„Jedes Format lernt gegenwärtig viel über seine Zielgruppe“

von am 30.04.2020 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Digitale Medien, Journalismus, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Plattformen und Aggregatoren, Social Media

„Jedes Format lernt gegenwärtig viel über seine Zielgruppe“
Florian Hager, Programmgeschäftsführer von FUNK und stellvertretender Programmdirektor der ARD

Weitere FUNK-Creatoren sollen in das Erste der ARD wechseln

30.04.2020. Interview mit Florian Hager, Programmgeschäftsführer von FUNK und stellvertretender Programmdirektor der ARD

Auch FUNK, das junge Angebot von ARD und ZDF, hat sich flexibel auf die Corona-Pandemie eingestellt. Um die Zeit für die junge Zielgruppe so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, hat funk #mitfunkzuhause gestartet. In täglichen Livestreams können die User sich so mit Creatoren aus unterschiedlichen funk-Formaten austauschen. „Wir merken“, so Florian Hager, Programmgeschäftsführer von FUNK in einem medienpolitik.net-Interview, „dass nicht nur die Nutzung bei Informationsformaten ansteigt, sondern auch bei unseren Orientierungs- und Unterhaltungsformaten eine höhere Nutzung zu verzeichnen ist.“ Beispielsweise hätten sich die Nutzungszahlen auf Facebook im März im Vergleich zum Vormonat fast verdoppelt – damit seien die Zahlen auf Facebook so hoch wie nie zuvor. „An den Abrufzahlen für die Videos im Informationsbereich sehen wir“, erläutert Hager, „wie relevant es für die Zielgruppe ist, verlässliche Informationen zu erhalten.“ Beispiele dafür seien die Beiträge von maiLab mit Mai Thi Nguyen-Kim, MrWissen2Go mit Mirko Drotschmann, STRG_F oder auch die Funk-Hubs wie beispielsweise der Instagram-Hub, der innerhalb der letzten zwei Monate seine Abonnentenzahlen mehr als verdoppeln konnte.

medienpolitik.net: Herr Hager, wie sieht FUNK seine Aufgabe in dieser Zeit? 

Hager: Die Corona-Krise stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Natürlich behalten auch wir stets die Entwicklungen der Corona-Pandemie im Blick. Wir erfüllen weiterhin unseren Auftrag, Inhalte für 14- bis 29-Jährige zu produzieren, und zwar in allen Bereichen, also Information, Orientierung und Unterhaltung, wobei Informationsinhalte gerade jetzt – in Anbetracht der kursierenden Fakenews zum Thema Corona – natürlich auch für unsere Zielgruppe besonders wichtig sind.  
 
medienpolitik.net: Wie sehr bestimmt die Corana-Krise gegenwärtig die Inhalte von FUNK? 

Hager: Mit seinen über 70 Formaten informiert und unterhält FUNK die 14- bis 29-Jährigen und gibt ihnen Orientierung – und das in Teilen mit Inhalten zur aktuellen Lage aber auch mit einem großen Angebot, das wir in normalen Zeiten auch bereitstellen. Einige unserer Formate setzen sich in ihrem Kern mit aktuellen Themen auseinander und nehmen sich deshalb auch Corona und dessen Folgen an, um für die Zielgruppe Inhalte passend aufzubereiten. Allerdings gibt es bei funk keine klassischen Nachrichten im Sinne einer tagesaktuellen Berichterstattung. Deshalb haben wir zu Beginn beschlossen, dass wir an dieser Stelle beispielsweise auf den  FUNK -Hubs auf Facebook und Instagram die Informationen von ARD und ZDF nutzen und keine neuen Formate aus dem Boden stampfen, die wir auf Dauer personell und inhaltlich nicht stemmen können. Stattdessen reagieren unsere bestehenden Formate sehr flexibel auf die Situation und integrieren das Thema Corona auf kreative Art und Weise in ihre Beiträge. Ein gutes Beispiel hierfür ist eine aktuelle Reportage des Formats “Die Frage” in der Reihe “Wie weit kann Liebe gehen?”. Hier schafft es der Host Frank, die besonderen Umstände für eine besondere Reportage zu nutzen: Ohne physische Nähe zu den beiden Protagonistinnen erzählt er mithilfe von Videogesprächen und von den Protagonistinnen aufgenommenen Sequenzen eine lebensnahe Geschichte. Aber auch andere Formate greifen das Thema Corona auf und versuchen Konsequenzen der Krise für verschiedene Akteure der Gesellschaft zu beleuchten, so beispielsweise im Beitrag von “reporter” zur Lage von Sportler*innen.

„Wir interagieren noch stärker mit den Communities und versuchen so, deren Bedürfnisse – auch in Hinblick auf die neue Situation – zu monitoren.“

medienpolitik.net: Was erfährt der Zuschauer oder Nutzer bei FUNK, das er bei anderen Plattformen nicht erfährt? 
Hager: Bei FUNK werden die Inhalte zielgruppengerecht für die 14- bis 29-Jährigen aufbereitet. Das betrifft natürlich einerseits die Bedürfnisse der Zielgruppe rund um das Thema Corona. Allerdings erhält die Zielgruppe bei uns auch weiterhin ein großes Angebot an Inhalten aus allen anderen Bereichen, die sie auch in Nicht-Corona-Zeiten bekommen hätten – denn wir haben gemerkt, dass es ein starkes Bedürfnis gibt, sich auch mit anderen Themen als Corona zu beschäftigen. 

medienpolitik.net: Wo und wie kann FUNK in diesen Tagen sein Stärken ausspielen? 

Hager: Wir richten uns immer stark nach den Bedürfnissen unserer Zielgruppen – diesem Ansatz bleiben wir natürlich auch in dieser besonderen Zeit treu: Wir interagieren noch stärker als sonst mit den Communities und versuchen so, deren Bedürfnisse – auch in Hinblick auf die neue Situation – zu monitoren. Zusätzlich nutzen wir unsere Reichweite auf den  FUNK -Hubs auf Instagram und Facebook, um verlässliche Informationen zum Thema Corona bereitzustellen und eine Orientierung zu bieten. Hierbei greifen wir vor allem auf Infos der ARD- und ZDF-Nachrichtenangebote zurück und bereiten sie spezifisch für unsere Zielgruppen auf. Zum Teil auch auf humorvolle Art und Weise, denn das hilft der Zielgruppe auch beim Umgang mit dem Thema. Diese Bestrebungen stoßen bei den 14- bis 29-Jährigen auf große Zustimmung. Dies merken wir zum Beispiel an stark wachsenden Followerzahlen, aber auch an den Kommentaren und Rückmeldungen, die uns erreichen. 
 
medienpolitik.net: Können Sie die gestiegene Nutzung bitte konkretisieren.

Hager: Beispielsweise haben sich die Nutzungszahlen auf Facebook im März im Vergleich zum Vormonat fast verdoppelt – damit sind die Zahlen auf Facebook so hoch wie nie zuvor. Auch auf allen anderen Plattformen ist ein starker Anstieg der Nutzung zu erkennen. An den Abrufzahlen für die Videos im Informationsbereich sehen wir, wie relevant es für die Zielgruppe ist, verlässliche Informationen zu erhalten. Ein Beispiel sind die Beiträge von maiLab mit Mai Thi Nguyen-Kim, MrWissen2Go mit Mirko Drotschmann, STRG_F oder auch unsere oben angesprochenen  FUNK -Hubs wie beispielsweise der Instagram-Hub, der innerhalb der letzten zwei Monate seine Abonnentenzahlen mehr als verdoppeln konnte. Wir merken allerdings gleichzeitig, dass nicht nur die Nutzung bei Informationsformaten ansteigt, sondern auch bei unseren Orientierungs- und Unterhaltungsformaten eine höhere Nutzung zu verzeichnen ist. 

medienpolitik.net: Sie sprachen eben das maiLab von Mai Thi Nguyen-Kim an. Es hat inzwischen auch über die Zielgruppe von FUNK hinaus, Popularität erhalten…

Hager: Insbesondere die Videos von maiLab mit Mai Thi Nguyen-Kim haben sehr hohe Nutzungszahlen erreicht und sind auf große Resonanz gestoßen. Grundsätzlich hat es ihre Follower*innen und uns gefreut, dass Mai nach ihrer Babypause zurück ist und von nun an im zwei Wochen-Rhythmus veröffentlicht. Vom Echo der Nutzer*innen kann man sich auf all ihren Kanälen überzeugen. 

„Durch die Konzentration auf die Wohnung ist der Austausch mit der Community noch viel intensiver geworden.“

medienpolitik.net: Sie sind seit 1. Januar gleichzeitig stellv. ARD-Programmdirektor. Könnten Sie sich Mai Thi Nguyen-Kim auch im Ersten vorstellen? 

Hager: Mai Thi Nguyen-Kim ist bereits Moderatorin bei Quarks im WDR und war beispielsweise neulich auch mit einem Tagesthemen-Kommentar im Ersten zusehen. Sie ist eine geschätzte Wissenschaftsjournalistin und eine spannende Person, die ich mir auch stärker in der Mediathek vorstellen kann. Aber auch für andere Hosts aus dem  FUNK -Netzwerk könnte das eine spannende Perspektive sein, hier gibt es bereits erste Ideen mit verschiedenen Hosts.  

medienpolitik.net: Hat sich durch Corona der Stellenwert der Informationen gegenüber der Unterhaltung verändert? 
Hager: Natürlich sind Informationsinhalte gerade jetzt auch für unsere Zielgruppe besonders wichtig. Wir erfüllen weiterhin unseren Auftrag, Inhalte für 14- bis 29-Jährige zu produzieren, und zwar in allen Bereichen, also Information, Orientierung und Unterhaltung. Dies umfasst in Teilen natürlich Inhalte zur aktuellen Lage, aber eben auch weiterhin das gewohnt große Angebot, das die Zielgruppe normalerweise auch erhält.  

medienpolitik.net: In den sozialen Medien werden reißerische und oft falsche Informationen über das Coronavirus in verbreitet. Was kann FUNK dagegen setzen? 
Hager: Verlässliche und gut recherchierte Inhalte sind momentan, da Fakenews zum Thema Corona immer wieder auftauchen, besonders wichtig. Solche Inhalte finden unsere User*innen insbesondere auf unseren Hubs, aber auch in ausgewählten Informationsformaten, die sich mit aktuellen Themen beschäftigen.  

medienpolitik.net: Gibt es aus dem Erfahrungen im Umgang mit der Corona-Epidemie bei den FUNK-Angeboten und auch aus den Reaktionen der Nutzer bereits erste Ideen und Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung von FUNK? 

Hager: Wir können fast alle unsere Formate regulär oder in leicht veränderter Form so weiterführen wie bisher, nicht zuletzt durch die meist sehr kleinen Produktionsteams. Grundsätzlich lernt jedes Format auch momentan viel über seine Zielgruppe und wir probieren Neues aus. Ein Beispiel hierfür ist unsere Snapchat-Soap iam.josephina. Die aktuelle Staffel läuft komplett aus den vier Wänden der Protagonistin Josefina. Im “Normalfall” ist sie meist unterwegs, wenn sie ihre Geschichten erzählt. Durch die Konzentration auf die Wohnung ist der Austausch mit der Community noch viel intensiver geworden. Insgesamt sind wir froh, dass wir unsere User*innen durch diese besondere Zeit weiterhin begleiten können. Ich möchte an dieser Stelle auch meinen Dank aussprechen an alle Beteiligten, die das momentan möglich machen. Nach wie vor stehen bei uns die Bedürfnisse der 14- bis 29-Jährigen an erster Stelle. Wir arbeiten im Netzwerk gemeinsam dafür, die Situation so gut wie möglich zu meistern und freuen uns zu sehen, dass unsere Nutzer*innen dies wertschätzen.

  

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