„Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren“

von am 10.04.2019 in Allgemein, Archiv

„Wir dürfen nicht noch   mehr Zeit verlieren“
Felix Falk, Geschäftsführer des game – Verband der deutschen Games-Branche

Förderprogramm von 50 Mio. Euro für Games noch immer nicht konkretisiert und EU-zertifiziert

10.04.2019. Interview mit Felix Falk, Geschäftsführer des game – Verband der deutschen Games-Branche

In Berlin findet gegenwärtig die nach der gamescom in Köln wichtigste deutsche Computerspiele-Veranstaltung, die gamesweekberlin, statt. Mit insgesamt 14 Events bringt die gamesweekberlin unterschiedliche Zielgruppen der Branche zusammen und verbindet dadurch wirtschaftliche, technologische, kulturelle und künstlerische Aspekte sowie aktuelle Trends und Perspektiven der Computerspielszene. Games sind heute nicht mehr ausschließlich ein Jugendmedium, sondern zusätzlich auch Kultur- und Lehrmedium, Innovationstreiber und Therapiemittel sowie Sport. Diese Vielfältigkeit trägt auch dazu bei, dass Games in allen Altersklassen genutzt werden. Von dieser Dynamik profitiert auch der deutsche Gamesmarkt, der 2018 abermals deutlich gewachsen ist – um 9 Prozent auf rund 4,4 Milliarden Euro. Die Bunderegierung will die einheimische Gamesbranche stärker fördern. So sind für 2019 50 Millionen Euro eingeplant, die jedoch noch nicht von der EU zertifiziert sind.

Medienpolitik.net: Herr Falk, seit 8. April findet die gamesweekberlin statt. Welche Bedeutung hat dieses Event für die Branche?

Falk: Die gamesweekberlin gehört zu den ganz besonderen Terminen im Kalender der Games-Branche. Hier versammeln sich unter einer Dachmarke zahlreiche, sehr unterschiedliche Events: Über die Stadt verteilt kommen die Menschen zusammen, um über die verschiedensten Facetten von Games zu diskutieren: Hierzu gehören aktuelle Trends der Spiele-Entwicklung ebenso wie eSports und Serious Games, Frauen in der Games-Branche oder auch Games als Kulturmedium. Und gespielt wird natürlich auch bei vielen Events. Diese Vielfalt zeichnet die gamesweekberlin aus.

Medienpolitik.net: 2018 gab es die letzte Cebit, weil „Computer“ heute in allen Bereichen präsent und integriert sind. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich auch bei Games. Warum sind eigene Veranstaltungen, zu denen ja auch die gamescom in Köln gehören, für Games noch sinnvoll?

Falk: Games sind ein ganz besonderes Medium: Sie sind digital, sozial und spielerisch. Vor allem entwickeln sie sich in einer unglaublichen Geschwindigkeit weiter. Dadurch erfordern Computer- und Videospiele ganz eigenständige Events. Die gamescom ist hierfür das beste Beispiel: Als Mitveranstalter konzentrieren wir uns Jahr für Jahr auf die Weiterentwicklung des weltgrößten Events für Computer- und Videospiele: Immer wieder werden neue Aspekte aufgenommen und bestehende Konzepte und Veranstaltungen überarbeitetet und angepasst. Wer nicht kontinuierlich die Entwicklungen der Games-Branche berücksichtigt, hat schnell das Nachsehen.

Medienpolitik.net: Die Mediennutzung wird immer mobiler. 2021 soll 5G auch in Deutschland starten. Erwarten Sie damit auch für Ihre Branche weiteren Auftrieb?

Falk: Für die Games-Branche sind schnelle und latenzarme Internetzugänge bereits heute kaum zu unterschätzen. Ob der Kauf per Download, Zusatzinhalte, Online-Mehrspieler-Titel oder gar Cloud-Gaming: Künftig spielt der schnelle Internetzugang eine noch wichtigere Rolle in unserer Branche. Daher ist es für die Games-Branche besonders wichtig, dass die Bundesregierung hier schnell und entschlossen handelt: Ohne den flächendeckenden Ausbau schneller und latenzarmer Internetzugänge, wie sie auch 5G-Netzwerke bieten, könnten viele Innovationen der Games-Branche in Deutschland nur eingeschränkt eingesetzt und so das Wachstum empfindlich gebremst werden.

Medienpolitik.net: Der Deutscher Games-Markt ist 2018 um 9 Prozent gewachsen. Inwieweit haben davon auch deutsche Unternehmen profitiert?

Falk: Der deutsche Games-Markt entwickelt sich bereits seit einigen Jahren sehr stark. 2018 war mit einem Wachstum von 9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro keine Ausnahme. Für das vergangene Jahr haben wir unsere Auswertungen zum Marktanteil deutscher Spiele-Entwicklungen noch nicht abschließen können. Deutliche Veränderungen zu den etwas mehr als 5 Prozent, die wir 2017 feststellen konnten, sind derzeit aber noch nicht zu erwarten. Daran wird sich voraussichtlich erst einige Zeit nach Einführung der Games-Förderung etwas ändern, bei der wir noch auf das konkrete Programm warten.

Medienpolitik.net: Wie stellt sich die Branche darauf ein, dass immer mehr Ältere Gamer werden?

Falk: Es ist eine ganz natürliche Entwicklung, dass der Altersdurchschnitt der Gamer in Deutschland Jahr für Jahr steigt. Insbesondere Smartphones und Tablets mit ihrer intuitiven Bedienung haben viele Menschen für Games begeistern können, die vorher kaum oder gar nicht gespielt haben. Auch sind die Menschen, die als Erwachsene in den 1990er Jahren gespielt haben, zwar älter geworden, aber gleichzeitig auch Gamer geblieben. So vielfältig heute die Spielerinnen und Spieler sind, so vielfältig ist auch die Games-Branche: So gibt es mittlerweile Anbieter, die sich auf Games für Senioren ebenso spezialisiert haben, wie es Spiele-Entwickler gibt, die vorwiegend Mobile Games für 40- bis 50-jährige Frauen produzieren.

Medienpolitik.net: Im Bundeshaushalt sind für 2019 50 Millionen Euro an Förderung geplant. Noch liegt kein von der EU zertifiziertes konkretes Förderprogramm vor. Wann kommt es?

Falk: Das Förderprogramm muss jetzt schnellstmöglich kommen, wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren. Ein Start des Programms im Herbst erscheint mir aktuell realistisch. Viel später darf es aber nicht starten, sonst drohen von den 50 Millionen Euro zumindest in diesem Jahr kaum Mittel genutzt zu werden. Schließlich müssen die entsprechenden Anträge von den Spiele-Entwicklern auch erst noch gestellt werden.

Medienpolitik.net: Wofür sollen die 50 Millionen Euro in diesem Jahr noch ausgegeben werden?

Falk: Das hängt ganz besonders von der Formulierung des konkreten Förderprogramms ab. Im Kern muss es dabei um eine automatisierte und planbare Förderung der Games-Produktion gehen, wie wir es bereits anhand unseres Modells, des Deutschen Games-Fonds, aufgezeigt haben. Dann nur können wir wettbewerbsfähig mit anderen Ländern wie Frankreich oder Großbritannien sein. Andere Aspekte, etwa die Reisen zu Konferenzen und Messen, werden teilweise sogar schon im Rahmen anderer Initiativen, etwa „Kreativ-Transfer“, gefördert.

Print article