„Wir unternehmen alles Machbare, um unsere Marke online auszubauen“

von am 01.07.2019 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Digitale Medien, Dualer Rundfunk, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Rundfunk

„Wir unternehmen alles Machbare, um unsere Marke online auszubauen“
phoenix-Programmgeschäftsführer Helge Fuhst (ARD) und Michaela Kolster (ZDF)

phoenix wird sich stärker als Politik-Portal etablieren – aber nicht als Nachrichtenkanal

01.07.2019. Interview mit den phoenix-Programmgeschäftsführern Michaela Kolster (ZDF) und Helge Fuhst (ARD)

Der Ereigniskanal phoenix wird sich künftig stärker als Politik-Portal etablieren. Noch für dieses Jahr ist geplant, in den ARD- und ZDF-Mediatheken eigene Sendungsbereiche für phoenix-Inhalte einzurichten. Mit 445 Stunden hat der Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF seine Berichterstattung aus dem Deutschen Bundestag 2018 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Weiter gestiegen ist 2018 auch das Nutzungsvolumen des phoenix-Livestreams: Von 114 Millionen Minuten im Jahr 2017 auf rund 298 Millionen Minuten. „phoenix konzentriert sich auch künftig, so phoenix-Programmgeschäftsführerin Michaela Kolster weiterhin auf seine eigenen Programmangebote als Mehrwert zu ARD und ZDF.“ Die Marke phoenix sei bekannt als Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF. Die inhaltliche Profilierung sei klar festgelegt, dies wurde erst kürzlich durch einen erfolgreichen Markenkernprozess erneut genau definiert und auf die bekannten Kernaufgaben fokussiert. phoenix soll sich nicht zum Nachrichtenportal entwickeln

medienpolitik.net: ZDF-Intendant Thomas Bellut hat vor dem ZDF-Fernsehrat erklärt, dass sich phoenix künftig stärker als Politik-Portal etablieren wird. Warum ist das notwendig? Es gibt doch die Online-Seiten von tagesschau24 und ZDFinfo?

Kolster: phoenix ist linear wie online eine Ergänzung zu ARD und ZDF. Nur bei phoenix werden Ereignisse aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus dem In- und Ausland möglichst live und in voller Länge übertragen. Besonders die Übertragungen von Sitzungen des Bundestages, des Bundesrates, aus Landtagen und von Parteitagen sowie aus dem Europaparlament gehören von Anbeginn zum Kernauftrag des Senders. Damit fungiert phoenix bereits als Politik-Portal, das den Zuschauerinnen und Zuschauern den Zugang und das Verständnis zu demokratischen Abläufen ermöglicht und die Arbeit politischer Institutionen erklärt und einordnet. Dieser Auftrag wird zukünftig online wichtiger und daher bei phoenix ausgebaut, vor allem damit auch jüngere Menschen an dem Angebot teilhaben können.

medienpolitik.net: Schon heute kann man in der ZDF-Mediathek alle Beiträge von phoenix finden und zudem hat phoenix einen eigenen, zeitgemäßen Online-Auftritt. Was wird sich grundlegend ändern?
Fuhst: Die wichtigsten phoenix-Inhalte sollen bald in den Mediatheken von ARD und ZDF auffindbar sein – besser als bisher und in eigenständigen phoenix-Bereichen. In der ZDF-Mediathek sind noch nicht alle phoenix-Beiträge zu sehen, dies sind lediglich die Sendungen „unter den linden“, „phoenix runde“, „phoenix persönlich“ sowie „augstein & blome“.Außerdem soll es eine stärkere Berücksichtigung von Userwünschen und mehr Austausch geben. Wir haben z.B. kürzlich erneut durch eine online-Umfrage das Thema unseres Bürgertalks „wir müssen reden“ bestimmen lassen. Die Mehrheit wünschte sich eine Sendung zum Thema Klimawandel, das werden wir jetzt so umsetzen.

medienpolitik.net: Bedeutet Politik-Plattform auch mehr aktuelle Nachrichten, z.B. durch Kooperation mit tagesschau und heute?
Kolster: phoenix konzentriert sich auch weiterhin auf seine eigenen Programmangebote als Mehrwert zu ARD und ZDF. Die Marke phoenix ist bekannt als Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF. Unsere inhaltliche Profilierung ist klar festgelegt, dies wurde erst kürzlich durch einen erfolgreichen Markenkernprozess erneut genau definiert und auf die bekannten Kernaufgaben fokussiert. Der Spartensender zeigt auf linearen und nonlinearen Publikationswegen politische Bildung als Programm, damit alle interessierten Bürgerinnen und Bürger die politischen Zusammenhänge besser verstehen können. 

medienpolitik.net: Wird das Portal bei wichtigen aktuellen Ereignissen auch exklusiv reagieren können?
Fuhst: phoenix reagiert schon jetzt bei wichtigen aktuellen Ereignissen exklusiv und bietet durch seine Live-Übertragungen „das ganze Bild“. Bei der journalistischen Gestaltung der Sendeflächen ist die aktuelle Ereignisberichterstattung stets das programmbestimmende Element. phoenix kann jederzeit flexibel auf aktuelle Ereignisse reagieren und das gesamte Programm darauf ausrichten. Das betrifft nicht nur die reine Ereignisübertragung, sondern auch Dokumentationen und Gesprächssendungen zum Themengebiet. Der Livestream der phoenix-Übertragungen wird übrigens häufig auf den Websites unserer Mutterhäuser verlinkt.

medienpolitik.net: Soll das Politik-Portal Ähnlichkeit mit ZDFkultur haben, also auch mit Inhalten anderer Partner?

Kolster: Es wird zukünftig mehr Angebote geben, die besonders für den Digital-Konsumenten entwickelt werden. Dies betrifft vor allem eine online-gemäße Vermittlung der zentralen inhaltlichen Angebote, wie beispielsweise Bundestags-, Parteitags- und Europaberichterstattung. Das werden auch weiterhin originäre phoenix-Inhalte sein.

medienpolitik.net: Wird das Politik-Portal von phoenix so mittelfristig der vielfach geforderte öffentlich-rechtliche Nachrichtenkanal, nur eben als Portal und nicht als „Kanal“?
Fuhst: phoenix hat seit vielen Jahren einen klaren Auftrag als Ereignis- und Dokumentationskanal. Wir arbeiten täglich mit viel Leidenschaft daran, unseren Auftrag umzusetzen, und die Menschen besser zu informieren.

medienpolitik.net: Wo und wie ist phoenix in sozialen Medien präsent?
Kolster: Aktuell arbeiten wir an einer neuen Digitalstrategie. Wir stellen uns auf allen Online-Plattformen neu auf. phoenix hat seit dieser Woche einen neu ausgerichteten Twitter-Kanal @phoenix_de, nachdem wir von zwei auf einen Kanal reduziert haben, um unsere Inhalte noch besser verbreiten zu können. Auf Facebook sind wir mit einer eigenen Seite präsent, auf der wir zukünftig mit den Usern noch mehr in den Dialog treten möchten. Auf unserem phoenix-Youtube-Kanal sind die wichtigsten, aktuellen politischen Inhalte sowie unsere Gesprächsrunden zu finden. phoenix war einst der erste öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland mit einem eigenen youtube-Kanal. 

medienpolitik.net: Das Budget von phoenix ist nicht gerade üppig. Erhalten Sie für das Politik-Portal zusätzliche Mittel von ARD und ZDF?
Fuhst: Die schnelle Veränderung des Medienmarktes erfordert es, diese Weiterentwicklungen so zügig wie möglich umzusetzen. Da können wir nicht auf die Diskussion und Ergebnisse zum Rundfunkbeitrag warten. Inzwischen unternehmen wir bereits alles Machbare und Mögliche, um unsere Marke online auszubauen. Wir sehen dies als dringend notwendig. Angesichts der Zunahme von komplexen, unübersichtlichen politischen Ereignissen sowie dem Anstieg nationalistischer, demokratiefeindlicher und populistischer Tendenzen ist dies wichtiger denn je. phoenix bietet nicht nur Information, sondern auch Teilhabe und Orientierung für die Menschen. Das ganze Team bei phoenix arbeitet für eine „besser informierte Republik“. phoenix hilft damit, die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu stärken und seinen Informationsauftrag zu erfüllen.

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