„Wir brauchen mehr Klasse statt Masse“

von am 20.11.2019 in Aktuelle Top Themen, Allgemein, Archiv, Filmwirtschaft, Kreativwirtschaft, Kulturpolitik, Medienförderung, Medienwirtschaft

„Wir brauchen mehr Klasse statt Masse“
Yvonne Magwas, MdB, Filmpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion

Debatte um FFG-Novelle: Fördermittel umschichten

20.11.2019. Interview mit Yvonne Magwas, MdB, filmpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat sich in dieser Legislaturperiode bereits mehrfach mit der Filmwirtschaft befasst. So diskutierten kürzlich die Medienpolitiker dieser Fraktion bei einem Expertengespräch über die anstehende Novelle des Filmförderungsgesetzes. Die Koalitionsfraktionen wollen ein Eckpunktepapier erarbeiten, das die Basis für den Gesetzentwurf zur Novellierung des Filmförderungsgesetzes dienen soll. In einem Interview mit medienpolitik.net betonte Yvonne Magwas, filmpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, dass die Branche an gemeinsamen Lösungen interessiert sei, so wurde bei dem Expertengespräch u.a. angekündigt, sich intern zum zukünftigen Verhältnis von Produktions- und Herausbringungsförderung zu einigen. Für die Hebung der Qualität des deutschen Films benötige man, so Magwas, nicht mehr Geld, sondern eine bessere Verteilung der ohnehin gut gefüllten Fördertöpfe. Dafür müsse man „natürlich auch an anderen Stellschrauben drehen, z.B. bei der Gewinnbeteiligung der Produzenten am Film.“

medienpolitik.net: Frau Magwas, welchen Stellenwert nimmt für Sie die FFA innerhalb unseres Fördersystems ein?

Magwas: Die FFA nimmt einen hohen Stellenwert in unserem Film-Fördersystem ein. Als Selbstverwaltungs-Organ der Branche kennt sie sich am besten mit neuen Entwicklungen und Herausforderungen aus. Der Verwaltungsrat der FFA wird auch oft als Filmparlament bezeichnet. Anders als Bund und Länder fördert sie über die Filmabgabe der Branche selbst und unterstützt in allen Phasen des Entstehens und der Verwertung. Zudem trägt sie dazu bei, dass Kinos gefördert werden, unser Filmerbe erhalten wird und der deutsche Film auch im Ausland ankommt. Auch künftig müssen wir deshalb darauf hinwirken, dass die FFA nicht an Stellenwert verliert und der Etat, welcher durch schlechte Kinojahre und Streaming-Konkurrenz derzeit sinkt, stabil gehalten werden kann. 

medienpolitik.net: Sollte die FFA auch künftig ausschließlich Kino-Filme fördern?

Magwas: Im Zuge des großen Erfolges des Streaminggeschäfts durch Dienste wie Netflix und Amazon ist es sicherlich sinnvoll darüber nachzudenken, auch Filme und Serien, die nicht für das Kino gemacht sind, zu fördern. Derzeit lässt die Bundesregierung ein rechtswissenschaftliches Gutachten zur Öffnung des Filmförderungsgesetzes (FFG) für andere audiovisuelle Formate als den Kinofilm erarbeiten. Dies schließt die Einbeziehung weiterer Verwertungsformen, wie z.B.: Streaming-Dienste, ein. Über die Ergebnisse werden wir dann beraten.

medienpolitik.net: Was wären für Sie die Maßstäbe für eine Förderung von Kino-Filmen durch die FFA im Unterschied zu anderen Fördermöglichkeiten durch Bund und Länder?

Magwas: In der Tat ist es so, dass es echte Unterschiede im Förderprofil zwischen FFA, der kulturellen Filmförderung von BKM und den Länderförderungen nicht gibt. Spezifisch für die Förderung der FFA ist aber die Referenzförderung. Anders als bei den Förderprogrammen von Bund und Ländern ist die Referenzförderung an den Erfolg von Filmen geknüpft – es entscheiden Zuschauerzahlen und Preise. Um die Förderprofile noch unterscheidbarer zu machen, wäre zu überlegen, ob man die FFA-Förderung noch mehr auf wirtschaftliche Kriterien ausrichtet.   

„Um die Förderprofile noch unterscheidbarer zu machen, wäre zu überlegen, ob man die FFA-Förderung noch mehr auf wirtschaftliche Kriterien ausrichtet.“

medienpolitik.net: Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte unlängst in einem Expertengespräch über die Novellierung des FFG beraten. Was waren für Sie die wichtigsten Ergebnisse dieser Anhörung?

Magwas: Es war sehr erfreulich, dass so viel Übereinstimmung unter den rund 70 Anwesenden bestand. So waren sich die Branchenvertreter zum Beispiel einig, dass die Förderung der Filmherausbringung und -vermarktung verstärkt werden muss. Auch die 2017 eingeführte Drehbuchfortentwicklung ist von der Branche gut angenommen wurden und sollte fortgesetzt werden. Weitere Punkte waren die Stärkung der Geschlechtergerechtigkeit im Filmbereich, die Nachwuchsförderung bei Akteuren hinter der Kamera sowie die Unterstützung bei Marketingmaßnahmen für den international erfolgreichen deutschen Kinderfilm. Die Branche hat uns damit wichtige Hinweise für die Gestaltung der FFG-Novelle mit auf den Weg gegeben. Die Diskussion hat aber auch gezeigt, dass die Branche an einer gemeinsamen Lösung interessiert ist, so wurde u.a. angekündigt, sich intern zum zukünftigen Verhältnis von Produktions- und Herausbringungsförderung zu einigen.

medienpolitik.net: Die Verbesserung der Stoffentwicklung und ein effektiveres Marketing scheinen sich als wichtige Schwerpunkte für eine Neufassung des FFG abzuzeichnen. Können diese Bereiche stärker gefördert werden, ohne dass die Fördermittel von Bund und Ländern erhöht werden?

Magwas: Für die Hebung der Qualität des deutschen Films brauchen wir nicht mehr Geld, sondern eine bessere Verteilung der ohnehin gut gefüllten Fördertöpfe. Unser Problem ist, dass heute zu viele Filme schnell produziert und nach dem Gießkannenprinzip gefördert werden, ohne jedoch den erwarteten Erfolg an der Kinokasse zu bringen. Wir brauchen mehr Klasse statt Masse, also weniger Filme, die aber besser durchdacht und gefördert werden. Dazu gehören insbesondere bessere Drehbücher, gut bezahlte Autoren und auch den Mut, sich Zeit zu lassen. Kein Zwang zum Dreh. Dafür müssen wir natürlich auch an anderen Stellschrauben drehen, z.B. bei der Gewinnbeteiligung der Produzenten am Film. Auf der anderen Seite ist Marketing sehr wichtig, um die Werke sichtbar zu machen und an die entsprechende Zielgruppe zu bringen. Wichtige Instrumente dabei sind die digitale Kundenbindung, lokale Werbemaßnahmen aber auch die internationale Herausbringung. Hier gibt es noch viel Luft nach oben.

„Unser Problem ist, dass heute zu viele Filme schnell produziert und nach dem Gießkannenprinzip gefördert werden, ohne jedoch den erwarteten Erfolg an der Kinokasse zu bringen.“

medienpolitik.net: Die Evaluierungsstudie der FFA hat sinkende Einnahmen für die FFA in den nächsten Jahren ergeben. Wie kann der FFA-Etat wenigstens auf einer Höhe von 50 Mio. Euro gesichert werden?

Magwas: Die FFA hat für das Jahr 2026 nur noch 41 Mio. Euro Einnahmen (ohne die freiwilligen Leistungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten) prognostiziert. In den vergangenen Jahren lag der Etat immer über 50 Mio. Euro. Unser Ziel, das Budget bei 50 Mio. Euro zu stabilisieren, erreichen wir, indem wir wieder mehr Kinobesucher gewinnen und die Umsätze der Kinos steigern. Dazu brauchen wir mehr erfolgreiche Filme und eine starke Kinolandschaft. Mit der geplanten FFG-Novelle sowie unserem Sofort- und Zukunftsprogramm Kino wirken wir darauf gezielt hin. Außerdem prüft die Bundesregierung, ob mit einer Öffnung des FFG für andere Formate auch neue Einzahler gewonnen werden können. Wir müssen aber auch darüber nachdenken, den Leistungskatalog der FFA an der ein oder anderen Stelle zu reduzieren und damit Einsparungen vorzunehmen. 

medienpolitik.net: Welche Rolle müssen die VoD-Plattformen künftig bei der Finanzierung der FFA spielen?

Magwas: Mit Amazon und Netflix haben wir bereits zwei große Streaminganbieter, die ihrer Abgabepflicht nachkommen. Es ist wichtig, dass auch weitere ausländische VoD-Plattformen wie Google diesem Beispiel folgen und Filmabgabe an die FFA zahlen. Wer vom deutschen Filmmarkt profitiert, muss auch Abgaben zahlen. Das ist nur fair.

„Wir müssen auch darüber nachdenken, den Leistungskatalog der FFA an der ein oder anderen Stelle zu reduzieren und damit Einsparungen vorzunehmen.“

medienpolitik.net: Die CDU/CSU-Fraktion gehörte zu den Initiatoren des Zukunftsprogramms Kino. Wie sind Sie mit der bisherigen Umsetzung zufrieden?

Magwas: In diesem Jahr haben wir als Vorstufe des Zukunftsprogramms Kino bereits das Soforthilfeprogramm Kino aufgelegt. Damit haben wir auf die sich verschärfende wirtschaftliche Situation insbesondere im ländlichen Raum schnell reagiert. Gemeinden mit bis zu 25.000 Einwohnern erhielten maximal 25.000 Euro für Modernisierungsmaßnahmen und programmbegleitende Investitionen. Aufgrund der hohen Nachfrage hat die Kulturstaatsministerin Monika Grütters den Etat von 5 Mio. Euro kurzfristig um 10 Prozent, also um 500.000 Euro, aufgestockt. Das ist ein großer Erfolg. Im ersten Quartal 2020 startet dann das Zukunftsprogramm Kino. Neben Kinos im ländlichen Raum, können hier auch Kinos in urbanen Gebieten unter bestimmten Voraussetzungen zum Zug kommen.

medienpolitik.net: Für 2020 sind 17 Mio. Euro vorgesehen. Wird das Programm 2021 fortgesetzt?

Magwas: Ja, das Zukunftsprogramm Kino ist für die kommenden Jahre geplant. In 2020 stehen dafür 17 Mio. Euro zur Verfügung. Wichtig ist, dass sich auch die Länder am Erhalt der Kinos in ihren Städten und Gemeinden beteiligen. Kino muss Erlebnisort werden!

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