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„Wir bieten ein professionell kuratiertes Angebot“

von am 12.09.2018 in Allgemein, Archiv, Filmwirtschaft, Interviews, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Rundfunk

<h4>Rundfunk:</h4> „Wir bieten ein professionell kuratiertes Angebot“
Dr. Simone Emmelius, Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Spielfilm

ZDF setzt bei internationalen Spielfilmen und Serien auf „Klasse statt Masse“

12.09.18 Interview mit Dr. Simone Emmelius, Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Spielfilm

Die Hauptredaktion Spielfilm des ZDF trägt derzeit etwa 18 Prozent zum Sendevolumen des ZDF bei – zum größten Teil mit Spielfilmen. Etwa 300 Spielfilmsendungen laufen pro Jahr im ZDF-Hauptprogramm. Nimmt man die Sendeplätze auf ZDFneo hinzu und den Programmanteil bei 3sat, kommt man auf 750 bis 800 Spielfilmtermine. In einem medienpolitik.net-Gespräch erläutert Dr. Simone Emmelius, dass VoD-Plattformen den Markt dahingehend verändert hätten, dass sie Spielfilme und andere Lizenzware zu einer ubiquitär verfügbaren Ware machten, die für jeden gegen entsprechendes Geld erreichbar sei, solange es dafür eine Nachfrage gäbe. „Insgesamt registrieren wir eine Reduktion des frei verfügbaren, unabhängigen Spielfilmangebots und dessen Anbietern.“ Dennoch sei die Chance relativ groß, dass das ZDF weiterhin attraktive Spielfilme erwerben könne: „Wir kennen alle relevanten ‚Player‘ im Markt und verfügen in hohem Maße über die notwendige fachliche Expertise, die uns erlaubt, inhaltlich schnell und finanziell angemessen zu entscheiden.“

medienpolitik.net: Frau Emmelius, alle loben und feiern High end-Serien. Wenn von fiktionalen Angeboten der TV-Sender die Rede ist, werden vor allem diese genannt. Spielen Spielfilme beim ZDF inzwischen ein Mauerblümchendasein?

Dr. Simone Emmelius: Ganz bestimmt nicht! Schon die nackten Zahlen sprechen dagegen: Die Hauptredaktion Spielfilm trägt derzeit etwa 18 Prozent zum Sendevolumen des ZDF bei – zum größten Teil mit Spielfilmen. Konkret haben wir im ZDF-Hauptprogramm rund 300 Spielfilmsendungen pro Jahr. Nimmt man die Sendeplätze auf ZDFneo hinzu und die ZDF-Einbringungen in den Partnersender 3sat, kommt man auf 750 bis 800 Spielfilmtermine, wobei die nächtlichen Service-Wiederholungen und die zahlreichen Kinofilme, die ZDF-Arte koproduziert und ankauft, noch nicht mitgezählt sind. Insofern ist der Spielfilm in der ZDF-Senderfamilie in der Praxis alles andere als eine Randerscheinung. Beeindruckend ist auch das Spektrum von Highlight-Events mit herausgehobenen Free-TV-Premieren bis zu Kino-Repertoire-Angeboten, sozusagen also cineastischer „Grundversorgung“. Was wir bieten, ist ein professionell kuratiertes Angebot, eine handverlesene Auswahl – etwa wöchentlich im „Montagskino“ , mehrmals im Jahr auf attraktiven Prime-Time-Terminen oder,  was 3sat angeht, insbesondere die Thementage in 2017 und 2018 wie die Audrey-Hepburn-Reihe Ostern 2018, Billy Wilder 2017 und 2018, Ingmar Bergman zum hundertsten Geburtstag oder die Western-Thementage. Während dort also gerade Spielfilm-Klassiker erwartet und gesucht werden, kann das ZDF-Hauptprogramm auch mit sehr populären Spielfilmen erfolgreich sein wie zum Beispiel kürzlich mit „Jurassic World“, der 4,7 Millionen Zuschauern bei einem Marktanteil von mehr als 17 Prozent bei den 14- 49-Jährigen erreicht hat. An dieses dezidiert jüngere Zielpublikum richten sich auch das Angebot und die Auswahl von Spielfilmen bei ZDFneo. Hervorzuheben ist dort insbesondere der „Kino-Samstag“, der beginnend ab 20.15 Uhr bis in die Nacht gleich mehrere aufeinanderfolgende Spielfilme zeigt.

medienpolitik.net: Wie programmprägend können Spielfilme heute noch sein?

Dr. Simone Emmelius: Große Hollywood-Blockbuster (James Bond-, Jason Bourne- oder Mission Impossible-Filme zum Beispiel) bieten exzellente Unterhaltung und einen hohen Aufmerksamkeitsfaktor. Daneben bietet sich bei gut besetzten, aktuellen, stark themenorientierten Produktionen eine gute Möglichkeit, innerhalb des ZDF-Programms Crossover-Flächen zu schaffen. Allerdings: Das ZDF ist kein „Spielfilmsender“ und will es auch gar nicht sein – in keinem Sender seines Unternehmens. Wir setzen stattdessen auf eine sorgfältige und konzeptionell ausgerichtete Auswahl, ein „kuratiertes“ Angebot, das gerade dadurch programmprägend werden kann. Beispielsweise das „Montagskino“, der älteste und stabilste Spielfilmtermin im deutschen Fernsehen, eine Programm-Marke, die es so nur im ZDF gibt. Oder die kontextgetriebenen Spielfilmangebote an Thementagen – wiederum eine „Erfindung“ des ZDF, die sich insbesondere bei 3sat und arte großer Beliebtheit erfreut. Was wir gerade dort mit großem Engagement leisten können, ist eben auch eine Vermittlung von Filmgeschichte mit eigenen Schwerpunkten zu Genres, SchauspielerInnen, RegisseurInnen bis hin zu regelmäßigen Terminen für Filmschätze aus der Stummfilmzeit auf arte, für die wir hier im ZDF sogar eine eigene Expertise in Bezug auf die Rekonstruktion und Restauration solcher Filme besitzen.

medienpolitik.net: Gibt es eigentlich ZDF–typische Spielfilme?

Dr. Simone Emmelius: Jeder spannende, bewegende, qualitätsvolle Film ist ein interessanter Film für das ZDF. Die Auswahl für das Hauptprogramm orientiert sich vor allem am großen internationalen Kino mit einer breiteren Publikumsansprache, ZDFneo orientiert sich in seiner Auswahl insbesondere an Sujets und Genre, die den jüngeren Zuschauer im Blick haben, 3sat und Arte sind auf das Arthouse-Kino spezialisiert und haben dort ihre „typischen“ Arbeitsfelder – arte gerne mit französischem „Accent“.

medienpolitik.net: Wie stark haben Plattformen wie Netflix den internationalen Spielfilm- und Lizenzfilmmarkt verändert?

Dr. Simone Emmelius: Unsere programmliche Leistung liegt oft über die tatsächlich gesehene Sendung hinaus in dem Impuls, die Bereitschaft, das Interesse an einem Programm, das wir aus dem Kontext unseres Senders bis hin zum unmittelbaren programmlichen Umfeld wecken. Kommerzielle Plattformen wie Netflix können hingegen etwas leisten, was uns der Gesetzgeber bislang – und bezogen auf amerikanische Spielfilme und Serien – wohl auch weiterhin verwehrt: die zeitlich unabhängige Verfügbarkeit von Programmen, die aus gutem inhaltlichen Grund ihren Platz im Angebot unserer Sender gefunden haben. So gesehen haben diese Plattformen den Markt dahingehend verändert, dass sie Spielfilme und andere Lizenzware zu einer ubiquitär verfügbaren Ware machen, die für jeden gegen entsprechendes Geld erreichbar sind, solange es dafür eine Nachfrage gibt. Das ist absolut legitim und wirtschaftlich erfolgreich, entspricht aber nicht unserem Verständnis von kreativen Werken, deren künstlerischer Wert im Kontext von Sender- und Sendeplatzausrichtung für uns maßgebend ist. Allerdings: Die Veränderung ist unverkennbar und – je nach Programmfarbe – unterschiedlich hoch. Insgesamt registrieren wir eine Reduktion des frei verfügbaren, unabhängigen Spielfilmangebots und dessen Anbietern.

medienpolitik.net: Macht es angesichts der wachsenden Bedeutung von VoD-Plattformen strategisch noch Sinn, teure Spielfilmlizenzen zu erwerben?

Dr. Simone Emmelius: Aus meiner Sicht muss es geradezu unser Anspruch sein, in einem  öffentlich-rechtlichen Angebot das gesamte Spektrum vom „Blockbuster“  bis hin zu internationalen Filmklassikern (z.B. in den Partnerkanälen) und frischen internationalen Arthouse-Filmen auf exponierten Sendeplätzen abzubilden. Die positive Zuschauerresonanz gibt uns da ein eindeutiges Signal!

medienpolitik.net: High end-Serien, die auf Plattformen erfolgreich sind, sind das nicht immer in TV-Sendern. Nach welchen Kriterien kaufen Sie Serien für das ZDF ein?

Dr. Simone Emmelius: Bei uns stehen inhaltliche, ästhetische und natürlich erfolgversprechende Aspekte im Vordergrund. Serien müssen – genauso wie Spielfilme – zu den Terminen und zu den Ausspielwegen passen, für die sie vorgesehen sind. Ein second-prime-time-Termin wie der Sonntagskrimi im ZDF-Hauptprogramm braucht eine andere Tonalität, einen anderen Zielgruppenzuschnitt und andere Erfolgskriterien als die daytime bei ZDFneo. Und nicht jedes Programm, das einen starken Hype in der Branche kreiert hat, ist deshalb sofort auch mit unseren Anforderungen kompatibel. Entscheidend sind letztlich immer zwei Fragen: Ist die Serie gut, welche bewährten oder neuen Qualitäten bringt sie in Programm, besitzt sie einen hohen Auffälligkeitsfaktor? Und passt sie in den Fiction-Kosmos der ZDF-Familie, verstärkt sie die vorhandenen Programme – und wenn ja, an welche Stelle? Zum Beispiel ZDFneo: Dort liegt der Fokus beim Erwerb von Lizenz-Serien auf fiktionalen Inhalten mit den Genreschwerpunkten Soft-Crime wie bei „Agatha Raisin“ und „Death in Paradise“ (hier wird humorvoll ermittelt) und Crime-Thriller wie „Luther“ und „Code 37“, die eine härtere Farbe haben. Diese sollen vor allem junge Zuschauer ansprechen und modern erzählt und gefilmt sein.

medienpolitik.net: Ist die Situation bei Spielfilmen und Lizenzserien ähnlich wie bei den Sportrechten, die immer teurer und für öffentlich-rechtliche Sender nur noch schwer zu finanzieren sind?

Dr. Simone Emmelius: Ähnlich wie bei den Sportrechten besteht auch auf dem Fiction-Lizenzmarkt die Tendenz, dass sich Zwischenhändler zwischen die Produktionsfirmen und die TV-Sender schieben, indem sie durch exklusive Rahmenverträge das Produkt an der Quelle abschöpfen und gar nicht erst auf den freien Markt gelangen lassen. Und der Produkt-Hunger der kommerziellen Anbieter ist nach wie vor groß, so dass Output-Deals mit US-Studios immer noch begehrt sind, auch wenn große Teile der Filme und Serien im Free-TV inzwischen nur noch sehr bedingt verwertbar sind. Die populären Kaufprogramme werden dadurch nicht preisgünstiger. Umso genauer muss man das Kosten-Nutzen-Verhältnis, also eine Balance aus Spielstärke der Filme, Relevanz und Portfoliogestaltung, im Auge behalten. Das ZDF setzt hier eher auf Klasse statt auf Masse und geht bei Geschäften mit US-Studios selektiv vor. Die aktuelle Partnerschaft, die das ZDF in diesem Jahr mit Sony Pictures geschlossen hat, ist sehr ergiebig, sie ist aber auch präzise umrissen, streng auf die Bedürfnisse des ZDF zugeschnitten und quantitativ und finanziell überschaubar austariert.

medienpolitik.net: Also ist die Chance für das ZDF, international erfolgreiche Spielfilme erwerben zu können, weiterhin groß?

Dr. Simone Emmelius: Ja, im Rahmen der oben genannten Gegebenheiten ist sie unverändert groß: wir kennen alle relevanten „Player“ im Markt und verfügen in hohem Maße über die notwendige fachliche Expertise, die uns erlaubt, inhaltlich schnell und finanziell angemessen zu entscheiden.

medienpolitik.net: Auf welche internationale Spielfilme und Serien können sich die Zuschauer in den nächsten Monaten freuen?

Dr. Simone Emmelius: Im Hauptprogramm auf die Free TV-Premieren von „Die glorreichen Sieben“ (2016) mit Denzel Washington, Chris Pratt und Ethan Hawk, von „The Huntsman & The Ice Queen“ mit Charlize Theron, Chris Hemsworth und Emily Blunt, von „Jason Bourne“ mit Matt Damon, Vincent Cassel und Julia Stiles sowie besonders für die Jüngeren und ihre Familien auf die Free TV Premiere von „Heidi“ mit Anuk Steffen, Bruno Ganz, Quirin Agrippi und Hannelore Hoger. ZDFneo sendet im Herbst und Winter bekannte Spielfilm-Highlights wie „Die Bourne Verschwörung“, „Inside Man“, „Tatsächlich Liebe“, „Bridget Jones“ und „Ich, einfach unverbesserlich“. In 3sat: „Gefühlt Mitte Zwanzig“ (von Noah Baumbach mit Ben Stiller, Naomi Watts, Adam Driver, Amanda Seyfried) am 30.8. In der Reihe Nachkriegskino die historischen Spielfilme „Schwarzer Kies“ (Helmut Käutner), „Nachts, wenn der Teufel kam“ ( Robert Siodmak), „Die Brücke“ (Bernhard Wicki) und der Thementag Western Ende Dezember 2018. Und im Januar 2019 in der Reihe „amour fou“ u.a. „Mein Ein, mein Alles“ (von Maiwenn, mit Vincent Cassel, Emmanuelle Bercot) als deutsche Free-TV-Premiere.

medienpolitik.net: Internationale Koproduktionen für hochwertige Filme und Serien gelten allgemein als schwierig. Wie wichtig sind diese für das ZDF? Nehmen diese beim ZDF zu?

Dr. Simone Emmelius: Internationale Koproduktionen haben im ZDF traditionell einen hohen Stellenwert und finden in ganz unterschiedlicher Weise statt – Tendenz und programmliche Möglichkeiten ganz eindeutig: steigend! Das hängt mit vielerlei Faktoren zusammen: dem Interesse der Zuschauer zuallererst, die in einer globalisierten Welt selber mehr und mehr zu „Kosmopoliten“ werden, denen – gerade unter den jüngeren Zuschauern – lokales Setting und Lebensgefühl außerhalb der deutschen Landesgrenzen vertraut und auf ihre eigene Lebenswirklichkeit übertragbar sind. Es hängt aber auch sehr stark zusammen mit der Entwicklung der Branche in den letzten Jahren und Jahrzehnten gerade in Europa. Hier war das ZDF von Anbeginn dabei und konnte diese Entwicklung maßgeblich mitprägen. Der mittlerweile weltweite Erfolg des „Scandi Noir“ ist sicherlich das herausragende Beispiel. Inzwischen erleben wir, wie auch aus Ländern wie Belgien oder Spanien, Polen oder Israel heraus sich interessante Programme entwickeln. Wir agieren in diesem Feld ausgesprochen proaktiv – und wir können es auch, weil wir auf ein breites Spektrum gewachsener, vertrauensvoller Partnerschaften im internationalen Medienmarkt aufbauen können: Allen voran die kürzlich gegründete European Coproduction Alliance, aus der heraus wir gemeinsam mit unseren französischen Kollegen von France Television und den italienischen Mitstreitern der RAI hochwertige Serien entwickeln. Ich denke, die Ergebnisse können sich sehen lassen: Eine der aufgrund der Vielzahl von Partnern besonders ambitionierte Serie geht in zweite Staffel: „The Team“ – diesmal mit Jürgen Vogel in einer der Hauptrollen. Dann die vierteilige Koproduktion mit France Television „Die purpurnen Flüsse“ mit Olivier Marschall und Erika Sainte in den Hauptrollen und in weiteren Rollen u.a. mit Nora Waldstätten und Ken Duken nach den Romanen des französischen Kultautors Jean-Christophe Grangé. Und – Stichwort Kultbuch – nicht zu vergessen: „Anne Holt – Der Mörder in uns“ sowie neue Jussi Adler-Olsen-Filme. Nicht zu vergessen die Koproduktions-Serien in ZDFneo. Nach einem sehr gelungen Auftakt im vergangenen Jahr werden demnächst die Serien „Greyzone“, eine Koproduktion mit dänischen Partnern über eine Drohnenexpertin, die in die Fänge einer terroristischen Verschwörung gerät, „24 hours“, einer Koproduktion mit … über eine Geiselnahme in einer Bank, die hochdramatisch aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, und die ebenso amüsante wie authentische Serie „Undercover“, über die Drogenermittlungen auf einem ländlich-idyllischen Campingplatz in der holländischen Provinz zu sehen sein. Last but not least: die renommierten und international preisgekrönten Spielfilm-Koproduktionen aus der arte-Filmredaktionen, wie demnächst: „Gelobt sei der Profit“ (3.10.) von Mahmoud al Massad aus Jordanien, einer der wenigen originären Spielfilme aus dem Land, die Geschichte eines einfachen Mannes, der in die merkwürdig mahlenden Mühlen der Justiz gerät und im Gefängnis landet. Eine schwarze Komödie. „Soy Nero“ (17.10.) des Exil-iranischen Regisseurs Rafi Pitts über einen illegal eingereisten jungen Mexikaner, der sich freiwillig als Soldat bei der US-Armee verpflichtet und in den Nahen Osten geschickt wird, in der Hoffnung, dafür eingebürgert zu werden. Das Drama hat seit Trump an Aktualität gewonnen und beruht auf tatsächlichen Begebenheiten. „Box“ (24.10.) von Florin Serban, die ungewöhnliche Beziehung zwischen einem 19jährigen Zigeuner, der davon träumt, Boxer zu werden, und einer Schauspielerin Mitte 30, die davon träumt, endlich anerkannt zu werden und aus dem Schatten ihres Mannes zu treten. Das ist wirklich eine Erfolgsgeschichte. Allein im vergangenen Jahr hat die arte-Filmredaktion des ZDF sieben Europäische Filmpreise, die Goldene Palme in Cannes, drei Silberne Bären bei der Berlinale, den Großen Preis der Jury in Locarno, einen Silbernen Löwen in Venedig gewonnen. In diesem Jahr kam dann für „Eine fantastische Frau“ auch erstmals ein Oscar dazu.

medienpolitik.net: Wie groß ist der inhaltliche Einfluss des ZDF bei solchen Koproduktionen?

Dr. Simone Emmelius: Das ist sehr unterschiedlich und nicht unbedingt eine Frage der finanziellen Beteiligung, sondern sehr viel mehr der kreativen Expertise, die wir hier einbringen können.

medienpolitik.net: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Koproduktionen aus?

Dr. Simone Emmelius: Bei den internationalen Spielfilm-Koproduktionen handelt es sich um spannende, modern erzählte Geschichten, die (vor allem) im Montagskino ein breites Fernsehpublikum ansprechen sollen. Neben einem bekannten, internationalen Cast erwarten wir auch einen visuell überzeugenden Kino-Look.
Die Spielfilm-Koproduktionen für arte sind in der Regel Arthouse-Filme zumeist großer europäischer Autorenfilmer, aber auch Entdeckungen zuvor unbekannter Regisseure. Es gibt keine Beschränkung der Genres, ausschlaggebend ist die Qualität und Originalität des Drehbuchs sowie die kinematographische Signatur des Regisseurs. Der Fokus liegt auf dem Autorenfilm. Die Projekte müssen einen deutschen Koproduzenten und nach Möglichkeit auch einen Verleih haben. Die finanzielle Beteiligung ist in der Regel minoritär. Alle Filme sollten auch ein internationales Festival-Potential erwarten lassen. Die Serien-Koproduktionen für das ZDF sollen in mehrfacher Hinsicht state of the art sein. Dieser Anspruch bezieht sich auf die Themen, die Talente und damit einhergehend auch auf eine möglichst attraktive Annonce für das heute sehr fachkundige Serienpublikum. Wir suchen eine gute Balance aus international bewährten Marken und Erzählformen, sind aber immer auch in einem wachsamen Modus, was neue Formen und Absender angeht. Scandi Noir und britische Ermittler gehören weiterhin zu einer verlässlichen Bezugsgröße unserer slots, messen sich aber auch immer wieder mit neuen Formaten mit anderen Akzenten. Für ZDFneo sind die Serien-Koproduktionen auf ein Zielpublikum zwischen 30 und 40 Jahren ausgerichtet und bewegen sich in den Genre Drama/Crime/Thriller – Bezüge zu Subgenres wie Fantasy, Mystery oder Science Fiction sind möglich. Die Serien zeichnen sich durch zeitgenössische Themensetzung und modernes Storytelling aus. Sie sind character driven, ihre Protagonisten sind zwischen 15 und 40 Jahre alt, ein Augenmerk liegt auf starken weiblichen Charakteren.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe 09/18 erstveröffentlicht.

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