Rundfunk:

„Wir haben einen Meilenstein erreicht“

von am 29.08.2016 in Allgemein, Archiv, Interviews, Medienwirtschaft, Rundfunk

<h4>Rundfunk:</h4>„Wir haben einen Meilenstein erreicht“
Carsten Schmidt, Vorstandsvorsitzender von Sky Deutschland

ZDF- und ARTE-Mediatheken auf der Streaming Box von Sky Deutschland verfügbar

29.08.16 Interview mit Carsten Schmidt, Vorstandsvorsitzender von Sky Deutschland

Sky Deutschland beendet das Geschäftsjahr 2015/16 mit neuen Rekorden. Im vierten Quartal hat das Unternehmen mit einem EBIT in Höhe von 50 Millionen Euro das beste Quartalsergebnis seit Einführung der Marke Sky erzielt. Erstmals in der Geschichte von Sky Deutschland konnte mit 5 Millionen Euro auch ein auf Gesamtjahresbasis positives EBIT ausgewiesen werden. Mit einem Netto-Zuwachs von 59.000 Abonnenten im vierten Quartal zählt Sky nun 4.626.000 Kunden. Zum weiteren Kundenzuwachs sollen weitere Eigenproduktionen und neue Sender beitragen: Nach dem Start von Sky Cinema Family HD im September erweitert Sky sein Entertainment-Portfolio mit Sky 1 ab November. Der neue Flagschiff-Sender soll exklusive Highlights – einer Mischung aus eigenproduzierten Shows und Serien – bieten. „Alle neuen Marktteilnehmer und deren Vermarktungsaktivitäten führen dazu“, so Carsten Schmidt in einem medienpolitik.net-Gespräch, „dass die Aufmerksamkeit für den Pay-Entertainmentmarkt weiter wächst. Davon profitiert auch Sky Deutschland als Marktführer in diesem Bereich.“

medienpolitik.net: Herr Schmidt, Sky hat zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Jahresgewinn vor Zinsen und Steuern in Höhe von 5 Millionen Euro erwirtschaftet. Worauf führen Sie dieses positive Ergebnis vor allem zurück?

Carsten Schmidt: Mit diesem Ergebnis haben wir einen Meilenstein erreicht, der auf kontinuierliches, nachhaltiges Wachstum zurückzuführen ist. Und zwar Wachstum beim Umsatz, der nun über 2 Milliarden Euro beträgt, bei der Abonnentenzahl mit der Überschreitung der 4,6-Millionen-Marke und beim Umsatz pro Kunde mit 35 Euro. Wir haben uns mit vielen neuen Angeboten, wie etwa dem erfolgreich eingeführten Entertainment-Paket, wesentlich breiter aufgestellt und sprechen so ganz bewusst verstärkt Frauen und jüngere Zuschauer an. All diese Maßnahmen zahlen sich sukzessive aus. Außerdem schöpfen wir vermehrt Synergien mit unserem britischen Mutterkonzern und unserem italienischen Schwesterunternehmen aus. Dies gilt unter anderem für die Bereiche der technischen Innovationen oder dem Programm.

medienpolitik.net: Sie sprachen die Synergien mit Sky UK und Sky Italia an. Welche Auswirkungen hat das konkret für das Angebot von Sky Deutschland?

Carsten Schmidt: Der Kunde steht im Mittelpunkt dieser sehr engen Zusammenarbeit mit unseren Kollegen in London und Mailand. Zum Beispiel im Content-Bereich: wir sind in Lage, unseren vielen Serienfans herausragende paneuropäische Sky Eigenproduktionen wie „Fortitude“, „Gomorrah“ und „The Young Pope“ mit Jude Law zu präsentieren. Gleiches gilt für Show- und Dokuformate wie „Master of Photography“ und „Artists in Love“, die in unserem Sky Production Hub in Mailand exklusiv für Sky Arts produziert werden.

medienpolitik.net: Sie haben seit 2009 die Zahl der Abonnenten nahezu verdoppelt. Hat sich damit auch die Struktur der Abonnenten verändert? Wie jung ist Sky Deutschland?

Carsten Schmidt: Grundsätzlich spricht Sky mit seinem vielfältigen und abwechslungsreichen Programm die gesamte Bandbreite an Zuschauern an – ob jünger oder älter, ob Frauen, Männer oder Kinder, ob sport-, film- oder kunstaffin. Das ist uns auch in Zukunft wichtig. Insgesamt haben wir den Altersdurchschnitt bei den Bestandskunden in den letzten Jahren mit Mitte 40 ziemlich konstant gehalten. Die Neukunden sind mit durchschnittlich Ende 30 allerdings um einige Jahre jünger. Was sich spürbar geändert hat, ist der wachsende Anteil von weiblichen Sky Kunden und insgesamt mit einer höheren Bildung.

medienpolitik.net: Wann hoffen Sie die 5 Millionen zu erreichen?

Carsten Schmidt: Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr 346.000 Kunden hinzugewonnen und stehen jetzt bei gut 4,6 Millionen Abonnenten. Da unser Wachstum in Zukunft sicherlich nicht nachlassen wird, kann sich jeder leicht ausrechnen, wann wir die 5 Millionen erreichen.

medienpolitik.net: Sky Deutschland hat sicher auch davon profitiert, dass der Pay-TV-Markt insgesamt wächst. Gleichzeitig wächst auch der VoD-Markt. Warum schadet dieses Segment Sky weniger als von manchen Experten prognostiziert?

Carsten Schmidt: Ganz im Gegenteil: Der Pay-TV-Markt ist maßgeblich durch die herausragende Entwicklung von Sky in Deutschland gewachsen. Das gilt auch für den VoD Bereich, den wir als Innovationsführer und mit der frühzeitigen Einführung von Services wie Sky Go und Sky On Demand und ganz aktuell Sky Ticket zu seinem jetzigen Wachstum verholfen und maßgeblich geprägt haben. Darüber hinaus gilt, dass alle neuen Marktteilnehmer und deren Vermarktungsaktivitäten dazu führen, dass die Aufmerksamkeit für den Pay-Entertainmentmarkt weiter wächst. Davon profitiert auch Sky Deutschland als Marktführer in diesem Bereich.

medienpolitik.net: Sie haben den Zuschlag zu einem großen Teil der Fußballbundesliga-Rechte auch ab der Saison 2017/2018 erhalten. Welche Bedeutung hat Fußball für Sky Deutschland?

Carsten Schmidt: Die Bundesliga ist im Portfolio von Sky ein Baustein – zweifellos ein wichtiger und in diesem Land auch entscheidender, um unser Geschäftsmodell weiter erfolgreich, kundenorientiert zu entwickeln. Doch Sky ist weit mehr als Sport. Unser Ziel aber ist es, die erste Adresse für Top-Entertainment in Deutschland und Österreich zu sein. Und zwar unabhängig davon, wo unsere lnhalte gesehen werden. Ob im heimischen Wohnzimmer, am Flughafen, in der Kneipe, im Garten, im Friseursalon oder privat mit Freunden. Wir wollen das Familienangebot Nummer eins in Deutschland werden. Wir werden alles dafür tun, dass wir nicht nur für männeraffine, werbeunterbrechungsfreie Hollywood-Filme oder Live Fußball stehen, sondern auch für gewaltfreie Kinderunterhaltung ohne Werbung, für Top-Serien u.a. von Showtime und HBO und großartige Dokumentationen wie von National Geographic oder Spiegel Geschichte. Also, beste Unterhaltung für jedermann zu europaweit attraktivsten Konditionen.

medienpolitik.net: Sie starten neue TV-Sender, darunter Sky 1, Sky Arts und Sky Sport News als Free-Sender. Was versprechen Sie sich von den neuen Angeboten?

Carsten Schmidt: Mit Sky 1 schließen wir eine Lücke in unserem Senderportfolio, nämlich die eines 100prozentigen Entertainmentsenders. Dieser wird ab November rund um die Uhr u.a. exklusive Showformate wie „Masterchef“ oder ebenso unterhaltende wie spannende Serien wie „Victoria“, „The Tunnel“ und „Hooten & The Lady“ zeigen. Und das ist erst der Anfang. Mit Sky Arts sprechen wir eine ganz neue, hochinteressante und im TV unterversorgte Zielgruppe an, nämlich alle Kunst- und Kulturinteressierten in Deutschland und Österreich. Bisher gab es in der deutschen und österreichischen Fernsehlandschaft keinen 24/7 Kunst- und Kultursender. Mit Sky Arts haben wir das geändert und das Feedback ist bislang großartig.
Was Sky Sport News HD angeht, so zeigen die konstant steigenden Zuschauerzahlen – in diesem Jahr durchschnittlich knapp 600.000 täglich – eine enorme Nachfrage nach diesem Sender. Und auch die Millionen Free-TV-Haushalte, die bislang keinen Zugriff auf Sky Sport News HD hatten, werden diesen Sender bald sehr zu schätzen wissen.

medienpolitik.net: Aber kannibalisieren Sie sich nicht mit Sky Sport News als 24-Stunden-Free-Angebot?

Carsten Schmidt: Nein. Sky Sport News HD wird als Free-TV-Sender vielen potentiellen Sky Kunden das Fenster zu unserem Angebot öffnen. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen, die sich bislang noch nicht so intensiv mit uns beschäftigt haben, von unserem breiten Angebot sehr erstaunt sein werden. Das wird unserer Marke sehr gut tun.

medienpolitik.net: Mit Beginn der neuen Fußballsaison startet Sky Ticket, um auch ohne Abo das Sportangebot von Sky zu erleben. Was versprechen Sie sich davon?

Carsten Schmidt: Sky Ticket ist Teil unserer non-linearen Strategie – insbesondere durch die nicht notwendige Jahresbindung an ein klassisches Abo versprechen wir uns Zugang zu neuen Zielgruppen. Über Tages-, aber auch Wochen- oder Monatstickets – das ist Sky für jedermann. Mit den neuen Sporttickets ab 9,99 € machen wir den Einstieg in die Sportwelt von Sky noch attraktiver. Wir sehen hier das Potenzial für ein noch größeres Kundensegment, das ein flexibles Sportangebot ohne langfristige Abo-Bindung will, für das lediglich eine Internetverbindung notwendig ist. Verfügbar auf allen wesentlichen Geräten.
Aber nicht nur Sportfans erhalten einen flexiblen Zugang zu den Programmen von Sky. Auch Serien- und Filmliebhaber können unser Angebot mit dem Entertainment Monatsticket oder dem Cinema Monatsticket ohne feste Laufzeit genießen.

medienpolitik.net: Sie planen bzw. produzieren gegenwärtig eigene Serien. Welche Rolle spielen Eigenproduktionen bei Sky in den nächsten Jahren?

Carsten Schmidt: Sie spielen eine bedeutende Rolle. Gerade das Projekt „Babylon Berlin“ macht mir große Freude. Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern ARD/Degeto, X-Filme und Beta Film ist von einem großen Spirit gekennzeichnet. Ich war vor einigen Wochen am Drehort in Babelsberg und war von der Größe der Produktion sehr beeindruckt. Unsere Kunden können sich schon heute auf eine spektakuläre Serie freuen. Auch die Entwicklungsschritte, die wir gerade mit unserem Partner Bavaria Film bei der Entwicklung der Serie „Das Boot“ gehen, stimmen mich sehr optimistisch. Dabei wird es aber nicht bleiben. Wir sehen uns gerade viele interessante Stoffe an und werden schon in Kürze weitere deutsche Eigenproduktionen im Serienbereich verkünden.

medienpolitik.net: Das ist aber nicht die einzige Kooperation, die Sky in den letzten Monaten mit den Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten eingegangen ist. Seit einigen Wochen sind die ZDF- und ARTE-Mediatheken auf der Streaming Box von Sky verfügbar. Was steckt hinter dieser Partnerschaft?

Carsten Schmidt: In der Tat gehen wir auch mit dieser Kooperation neue Wege. Die ARTE- und ZDF-Mediatheken ergänzen das Angebot auf der Sky TV Box für unsere Kunden hervorragend. Gleichzeitig haben wir bei unseren Gesprächen aber auch registriert, dass unsere Partner von unserer Plattform ebenso profitieren. Wir möchten das bestehende Portfolio gerne ausweiten.

medienpolitik.net: Im Herbst starten Sie – endlich – den ersten Ultra HD-Sender. In welchem Tempo wird die Ultra-HD-Einführung bei Sky Deutschland weiter gehen?

Carsten Schmidt: Wieso endlich?

medienpolitik.net: Viele warten darauf. Zudem wurde das Bundesligaspiel FC Bayerngegen Borussia Dortmund bereits Ende2012 von Sky in Ultra HD aufgenommen …

Carsten Schmidt: Unsere Kunden sind die Allerersten in Deutschland und Österreich, die Spitzenfußball live in Ultra HD genießen können – und das regelmäßig. Mit dem neuen Sky+ Pro Receiver und unserem Ultra-HD-Angebot setzen wir im Herbst einen neuen Meilenstein. Die Übertragungen aus der Bundesliga und der UEFA Champions League sind nur der Startschuss für Ultra HD bei Sky. Wir werden schnellstmöglich weiteren Live-Sport sowie Filme und Serien nachziehen.

Der Beitrag wurde in der promedia-Ausgabe 09/16 erstveröffentlicht.

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