„Es besteht ein erheblicher Förderbedarf, um die Kinos zu retten“

von am 06.07.2020 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Filmwirtschaft, Kreativwirtschaft, Kulturpolitik, Medienförderung, Medienwirtschaft

„Es besteht ein erheblicher Förderbedarf, um die Kinos zu retten“
Kim Ludolf Koch, Geschäftsführer Cineplex

Für die Kinos können Lockdown und zusätzliche Kosten zu einem Minus von 250 Millionen Euro führen

06.07.2020. Interview mit Kim Ludolf Koch, Geschäftsführer Cineplex

Kurz bevor der Kinobetrieb in allen Bundesländern wieder angeworfen werden kann, hat Deutschlands besucherstärkste Kinomarke Cineplex eine Kundenbefragung durchgeführt. 90 Prozent der Befragten wollen ihr Besuchsverhalten beibehalten oder vielleicht sogar leicht steigern. Kino ist ein sicherer Ort, da sind sich weit über 90 Prozent der Befragten einig. Die Gesellschafter von Cineplex-Deutschland betreiben in 13 von 16 Bundesländern ihre Kinos. Wie Kim Ludolf Koch gegenüber medienpolitik.net betont, „werde ein vollständiger und alle Kinos umfassender Spielbetrieb in Deutschland und damit auch bei Cineplex vermutlich erst Anfang August stattfinden. Und das natürlich auch nur, wenn Filme da sind und auch weitere Lockerungen in den Hygieneregeln vorgenommen werden.“ Nach Ansicht des Cineplex-Geschäftsführers können pandemiebedingte Zusatzkosten und ein monatelanger unterdurchschnittlicher Besuchsverlauf zu einem branchenweiten Minus von 250 Millionen Euro führen. Koch fordert, dass alle Kino-Betriebsformen Förderung beantragen können, „ansonsten werden viele Unternehmen in die Insolvenz gehen, und die, die überleben, werden über Jahre hinweg keine Mittel für Sanierungen, Erweiterungen und Modernisierungen haben.“

medienpolitik.net: Herr Koch, werden im Juli wieder alle Kinos der Cineplex-Gruppe geöffnet haben?

Koch: Die aktuelle Situation gleicht einem Wechselbad. Noch in der letzten Juni-Woche ging die gesamte Branche von einem vollständigen Spielbetrieb spätestens ab 9. Juli aus. Mit der Verschiebung der beiden wichtigen großen Filme „Tenet“ und „Mulan“ hat sich die Situation noch einmal deutlich geändert. Viele, die noch nicht geöffnet haben, verlängern die Schließungsperiode, andere ziehen eine erneute Schließung in Betracht und eine ganze Reihe von Filmtheatern beschränken sich auf wenige Wochentage und Spielzeiten, um zumindest im Personalbereich Einsparungen zu realisieren. Da nunmehr die oben genannten Filme/Ende erst Mitte August kommen, weitere Filme wie „Spongebob“, der für Anfang August geplant war, komplett auf einen Kinostart verzichtet, wird ein vollständiger und alle Kinos umfassender Spielbetrieb in Deutschland und damit auch bei Cineplex vermutlich erst Anfang August stattfinden. Und das natürlich auch nur, wenn Filme da sind und auch weitere Lockerungen in den Hygieneregeln vorgenommen werden.

medienpolitik.net: Eine Befragung unter Ihren potenziellen Besuchern hat ergeben, dass über 90 Prozent ihr Besuchsverhalten beibehalten oder vielleicht sogar leicht steigern wollen. Wie halten Sie Kontakt zu diesem Kundenkreis?

Koch: Grundsätzlich sind Kinokunden relativ treue Kunden. Wir merken das an der Resonanz unserer Besucher, wenn wir mit Ihnen Kontakt aufnehmen. Viele Cineplex Kinos haben ein Autokino betrieben, einen Popcorn-Lieferservice etabliert, Geistervorstellungen und Gutscheine verkauft und das alles natürlich mit einer digitalen Kommunikation begleitet. Wir als Gruppe haben eher zufällig mit Beginn der Kinoschließung unseren eigenen Streaming Service, Cineplex Home, etabliert. Wir bieten zwar letztlich das gleiche filmische Angebot wie andere Services auch, aber wir verknüpfen es mit unserer filmischen Expertise und kuratieren von Woche zu Woche eine spezielle Auswahl. Auch dieses Angebot wird an 400.000 Newsletter Abonnenten pro Woche geschickt und beworben. Schließlich kommunizieren alle lokalen Cineplex Standorte sehr intensiv über Facebook und Instagram, aber auch Twitter und TikTok mit ihren Kunden. Dabei hilft auch die Kampagne „Das Kino“, die mit einfallsreichen Ideen über den Mangel an Filmen und Trailern hinwegtröstet. Die Idee zu der Umfrage lag auf der Hand, als es die Anzeichen für einen Spielbeginn gab. Wir waren allerdings selbst überrascht, dass innerhalb von wenigen Tagen fast 12.000 unserer Kunden die Fragen beantwortet haben. Nicht nur die Ergebnisse haben uns erfreut, sondern auch die große Resonanz, die den Stellenwert von Film und Kino für unsere Kunden eindrucksvoll dokumentiert.

medienpolitik.net: Waren die Autokinos, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, eine wirtschaftliche Hilfe für die Kinos?

Koch: Sollten die Kinos von Filmtheaterunternehmen betrieben worden, war dies im Regelfall eine kleine wirtschaftliche Unterstützung. Denn statt einem Totalausfall an Umsatz konnten bei einem funktionierenden Standort durchaus positive Deckungsbeiträge realisiert werden. Besonders interessant war die positive Resonanz der Kunden, die keineswegs ausschließlich aus klassischen Kinogängern bestand, sondern im Gegenteil vielfach Personen waren, die länger nicht im Kino waren und nostalgische Gefühle entwickelten. Dies erklärt auch die gute Resonanz auf die Filme, die zum großen Teil parallel schon gestreamt werden konnten. Allerdings darf man auch die Kosten eines vernünftigen Autokinos nicht unterschätzen. Gerade der Mangel an technischem Equipment hat die Preise in die Höhe getrieben und auch der Personalaufwand darf nicht unterschätzt werden. Dennoch: Als isoliertes Profitcenter hat es sich vielfach gelohnt, im Zusammenhang mit der eigentlichen Unternehmung hat es lediglich die Verluste etwas gemildert.

medienpolitik.net: Wie stark können die Cineplex-Kinos gegenwärtig maximal ausgelastet werden?

Koch: Kaum eine Frage treibt aktuell die Kinos und damit auch die Filmverleiher so um wie die Hygienerichtlinien. In fast allen Bundesländern gilt noch die Abstandsregelung von 1,5 m zwischen den Kunden eine Buchung, zum Teil auch ein Flächenbedarf von 5 m² pro Gast. Nach den üblichen Bauformen von Kinos führt dieser Flächenbedarf und der Mindestabstand dazu, dass bei einer Buchung von zwei Sitzplätzen die vier Sitze dahinter und davor sowie jeweils 2-3 Plätze an beiden Seiten automatisch blockiert werden müssen. Für zwei Sitzplätzen müssen weitere 14 Plätze blockiert werden. Gleichzeitig sind die Flächen pro Besucher und personelle Obergrenze in gut klimatisierten und meist mit reiner Frischluft belüfteten Sälen zu restriktiv dimensioniert. Es dürfte naheliegend sein, dass solche Einschränkungen zwangsläufig zu defizitärem Betrieb führen, denn in der Kombination werden maximale Auslastungen von nur 20 Prozent erreicht. Auch darin liegen auch die Gründe für eine sehr zögerliche Öffnung der Kinos. Mittlerweile reagieren auch die Filmverleiher auf solche Abstandsregeln dahingehend, dass sie wichtige Filme, die bis vor kurzem noch für die Sommermonate geplant waren („Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani oder „Tenet“ von Christopher Nolan, herausgebracht von Warner Brothers) bereits nach hinten geschoben wurden. Gleiches gilt für Constantin, die den bayerischen Erfolgshit „Kaiserschmarrndrama“ mit Hinweis auf die Kapazitätsgrenzen um mehrere Monate verschoben hat. Das Land Nordrhein-Westfalen hat auf Drängen der Unternehmen und Verbände den Mindestabstand für Kinos zurückgenommen, wenn die Adressen der Kunden erfasst werden. Dies stellen die Kinos durch ihr Online-Ticketing oder aber auch den Kartenkauf am Point of Sale sicher. Weiterhin hat sich der Hauptverband Deutscher Filmtheater und damit auch die Betreiber der Cineplex Gruppe auf eine Selbstbeschränkung geeinigt, zwischen den einzelnen Buchungen mindestens einen Platz frei zu lassen. Gerade im Vergleich zu Flugzeugen, ÖPNV und anderen Veranstaltungen in der Öffentlichkeit werden die Kinos mit besonders strengen Auflagen deutlich benachteiligt, obgleich die Kinos mit kontinuierlichem Luftaustausch und keiner vis-a-vis-Kommunikation einer der sichersten Orte in der Öffentlichkeit sind – und in jedem Fall sicherer als die Gastronomie, der Handel und Verkehrsmittel. Da darüber hinaus im Kino auch nicht gesprochen wird, ist die Gefahr der Superspreader nicht gegeben, denn: Aerosole verbreiten sich nicht beim Schweigen. Es ist dringend erforderlich, Regelungen mit Augenmaß zu erlassen, da sonst nicht nur kein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist, sondern das Fehlen publikumsattraktiver Filme den dringend erforderlichen Neustart des Kinogeschäfts über die Belastungsgrenze hinaus nach hinten schiebt.

„Es ist erforderlich, Regelungen mit Augenmaß zu erlassen, da sonst nicht nur kein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist, sondern das Fehlen publikumsattraktiver Filme den dringend erforderlichen Neustart des Kinogeschäfts nach hinten schiebt.“

medienpolitik.net: Also sind die Kinos relativ sicher…

Koch: Die Sicherheit in unseren Kinos kann durchaus als hoch beschrieben werden. Wir haben gemeinsam mit den Verbänden ein Hygienekonzept entwickelt, welches auf Kontaktvermeidung, Abstand und Desinfektion setzt. Der Kunde bucht idealerweise sein Ticket online und der Verkauf von Getränken und Süßwaren ist mit dem gleichen Risiko behaftet wie der Einkauf in einer Bäckerei. Die Mitarbeiter haben Masken und Handschuhe an und die Thekenplätze sind mit Plexiglasscheiben ausgestattet. In allen Kinos gibt es Desinfektionsspender und auch die Kinos selbst werden in erhöhtem Maße eine Reinigung unterzogen. Da die Kinos der Versammlungsstättenverordnungen unterliegen, sind besonders strenge Auflagen an Lüftungen und Klimaanlagen gestellt. Pro Besucher und Kunde werden pro Stunde 30 m³ Luft mit Außenluft ausgetauscht. Im Saal sitzen die Gäste mit Abstand zu anderen Besuchern, sprechen nicht und schauen alle in die gleiche Richtung, sodass Superspreader kaum eine Chance haben. Durch gestaffelte Eintrittszeiten und Nutzung der Notausgänge begegnen sich die Gäste nur im Ausnahmefall.

Medienpolitik.net: Welche zusätzlichen Kosten entstehen durch die Hygienemaßnahmen?

Koch: Die Rechnung wird man noch gar nicht genau aufmachen können. Desinfektionsmittelspender, das dazugehörige Mittel, Bodenaufkleber, Absperrbänder zur Besucherführung, Plexiglasscheiben an den Theken, gegebenenfalls Trennscheiben zwischen den Sitzen oder Markierungen für blockierte Sitze sind alles eher kleinere Investitionen, die sich dennoch summieren können. Der weitaus größere Anteil entfällt auf die Anpassung der Software für die Erfassung von Kundendaten, immer wieder Änderungen in den sogenannten Seating Rules, die sowohl im Webseiteninterface als auch im Kassenprogramm angepasst werden müssen und vor allem den deutlich erhöhten Personalaufwand für Reinigung, Besucherführung o. ä.

medienpolitik.net: Werden Sie die Eintrittspreise erhöhen, so wie die Obst- und Gemüseproduzenten ihre höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben?

Koch: Ich bin der Überzeugung, dass ein Großteil der Kinobesucher Verständnis dafür aufbringt, wenn beispielsweise die Mehrwertsteuerreduktion nicht an die Kunden weitergegeben wird. Auch leichte Preiserhöhungen sind nicht auszuschließen, aber im Großen und Ganzen wird sich an der Preisstruktur nichts ändern.

medienpolitik.net: Die Kulturstaatsministerin hat ein Hilfspaket für die Filmwirtschaft von 120 Mio. Euro verkündet dazu kommen die 17 Millionen für das Kino-Zukunftsprogramm sowie regionale Wirtschaftshilfen. Reicht das aus Ihrer Sicht aus, um ein befürchtetes Kinosterben zu verhindern?

Koch: Noch im März – also unmittelbar nach der Schließung – hat der HDF eine wirtschaftliche Stellungnahme erarbeiten lassen, um in einem sehr frühen Stadium belastbare Zahlen zu den Folgen der Pandemie zu erhalten. Ich war an der Entwicklung dieser Stellungnahme im Auftrag des HDF eng eingebunden. Die Untersuchung kam zu Einschätzung, dass die Kinos bis Ende Juni weitestgehend geschlossen sind und sich dann eine drei bis viermonatige Rampup-Phase anschließt und wir ab Oktober wieder auf der Höhe des Normalbesuchs sind. Bezogen auf den Durchschnitt der drei letzten Jahre (115 Millionen Besucher) wurde mit einem Verlust von 40 Millionen Besuchern kalkuliert (-35 %). Von vielen wurde dieses Szenario als zu pessimistisch, zumindest aber als Worst Case angesehen. Mittlerweile sehen wir, dass der erste Teil der Prognose praktisch genau eingetreten ist. Dass die Phase zwei sich wahrscheinlich länger und mit einem wesentlich flacheren Verlauf hinzieht führt dazu, dass mittlerweile kaum ein Brancheninsider von einem Besuch über 60 Millionen ausgeht, manche sehen sogar nur 50 Millionen, was einem Rückgang von deutlich mehr als die Hälfte entspricht. Neben der Besuchsprognose wurde auch ein Blick auf die Kosten- und Erlössituation der Kinos in einem normalen Jahr und im Vergleich dazu im Corona-Jahr geworfen. Im Ergebnis kam die Untersuchung dazu, dass bereits nach Berücksichtigung zahlreicher Einsparungspotenziale immer noch ein Fixkostenanteil pro Besucher von 4,62 Euro entsteht. Üblicherweise liegt der Betrag beim Normalbetrieb des Kinos bei rund. 6,80 Euro. Es lässt sich schnell ausrechnen, dass pandemiebedingte Zusatzkosten und ein monatelanger unterdurchschnittlicher Besuchsverlauf zu einem branchenweiten Minus von 250 Millionen Euro führen können. Wenn man weiterhin bedenkt, dass die Jahre 2018 und 2019 zu den beiden schlechtesten Jahren seit der Wiedervereinigung gehörten, dann wird man dem Schluss kommen, dass ein erheblicher Förderbedarf besteht, um die Kinos aus dieser Krise zu retten. Da sind die bisher bereitgestellten Mittel, die zum großen Teil auch den Programmkinos vorbehalten sind, sind zu gering. Der HDF hat immer wieder auf die besucherbezogene Fixkostenerstattung hingewiesen, wie sie beispielsweise auch in Schweden angewendet wurde. Dort wurde jeder fehlende Besucher im Vergleich zum Vorjahr mit 2,70 Euro ausgeglichen. Das Bundesland Bayern hat nun auch eine an dieser Mechanik angelehnte Förderung etabliert, wobei hier besonders lobens- und erwähnenswert ist, dass hierbei alle Betriebs- und Unternehmenstypen antragsberechtigt sind. Diesem Vorbild müssten weitere Länder und letztlich auch der Bund mit Fördermaßnahmen folgen, will man die Kinobranche erhalten. Ansonsten werden viele Unternehmen in die Insolvenz gehen, und die, die überleben, werden über Jahre hinweg keine Mittel für Sanierungen, Erweiterungen und Modernisierungen haben.

„Die bisher bereitgestellten Mittel, die zum großen Teil auch den Programmkinos vorbehalten sind, sind zu gering.“

medienpolitik.net: Sie sprachen die Probleme bereits an, dass zum Restart der Kinos nicht ausreichend attraktive Filme zur Verfügung stehen…

Koch: Es kommt ein bisschen darauf an, welches Datum mit dem Restart verbunden ist. Wenn es der Tag ist, an dem die Kinos aller Bundesländer öffnen dürfen (2. Juli), muss man eindeutig sagen nein. Für viele Kinos, die schon seit mehreren Wochen geöffnet haben, gilt es natürlich noch viel weniger. Die Kinos haben sich darauf eingestellt, dass die ersten Wochen schwierig bis ruinös werden. Aber man braucht diese Zeit, um die neuen Prozesse einzuüben, und die Besucher auch ein bisschen einzustimmen. Ich möchte ausdrücklich den Verleihern danken, die trotz der Schwierigkeiten ihre Filme früh ins Kino bringen. Dennoch sind es vor allem die großen Filme, die nach dieser langen Durststrecke erforderlich sind und die lassen leider noch auf sich warten.

medienpolitik.net: Wird es im Juli eine massive Marketingkampagne für Kinos geben, damit man deutschlandweit merkt, dass die Kinos wieder geöffnet sind?

Koch: Ich kann und möchte im Moment noch nicht zu viel verraten, weil die Gespräche zwischen Verleih und Kino für eine solche Kampagne aktuell noch laufen. Sicher kann man sagen, dass sie weder im Juli noch im August beginnt, was auch ein entsprechendes Licht auf die Geschäftserwartungen der nächsten 2-3 Monate wirft. Aber eine Kampagne, die wirklich etwas bewegen will, muss gründlich vorbereitet und vor allem auch finanziert werden. Denn in der Tat bedarf es eines Big Bangs in Verbindung mit großen und attraktiven Filmen. Insofern bestehen die aktuellen Marketingbemühungen aus den üblichen Maßnahmen, die Verleih und Kino zur Unterstützung ihrer Produkte vornehmen.

medienpolitik.net: Zahlreiche Produktionen wurden unterbrochen oder verschoben. Gibt es im nächsten Jahr weniger Kinopremieren?

Koch: Wenn die Filme, die aufgrund der Kinoschließungen bereits ins nächste Jahr verschoben wurden (z.B: „Minions 3“, „Fast&Furious“, „Kaiserschmarrndrama“) dann auch wirklich den Kinos zur Verfügung stehen, dann könnte bei intelligenter Disposition das Produktionsloch gut kaschiert werden.

medienpolitik.net: US-Studios haben während der Corona-Epidemie neue Filme auf Internetplattformen gestartet und wollen das ausbauen. Werden unseren Kinos mittelfristig die amerikanischen Blockbuster fehlen?

Koch: Ich bin relativ sicher, dass für die großen Produktionen nach wie vor das Kino eine besondere Bedeutung hat und natürlich auch die Pole Position in der Auswertungskaskade besetzt. Gleichzeitig fürchte ich, dass die Sitten rauer werden. Mehrere Verleiher haben bereits angekündigt, dass sie über die aktuell gültigen Vereinbarungen zum Fenster dringenden Gesprächsbedarf sehen. Und ob es nun eigene Plattformen sind oder nicht, diese Form der Auswertung ist immer noch ein Wachstumsmarkt und somit für die Auswertung verlockend. Dennoch gibt es viele, die die zentrale Rolle des Kinos für die Zweitauswertung erkennen und mit Einhaltung der Spielregeln das Ökosystem des Kinos schützen. Für die Gesellschafter der Cineplex Gruppe ist jedenfalls klar, dass die Anmietung nur nach den geltenden Vereinbarungen zum Fenster erfolgen kann.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         

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