„Interaktion und Partizipation sind jetzt besonders wichtig“

von am 08.04.2020 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Dualer Rundfunk, Internet, Medienkompetenz, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Rundfunk

„Interaktion und Partizipation sind jetzt besonders wichtig“
Dr. Astrid Plenk, Programmgeschäftsführerin des Kinderkanals von ARD und ZDF

KiKA stockt Kinderfilmprogramm auf und verzeichnet auf allen digitalen Plattformen gestiegene Abrufzahlen

08.04.2020. Interview mit Dr. Astrid Plenk, Programmgeschäftsführerin des Kinderkanals von ARD und ZDF

Auch der Kinderkanal hat sein Programm der veränderten Mediennutzung während der Corona-Pandemie angepasst und verzeichnet stark steigende Zuschauer- und Nutzerzahlen. So hat er sein Kinderfilmprogramm im linearen TV und im KiKa-Player aufgestockt. Dazu werden die bekannten Spielfilmplätze wie das „SamstagsKINO“ ausgeweitet und Filme mit längeren Spielzeiten im KiKa-Player platziert. Das Angebot soll bis Ostern stetig erweitert werden. Außerdem bot ein Special mit Experten kindgerecht aufbereitete Informationen zum Coronavirus. Die KiKANiNCHEN-App wurden mit altersgerechten Spielen und Angeboten für Vorschulkinder bestückt, um auch den Jüngsten eine große Angebotspalette zu bieten. „Wir sehen“, so Dr. Astrid Plenk, „dass wir mit unserer öffentlich-rechtlichen Qualitätsangeboten aus dem Informations-, Unterhaltungs- und Wissensbereich die Bedürfnisse der Kinder und die Erwartungen der Eltern treffen.“ Alle digitalen Plattformen verzeichneten sehr hohe Aufrufzahlen mit bis zu 1,2 Millionen Visits.

medienpolitik.net: Frau Plenk, wie haben sich die Reichweiten des linearen Programms und die Online-Abrufe in den vergangenen Tagen entwickelt?

Plenk: Es sind doppelt so viele Kinder im Medienmarkt als üblicherweise, sowohl unter der Woche als auch am Wochenende. Anders aber als in Ferienzeiten sind jetzt alle Zuhause, die Jüngsten, die Älteren und auch die Eltern. Blicken wir auf das vergangene Wochenende, so war KiKA mit 17,8 Prozent, 16,3 Prozent und 14,0 Prozent marktführend. „Dein Song – Das Finale“ (ZDF), das in Erfurt produziert wurde, erreichte einen Marktanteil von 29,4 Prozent bei den Drei- bis 13-Jährigen, 235.000 Stimmen beim Voting auf kika.de, im Chat waren es 80.000. Das sind Spitzenwerte und das freut uns sehr, auch wenn der Anlass wahrlich kein Grund zur Freude ist. Aber wir sehen, dass wir mit unserer öffentlich-rechtlichen Qualitätsangeboten aus dem Informations-, Unterhaltungs- und Wissensbereich die Bedürfnisse der Kinder und die Erwartungen der Eltern treffen.

medienpolitik.net: Was wird besonders nachgefragt?

Plenk: Mit den sehr erfolgreichen Formaten „Schloss Einstein“ (MDR/ARD/KiKA), „Dein Song“ (ZDF) oder „Mia and me“ (ZDF) bieten wir Raum für Unterhaltung und Ablenkung. Erfolgreich sind aber auch Wissensformate wie „Die Sendung mit der Maus“ (WDR), „Löwenzahn“ oder „logo!“ (beide ZDF), ebenso wie unsere Angebote für Vorschüler*innen im linearen TV, aber auch in der App und auf kikaninchen.de. Die Kinder wählen je nach Alter ihr Lieblingsangebot und entsprechend breit stellen wir uns linear und non-linear auf. Alle digitalen Plattformen verzeichnen unglaublich hohe Aufrufzahlen mit bis zu 1,2 Millionen Visits am vergangenen Wochenende.

medienpolitik.net: Wie haben Sie das Programm von KiKA seit dem 16. März verändert?

Plenk: Im ersten Schritt haben wir die Vorschul-Strecke „KiKANiNCHEN“ zugunsten der Schulkinder eingekürzt und am frühen Mittag eine Wissens- und Informationsstrecke eingezogen. Mit „logo!“ (ZDF), den Wissensformaten wie den „Checkern“ (BR) oder „Wissen macht Ah!“ (WDR), mit Sonderproduktionen von „Die beste Klasse Deutschlands“ (KiKA/hr/ARD) oder „Dein Song“ (ZDF) war die erste Woche prall gefüllt. Mit „#gemeinsamzuhause“ haben wir linear und über alle Plattformen hinweg eine Kennung geschaffen, die Beschäftigungs-, Informations- und Wissensgebote bündelt. kikaninchen.de und die KiKANiNCHEN-App wurden mit altersgerechten Spielen und Angeboten für Vorschulkinder bestückt, um auch den Jüngsten eine große Angebotspalette zu bieten – ebenso gebündelt über #gemeinsamzuhause und damit erkennbar. Informiert haben wir alle Eltern über unser Erwachsenen-Angebot auf kika.de sowie Facebook und Instagram. Jetzt im zweiten Schritt verstetigen wir unsere Angebote, planen interaktive Aktionen und passen weiter alle Angebote an aktuelle Entwicklungen an. Das sind nur einige Beispiele – alle bei KiKA sind höchst engagiert und kreativ, um Kindern jetzt das zu bieten, was sie von uns erwarten und was sie in dieser besonderen Zeit benötigen.

„Jetzt verstetigen wir unsere Angebote, planen interaktive Aktionen und passen weiter alle Angebote an aktuelle Entwicklungen an.“

medienpolitik.net: Erhalten Sie besondere Unterstützung für neue Sendungen oder Formate von den ARD- und ZDF-Anstalten?

Plenk: Gemeinsam arbeiten wir im starken und kollegialen Netzwerk der Kinderprogrammredaktionen von KiKA, ARD und ZDF und schöpfen von der Kompetenz in den Häusern.

medienpolitik.net: Was bietet der KiKA, um den Schulausfall zu kompensieren?

Plenk: Wir sind kein Schulfernsehen, ersetzten keinen klassischen Schulunterricht. KiKA ist seit Beginn an ein Vollprogramm, reich an Genres und Themen, wir sind Lieblingssender und Vertrauensmarke. Unsere Unterhaltungskompetenz im Wissensbereich ist klar definiert: angefangen von der „Sendung mit der Maus“ und „Wissen macht Ah!“ vom WDR, die „Checker“-Reihen des BR, über „PUR+“ und „Löwenzahn“ vom ZDF, bis zu „Triff…“ oder die „Beste Klasse Deutschlands“ von KiKA. Wir bieten unterhaltsame Informations- und Wissensvermittlung  – angefangen bei Vorschul-Formaten wie der „Sesamstraße“ (NDR) oder „logo!“ (ZDF) für die Älteren.  #gemeinsamzuhause ist derzeit die Klammer, unter der wir vernetzen und auch die Wissensformate stellen.

medienpolitik.net: Gibt es auch spezielle Informationsformate für die Kinder?

Plenk: Selbstverständlich, auch die gibt es formenreich bei KiKA – „neuneinhalb“ (WDR), das Reportermagazin oder die Kindernachrichten „logo!“ (ZDF) um Beispiele zu nennen, alles zum Nachlesen auf unseren Seiten oder zum Nachschauen im „KiKA-Player“. Deutlich spielerischer und an die Zielgruppe angepasst, findet auch in den Angeboten für Vorschüler*innen ihren Raum in der „KiKANiNCHEN-App“ sowie auf kikaninchen.de.

medienpolitik.net: Sie bieten auf der Online-Seite auch Spiele. Werden diese mehr genutzt als sonst?

Plenk: Spiele für alle Altersgruppen bilden auf unseren digitalen Plattformen – immer ergänzt mit Bastel- und Kreativanleitungen und Ganzsendungen – einen festen Bestandteil und erwartet und genutzt von Kindern. In der aktuellen schul- und kitafreien Zeit sind die Nutzungszahlen um das Dreifache angestiegen.

„Es gibt viel, was belastet, und letztendlich auch Kinder bedrückt.“

medienpolitik.net: Wie ist die Reaktion der Eltern? Welche Wünsche haben sie an die KiKA-Redaktion?

Plenk: Gerade jetzt spüren wir unsere gesellschaftliche Verantwortung und das große Vertrauen, welches Eltern uns entgegenbringen. Das merken wir an den vielen positiven Rückmeldungen, wie zum Beispiel „Danke, dass ihr es unseren Kids so toll erklärt in dieser Zeit und weiter macht. Bleibt gesund“ oder auch „Ich möchte mich ganz herzlich bei euch für die tolle Berichterstattung rund um Corona bedanken.“ Wir bündeln unsere Informationen für Eltern gezielt auf erwachsene.kika.de, stellen Hintergrundinformationen und Tipps bereit. Das wertschätzen sie und kommen so mit uns auch in den Austausch.

medienpolitik.net: Wie weit können die Kinder das Programm mitgestalten?

Plenk: Interaktion und Partizipation sind für uns immer zentrale Anliegen und leiten unsere Angebotsideen: Über viele Formate und Plattformen hinweg bieten wir unterschiedlichste Ansätze: vom reinen Voting, über Chats, als Kreativschaffende bei „ENE MENE BU“ (KiKA), als Songwriter*innen bei „Dein Song“ bis zur Ko-Kreation von Inhalten binden wir Kinder ein und ermöglichen wahrhaftige Beteiligung. Gerade in Zeiten wie diesen ermöglichen diese Angebote Selbstwirksamkeit und stärken und ermutigen Kinder.

medienpolitik.net: Was ist gegenwärtig für KiKA die größte Herausforderung?

Plenk: Wie alle erleben wir derzeit eine unglaubliche, fast surreale Zeit. Dezentrales Arbeiten, Homeoffice in einem eigentlich hochtechnologisiertem Medium, viele beunruhigende Nachrichten aus Deutschland und der Welt und die Situation ist noch nicht absehbar. Es gibt also viel, was belastet, und letztendlich auch Kinder bedrückt. Jetzt gemeinsam zusammenstehen, zu erklären, aber auch da zu sein, ist jetzt das wichtigste Signal, was wir gemeinsam als KiKA allen Kindern geben möchten. Wir sind verlässlicher Partner, hören zu, informieren und erklären – diesen Anspruch an uns selbst können wir dank unseres hoch motivierten Teams tagtäglich erfüllen, auch unter diesen schwierigen Umständen.

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