Eine Schwächung der bereits stark angeschlagenen Kinos

von am 14.07.2020 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Filmwirtschaft, Kreativwirtschaft, Kulturpolitik, Medienwirtschaft

Eine Schwächung der bereits stark angeschlagenen Kinos
Kim Ludolf Koch, Geschäftsführer Cineplex

Offener Brief von Kim Ludolf Koch an Martin Moszkowicz, Vorstandsvorsitzender der Constantin Film AG

14.07.2020. Von Kim Ludolf Koch, Cineplex-Geschäftsführer

Anlässlich der sich immer weiter ergebenden Terminverschiebungen internationaler Produktionen macht sich die deutsche Kinobranche große Sorgen. Diese könnten durch eine vorzeitige Veröffentlichung nationaler Produkte gelindert werden. Anlässlich der überarbeiteten Starttermine von Constantin bittet Kim Ludolf Koch in einem offenen Brief den wichtigsten Partner großer deutscher Filme um Unterstützung. Der Wunsch, die Branche in dieser schweren Zeit nicht im Stich zu lassen, gilt aber letztlich für alle Produktionen, die nicht an einen weltweiten Start gekoppelt sind. Wer hätte gedacht, dass die Zeit, in der alle Kinos in Deutschland wieder spielen dürfen, grausamer wird als die Zeit der Schließung…

Lieber Martin Moszkowicz,

wer hätte gedacht, dass die Zeit, in der alle Kinos in Deutschland wieder spielen dürfen, grausamer wird als die Zeit der Schließung? Es vergeht kaum ein Tag, an dem kein Film mit noch so kleinen Besucherpotenzial verschoben wird. Die dramatische Entwicklung der Corona-Epidemie an Ost- und Westküste Amerikas, in China und vielen anderen Märkten lassen nicht nur Pessimisten befürchten, dass es noch zahlreiche weitere Verschiebungen geben wird. „Tenet“ und „Mulan“ im August? Höchst unwahrscheinlich! „Bond“ im November? Zumindest fraglich! Und so sehr man die Verleiher verstehen kann, so grausam sind die Folgewirkungen, die diese auf die schönste Erfindung, seit Lumiere und Skladanowski die bewegten Bilder erfanden, haben werden. Jede Woche ohne nennenswertes Programm für das breite Publikum schwächen die bereits stark angeschlagenen Kinos noch mehr und entfernen auch das Publikum immer weiter vom Filmerlebnis auf der großen Leinwand. Und auch Constantin scheint dem Intensiv-Patienten Kino nur mit kalten Umschlägen kurzfristig das Fieber senken zu wollen.

Nie machten so viele Deutsche während der Sommerferien Urlaub im eigenen Lande und der Filmmarkt ist leergefegt. Das Publikum ist bereit und alle Altersklassen wollen zurück ins Kino. Das zeigen auch die kleinen Erfolge der bisher gestarteten Filme. Doch für etwas ältere Kinder, Teenager und Erwachsene gibt es kaum ein attraktives Angebot, nachdem viele Filme verschoben, dem Kino entzogen oder zu eigenwilligen Bedingungen angeboten werden. Natürlich startet der eine oder andere kleine Film, allerdings ist Ware für Programmkinos eher darunter als für die größeren Filmpaläste.

„Jetzt in dieser Situation den Kinos beherzt die dringend benötigte Ware anzubieten, würde Ihnen nicht nur den Orden für die Rettung des Kinos sichern.“

Warum schreiben wir Ihnen das, wo wir doch beide den Kinos eine Systemrelevanz für die Filmwirtschaft attestiert haben, die schwierigen Hygienebedingungen für die Kinos beklagen und auch die Hilfe der großen Kinos fordern? Der Hauptgrund liegt darin, dass die Constantin eine Handvoll hoch attraktiver deutscher Filme hat, die den Kinos hierzulande mehr denn je helfen würden. Ja, die Zeit ist schwierig und ja, es gibt noch Hygienebeschränkungen. Doch diese Situation kann auch geeignet sein, mit den richtigen Filmen und mit einer fast wettbewerbslosen Auswertung Ergebnisse zu erzielen, deren Risiko, weit unter den Erwartungen zu bleiben, uns deutlich geringer erscheint als die Chancen, am oberen Ende des Ergebniskorridors zu landen. Doch nicht nur das: jetzt in dieser Situation den Kinos beherzt die dringend benötigte Ware anzubieten, würde Ihnen nicht nur den Orden für die Rettung des Kinos sichern. Es würde auch Ihre Produktionen davor bewahren, erst im Spätherbst mit dem dann eintretenden Sperrfeuer der internationalen Großproduktionen in einem bereits reduzierten Kinoangebot die angemessene Kapazität zu finden.

Lieber Martin Moszkowicz, lassen Sie „Kaiserschmarrndrama“ auf dem August-Termin, bringen Sie „Ostwind“ möglichst zeitnah und lassen Sie „Contra“ auf dem 3. Oktober oder ziehen ihn sogar noch nach vorne. Auch einige der anderen Produktionen dürften sich in den nächsten drei Monaten besser entfalten als später. Ich bin sicher, dass der deutsche Kinopark sehr schnell wieder alle Säle öffnen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln des Marketings auch eine kurzfristige Herausbringung unterstützen würde.

Bernd Eichinger hat oft durch seinen Mut Großes für die Branche getan und mit vielen seiner Filme den Glauben an das Kino bestätigt. Ohne ihn wäre der deutsche Film und das deutsche Kino nicht das, was es heute ist. Bleiben Sie dieser Tradition treu, glauben Sie an Ihre Filme und an das Kino! Ich bin sicher, dass Sie es nicht bereuen und die Kinos es Ihnen danken werden.

Herzliche Grüße

Stellvertretend für die Cineplex Gesellschafter, Kim Ludolf Koch

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