Kinder sind Medienprofis

von am 30.07.2020 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Digitale Medien, Gesellschaftspolitik, Kommunikationswissenschaft, Medienkompetenz, Studie, Verlage

Kinder sind Medienprofis

30.07.2020. Kinder Medien Monitor 2020 – Lesen hat einen hohen Stellenwert bei der Freizeitgestaltung

Mädchen und Jungen zwischen vier und 13 Jahren mögen es klassisch. Sie schätzen Zeitschriften und nutzen mindestens mehrmals pro Woche das laufende Fernseh- und Radioprogramm. Das ist ein Ergebnis des Kinder Medien Monitor 2020 , einer neuen Markt-Media-Studie, mit der die Verlage Egmont Ehapa Media GmbH, Gruner + Jahr, Panini Verlags GmbH, SPIEGEL-Verlag und ZEIT Verlag ihr Engagement für die Erforschung der Mediennutzung von Kindern – über alle Kanäle hinweg – fortsetzen. Die Untersuchung repräsentiert 7,38 Mio. Kinder in Deutschland im Alter von vier bis 13 Jahren. Der Kinder Medien Monitor 2020  bietet außerdem Einblicke in das Kommunikationsverhalten und Markenbewusstsein der Kinder und beleuchtet die Medienakzeptanz der Eltern.

Die Schlüsselergebnisse der Untersuchung:

Kinder sind echte Medientypen: Der Kinder Medien Monitor 2020 ermöglicht tiefe Einblicke in das Mediennutzungs- und Kommunikationsverhalten der Sechs- bis 13-Jährigen und zeigt: Vier Gruppen grenzen sich klar voneinander ab: Die Multis (19 Prozent) – multimedial und kommunikativ. Die Klassischen (45 Prozent) – linear und haptisch. Die Zurückhaltenden (22 Prozent) – reduziert in Medienkonsum und Kommunikation. Die Streamer (14 Prozent) – Streaming und digital first.

Kinder sind Medienprofis: Lesen, Hören, Sehen ist Bestandteil ihrer DNA. Dabei konsumieren sie das Medienangebot bevorzugt auf klassischen Wegen: Sie nutzen mindestens mehrmals pro Woche das laufende Fernseh- und Radioprogramm und lesen am liebsten von Papier.

Lesen hat einen hohen Stellenwert bei der Freizeitgestaltung der vier- bis 13-jährigen Mädchen und Jungen: 77 Prozent lesen mindestens mehrmals pro Woche Bücher, Zeitschriften, Magazine, Comics, E-Books oder E-Magazines. 4,4 Millionen lesen mindestens eine der ausgewiesenen Zeitschriften.

Print genießt auch bei den Eltern das größte Vertrauen. Sie sehen hier den höchsten Nutzen für ihre Kinder. Lernen, motivieren, aktivieren – Eltern stellen Zeitschriften ein durchweg positives Zeugnis aus. Und: Eltern lesen mit. Die ausgewiesenen Zeitschriften erreichen mindestens auch 5,6 Millionen Elternteile. Kinder sind markenbewusst: 60 Prozent der vier- bis 13-jährigen Mädchen und Jungen ist Marke wichtig bei Kleidung oder Schuhen und 45 Prozent beim Handy oder Smartphone. Viele Markenwünsche der Kinder werden von den Eltern erfüllt.

Kinder sind Medientypen

Wie gehen Kinder im Jahr 2020 mit Medien um? Das Angebot an Medien und Zugängen ist riesig – Wie nutzen Kinder diese Vielfalt? Wie kommunizieren sie? Welchen Stellenwert haben analoge und digitale Angebote im Medienkosmos? Und vor allem: Machen es alle gleich? Wir haben die Antworten. Die Multis, die Klassischen, die Zurückhaltenden und die Streamer – der Kinder Medien Monitor 2020  erlaubt einen Deep Dive und ermittelt über das Mediennutzungs- und Kommunikationsverhalten vier Mediennutzungstypen mit speziellen Ausprägungen. Die Mediennutzungs-Typologie hilft, sich ein klares Bild von den verschiedenen Kinderzielgruppen zu machen, sie besser zu verstehen und die Markenkommunikation entlang der Typenprofile auszurichten.

  • Mit 19 Prozent bilden die Multis die drittgrößte Gruppe der Mediennutzungs-Typen. Sie sind ständig auf sämtlichen Medienplattformen und -kanälen unterwegs und kommunizieren überdurchschnittlich stark über alle verfügbaren Kommunikationskanäle und -Apps. Ebenso stark ausgeprägt wie ihre Liebe zu Medien ist ihr Markenbewusstsein. Besonders wichtig ist Ihnen die Marke, wenn es um ihre Verbindung zur Welt und ihr äußeres Erscheinungsbild geht: Handy, Kleidung und Sneaker stehen ganz oben auf ihrer „Markenwunschliste“. Mit einem Durchschnittsalter von zehn Jahren repräsentieren die Multis eher die etwas älteren Kinder. Sie kommen aus gut situierten und gebildeten Haushalten mit überdurchschnittlicher Akzeptanz für Medien jeder Art.
  • Die Klassischen sind mit 45 Prozent die mit Abstand größte Gruppe der Mediennutzungs-Typen. Als Fans der linearen Welt spiegeln sie das zentrale Mediennutzungsverhalten wider und repräsentieren Kinder in jedem Alter und aus allen Haushalten. Ihr Fokus beim Medienkonsum liegt ganz klar auf dem laufenden Fernseh- und Radioprogramm, gelesen wird fast ausschließlich von Papier. Auch in der Kommunikation sind sie eher klassisch unterwegs. Sie reden und telefonieren gern und halten als einzige Gruppe Brief und Postkarte die Treue. Natürlich nutzen sie auch digitale Kanäle und Apps, um mit ihren Freunden zu kommunizieren, allerdings weit unterdurchschnittlich. Die Klassischen sind überdurchschnittlich markenbewusst, wenn es nicht gerade um ein Smartphone oder eine Spielekonsole geht.
  • Mit 22 Prozent bilden die Zurückhaltenden die zweitgrößte und gleichzeitig die jüngste Gruppe der Mediennutzungs-Typen mit einem Durchschnittsalter von knapp neun Jahren. Lineares TV und Zeitschriften sind in dieser Gruppe die Medien der Wahl, insgesamt sind die Mediennutzung und das Kommunikationsverhalten über alle Kanäle hinweg allerdings weit unterdurchschnittlich. Ihre Zurückhaltung setzt sich fort im ebenfalls weit unterdurchschnittlichen Markenbewusstsein und der vergleichsweise geringen Medienakzeptanz ihrer Eltern, bei denen Zeitschriften mit Abstand am besten abschneiden. Die Zurückhaltenden kommen aus Haushalten mit eher unterdurchschnittlichem Bildungsniveau und Einkommen.
  • Die Streamer machen mit 14 Prozent die kleinste Gruppe der Mediennutzungs-Typen aus. Gleichzeitig bilden sie mit einem Durchschnittsalter von 11 Jahren die älteste Zielgruppe und sind in allen Bildungsschichten zuhause. Die Streamer sehen zwar wie alle Kinder auch das laufende Fernsehprogramm, ansonsten spielt sich ihr Leben aber in Streaming- und Videodiensten ab. Lesen nimmt eine untergeordnete Rolle ein. Ihre Leidenschaft für die digitale Welt spiegelt sich ganz deutlich auch in ihrem Kommunikationsverhalten wider. Wie kein Typ sonst nutzen die Streamer alle möglichen digitalen Kommunikationskanäle und -Apps. Eine Leidenschaft, die auch die Eltern teilen: Sie schenken dem Internet vergleichsweise viel Vertrauen und erfüllen ihren Kindern überdurchschnittlich deren Markenwünsche bei Handys und Spielekonsolen.

Kinder sind Medienprofis

Lesen, Hören, Sehen ist Bestandteil ihrer DNA. Dabei bietet ihnen insbesondere die digitale Welt vielfältige Möglichkeiten, Inhalte zu konsumieren. Interessanterweise entscheiden sich die Vier- bis 13-Jährigen mit Ausnahme der Streamer meist für klassische Wege – sie wollen Medien live und zum Anfassen: 88 Prozent der Kinder schauen Filme, Serien oder Fernsehsendungen, wenn sie gerade im Fernsehen laufen. Das Interesse an kostenlosen Videodiensten wie YouTube und Streaming-Diensten wächst mit zunehmendem Alter. Speichermedien für audiovisuelle Angebote wie DVDs, Blu-rays und Festplatten spielen ebenso wie Mediatheken in jedem Alter eine eher untergeordnete Rolle. Hören ist dagegen allgegenwärtig. 66 Prozent der vier- bis 13-jährigen Mädchen und Jungen hören Musik, (Kinder-) Radiosendungen, Hörspiele oder Hörbücher, wenn sie gerade im Radio laufen. Auch die CD hat einen hohen Stellenwert. Die Vielfalt der Angebotsnutzung wächst mit zunehmendem Alter und schließt dann auch immer stärker die Nutzung von Diensten wie Spotify oder YouTube ein. Gelesen wird über alle Altersgruppen hinweg klassisch – ein ungeteiltes haptisches Vergnügen auf hohem Niveau: 73 Prozent der Vier- bis 13-Jährigen lesen mindestens mehrmals pro Woche Bücher, Zeitschriften, Magazine oder Comics von Papier. Die ausgewiesenen Magazine erreichen insgesamt 4,4 Millionen Kinder und mindestens auch 5,6 Millionen Elternteile.

Print genießt bei Eltern das höchste Vertrauen

Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Wertevermittlung: Von den Eltern bekommen Zeitschriften Bestnoten. Sie geben dem gedruckten Wort den Vorrang im Vergleich zu Radio, TV oder Internet: So halten 73 Prozent der befragten Mütter und Väter das Lesen von Magazinen für eine sinnvolle Beschäftigung für ihre Kinder. 84 Prozent meinen, ihre Kinder können dabei etwas lernen. 74 Prozent schätzen an Zeitschriften, dass sie die Fantasie und Kreativität ihrer Kinder anregen. Gern begleiten Eltern ihre Kinder bei der Zeitschriftenlektüre, und zwar längst nicht nur die Jüngsten: Die jeweils von den Kindern gelesenen Zeitschriften werden im Schnitt von 94 Prozent der Eltern der Vier- bis Fünfjährigen mitgelesen. Bei den Sechs- bis Neunjährigen liegt der Anteil mitlesender Eltern im Schnitt bei 74 Prozent und selbst bei den Zehn- bis 13-Jährigen im Schnitt noch bei 65 Prozent.

Federführend realisiert wurde die Analyse vom Bremer Marktforschungsunternehmen IMMEDIATE.

https://www.kinder-medien-monitor.de/wp-content/uploads/2020/07/KINDER_MEDIEN_MONITOR_2020_Ergebnispr%C3%A4sentation-1.pdf

Print article