dies unsere Unterstützung. Sollten die Vorstellungen allerdings dahingehen, die Mittel für einen solchen Kino Entwicklungsfonds aus Töpfen abzuziehen, mit denen heute die Produktion von Kinofilmen gefördert wird, so würde dies auf unseren erbitterten Widerstand stoßen. Immerhin behalten die Kinos vom Preis einer jeden Kinokarte als die ersten im Schnitt deutlich mehr als 50 % zur Deckung ihrer Kosten und Investments ein, während die Produzenten ihre Risiken und Investitionen im Zusammenhang mit der Herstellung von Produktionen erst dann refinanzieren können, wenn nach den Kinos auch die Verleiher ihre Abzüge vom Kinokartenerlös vorgenommen haben. Und es kommt hinzu, dass die Kinos im Schnitt mehr als 70 % Filme spielen, die nicht in Europa hergestellt wurden. Wenn ein solcher Fonds aber so strukturiert werden könnte, dass die Förderung insbesondere für Kinos zur Verfügung steht, die im Durchschnitt der letzten Jahre z. B. mehr als 50 % europäischer Produktionen spielen, dann wäre das aus unserer Sicht ein innovativer Ansatz, über den sich Diskussionen lohnen würden.

medienpolitik.net: „Ohne die Kinos ist der Tod der FFA vorprogrammiert“, so der HDF-Kino in seinem Positionspapier. Könnten sich die Produzenten, so wie es die Verleiher bei der Kinodigitalisierung geleistet haben, eine Beteiligung an einem „Digitalen Standort-Kino-Entwicklungs-Fonds“ vorstellen?

Christoph E. Palmer: Zunächst eine Klarstellung: Die Unterstützung der Kinos bei der Kinodigitalisierung haben nicht die Verleiher allein geleistet, sondern die Verleiher im Verbund mit den Produzenten. Jede VPF (Virtual Print Fee), die ein Verleiher bezahlt hat, hat er in seinen Verleihabrechnungen dem Produzenten in Rechnung gestellt, der demgemäß erst später Erlöse aus der Verwertung des Films erzielt hat. Verleiher wie Produzenten tragen zudem auch weiterhin ganz wesentlich zur Finanzierung der Kinos bei, indem die Kinos bei der Erlösverteilung im allerersten Rang stehen, und das obwohl sie das deutlich geringste Risiko tragen, da sie die Filme, die sie in ihren Kinos spielen wollen, vor deren Einsatz sichten können, sich für oder gegen einen Film entscheiden können und weniger erfolgreiche Filme „auf Schiene setzen“ oder frühzeitig absetzen können. Das Risiko der Verleiher und der Produzenten ist demgegenüber deutlich höher, da sich diese immer (die Produzenten) bzw. häufig (die Verleiher) schon vor dem ersten Drehtag entscheiden müssen, ob sie in ein bestimmtes Filmprojekt investieren wollen. Wir begrüßen jedoch ausdrücklich die Erfolge der Kinowirtschaft der letzten Jahre, der es gelungen ist, mit den Filmen, die ihr von Verleihern und Produzenten angeboten wurden, Umsatz Bestmarken zu erzielen, die dann auch zu bedeutenden Einzahlungen der Kinos in die FFA geführt haben – und die von den Kinos dann allerdings auch in den Abrechnungen gegenüber den Verleihern und mittelbar gegenüber dem Produzenten als Abzugspositionen eingestellt und somit von diesen mitgetragen werden. Den Satz „Ohne die Kinos ist der Tod der FFA vorprogrammiert.“ können wir voll mitunterschreiben und gleichzeitig ergänzen: „Ohne gute und erfolgreiche Filme aus Europa und aus Deutschland, die in den Kinos gespielt werden, kann der Tod der Kinos auch durch eine weiter verbesserte Förderung der Kinos nicht verhindert werden.“

medienpolitik.net: Ab 2018 gibt es fast 400 Mio. an Filmförderung. Sie müssten doch zufrieden sein. Oder haben Sie noch Wünsche an die Politik?

Christoph E. Palmer: Richtig ist es, dass es in der letzten Legislaturperiode des Bundestages massive Verbesserungen der Filmförderung gegeben hat. Die Aufstockung des DFFF, der neue GMPF, die Ausweitung der kulturellen Filmförderung bei der BKM. Es gibt aber durchaus noch „Luft nach oben“. Benchmark ist Frankreich. Das Land gibt – in deutlich schwierigerer Verfassung als Deutschland – jedes Jahr ca. eine Milliarde für Filmförderung aus. Nationaler Konsens dabei ist, dass dies gut investiertes Steuermittel sind, die sich für das Land rentieren. Mit dieser Einstellung sollten wir auch in Deutschland unsere Förderwege betrachten!

Das Interview wurde in der promedia-Ausgabe 02/18 erstveröffentlicht.

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