„Unsere Schatzkiste kann als Public Value genutzt werden“

von am 10.06.2020 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Gesellschaftspolitik, Medienordnung, Medienpolitik, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

„Unsere Schatzkiste kann als Public Value genutzt werden“
Professor Peter Arens, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Geschichte und Gesellschaft

„Terra X“ hat sich zu einer reichweitenstarken Digitalmarke entwickelt, die von vielen Jugendlichen genutzt wird

10.06.2020. Interview mit Professor Peter Arens, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Geschichte und Gesellschaft

Die renommierte ZDF-Marke „Terra X“ erweitert mit einem neuen Angebot ihr umfangreiches Programm an digitalen Inhalten. Der öffentlich-rechtliche Sender stellt 50 Video-Clips mit einer Creative-Commons-Lizenz zur freien Nutzung allen Interessierten zur Verfügung und baut diesen Fundus systematisch weiter aus. Die Videos erklären in 20 Sekunden bis drei Minuten unter anderem, wie Schwerkraft den Raum krümmt oder das Rechtswesen im Alten Rom funktionierte. Sie zeigen in aufwendiger 3D-Grafik, wie vor rund 5000 Jahren das mesopotamische Uruk aussah oder der Palast von Persepolis vor der Zerstörung durch Alexander den Großen im 4. Jahrhundert vor Christus. Die Clips können zum Beispiel in Lehrmaterialien integriert, auf Schulwebsites veröffentlicht und auch in Wikipedia-Seiten eingebaut werden. So kann seriöses Wissen auf vielen Wegen weiterverbreitet werden.Als öffentlich-rechtlicher Sender, der einem fest umrissenen journalistischen Ethos folgt und in den Ergebnissen der Wissenschaft fußt“, so Peter Arens Leiter der ZDF-Hauptredaktion Geschichte und Gesellschaft gegenüber medienpolitik.net, „ist es uns bei dem Creative-Commons-Projekt ein Anliegen, mit wissenschaftlich recherchierten Erklärclips zu einer fundierten Meinungsbildung in der Bevölkerung beizutragen.  Wir wollen ein Gegengewicht zu manipulativ angelegten oder nachlässig recherchierten Beiträgen setzen und vor allem auch unseren jungen Usern Orientierung bieten.“

medienpolitik.net: Herr Arens, hat die Corona-Pandemie Sie auf die Idee gebracht, Kurzclips von „Terra X“ unter Creative-Commons-Lizenz zur freien Nutzung zur Verfügung zu stellen?

Arens: Wir hatten schon länger die Idee, unsere hochwertigen „Terra X“-Grafiken der Allgemeinheit zur freien Nutzung zur Verfügung zu stellen. Ein erstes Pilotprojekt im Herbst 2019 mit Klima-Erklärclips zu „Wütendem Wetter“ unter Creative Commons-Lizenzen ist sehr positiv aufgenommen worden. Die Clips wurden 900.000 Mal aufgerufen. Das hat uns motiviert, das Thema weiter zu verfolgen. Die Corona-Pandemie hat aber nochmal unterstrichen, dass es eine große Nachfrage nach fundierter Wissenschaftsberichterstattung gibt – und dass gerade in einer solchen Situation auch gezielt nach anschaulichen Erklärungen wissenschaftlicher Zusammenhänge gesucht wird.

medienpolitik.net: Ist damit insgesamt die Aufmerksamkeit für den Rat und die Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern größer geworden?

Arens: Ich bin mir sicher, dass die Wissenschaft durch Corona so intensiv ins Bewusstsein der Menschen gerückt ist, wie selten zuvor. Es soll nicht triumphalistisch klingen, dafür ist die Bedrohung durch Corona zu ernst, aber viele haben jetzt den objektiven Wert der Wissenschaft für ihr Leben verstanden. Mir gefällt auch, dass nach allen Umfragen die bedeutende Mehrheit der Deutschen den Kurs von Regierung und Robert Koch Institut befürwortet, trotz der Einschränkungen, trotz so mancher Öffnungsdrängler. Mich hat irritiert, dass selbst sehr kluge Zeitgenossen dem RKI Profilneurose unterstellen, oder einen heimlichen Angriff des Staats auf die Bürgerrechte sehen, aber das war die Ausnahme. Die Deutschen vertrauen der institutionalisierten Wissenschaft, wie dem Robert-Koch-Institut, der Leopoldina oder der Charité. Und die Wissenschaft hat sich nicht auseinanderdividieren lassen, was wichtig war. Von großer Bedeutung ist dabei, dass die Wissenschaft eine verständliche Sprache findet, denn Wissenschaft ist keineswegs auf Verständlichkeit ausgerichtet, sondern auf Präzision und Verifizierbarkeit. Ein Virologe wie Professor Drosten hat die Kommunikation mit der Bevölkerung erfolgreich hinbekommen. Einen komplexen Sachverhalt verkürzen und vereinfachen kann aber nur der, der den Stoff wirklich beherrscht. Dafür stehen im ZDF Prof. Harald Lesch und Prof. Christopher Clark, beide genießen bei unserem Publikum höchsten Respekt, und beide stehen zudem auf ihre Weise für fröhliche Wissenschaft. Nach dem Motto: Es lernt nur der, der mit Freude und Faszination lernt. Das hat sich in der deutschen akademischen Tradition zum Glück zum positiven verändert, hier haben wir zunehmend von Engländern und Amerikanern gelernt: Früher empfanden es unsere Wissenschaftler als standeswidrige Zumutung, in populärwissenschaftlichen Sendungen wie „Terra X“ ein interessiertes Publikum zu bilden, heute kommen die großen Köpfe wie z.B. Prof. Parzinger gerne zu uns. Sie wissen, dass die Öffentlichkeit erfahren muss, wie spannend Wissenschaft sein kann. Dann können mehr Drittmittel für die Forschung eingeworben werden, und dann kommt auch Unterstützung aus der Politik – denn die engagiert sich oft dann erst, wenn öffentliche Resonanz entsteht. Schon 1958 sagte Hannah Arendt: „Wenn die Öffentlichkeit die Wissenschaft nicht versteht, dann werden sich die Menschen von der Wissenschaft abwenden.“ Und was die Wissenschaft im TV betrifft, gilt es mit einem Klischee aufzuräumen. Immer wieder treffe ich auf Journalisten, die sich ob der 4,5 Millionen Zuschauer von „Terra X“ wegen der anspruchsvollen Themen erstaunt zeigen, obwohl dieser Erfolg seit Jahrzehnten anhält. Das gilt auch für die Sendung „Leschs Kosmos“, gemeinsam mit „Terra X“ und dem „heute-journal“ oft die jüngste Sendung des ZDF-Tages. Also, die Wissenschaft im TV wird von den Medien gerne als zu anspruchsvoll für ein großes Publikum beurteilt. Aber man sollte die Zuschauer*innen nie unterschätzen.

medienpolitik.net: Warum „Terra X“?

Arens: Unsere Marke „Terra X“ steht seit vielen Jahren für hochwertige Produktionen, innovative Formate und große Bilder aus dem Bereich Geschichte und Wissenschaft, die entweder in Eigenproduktion oder Auftragsproduktion hergestellt wurden, mit umfassenden Rechten für das ZDF. Wir sind also nicht auf Lizenzen aus England, Amerika oder Japan angewiesen, sondern verfügen seit den 90er Jahren selbst über einen riesigen Fundus hochwertiger Dokumentationen bzw. Clips, wie ihn weltweit vielleicht nur die BBC oder National Geographic Television besitzen. Die optische und inhaltliche Qualität dieser Sendungen ist dabei schwer herzustellen, hierfür benötigt man Fachleute auf hohem Niveau, eine Terra X-Produktion liegt immerhin bei durchschnittlich 340.000 Euro. Zudem werden die „Terra X“-Filme von den Zuschauern und Usern als glaubwürdig und seriös geschätzt, für das CC-Projekt von entscheidender Bedeutung. Für uns war es daher offensichtlich, die Erkläreinheiten wie Grafiken und CGIs aus „Terra X“-Sendungen ins Zentrum unseres neuen Angebots zu stellen. Sie illustrieren z.B., wie Schwerkraft den Raum krümmt oder das Rechtswesen im alten Rom funktionierte. Sie zeigen in eindrucksvoller 3D-Grafik, wie vor rund 5000 Jahren das mesopotamische Uruk aussah oder das mächtige Karthago im Golf von Tunis im 3. Jahrhundert vor Christus, mit seinem geheimen, stark befestigten Kriegshafen. Jetzt freuen wir uns darüber, dass diese Schatzkiste als Public Value einer weiten demokratischen Öffentlichkeit bereitgestellt werden kann, insbesondere jungen Menschen, die ein großes Bedürfnis nach Welterklärung haben. Es ist fast so, als hätten wir all die Jahre nur darauf gewartet.

„Wir verfügen seit den 90er Jahren über einen riesigen Fundus hochwertiger Dokumentationen bzw. Clips, wie ihn weltweit vielleicht nur die BBC oder National Geographic Television besitzen.“

medienpolitik.net: Wie wird „Terra X“ von Jugendlichen wahrgenommen?

Arens: Wir beobachten, dass junge Menschen sich vermehrt für unsere Marke „Terra X“ interessieren. Der TV-Marktanteil bei den Zuschauern unter 30 Jahren hat in den letzten Jahren bei „Terra X“ zugenommen, was angesichts der steigenden Bedeutung von Streaming und Internet ja ungewöhnlich ist. Wir führen das insbesondere darauf zurück, dass sich „Terra X“ gleichzeitig zu einer reichweitenstarken Digitalmarke gewandelt und so auch online viele weitere junge Zuschauer gewonnen hat. Monat für Monat erreicht „Terra X“ in der ZDF-Mediathek und auf YouTube, Facebook und Instagram rund 20 Millionen Views. Zusammengerechnet haben unsere Social Media-Kanäle 1,5 Mio. Abonnenten. Davon sind bei YouTube und Instagram rund die Hälfte unsere Nutzer unter 35 Jahre alt. Und das mit einer Themenpalette, die von Geschichte, Zeitgeschichte und Archäologie über Umwelt, Geowissenschaften und Tiergeschichten bis hin zu Astrophysik reicht. Laut Medienforschung tragen zu diesem Erfolg maßgeblich Presenter wie Mirko Drotschmann und Harald Lesch bei, weil sie als Vertrauensstifter fungieren und den Zugang zu komplexen Themen erleichtern. Ein konkretes Beispiel für die Rückbeziehung von online zu linear: Seit Harald Lesch auf YouTube „Terra X Lesch & Co“ moderiert, hat sein Format „Leschs Kosmos“ im TV Marktanteile bei den unter 50jährigen dazugewonnen.

medienpolitik.net: Die Clips sind vor allem für Schüler und Lehrer bestimmt. Gab es aus diesem Bereich konkrete Wünsche an das ZDF, Material für den Unterricht bereitzustellen?

Arens: Vor drei Wochen erst haben Lehrerverbände einen offenen Brief an ARD und ZDF geschrieben mit der dringenden Bitte, Bildungsinhalte länger anzubieten, damit Schulen diese nutzen könnten. Corona war hierfür der Auslöser, doch der Brief bat grundsätzlich um eine längere Verweildauer von Wissensinhalten in den Mediatheken für eine konzentrierte Nutzung in den Schulen. „Terra X“-Sendungen werden immer häufiger im Schulunterricht gezeigt, Reihen wie „Die Deutschen“ mit Ausgaben über Martin Luther oder Karl Marx haben sich zu ausgesprochenen Longsellern entwickelt. Insbesondere, wenn wir mit dem Verband deutscher Geschichtslehrer zusammenarbeiten, wie im zurückliegenden Januar bei unserer 90minütigen Dokumentation „Ein Tag in Auschwitz“, erhalten unsere Programme große Aufmerksamkeit im Geschichtsunterricht. Dann steigt auch im TV der Marktanteil der 14-29jährigen, der bei „Ein Tag in Auschwitz“ bei 12,5 Prozent lag (rund doppelt so hoch wie im ZDF-Durchschnitt). Auch gibt es immer wieder Museen und andere Bildungseinrichtungen, die großes Interesse an einer Nutzung unserer Sendungen oder an Ausschnitten haben. Damit verbunden sind oft sehr komplexe Rechteprüfungen. Die Freigabe unter einer CC-Lizenz schafft Rechtssicherheit und wir gehen davon aus, dass nun Lehrende an Volkshochschulen oder Schulen, Studenten und Schüler genauso wie Museen und andere Protagonisten im Bildungsbereich die Materialien nutzen, um damit Lehrmaterialien anzureichern, Referate zu illustrieren oder vielleicht auch Websites informativ und attraktiv zu gestalten, so z.B. auch die Wikipedia. Wir können das derzeit nur mutmaßen, stehen aber im direkten Austausch mit den verschiedenen Playern in diesen Bereichen und werden uns Rückmeldungen einholen und beobachten, was mit den Clips passiert und wie sie bei den Usern ankommen. Durch den spontan aus der Taufe gehobenen YouTube-Kanal „Terra X statt Schule“ haben wir bereits wichtige Erkenntnisse gewonnen: Sowohl Lehrende als auch Schüler schätzen das Angebot, wobei kürzere Erklär- und Infovideos bevorzugt werden und unsere langen Dokumentationen mehr als Einstieg in Themenblöcke geguckt werden. Letztere bedienen nicht das klassische Curriculum, sondern werden eher im narrativen, gehobenen Kontext genutzt, eher bei älteren Schülern, eher in Leistungskursen, hier aber intensiv. Unser nächstes Vorhaben ist, die Sortier- und Filterfunktionen zu verbessern. Aktuell ist es aufgrund der Fülle unseres Angebots noch nicht immer einfach, so die Rückmeldung aus den Schulen, ad hoc das passgenaue Angebot zu finden.

medienpolitik.net: Sollen die Clips auch Argumente gegen Fake News und Verschwörungstheorien liefern?

Arens: Unbedingt! Als öffentlich-rechtlicher Sender, der einem fest umrissenen journalistischen Ethos folgt und in den Ergebnissen der Wissenschaft fußt, ist es uns bei dem Creative-Commons-Projekt ein Anliegen, mit wissenschaftlich recherchierten Erklärclips zu einer fundierten Meinungsbildung in der Bevölkerung beizutragen. Wir wollen ein Gegengewicht zu manipulativ angelegten oder nachlässig recherchierten Beiträgen setzen und vor allem auch unseren jungen Usern Orientierung bieten. Unser Vorteil ist ja, dass wir durch die langjährige Medienpräsenz von „Terra X“ von den Usern als vertrauensvolle Quelle wahrgenommen werden, die sogenannte Absenderglaubwürdigkeit ist hier von entscheidender Bedeutung. Wenn Wissenschaft in unserer aufgeklärten Gesellschaft dennoch auf Widerstand stößt, ist das meiner Auffassung nach eher ein Randphänomen, wenn auch im Internet ein lautes. Da spielt Kapitulation hinein gegenüber komplexen Zusammenhängen, oder wirtschaftliche Interessen von Lobbyisten – krude Phantasien von Flacherdlern oder antisemitische Verschwörungstheorien will ich gar nicht erwähnen. Der Klimawandel ist der neuralgischste Punkt von allen, der uns richtig Arbeit beschert: 97 Prozent der Wissenschaftler bestätigen den menschengemachten Klimawandel, und dennoch müssen wir bei entsprechender Berichterstattung die Proteste und Petitionen der Leugner bis in unsere Gremien hineintragen, die aber eindeutig auf der Seite der aufgeklärten Wissenschaftsinstitutionen stehen. In unseren Social Media-Kanälen erleben wir über unsere Community-Arbeit aber, wie aktiv Verschwörungstheoretiker in den Kommentaren sind. Wir sehen keine Alternative als dagegen zu halten, auch wenn gerade durch die Shitstorms von Klimaleugnern tagelange Arbeit auf uns zukommt. Doch wir beantworten die Kommentare zu unseren Videos individuell und gehen auf Fragen und Anmerkungen ein, so aufwändig das manchmal auch sein mag.

medienpolitik.net: Über welche Voraussetzungen müssen die Schüler bzw. Lehrer verfügen?

Arens: Alle unsere CC-Clips stehen in der ZDF-Mediathek unter TerraX-CC.zdf.de zum Download bereit. Lehrer oder Schüler können sie also herunterladen und dann an dem Ort ihrer Wahl auf dem Endgerät ihrer Wahl nutzen, ohne, dass dafür zum Beispiel im Klassenzimmer eine Internetanbindung zur Verfügung stehen muss. Das ist wichtig, da nicht alle Schulen mit Internet geschweige denn WLAN in ihren Klassenräumen ausgestattet sind. Die Lehrer oder Schüler können die heruntergeladenen Clips zum Beispiel auch in eine PowerPoint-Präsentation einbauen, oder mit einer einfachen Filmschnitt-Software für ihren Bedarf anpassen bzw. kürzen.

Harald Lesch ist Professor am Institut für Astrophysik der Universität München. Den Zuschauern ist er bekannt als Moderator des Wissensmagazins „Leschs Kosmos“ und verschiedener Sendeformate der TV-Reihe „Terra X“. Seit 2016 ist er der Kopf des YouTube-Kanals „Terra X Lesch & Co“.

medienpolitik.net: Nach welchem Konzept werden die Inhalte ausgewählt?

Arens: Um unser neues Angebot zusammenzustellen, durchforsten wir systematisch die Sendungen unserer Hauptredaktion Geschichte und Wissenschaft nach geeigneten Sequenzen, die optisch ansprechend sind, einen wissenschaftlichen Sachverhalt stringent veranschaulichen und thematisch für die Verwendung im Bildungsbereich bzw. für Wissensinteressierte besonders interessant sein könnten. Dabei haben wir gleich in der ersten Runde so viele geeignete Sequenzen identifizieren können, dass wir neben einem inhaltlich breit gefächerten Startangebot von 50 Clips ab sofort Woche für Woche diesen Fundus um drei neue Video-Einheiten erweitern werden. Ein besonderes Anliegen ist mir die technische Brillanz der Clips, und dass sie intellektuell Spaß machen, auch weil die junge Generation hohe Ansprüche an Visualität von Bewegtbild stellt. Die Zeit, da Netzvideos schnell und unperfekt daher kommen sollten, ist vorbei. Eines meiner aktuellen Lieblingsvideos ist eine CGI zu der antiken Metropole Persepolis, aus der Orient-Folge der aktuellen „Weltensaga“ mit Christopher Clark. Die Animation zeigt, wie prächtig die heutige Ruinenstadt vor 2.500 Jahren ausgesehen hat.

medienpolitik.net: Warum wählten Sie den Weg über eine Creative-Commons-Lizenz?

Arens: 2018 hat der Trägerverein von Wikipedia, die „Wikimedia“, eine größere Initiative gestartet, um die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zur vermehrten Arbeit mit gemeinfreien Lizenzen zu bewegen, gerade bei Materialien aus dem Wissensbereich. Auch aus anderen gesellschaftlichen Bereichen, teilweise aus unseren Gremien, kamen entsprechende Forderungen. Wir hatten schon länger über eine Freigabe von Inhalten nachgedacht und diese Initiative zum Anlass genommen, das Thema konsequent anzugehen. Durch die Verwendung der CC-Lizenzierung können wir all denen Rechtssicherheit geben, die unsere Erklärvideos ohne komplizierte Rechteklärungen zum Beispiel im Bildungsbereich nutzen wollen. Creative-Commons-Lizenzen sind bildungsaffinen Usern im Netz ein Begriff, der Umgang mit ihnen ist in den Communities eingeübt und Interessierte können ihn sich leicht erschließen. Damit wird die Nutzung unseres Materials niederschwellig und gerade Jugendliche schätzen es, Materialien unkompliziert bearbeiten und an anderen Orten einbauen zu können.

medienpolitik.net: Trägt damit das ZDF alle Kosten für eine mögliche urheberrechtliche Vergütung?

Arens: Die Nutzung unter CC-Lizenz wurde bei der Bemessung der Vergütung mitberücksichtigt und ist mit der vertraglich vereinbarten Vergütung durch das ZDF abgegolten. Sollte es für die Urheber zu Mehraufwand für CC kommen, werden wir diesen natürlich berücksichtigen, das ist mir sehr wichtig. Grundsätzlich sind ja wir es, die die Kosten für dieses umfangreiche Angebot tragen, was wir für die Public Value-Idee aber mit Überzeugung tun. Die Kreativen und Urheber gehen bei den CC-Lizenzen bisher gerne mit, immerhin wird ihre Arbeit jetzt einer größeren Öffentlichkeit bewusst, was für sie bestimmt keine schlechte Sache ist. Die Animateure, die aufwändige CGIs produzieren, werden jetzt verdienterweise ein Stück bekannter.

„Unser Vorteil ist, dass wir durch die langjährige Medienpräsenz von „Terra X“ von den Usern als vertrauensvolle Quelle wahrgenommen werden.“

medienpolitik.net: Der Name des YouTube-Kanals „Terra X statt Schule“, steht nicht unbedingt für eine Kooperation mit der Schule. Würden Sie sich ein umfangreiches Feedback aus dem Schulbereich wünschen?

Arens: Der Kanal und sein Name entstanden sehr kurzfristig als direkte Reaktion nach dem Corona-Lockdown in einer Situation, in der Schulunterricht von einem Tag auf den nächsten nicht mehr durchgeführt werden konnte. Wir waren darauf ziemlich stolz. Wir wollten den Eltern, Lehrern und Schülern mit der unmissverständlichen Namensgebung ein erkennbares Angebot machen, um sie zu unterstützen, diesen Schulausfall zu überbrücken. Nachdem der Schulunterricht zunächst digital und dann auch teilweise wieder im Klassenraum anlief, wurden die Videos auf unserem neuen Kanal aber weiterhin gut abgerufen. Daher wollen wir ihn unter Einbeziehung des CC-Projekts zur Unterstützung der Arbeit der Schulen weiter entwickeln. Unsere Arbeit für Schulen und Bildungseinrichtungen wird von einer breit angelegten Studie des ZDF begleitet. Die Erkenntnisse daraus und auch die Rückmeldungen der User werden wir nutzen, um unser Angebot weiter an den Bedarf aus dem Schul- und Bildungsbereich anzupassen. Den Namen werden wir natürlich den neuen Gegebenheiten anpassen, „Terra X statt Schule“ passt dann nicht mehr und wird Geschichte.

medienpolitik.net: Können Sie sich vorstellen, für die Präsentation dieser Clips auch Influencer wie Mai Thi Nguyen-Kim einzubinden?

Arens: Absolut, ich mag sie sehr! Sie war ja zu Beginn auch bei „Terra X Lesch & Co“ dabei. Unser neues Angebot starten wir gemeinsam mit unseren „Terra X“-Moderatoren Harald Lesch, Dirk Steffens und Mirko Drotschmann sowie der Biologin Kollegin Jasmina Neudecker, die als Journalistin im ZDF ausgebildet wurde. Im Wochenrhythmus demonstrieren unsere Presenter in Webvideos, wie man mit unseren CC-Clips auch schwierige Themen verständlich erklären kann. Ein weiteres Video mit Mirko erklärt den Schülern, wie sie die neuen CC-Clips sinnvoll nutzen können. Diese Videos veröffentlichen wir in der ZDF-Mediathek TerraX-CC.zdf.de und auf dem YouTube-Kanal „Terra X statt Schule“. Wir sind schon sehr neugierig auf die Resonanz in der Community.

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